Kurz zitiert

„[…] nun wird Martin Schulz Parteivorsitzender, obschon ihn seine Weigerung, sein Versagen im Angesicht eines antisemitischen Hetzauftritts des »palästinensischen« Despoten Abu Mazen im Europäischen Parlament auch nur einzuräumen, für alle Zeit disqualifiziert: Folgt er gar Angela Merkel nach, bekommt Deutschland einen Kanzler, der Antisemitismus als »inspirierend« lobt.“

Tw24, in: Kollektiver Selbstbetrug

Purim: Ein Leitfaden für die Ratlosen, 2017

von Yoram Ettinger

Englischer Originalartikel: Purim Guide for the Perplexed, 2017

a. Der historische Hintergrund von Purim

*586 BCE: Die Zerstörung des Ersten Jüdischen Tempels (auf dem Jerusalemer Tempelberg) und die Vertreibung der Juden aus Judäa und Samaria durch den babylonischen Kaiser Nebukadnezar lösten eine Welle jüdischer Auswanderung sowohl nach Babylon als auch nach Persien aus, das schließlich Babylon als führende Regionalmacht ersetzte.

*Im Jahr 538 BCE verkündigte Xerxes der Große, der persische König Ahasveros, der Nachfolger Darius des Großen, seine Unterstützung für den Wiederaufbau des jüdischen Tempels und das Wiederaufleben des nationalen jüdischen Lebens im Land Israel, indem er Jerusalem als die Hauptstadt der jüdischen Heimat anerkannte.

*Ahasveros gründete eine Koalition von Ländern, die die Griechisch-persischen Kriege (499 – 449 BCE) begannen, in dem Bestreben, das Persische Reich in Richtung Westen auszudehnen. Allerdings musste Persien eine deutliche Niederlage einstecken (z.B. in den Schlachten von Marathon und Salamis im Jahr 490 BCE und 480 BCE) und Ahasveros Autorität in Persien wurde ernsthaft untergraben.

*Ein versuchter Putsch – von Bigtan und Teresh – gegen Ahasveros wurde durch Mordechai vereitelt, einem pensionierten jüdischen Militärkommandanten, der die entscheidende Information an Königin Esther, seiner Cousine (oder Nichte) übermittelte. Genau wie Joseph, der einen ägyptischen Namen (Zaphnat Paa’ne’ach) annahm, so nahm Mordechai einen persischen Namen an (abgeleitet von Marduk, einem mesopotamischen Gott). Beide, Joseph und Mordechai, bekräftigten ihre Wurzeln angesichts einer klar bestehenden tödlichen Bedrohung für das Jüdische Volk.

b. Purim ist der Feiertag, der ein sehr altes 9/11 vereitelte. Der Zahlenwert (z.B. der Buchstabe „a“ wäre 1, „b“=2, usw.) der hebräischen Buchstaben für König  (מלך=90) Ahasveros (אחשורוש = 821) – der die Vernichtung der Juden befahl – ist 911 …, genau wie die Daten der Kristallnacht (9.11.1938) und der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels in Jerusalem (9.11. – der neunte Tag des elften Jüdischen Monats).

c. „Purimfest 1946“, schrie Julius Streicher, der Nazi-Propagandachef, als er sich dem Galgen näherte (Newsweek, 28. Oktober 1946, S. 46). Am 16. Oktober 1946 wurden zehn verurteilte Nazi-Kriegsverbrecher in Nürnberg gehängt. Ein 11-ter Nazi-Verbrecher, Hermann Göring, beging Selbstmord in seiner Zelle. Laut Aussage von einem jüdischen Überlebenden, des verstorbenen Eliezer Cotler, dokumentierte die Streicher-Bibliothek auf seiner Ranch (die als Camp für junge israelische Überlebende auf ihrem Weg nach Israel diente) das Interesse Streichers an der Relevanz von Purim für das Schicksal der Feinde des jüdischen Volkes. Streicher unterstrich, in roter Tinte, jeden Hinweis auf die Amalekiter und Haman … (Es wird behauptet, der Ursprung der arischen Rasse liege im Iran …).

Der Schriftrolle von Esther zufolge gestattete König Ahasveros den Juden, sich zu verteidigen und erhängte Haman und seine zehn Söhne. Nach dem Talmud (Megillah 16a) hatte Haman ein 11-tes Kind, eine Tochter, die Selbstmord beging nach dem Tod ihres Vaters.

d. Purims physischer und spiritueller Kampf der Kulturen zwischen den Werten und Weltanschauungen von Mordechai und Haman exemplifiziert eine frühe Ausgabe des Kampfes zwischen Nationen, Gemeinden und innerhalb jeder Person: zwischen richtig und falsch, Freiheit und Tyrannei, Gerechtigkeit und üblen Machenschaften, Wahrheit und Lügen, genau wie Adam/Eva gegen die Schlange, Abel gegen Kain, Abraham gegen Sodom & Gomorrah, Jakob gegen Esau (Großvater von Amalek, der tödlichste Feind des Jüdischen Volkes), die Makkabäer gegen die Assyrer, die Alliierten gegen die Nazis, der Westen gegen den Kommunistischen Block und die Freie Welt gegen Islamische Schurkenstaaten und Terrororganisationen.

Die Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben von „gesegnetem Mordechai“(ברוך מרדכי) und „verfluchtem Haman“ (ארור המן)  sind identisch – 502 – und warnen uns, dass das Böse leicht fälschlicherweise als Wohlwollen wahrgenommen werden kann.

e. Purim wird am 14./15. Tag des jüdischen Monats Adar gefeiert Adar (אדר) ist die Wurzel des hebräischen Adjektivs „Adir“ (אדיר), herrlich, fantastisch, erhaben, großartig. Es ist auch eine Ableitung des akkadischen Wortes „Adura“ (Heldentum).

Dem Babylonischen Talmud zufolge wird Adar als ein Monat des Glücks, des Singens und Tanzens charakterisiert.

Der Tierkreis von Adar ist Fische (Fisch), was ein Symbol demographischer Multiplikation ist. Demzufolge ist Adar der einzige jüdische Monat, der sich während der sieben Schaltjahre in jedem 19-jährigen Zyklus verdoppelt. Purim wird in nicht ummauerten Städten am 14. Tag des Monats gefeiert und in Jerusalem am 15. Tag des Adars zum Gedenken an die Befreiung des jüdischen Volkes aus den Klauen eines Holocausts in Persien. Es erinnert auch an den Sieg von Juda, dem Makkabäer über Nikanor, den assyrischen Kommandanten im Jahr 161 BCE. Mose, der das jüdische Volk aus einem Holocaust in Ägypten befreite und dessen Begräbnisstätte unbekannt ist, wurde geboren und starb (1273 BCE) am 7. Tag des Adar, der Israels Gedenktag für Soldaten ist, deren Grabstätten unbekannt sind.

f. Purims (פורים) hebräische Bedeutung/Wurzel ist Schicksal/Bestimmung und auch „geworfenes Los“ (פור) und bringt Hamans Losverfahren in Erinnerung, das den vorgesehenen Tag für die geplante Vernichtung des jüdischen Volkes bestimmt hat. Es bedeutet auch, „zu behindern“, „zu annulieren“ (להפר), „zu bröckeln“ und „zu verschließen“ (לפורר), was den Niedergang von Haman widerspiegelt.

g. Purim hebt das Schicksal/die Bestimmung der Selbstzerstörung der Völker und Regime hervor, die das jüdische Volk vernichten wollen, wie es seit der Antike bis zu den Tagen des Nazi-Regimes hindurch gezeigt worden ist.

h. Mordechai, der Held von Purim und einer der Stellvertreter Ezras, des Schreibers – der eine Welle der jüdischen Zusammenführung von Babylon ins Land Israel leitete –  war ein Vorbild eines auf Prinzipien beruhenden Optimismus‘ unter Missachtung der kolossalen Chancen angesichts einer Supermacht und unter Missachtung des jüdischen Establishments. Er bekämpfte jüdische Assimilation und forderte Juden auf, ihre Wurzeln zu bewahren und in ihre Heimat zurückzukehren. Mordechai war ein politisch-inkorrekter, hervorragender Führer und ein pensionierter Militärkommandeur, der einen unverhältnismäßigen Präventivschlag einer [Politik der] Vergeltung, Beschwichtigung und Verteidigung vorzog. Die ersten drei hebräischen Buchstaben von Mordechai (מרדכי) bilden das hebräische Wort „Rebellion“ (מרד). Mordechai verbeugte sich nicht vor Haman, der zweitmächtigsten Person im Persischen Reich. Er gehörte zum Stamm Benjamin, [Benjamin], der einzige Sohn Jakobs, der sich nicht vor Esau verbeugte.

i. Mordechai war ein Nachkomme von König Saul, der sich einem klaren Gebot widersetzte, die Amalekiter auszurotten, indem er das Leben von Agag, dem Amalekiterkönig, verschonte und somit weitere Schicksalsschläge über das jüdische Volk brachte. In der Konsequenz verlor Saul seine königliche Stellung und sein Leben. Mordechai lernte aus Sauls entscheidendem Irrtum und eliminierte Haman, einen Nachkommen von Agag, dem Amalekiter, und ersparte somit dem jüdischen Volk eine große Katastrophe.

j. Der persische König ernannte Mordechai zu seinem Spitzenberater und hob damit das Vorhaben Hamans auf, die Wiederansiedlung von Juden in Zion, die Rekonstruktion des Tempels und die Wiederherstellung der Mauer um Jerusalem herum zu verhindern. Der König hatte infolge seines Gesinnungswandels Erfolg und entkam der Ermordung. Das war auch der Fall bei Pharao, der dem nationalen Kollaps und dem Hungertod entging und nach der Ernennung Josephs zu seinem Stellvertreter weltweit an Bedeutung gewann.

k. Königin Esther, die Heldin der Purim-Schriftrolle von Esther (eine der fünf biblischen Schriftrollen: Hohelied der Liebe, Ruth, Klagelieder, Kohelet, Esther) war Mordechais Nichte (oder Kusine). Esther präsentierte die Zentralität der Frauen im Judentum und prägte die Zukunft des jüdischen Volkes ebenso wie Sarah, Rebecca, Rahel, Leah, Miriam, Batyah, Deborah, Hannah und Yael. Sarah war die erste – und Esther die letzte – jüdische Frau, auf die in der Bibel hingewiesen wird. Sarah lebte 127 Jahre und Esther herrschte über 127 Länder. Der Name Esther (אסתר) ist eine Ableitung des hebräischen Wortes „verbergen“ (הסתר) und reflektiert ihre anfängliche Verheimlichung ihrer jüdischen Identität, während das hebräische Wort für „Schriftrolle“, מגילה, von dem Wort מגלה „enthüllen“ stammt. Gott ist in der Schriftrolle von Esther  verborgen, die das einzige biblische Buch ist, das den Namen Gottes nicht erwähnt. Der Purim-Brauch, Kostüme zu tragen, hebt den Wandel hervor von der Verschleierung zur Offenbarung der Identität.

l. Der Name Esther (Ester im Hebräischen) ist eine Ableitung von Ishtar – eine mesopotamische Göttin und Astarte, „Stern“, eine phönizische Göttin. In der Tat wurde das eintägige Fasten von Esther vor Purim (in Erinnerung an das durch Esther erklärte dreitägige Fasten zur Forcierung der Befreiung der Juden) von den Marranos in Spanien geschätzt, die das Judentum in einer verborgenen Weise lebten. Während der Name Gottes in Esthers Schriftrolle verborgen/abwesend ist, weist Michael Bernstein darauf hin, dass es 182 Hinweise auf einen „König“ gibt, die 26 (der Zahlenwert von Jehova) mal 7 (Tage der Schöpfung) entspricht.

m. Esthers zweiter Name war Hadassah, dessen Wurzel Hadassah ist, Myrthenbaum auf Hebräisch, dessen Blätter wie ein Auge geformt sind. Der Name Esther/Ishtar ist mit dem Planeten Venus – auf Hebräisch Noga – identifiziert, das zweithellste natürliche Objekt am Nachthimmel nach dem Mond. Daher ist Esthers anderer hebräischer Name Noga – genau wie meine älteste Enkelin – der auf Hebräisch ein leuchtendes göttliches Licht bedeutet. Die Zahlenwerte von Esther  (אסתר) und Noga (נגה) entsprechen 661 bzw. 58 und die Summe von 6+6+1 und 5+8 ist 13 (die Zahl der barmherzigen Tugenden Gottes). In einer alternativen Berechnung entsprechen beide Namen, Esther (1+6+4+2) und Noga (5+3+5) 13, was auch die Gesamtsumme von „Eins“ (אחד) auf Hebräisch ist, was die EINheit von Gott, Monotheismus, sowie die Gesamtsumme des Wortes „Liebe“ auf Hebräisch (אהבה) repräsentiert.

n. Die vier Purim-Gebote

* Das Lesen/Studieren der Schriftrolle von Esther (גילהמ) innerhalb der Familie betont die Zentralität der Familie, Bildung, Erinnerung und Jugend als Grundlage einer soliden Zukunft.

* Geschenke (תנותמ) an Verwandte, Freunde und die Gemeinschaft insgesamt betonen die Bedeutung von Familie, Gemeinschaft und kollektiver Verantwortung.

* Wohltätigkeit (mindestens dem Wert einer Mahlzeit שלוח מנותמ entsprechend) spiegelt Mitgefühl und kommunale Verantwortung wider. Maimonides entsprechend „gibt es keine größere oder herrlichere Freude als den Armen Freude zu bringen.“ Purim wird gefeiert, wenn Juden den Teil der Tora,  תרומה (Wohltätigkeit, Spende auf Hebräisch) studieren, die das Geben und Verteilen an andere als Mittel zur Stärkung der Solidarität und zur Verringerung des Egoismus‘ hervorhebt. Gemäß der Tora belohnen die Gaben den Geber mehr als den Empfänger.

* Feiern und Glück (שתהמ) erhalten Optimismus und Glauben – den Mut und die Antriebskraft von Einzelpersonen und Nationen.

Das hebräische Buchstabieren eines jeden Gebots beginnt mit dem Buchstaben „מ [Mem]“, der erste Buchstabe beim hebräischen Buchstabieren von Mordechai (מרדכי) sowie von Moses (משה), der eine Woche vor dem hebräischen Datum von Purim geboren wurde und [auch an diesem Datum] starb. Darüber hinaus ist der Zahlenwert von „מ“ 40, was die 40 Tage des Gebets vor Purim repräsentiert, die auf die endgültige Eleminierung der Amalekiter-ähnlichen Feinde des jüdischen Volkes gerichtet sind.

Übersetzung: faehrtensuche, Hervorhebungen sind aus dem Original übernommen

Ulrich W. Sahm klärt auf

Danke an Honestly Concerned, durch die ich auf das Video aufmerksam geworden bin.

***

„Kleiner“ Hinweis: Wen die unter dem Video angegebene Zeit abschreckt, dem sei gesagt, dass die „reine“ Vortragszeit etwa 55 Minuten beträgt, eine Zeit, die es sich zu investieren lohnt! Versprochen! 😉

Warum ich Deutschland verließ

von Julia Schmidt, 25. Februar 2017

Englischer Originalartikel: Why I Left Germany

Nachdem ich [erst einmal] meine Augen geöffnet hatte, waren die alarmierenden Zeichen des steigenden Antisemitismus überall [zu erkennen].

„Du weißt, es ist nicht immer weise, den Leuten zu erzählen, dass du jüdisch bist“, sagte mir der Lehrer meines Sohnes an der jüdischen Schule. Wir gehörten zu einer Synagoge in Bonn, Deutschland. „Manchmal kann es gefährlich sein und es ist besser, seinen Mund zu halten.“

Ich schreckte zurück, als ich ihn das sagen hörte, etwas, das er mehrere Male wiederholt hat, aber langsam nahm ich seinen Rat an. Es gab eine Inkongruenz, als Jude in Deutschland zu leben. Auf der einen Seite gab es eine Spur von Angst, aber im Großen und Ganzen lebten wir in einer Blase und verleugneten den lauernden Antisemitismus. Wir vermissten die offenkundigeren Zeichen von Schwierigkeiten.

Eine bewaffnete Polizei auf einer 24 Stunden-Basis außerhalb der kleinen und einzigen Synagoge in Bonn und eigentlich jeder anderen Synagoge in Deutschland zu haben, wurde als so normal angesehen, dass niemand es seltsam fand. So war es schon seit 1945. Die Deutschen, die ich kannte, meinten, dass es keinen Antisemitismus gäbe, nicht in Deutschland. Also habe ich nie aufgehört, mich zu fragen, warum Juden geschützt werden müssten.

Ich habe vielen Akademikern Englischunterricht für ihre Jobs an einer wissenschaftlichen Einrichtung, die auch Projekte in Israel finanzierte, erteilt. Hier wurde meine Sensibilität für den Antisemitismus geweckt. Mitunter ließ einer meiner Studenten einen Kommentar fallen, der mir ein scheußliches Gefühl gab. Oft ging es um die Habsucht der Juden nach Geld und ihre Forderungen nach mehr davon. Die Alarmglocken begannen in meinem Kopf loszugehen. Juden und Geld sind ein sehr altes Klischee und es wurde so gesagt, dass ich mich beschmutzt fühlte.

Dann kam der Sommer 2014 und der Gaza-Krieg. Ich wurde aus meiner Selbstgefälligkeit gerissen. Die wichtigsten deutschen Zeitungen begannen einen journalistischen Krieg gegen Israel. Jeden Tag las ich beklommen über all die scheußlichen Verbrechen, die Israelis begangen hätten, und die schreckliche Anzahl palästinensischer Todesopfer.

Ein paar Wochen nach Beginn des Krieges marschierten 2000 Araber und Türken zusammen mit einigen Anhängern des linken Flügels durch die Hauptstraße in Frankfurt und schrien „Hamas, Hamas, Juden ins Gas.“ In Deutschland ist das nicht nur erschreckend, es ist geradezu ernüchternd. Die Polizei gebot dem Marsch oder der Anstiftung zur Gewalt nicht Einhalt. Stattdessen gab es Berichte über die Polizei, die eine Wohnung stürmte, in der ein Sympathisant Israels die israelische Flagge als [Zeichen der] Unterstützung aufgehängt hatte. Die Polizei entfernte die Flagge und sagte, nicht weitere Gewalt fördern zu wollen.

Es war schrecklich verquer und das Tabu, antisemitische Dinge in Deutschland auszusprechen, war gebrochen.

Ich war in Aufruhr. Ich war als eine Jüdin aufgewachsen, die Israel als Heimat der Juden liebt und unterstützt. Durch meine Jahre der Untätigkeit und der Selbstgefälligkeit hatte ich den Dialog über Israel und den Nahen Osten nicht wirklich verfolgt; mir schien, als hätte ich die historischen Fakten von Israel und den Juden vergessen, und ich realisierte schockartig, dass ich keine Ahnung hatte, was die Wahrheit war. Ich hatte keine Ahnung, ob Israel diese abscheulichen Kriegsverbrechen wirklich begangen hatte und ich wusste nicht, wie ich ihr Existenzrecht verteidigen sollte.

Wie konnte ich Israel unterstützen, wenn sie wirklich diese schrecklichen Dinge taten? Und doch – wie könnte ich Israel nicht unterstützen? Was mich noch mehr ernüchterte, war die Reaktion meiner Studenten (die alle ihren Ph.D. hatten) auf den Krieg in Gaza. Viele Male gaben meine Studenten ihre unachtsamen Kommentare über Israels schreckliche Aggression ab.

Die Scham, die ich zu spüren begann, brachte mich dazu, zu recherchieren und jeden Tag zu lesen, um zu verstehen, was los war und warum Israel in den Medien in solch einer verzerrten und monsterhaften Weise präsentiert wurde.

Ich war in einer Klasse mit meinen Kursteilnehmern und die Nachrichten in Israel waren an diesem Tag besonders schlimm gewesen. In der Verzweiflung sah ich sie an und sagte: „Glaubt ihr, dass Israel ein Recht hat zu existieren?“ Sie sahen mich an und wussten immer noch nicht, dass ich jüdisch war und seufzten einmütig. Sie starrten mich nur an und sagten kein Wort. Aber ihr donnerndes Schweigen sprach Bände. Ein Student brach schließlich das Schweigen und sagte, dass das, was die Juden den Arabern in Israel angetan hätten, das[selbe] sei, was die Amerikaner den Ureinwohnern Amerikas angetan hätten. Innerlich schnappte ich nach Luft, als mir klar wurde, dass wir ein neues Maß an Hass erreicht hatten. Es war, als wäre ein Schleier gefallen, und ich begann zu erkennen, was wirklich passierte.

Anzeichen von Antisemitismus, die ich bisher nicht hatte genau bestimmen können, tauchten überall auf. Eine mir bekannte Israelin, die für den Jüdischen Nationalfonds arbeitete, musste ihren Nachnamen auf dem Briefkasten in einen deutschen Namen umändern, da sie wegen ihrer Arbeit in Gefahr war. Ich entdeckte, dass es in Köln, einer riesigen Stadt in der Nähe von Bonn mit einer größeren jüdischen Gemeinde, einen Stand von 30-Fuß-Länge gab, genannt „Die Klagemauer“, die aus Plakaten und Fotos von verstümmelten und sterbenden palästinensischen Kindern gebildet war, Opfer israelischer Aggression – zusammen mit Karikaturen von Juden, die arabisches Blut trinken und einen Palästinenser zum Abendessen zerschneiden. Ich konnte nicht glauben, dass dies in Deutschland erlaubt war.

Später habe ich herausgefunden, dass zwei Jahre zuvor ein Rabbiner in Berlin, der mit seiner sechsjährigen Tochter spazierenging, von einer Gruppe arabischer Jugendlicher angegriffen worden war, weil er jüdisch war. Er wurde brutal geschlagen, nur weil er jüdisch war. Ich hatte keine Ahnung, dass das passiert war; es machte keine Schlagzeilen in den Nachrichten.

Aber Israel stand immer in den Schlagzeilen, und sie waren schlecht. Je mehr ich recherchierte, desto mehr entdeckte ich, wie schwierig das alltägliche Leben für Juden in verschiedenen Gebieten Deutschlands geworden war. Das Tragen einer Kippa in der Öffentlichkeit war etwas, das vermieden werden musste, da es zu Gewalt führte. Ich ging zu einem kleinen Theater in Bonn, um Arthur Millers Scherben zu sehen, ein Stück über die Reaktion der amerikanischen Juden auf das Schicksal der Juden in Deutschland im Jahr 1938. Sehr wenige Deutsche kamen, aber einige von der jüdischen Gemeinde kamen, einschließlich der Rabbiner, der mit einer Golfkappe hereinkam, um seine Kippa zu verbergen. Er sagte mir, es wäre zu gefährlich, ohne die Kappe durch die Straßen zu gehen. Ich fühlte mich, als ob ich im Koma gelegen hätte und in einer anderen Welt aufgewacht wäre. Wie kam es, dass ich all das nicht wahrgenommen hatte?

Ich las über Juden in Frankreich und Belgien, die ihre Kinder aus öffentlichen Schulen herausnahmen und sie in jüdische Schulen schickten wegen der Schikanen, denen sie ausgesetzt waren, weil sie jüdisch waren. Es gab ähnliche Berichte darüber mit Juden in Deutschland. Ich begann, jüdischen Journalisten, die in Deutschland leben, zuzuhören, wie Benjamin Weinthal, europäischer Korrespondent der Jerusalem Post, der einen Vortrag am Institute for Studies of Global Antisemitism Policy hielt und darüber diskutierte, ob Europa für Juden sicher sei.

Für mich lag es eindeutig auf der Hand: Der Hass gegen Israel nahm exponentiell und nicht im Verhältnis zu anderen Ereignissen in der Welt zu. Jetzt, wo ich hinsah, fing ich an, Berichte über Gruppen von Arabern zu lesen, die sich versammelten und „Tod den Juden“ und „Heil Hitler“ brüllten, Echos eines Deutschlands, das vor nicht allzu langer Zeit solche Ausrufe herausposaunt hat. Was ein Deutscher nicht laut zu sagen wagte, wurde nun von Gruppen von Muslimen gesagt, wo dieses Tabu nicht existierte.

Die Frage nagte an mir: Warum sind in den frühen 30er Jahren nicht mehr Juden weggegangen? Warum haben sie so lange gewartet? Deutete ich jetzt die Anzeichen falsch? War ich zu überempfindlich?

Einige Juden haben damals die Zeichen erkannt und es irgendwie geschafft wegzugehen. Und ich war überzeugt, dass ich jetzt die Zeichen erkannte. Weggehen bedeutete, alles aufzugeben, was wir besaßen und unsere zwei Kinder zu nehmen und zu immigrieren. Das Risiko war hoch, aber das Risiko zu bleiben schien noch höher [zu sein].

Wir sind im Juli 2016 in die Vereinigten Staaten eingewandert, besorgt, dass die nachfolgenden Ereignisse in Deutschland und Europa in die Richtung einer Katastrophe wiesen. Während wir unser neues Leben aufbauen, zum ersten Mal nach einer langen Zeit öffentlich als Juden, hoffe ich, dass ich Unrecht habe.

Übersetzung: faehrtensuche