Stellungnahme des Außenministeriums des Staates Israel zu den jüngsten UNESCO-Resolutionen

Sprecher LogoDie jüngsten UNESCO-Resolutionen

In der vergangenen Woche sind bei der UNESCO zwei Entscheidungen verabschiedet worden, die sich gegen Israel richten. Zunächst wurde eine Resolution verabschiedet, in der Israel als „Besatzungsmacht“ in Jerusalem bezeichnet wird.

Hierzu erklärte der Sprecher des Außenministeriums:

„Dies ist eine weitere und gegenstandslose Entscheidung, die nur den Gegnern von Geschichte und Wahrheit zu Gute kommt. Jerusalem ist ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes und keine UNESCO-Resolution wird die Wirklichkeit verändern. Es ist eine traurige, unnötige und erbärmliche Entscheidung. Es ist zu berücksichtigen, dass die Resolution nicht einmal die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht hat.“

Nur wenige Tage später wurden die Altstadt von Hebron und das Patriarchengrab in der Stadt als palästinensisches Welterbe in die Rote Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen. Zu dieser Entscheidung erklärte der Sprecher des Außenministeriums auf Twitter:

„Die Entscheidung der UNESCO ist ein moralischer Schandfleck. Diese irrelevante Organisation betreibt Geschichtsfälschung. Die UNESCO sollte sich schämen.“

In einem weiteren Tweet hieß es:

„Die großartige Geschichte des jüdischen Volkes in Israel begann in Hebron. Keine Lügen der UNESCO und Geschichtsfälschung können dies ändern. Die Wahrheit ist ewig.“

Premierminister Benjamin Netanyahu hat sich am Sonntag in der wöchentlichen Kabinettssitzung ebenfalls zu der jüngsten UNESCO-Resolution geäußert. Nachdem er die Verse 16-19 aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 23 [1] vorgetragen hatte, erklärte er:

Die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk, Hebron und dem Grab der Patriarchen ist eine des Erwerbens und der Geschichte die möglicherweise in der Geschichte der Völker so nicht noch einmal vorkommt. Natürlich hat das das UNESCO-Welterbe-Komitee am vergangenen Freitag nicht davon abgehalten, eine weitere wahnhafte Resolution zu verabschieden, die festgestellt hat, dass das Grab der Patriarchen eine palästinensische Kulturerbestätte sei.

Im Rahmen dieser Resolution habe ich beschlossen, eine weitere Million der israelischen UN-Mitgliedsbeiträge zu kürzen und die Gelder für die Errichtung des „Museums des Erbes des jüdischen Volkes in Kiryat Arba und Hebron“ einzusetzen. Das Geld wird auch für zusätzliche Initiativen zum kulturellen Erbe Hebrons eingesetzt. Ich vertraue darauf, dass Sie, Zeev [Elkin, Minister für Jerusalem und kulturelles Erbe] bald Vorschläge zu diesem Thema machen.

Entgegen der Verleugnung der UNESCO wird Israel der Welt die historische Wahrheit und die tiefgehende – tausende Jahre währende – Verbindung des jüdischen Volkes zu Hebron aufzeigen, genauso, wie wir es mit der anderen wahnhaften Resolution getan haben, die die Abwesenheit einer Verbindung zu Jerusalem unterstellt. Daher habe ich heute angeordnet, dass die Verfahren für die Errichtung des Kedem-Zentrums vervollständigt werden, das die historischen und archäologischen Entdeckungen aus der Davidstadt präsentiert. Dies wird eine beeindruckende Struktur mit umfangreichen Exponaten sein. Die gesamte Welt wird die Wahrheit sehen, und die ersten Besucher, die ich dorthin einlade, werden Delegationen von UNESCO und UN sein.“

Außenministerium des Staates Israel/ Amt des Premierministers, 04./07/09.07.17

[1] 1. Mose 23, 16 – 19:

16  Und Abraham hörte auf Ephron, und Abraham wog für Ephron so viel Geld ab, wie er vor den Ohren der Hetiter gesagt hatte, nämlich 400 Schekel Silber, das im Kauf gangbar und gültig war.
17 So wurde der Acker Ephrons bei Machpelah, der Mamre gegenüberliegt, der Acker samt der Höhle, die darin ist, auch alle Bäume auf dem Acker und innerhalb aller seiner Grenzen,
18 dem Abraham als Eigentum bestätigt vor den Augen der Hetiter und aller, die zum Tor seiner Stadt eingingen.
19 Danach begrub Abraham seine Frau Sarah in der Höhle des Ackers Machpelah, Mamre gegenüber, in Hebron, im Land Kanaan.

Maximal ergebnisoffen?

„Muss man Antisemitismus heute ganz neutral sehen? Muss man auf das Pro und Contra achten, damit keine Argumente vergessen werden, die evtl. für die Antisemiten sprechen? Vor einigen Jahren hätte diese Frage so absurd geklungen, als hätte man für ein Pro und Contra bei der Bewertung des Nationalsozialismus geworben. Doch heutzutage kann, wer einen Film produziert, der sich ganz klar gegen Antisemitismus und gegen Antisemiten positioniert, richtig Ärger bekommen und zwar auch mit öffentlich rechtlichen Sendern.

Die Autoren des Films „Auserwählt und ausgegrenzt“ haben dies erlebt. Sie sind dafür vom Auftrag-gebenden Sender öffentlich angeklagt und verurteilt worden. Ist das nun der neue deutsche Umgang mit Antisemitismus oder der Umgang mit kritischen Journalisten?

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.“

So die einleitenden Worte zu nachfolgendem Video, in dem Joachim Schröder, einer der beiden Autoren der Dokumentation, das Wort hat.

***

Antisemitismus ohne Antisemiten

von Eldad Beck, 29. Juni 2017

Originalartikel: Anti-Semitism without anti-Semites

Alle paar Jahre bricht in Deutschland ein Skandal über einige antisemitische Vorfälle aus. Alle paar Jahre werden Artikel geschrieben, Fernsehsendungen von leidenschaftlicher Debatte bestimmt und die Gemüter kochen hoch. Und dann – nichts. Jedenfalls bis zum nächsten Antisemitismus-Skandal. Wie der, der kürzlich ausbrach, als sich deutsche öffentliche Fernsehsender weigerten, einen Dokumentarfilm zu senden über anti-israelische, antisemitische Gefühle in Europa und dem Nahen Osten.

Deutschland sollte sich diese unglaubliche Erfindung wirklich patentieren lassen: Antisemitismus ohne Antisemiten. Ein unabhängiger Sachverständigenausschuss, der vor kurzem dem Bundestag (dem Deutschen Parlament) einen Bericht über Antisemitismus in Deutschland vorgelegt hat, stellte fest, dass – während immer mehr Deutsche klassische antisemitische Überzeugungen haben – immer mehr Juden spüren, dass sich der Antisemitismus in ihrer unmittelbaren Umgebung in den letzten fünf Jahren stetig erhöht hat und befürchten, er werde in den nächsten fünf Jahren sogar noch mehr anwachsen.

Wie kann dieses Paradoxon erklärt werden? Ganz einfach: Das Problem heute ist kein klassischer Antisemitismus – die Art, die Juden dafür verantwortlich macht, Jesus ermordet und christliche Kinder abgeschlachtet zu haben, um ihr Blut zum Backen von Matzot zu benutzen. Das Problem heute ist, dass der moderne Antisemitismus Israel – den jüdischen Staat – dafür verantwortlich macht, unschuldige Palästinenser zu ermorden und palästinensische Kinder absichtlich abzuschlachten. Während sich herausstellt, dass die meisten Deutschen kein Problem mit jüdischen Nachbarn haben (im Gegensatz zu muslimischen und rumänischen Nachbarn), vergleichen 40% von ihnen Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern mit dem der Nazis gegenüber den Juden.

Diese Art von Logik führt zu einem deutschen Gerichtsurteil, das entschied, das Werfen von Molotow-Cocktails auf eine deutsche Synagoge sei ein akzeptabler Ausdruck des Protestes. Es sei kein Antisemitismus, sondern vielmehr legitime Kritik an der Politik Israels! In deutscher Sprache nennt man das einfach Israelkritik – keine Kritik an einer bestimmten Politik der Regierung, die gerade an der Macht ist, sondern vielmehr [Kritik] an Israel allgemein. In der Praxis wäre es sehr leicht, von da aus zu einer kompletten Ablehnung der Existenz Israels zu kommen, oder mit anderen Worten, zum Anti-Zionismus, oder zur Ablehnung des Rechts der Juden auf Selbstbestimmung und einen Staat oder zum Antisemitismus.

Deutschland strengt sich mit Hilfe von Meinungen in der israelischen und jüdischen Linken besonders an, um zu behaupten, Israelkritik sollte gesehen werden nicht als eine Variante des Antisemitismus, sondern lediglich als eine andere legitime Form der Kritik. Gibt es dieselbe Art von legitimer Kritik, in ähnlichen Ausmaßen, gegenüber irgendeinem anderen Land des Nahen Ostens, ganz zu schweigen von der Palästinensischen Autonomiebehörde? Nein. Israel bekommt in dieser Hinsicht eine besondere Behandlung.

Sollte Deutschland jemals aufhören, seinen Antisemitismus abzustreiten und schließlich zugeben, dass der Antisemitismus noch lebendig ist und sich, nun ja, unter der Maske starker gegen Israel gerichteten Gefühle verbirgt, könnte das der Beginn der Lösung des Problems sein. Aber Deutschland zieht es vor, das Problem zu ignorieren. Die deutsche Obsession, seinen Antisemitismus auf den Staat Israel zu projizieren, hat Deutschlands Beziehungen zu Israel zu einer neurotischen gemacht und eine positive Entwicklung verhindert.

Darüber hinaus stellt diese Obsession eine Bedrohung für Deutschland selbst dar. Der Grund, warum die Muslime sich heute frei fühlen, ungezügelte antisemitische Gewalt zu zeigen, liegt nicht nur in ihrer Erziehung, sondern in der Tatsache, dass sie das ausleben, was viele Deutsche im privaten Bereich glauben. Diese Gewalt ist letztlich auch an Deutsche gerichtet, weil die radikalen Islamisten nicht zwischen Juden und Christen unterscheiden.

Übersetzung: faehrtensuche

Nach(t)-GedankenLese

zur Antisemitismus-Dokumentation der ARD und zur anschließenden Diskussion bei Maischberger.

***

Die verschlimmbesserte Dokumentation in der „Lange[n] Nacht der Antisemitismus-Verharmlosung“ und der „Peinliche[n] Offenbarungen beim WDR

– ist ein Schuss ins Knie, „eingebettet in ein Tribunal über die beiden Autoren“, das „Bände spricht über die Qualität des Qualitätsjournalismus im Jahr 2017.“

– kommt einem Schauprozess gleich, bei dem die Filmemacher „vom eigenen Auftraggeber an den öffentlichen Medienpranger gestellt werden.

– lässt sich interpretieren als „Abgesang auf journalistischen Anstand“ oder auch als „Selbstentleibung des WDR.“

– präsentiert antisemitisches Geraune als Faktencheck. Frederik Schindler hat den Faktencheck des WDR genauer unter die Lupe genommen und dröselt ihn auf.

– verdeutlicht Das Handwerk des Antisemitismus“, wie Ulrich W. Sahm in seinem Artikel (vortrefflich) analysiert.

– bzw. der Umgang des WDR mit ihr kann auch gesehen werden als „Betreuter Antisemitismus“.

Tachles: Religionskritik im TV — Die 13 Blumen

Im Tachles ist nach einer Pause mal wieder ein Text von mir erschienen. Es geht darin um Religionskritik von aussen. In dem Zusammenhang wende ich mich direkt an Markus Lanz, der Hamed Abdel-Samad in seiner Sendung zu Gast hatte: Lieber Herr Lanz: Was wissen Sie schon vom Islam, dass Sie glauben, einem Gelehrten und Opfer […]

über Tachles: Religionskritik im TV — Die 13 Blumen