Rabbi Sacks: Moralische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

An Rosh Hashanah [1], Yom Kippur [2] und den Tagen dazwischen stellen wir eine der kraftvollsten, doch unmodernsten Überzeugungen des Judentums dar: Unser Leben hat individuell und kollektiv eine moralische Dimension.

Wir können die meiste Zeit des Jahres so leben, als ob es auf Erfolg oder Ruhm, Macht oder Reichtum ankäme. Aber an diesen heiligen Tagen kommen wir in der Synagoge zusammen, um vor G’tt zu stehen und zwei ganz und gar unumstößliche Wahrheiten anzuerkennen: Wir sind das Gut, das wir in der Welt tun, und wir sind verantwortlich für das Böse, das wir getan haben, oder für das Gute, das wir zu tun versäumt haben.

Dieses Jahr hatte ich, mit freundlicher Genehmigung der BBC, eine einmalige Chance, diese Überzeugungen mit einigen der besten Köpfe der Welt zu diskutieren. Im Rahmen einer Reihe von Programmen zu moralischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts traf ich führende Philosophen, Denker, Innovatoren und Philanthropen sowie Oberstufenschüler aus dem ganzen Land. Was sie zu sagen hatten, war kraftvoll, wichtig und notwendig.

Die These, die ich testen wollte, lautete: Seit 50 Jahren betreibt der Westen ein verhängnisvolles Experiment, dass wir ohne einen gemeinsamen Moralkodex auskommen können. Worte, die uns einst gelenkt haben – wie „richtig“, „falsch“, „müsste“, „sollte“, „Pflicht“, „Verantwortung“, „Loyalität“, „Tugend“, „Ehre“ – haben jetzt eine antiquierte Ausstrahlung, als ob sie aus einer längst vergangenen Zeit stammten.

Stattdessen haben wir die Moral auf den Markt und den Staat ausgelagert. Der Markt gibt uns die Wahlmöglichkeiten; der Staat befasst sich mit den Konsequenzen; aber keiner von beiden entscheidet darüber. Solange wir anderen nicht direkt schaden, können wir tun, was wir wollen.

Dies wurde damals als eine große Befreiung erlebt. Wir waren freier denn je, das zu sein, was immer wir sein wollten. Aber wir können jetzt die Kosten in zerrütteten Familien, den Verlust der Gemeinschaft, einen Anstieg der Depressionen, Selbstmorde und Einsamkeit von Jugendlichen, einen Verlust des Vertrauens in große Konzerne und Regierungen, den neuen Tribalismus der Identitätspolitik und die Bissigkeit, die für die Kommunikation im Internet gilt, zählen. Eine gemeinsame Moral verbindet uns. Wenn man sie von ihr löst, sind die Menschen verwundbar und allein.

Jeder, der mit der hebräischen Bibel vertraut ist, hätte dies vorhersagen können. Es ist die Geschichte, die von den Propheten immer wieder erzählt wird. Wir hören es in Elia, Elisa, Amos, Hosea, Jesaja und Jeremia. Ohne ein tief verinnerlichtes Gefühl der kollektiven Verantwortung für das Gemeinwohl beginnt die Gesellschaft zu zerbrechen und zu zersplittern. Wir bewegen uns von einer Welt des „Wir“ zu einer des „Ich“: das private Streben nach persönlichen Bedürfnissen.

Darauf zurückzuführen sind – zeitgemäß ausgedrückt – unverantwortliche Banken, gierige Konzerne, ausbeuterische Politik, sexuelle Belästigung und vernachlässigte Kinder. Es gibt nichts in unserer natürlichen Beschaffenheit, was dafür sorgt, dass die Reichen sich um die Armen kümmern oder die Mächtigen um die Machtlosen.

Deshalb brauchen wir Moral: uns gegenseitig dabei behilflich sein, gemeinsam für das Wohl aller zu sorgen, nicht nur für jeden von uns allein.

Die Propheten sagten, dass das Endergebnis einer solchen Gesellschaft Niederlage und Verzweiflung sein würde. Nun, wir haben keine Propheten mehr. Aber hören Sie sich diese Liste von Titeln der kürzlich erschienenen Bücher in Großbritannien und den Vereinigten Staaten an: „How Democracy Ends?“ [Wie Demokratie endet]; „The Death of Democracy“ [Der Tod der Demokratie]; „Can Democracy Survive Global Capitalism?“ [Kann die Demokratie den globalen Kapitalismus überleben?]; „Why Liberalism Failed“ [Warum der Liberalismus gescheitert ist]; „The Retreat of Western Liberalism“ [Der Rückzug des westlichen Liberalismus]; „The Strange Death of Europe“ [Der seltsame Tod Europas] und „The Suicide of the West“ [Der Selbstmord des Westens]. Dies sind endlose Variationen und säkulare Aktualisierungen der Warnungen der hebräischen Propheten.

Praktisch alle von mir interviewten Menschen hatten eine starke moralische Botschaft. Der kanadische Psychologe Jordan Peterson sprach über die Bedeutung, die persönliche Verantwortung zu akzeptieren und über die Gefahr, sich selbst als Opfer zu sehen. Jonathan Haidt, der amerikanische Sozialpsychologe, sprach darüber, wie die Politik der Opferrolle die Redefreiheit auf den Universitätsgeländen bedroht. Der Harvard-Soziologe Robert Putnam diskutierte darüber, wie der Zusammenbruch von Familien und Gemeinschaften mindestens den dritten Teil Amerikas der sozialen Mobilität beraubt.

Die britische Ökonomin Noreena Hertz plädierte für einen moralischeren Umgang mit dem Kapitalismus. Jean Twenge, die weltweit führende Expertin für die Auswirkungen der sozialen Medien, war erschreckend, als sie den Anstieg der Depression bei den Teenagern von heute aufzeigte. Der Kolumnist der New York Times, David Brooks, sprach eloquent darüber, wie wir uns zu sehr auf die „Resümee-Tugenden“ konzentriert haben, auf die Fähigkeiten, die wir für unseren beruflichen Erfolg benötigen, und zu wenig auf die „Laudatio-Tugenden“, die Gewohnheiten des Charakters, die Sinn und Anmut in unser Leben bringen.

Der Harvard-Philosoph Michael Sandel erinnerte uns daran, dass Politik eine unausweichliche moralische Dimension hat. Der Neurowissenschaftler Steven Pinker forderte uns auf, den Tatsachen und nicht den Gefühlen zu folgen. Mustafa Suleyman von DeepMind erklärte, wie wir Ethik in die Entwicklung der künstlichen Intelligenz einbauen müssen, und Nick Bostrom, der Mann, der die Welt vor den Gefahren der Superintelligenz aufmerksam machte, warnte davor, Technologien zu entwickeln, die wir nicht kontrollieren können.

Auf der anderen Seite waren Melinda Gates und Heather Templeton Dill, Leiter von zwei der weltweit führenden philanthropischen Stiftungen, inspirierend, indem sie von der Kraft sprachen, die wir alle haben, um das Leben anderer Menschen zum Positiven zu verändern. Nicht weniger eloquent sprachen die Jugendlichen über ihre moralischen Helden und Vorbilder, ihre Ängste und Hoffnungen für die Zukunft.

Das Fazit all dessen ist, dass die Gesellschaft mehr braucht als den freien Markt und den liberal demokratischen Staat. Wir müssen die moralische Verantwortung für unser eigenes Leben und für das Gemeinwohl übernehmen. Diese Wahrheit wird seit einem halben Jahrhundert in den Hintergrund gestellt, aber die Belastungen beginnen sich zu zeigen. Wir haben bereits die ersten Erschütterungen der Alternativen gesehen: Populismus, Identitätspolitik, die Kultur der Opferrolle und der Aufstieg der extremen Linken und der extremen Rechten – was ich die Politik des Zorns nenne.

Vor langer Zeit haben Juden Pionierarbeit für die Alternative geleistet: die Politik der Hoffnung. Hoffnung entsteht, wenn wir uns individuell und kollektiv der Gerechtigkeit, dem Mitgefühl, der Heiligkeit des Lebens und der Würde des Einzelnen widmen. Das ist es, wozu wir zu Rosh Hashanah und Jom Kippur aufgerufen sind. G’tt bittet uns nicht, perfekt zu sein. Er bittet uns, unser Bestes zu geben, um Ihn, unseren Nächsten und den Fremden zu lieben. Und wenn wir versagen, wie wir es alle auf die eine oder andere Weise tun, bittet Er uns, unser Versagen anzuerkennen und es erneut zu versuchen.

Seit Anbeginn unserer Geschichte wurde das Judentum von einer moralischen Leidenschaft gelenkt, Gottes Befehl an Abraham [entsprechend], „seine Kinder zu lehren, den Weg des Herrn zu bewahren, indem sie Recht und Gerechtigkeit tun.“ Diese Leidenschaft ist auf lange Sicht das einzige, was in der Lage ist, eine freie Gesellschaft zu erhalten. Ohne sie geht jede Supermacht in der Geschichte nach einer Zeit des Wohlstandes schließlich unter und fällt. Die jüdische Botschaft war selten relevanter als jetzt. Oder wie wir es an diesen heiligen Tagen sagen: Buße, Gebet und Nächstenliebe geben uns die Chance, neu anzufangen und das böse Dekret abzuwenden.

Originalartikel: Rabbi Lord Jonathan Sacks, Why the world needs Rosh Hashana, [Warum die Welt Rosh Hashana braucht], 7. September 2018

Übersetzung: faehrtensuche

[1] Rosh Hashana 5779 (9.09. – 11.09.2018)

[2] Yom Kippur 5779 (18./19.09.2018)

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Herr Corbyn, erweisen Sie den israelischen Opfern des Münchner Olympia-Attentats Ehre

Die britische Labour Partei ist wahrscheinlich in der Lawine der Judenfeindlichkeit versunken, aber ein wenig Anstand könnte hilfreich sein.

von Giulio Meotti

In München brachten Terroristen der PLO Moshe Weinberg um, dessen Gesicht Lebensfreude ausstrahlte.

Sie brachten Amitzur Shapira um, Vater von vier wunderbaren Kindern und Lehrer in Herzliya.

Sie brachten Yossef Romano um, einen Juden libyscher Herkunft und Vater von drei Kindern.

Sie brachten Mark Slavin um, der bei seiner Ankunft aus der Sowjetunion den Boden Israels küsste.

Sie brachten Zeev Friedman um, der in Sibirien geboren wurde und dessen Vater in ein Arbeitslager an der Weichsel deportiert wurde. Er sprach eine wunderbare Mischung aus Jiddisch und Russisch. Seine Mutter verlor alle ihre Verwandten im Vernichtungslager Treblinka.

Sie brachten Kehat Shorr um, der aus Rumänien gekommen war, wo er gegen die Nazitruppen in den Karpaten gekämpft hatte.

Sie brachten Yaacov Springer um, einer der wenigen Überlebenden des Aufstandes im Warschauer Ghetto.

Sie brachten Andrej Spitzer um, verheiratet mit einer zum Judentum konvertierten Frau, die in einem Vorort Tel Avivs lebt.

Sie brachten Eliezer Halfin um, den Sohn litauischer Juden, die alle im Holocaust verloren haben. [Mehr als 90% der litauischen Juden wurden ermordet. (Anmerkung faehrtensuche)]

Und sie brachten auch Yossef Gutfreund um, auch er hatte Rumänien verlassen, nachdem er eine mehrmonatige Haftstrafe wegen „zionistischer Propaganda“ verbüßt hatte.

Also, lassen Sie mich das besser verstehen. Wie kommt es, dass Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der Labour Partei in Großbritannien, nicht das Grab dieser 11 israelischen Helden huldigte, sondern das eines palästinensischen Terroristen, der ihnen ihr wunderbares Leben genommen hat?

Der Westen ist wieder an Antisemitismus erkrankt.

Wahrscheinlich ist die britische Labour-Partei in dieser Lawine von Judenfeindlichkeit versunken. Zu viele Aussagen gegen „die Zionisten“, zu viel Bosheit gegen die Juden, zu viele Angriffe auf Israel, zu viele Treffen mit der Hamas und der Hisbollah.

Wahrscheinlich sind die Dinge in der Partei Corbyns faul (verkommen). Aber da er die nächsten britischen Parlamentswahlen gewinnen könnte, wenn man den schlechten Zustand der Tories bedenkt, könnte es hilfreich sein, eine Wiedergutmachungsmaßnahme vorzuschlagen, die Herr Corbyn nach dieser neuen Affäre ergreifen sollte. Der britische Oppositionsführer sollte sofort nach Tel Aviv fliegen und den Gräbern der israelischen Opfer dieses Münchner Attentats einen bescheidenen Besuch abstatten.

Am Tag nach dem Massaker an den Athleten trugen alle in Deutschland anwesenden Israelis eine Kippa, um die Toten zu betrauern. Die unehrenhafte, satanische Entscheidung, [die Spiele] nicht einzustellen, war ein Beweis für den Bankrott eines jeglichen moralischen Empfindens, die „grüne Ampel“ für zukünftige Massaker.

Nach München begannen die Olympischen Spiele blutverschmierte Gold- und Silbermedaillen zu verteilen. Die Party war zu Ende, aber wir liefen weiter und liefen und liefen. Die israelischen Rabbiner kamen, um die Särge in die Flagge mit dem Davidstern zu wickeln. In dieser Nacht wurden in Frankfurt 50 jüdische Gräber zerstört.

Kein arabischer Delegierter sprach Israel sein Beileid aus. Niemand. Am Tag der Ankunft der Leichen auf dem Flughafen von Lod gab es keine Fanfare, um ihre Körper zu empfangen. Nur Schweigen und ein stolzer Schmerz. Nach dem Rezitieren des hebräischen Kaddisch an den Gräbern kehrte das Volk des Buches nach Hause zurück. Der Tag danach war das hebräische Neujahr, aber es war da kein Platz für Freude. Das neue Jahr begann mit dem kollektiven Gedanken an die Kinder der 11 Opfer: Diese Kinder waren, sie sind das „Warum?“ von Israel.

Nach dem Besuch der Gräber sollte Herr Corbyn diesen Kindern sein Beileid aussprechen. Andernfalls sollte er die schlimmstmögliche Reaktion von denen erwarten, die besorgt sind um Israel, Wahrheit und Anstand.

Originalartikel: Giulio Meotti, Mr. Corbyn, pay homage to Israel’s Munich victims, 15. August 2018

Übersetzung: faehrtensuche

Warum Israel das Nationalstaatsgesetz braucht

von Dr. Mordechai Kedar

BESA Center Perspectives Paper No. 928, August 21, 2018

ZUSAMMENFASSUNG: Vieles ist gegen das neue israelische Grundgesetz veröffentlicht worden: Israel als Nationalstaat des Jüdischen Volkes. Viele, sowohl in Israel als auch im Ausland, fragen: Warum ist das notwendig? Wie kann das mit der Demokratie vereinbar sein? Wo bleiben die Minderheiten, insbesondere die muslimischen Araber, die etwa 20% der israelischen Bevölkerung ausmachen?

Um die Notwendigkeit des neuen Nationalstaatsgesetzes zu verstehen, müssen wir die Herausforderungen für Israels Existenz im Nahen Osten verstehen. Zunächst gibt es den religiösen Aspekt. Dem Islam zufolge sind Judentum und Christentum din al-batel (Religionen der Falschheit), während nur der Islam din al-haqq (Religion der Wahrheit) ist. Das Judentum ist seit der Entstehung des Islam auf der Welt null und nichtig, so dass es keinen Grund gibt, einen jüdischen Staat zu gründen.

Darüber hinaus sollten Juden (und Christen) dem Islam zufolge unter islamischer Herrschaft als Dhimmis leben („geschützt, solange sie sich nach den Regeln des Islam verhalten“) und „kurzerhand die Jizya [Kopfsteuer] bezahlen, während sie völlig unterworfen sind“ (Koran 9:29). Daher haben Juden kein Recht auf einen Staat, eine Armee oder eine Polizei und sollten in einem Zustand dauernder Erniedrigung leben, der Gnade der Muslime ausgeliefert.

Dann gibt es den nationalen Aspekt. Die Tatsache, dass Israel der Nationalstaat des jüdischen Volkes ist, wird von allen arabischen Nachbarn Israels ohne Ausnahme abgelehnt. Betrachten wir zum Beispiel Artikel 20 der Palästinensischen Nationalen Charta, der (mit meinen kursiv gedruckten Auslegungen) lautet: „Das Mandat für Palästina und alles, was sich darauf stützt“ (internationale Entscheidungen zur Gründung eines jüdischen Staates) „gelten als null und nichtig. Behauptungen über historische oder religiöse Verbindungen von Juden mit Palästina sind unvereinbar mit den Tatsachen der Geschichte und der wahren Vorstellung davon, was Staatlichkeit bedeutet“ (es gibt keine jüdische Geschichte im Heiligen Land). „Das Judentum existiert als eine Religion und ist keine unabhängige Nationalität. Die Juden bilden auch keine einzelne Nation mit einer eigenen Identität; sie sind Bürger der Staaten, zu denen sie gehören.“ (Deshalb sollten wir Juden das Land unserer Vorfahren verlassen und nach Polen [Auschwitz], Deutschland [Dachau], Irak, Marokko … zurückkehren).

Das neue Gesetz soll so klar wie möglich machen, dass die Juden eine Nation sind. Wie es das neue Gesetz besagt: „Das Land Israel ist die historische Heimat des jüdischen Volkes, in dem der Staat Israel gegründet wurde; der Staat Israel ist die nationale Heimat des jüdischen Volkes, in der es sein natürliches, kulturelles, religiöses und historisches Recht auf Selbstbestimmung erfüllt; und das Recht, nationale Selbstbestimmung im Staat Israel auszuüben, ist einzigartig für das jüdische Volk.“

So wie Italien der Nationalstaat des italienischen Volkes und Frankreich der Nationalstaat des französischen Volkes ist, so ist Israel der Nationalstaat des jüdischen Volkes.

Dennoch gibt es israelische Juden, die aus verschiedenen Gründen das Nationalstaatsgesetz ablehnen. Der erste ist ein politischer Grund: Weil viele auf der linken Seite der politischen Landkarte Benjamin Netanjahu grundsätzlich nicht mögen, widersetzen sie sich allem, was er und seine Koalition für selbstverständlich halten.

Der wichtigere Grund liegt darin, was seit den 1990er Jahren passiert ist, als Aharon Barak Oberster Richter des Obersten Gerichtshofs war. Ab 1992 konzentrierte sich Barak darauf, die konstitutionelle Revolution (ein von ihm geprägter Ausdruck) Israels voranzutreiben und zu gestalten, indem er die Menschenrechte auf Kosten des jüdischen Charakters des Staates favorisierte und förderte. Das beste Beispiel für diese Revolution war, was mit der arabischen Al-Ard-Bewegung passierte, deren Ziel es war, Israels jüdische Natur abzuschaffen (d.h. den Staat Israel zu untergraben). 1965 versuchte Al-Ard, für die Knesset (das israelische Parlament) zu kandidieren, wurde aber vom Obersten Gerichtshof abgelehnt. Einunddreißig Jahre später, im Jahr 1996, erlaubte der Oberste Gerichtshof unter Barak der Balad-Partei [1], für die Knesset zu kandidieren, obwohl sie eine ähnliche Plattform hatte (und immer noch hat) wie die Al-Ard in den 1960er Jahren.

Israel hat auch seinen Anteil an multikulturellen Akolyten, der natürlich gegen das Gesetz opponiert. Wenn Israelis den durch Multikulturalismus verursachten Schaden für Europa sehen, wollen sie sicherstellen, dass sie so weit wie möglich von dieser destruktiven Idee entfernt sind. Wenn die Europäer kulturellen Selbstmord begehen wollen, ist das natürlich ihr Prärogativ, das zu tun. Aber die Israelis wollen ihre nationale Identität, ihre angestammte Heimat, ihren Staat und ihre Kultur nicht verlieren. Das Nationalstaatsgesetz soll sicherstellen, dass Israel nicht auf dem gleichen Altar geopfert wird, auf dem Europa Selbstmord begeht.

[1] Die Balad-Partei ist eine arabische Partei, die sich dafür einsetzt, dass Israel sich nicht als jüdischer Staat definiert.

Originalartikel: Dr. Mordechai Kedar, Why Israel Needs the Nation-State Law

Übersetzung: faehrtensuche

Die Palästinenser verdienen es nicht, „etwas sehr Gutes“ von Israel zu bekommen

Dienstagabend, 21. August 2018. Wahlkampfveranstaltung in Charleston, West Virginia. Der amerikanische Präsident Donald Trump hält eine Rede, in der er sich in einer Weise äußert, die aufhorchen lässt. Er sagt, dass – nachdem Israel mit der Verlegung der amerikanischen Botschaft und der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels „eine große Sache“ gewonnen habe – nun die Palästinenser an der Reihe wären, „etwas sehr Gutes“ zu bekommen. Er fordert Israel auf, bei Friedensgesprächen mit den Palästinensern zu größeren Konzessionen gegenüber den Palästinensern bereit zu sein. (Times of Israel)

Nachfolgend eine Replik von Stephen M. Flatow.

Herr Präsident, die Palästinenser waren bereits ‚an der Reihe‘ [wieder und immer wieder]

Originalartikel: Mr. President: The Palestinians already got ‚their turn‘. JNS, 23. August 2018

Die Palästinensische Autonomiebehörde wird ihren Verpflichtungen aus dem Oslo-Abkommen, wie z.B. die Entwaffnung, Ächtung und Auslieferung von Terroristen oder die Beendigung der Aufhetzung, noch immer nicht nachkommen. Sie wird nicht einmal mit Israel verhandeln.

Präsident Donald Trump sagte diese Woche, dass nach dem Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem nun die palästinensischen Araber „etwas sehr Gutes bekommen werden, weil sie als nächstes an der Reihe sind“.

Jemand sollte dem Präsidenten erklären, dass die Palästinenser bereits „an der Reihe“ waren – wieder und immer wieder.

Sie kamen 1921 an die Reihe, als die Briten die östlichen 78 Prozent Palästinas abtrennten, sie für Juden verboten und den palästinensisch-arabischen Staat „Trans-Jordanien“ gründeten, dessen Name später in „Jordanien“ geändert wurde.

Sie kamen 1937 an die Reihe, als die Peel Kommission der britischen Regierung vorschlug, den Arabern einen zweiten palästinensischen Staat zu geben, bestehend aus dem größten Teil Westpalästinas mit einem winzigen jüdischen Staat daneben.

Sie kamen ein weiteres Mal 1938 an die Reihe, als ein anderes britisches Regierungsorgan, die Woodhead-Kommission, vorschlug, den Arabern einen noch größeren Teil und den Juden einen noch kleineren Teil des westlichen Palästinas zu geben.

Sie kamen 1939 noch ein weiteres Mal an die Reihe, als das Weißbuch der britischen Regierung fast die gesamte jüdische Einwanderung blockierte, genau zu dem Zeitpunkt, als die Juden in Europa versuchten, vor Hitler zu fliehen. Alles, was die Briten im Gegenzug von den palästinensischen Arabern im Zweiten Weltkrieg forderten, war die Unterstützung der Alliierten und nicht der Nazis. Die Araber unterstützten die Nazis trotzdem.

Doch die immer verhätschelten Araber Palästinas kamen noch weitere Male an die Reihe.

Im Jahr 1947 schlugen die Vereinten Nationen vor, die Hälfte des westlichen Palästina in einen arabischen Staat zu verwandeln und den Juden einen abgeschnittenen, nicht zu verteidigenden Staat zu geben, der aus drei leicht zu zergliedernden Sektionen bestand. Die palästinensischen Araber haben auch dazu nein gesagt.

Als die palästinensischen Araber und ihre arabischen Nachbarn 1948 den Jihad gegen den neugeborenen Staat Israel führten, entschied der Westen, dass die palästinensischen Araber eine weitere „Runde“ verdienten. Britische Offiziere halfen den arabischen Streitkräften im Krieg, während die Truman-Regierung ein Embargo gegen die Lieferung von Waffen nach Israel ausrief.

In jüngster Zeit ist es dabei geblieben, dass die Palästinenser zum Zug kommen.

1993 stimmte Israel dem Osloer Abkommen zu – Rückzug aus den Gebieten, in denen 98 Prozent der Palästinenser lebten, Schaffung des als Palästinensische Autonomiebehörde bekannten De-facto-Staates, Freilassung Tausender inhaftierter palästinensischer Terroristen und Übergabe von Zehntausenden von Waffen an die De-facto-Armee, die bekannt ist als die Palästinensischen Sicherheitskräfte.

Wie haben die Palästinenser reagiert? Sie führten eine Intifada gegen Israel, schlachteten Hunderte von Juden durch Selbstmordattentate ab und versuchten, 50 Tonnen Waffen auf [dem Frachtschiff] Karine A. zu schmuggeln.

Trotz allem kamen die Palästinenser sogar noch mehr zum Zug.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak gab ihnen im Jahr 2000 die Möglichkeit, in fast ganz Judäa-Samaria einen palästinensischen Staat zu gründen. Die Palästinenser sagten nein. Der israelische Premierminister Ariel Sharon schenkte ihnen im Jahr 2005 durch den [israelischen] Rückzug Gaza und erlaubte ihnen, dort einen Staat zu errichten. Sie reagierten damit, dass sie Tausende von Raketen abfeuerten. Der israelische Premierminister Ehud Olmert ließ sie zum Zug kommen, indem er Berichten zufolge den Palästinensern sogar noch mehr als Barak anbot. Sie sagten immer noch nein.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu schenkte ihnen noch mehr Runden. Er fror für 10 Monate den Siedlungsbau ein. Er entließ Hunderte von zusätzlichen Terroristen [aus dem Gefängnis]. Er offerierte ihnen einen entmilitarisierten Staat.

Trotz allem wird die Palästinensische Autonomiebehörde ihre Verpflichtungen aus dem Oslo-Abkommen, wie z.B. die Entwaffnung, Ächtung und Auslieferung von Terroristen oder die Beendigung der Aufhetzung noch immer nicht nachkommen. Genau genommen wird die Palästinensische Autonomiebehörde noch nicht einmal mit Israel verhandeln.

Herr Präsident, Sie haben in jeder Hinsicht Unrecht. Die Palästinenser verdienen es nicht, „etwas sehr Gutes“ von Israel zu bekommen. Sie haben bereits reichlich erhalten. Sie haben schon ihr „Teil“ bekommen, wieder und immer wieder.

Stephen M. Flatow ist Vizepräsident der Religiösen Zionisten von Amerika, ein Anwalt in New Jersey und der Vater von Alisa Flatow, die 1995 bei einem iranischen Terroranschlag getötet wurde. Sein Buch „A Father’s Story: My Fight for Justice Against Iranian Terror“ [Die Geschichte eines Vaters: Mein Kampf gegen den iranischen Terror“] wird noch in diesem Jahr veröffentllicht.

Übersetzung, Links und Hervorhebung im Text: faehrtensuche

Iran: Wohin verschwindet das ganze Geld?

Warum gehen Iraner gegen das iranische Regime auf die Straße?

Die iranische Wirtschaft steckt in der Krise. Die Währung hat 80% ihres Wertes verloren und es herrscht Wassermangel. Dies geschieht, weil das Regime lieber Terrorismus finanziert als die Wirtschaft anzukurbeln.

Wohin fließen die Gelder?

Das Regime ist verantwortlich für Terroranschläge in Europa und den Beschuss von Schiffen im Roten Meer. Es bewaffnet Terrororganisationen wie die Hisbollah und die Hamas. Es heizt den Krieg in Syrien an und im Jemen. Dadurch werden Millionen Menschen zu Flüchtlingen.

Iran steckt sein Geld in seine Raketen, die mit Atomwaffen bestückt werden können. Das Regime zerstört die Wirtschaft.

Es gibt nur einen Weg, den Menschen im Iran zu helfen: Die Aggressionen des Regimes müssen aufgehalten werden.