Gedanken zum Yom haShoa von Rabbi Sacks

In Israel beginnt heute mit Sonnenuntergang der Yom haShoa, der Holocaustgedenktag. Näheres zum Ablauf dieses Tages kann hier nachgelesen werden.

Rabbi Sacks hat anlässlich des diesjährigen Holocaustgedenktages nachfolgendes Video erstellt, in dem er der Frage nachgeht, wie sich der Antisemitismus im Laufe der Zeit verändert hat und warum sein Wiederaufkommen heute nicht nur eine Gefahr für die Juden, sondern für alle ist, die sich um unsere Mitmenschlichkeit sorgen.

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Während wir uns an den Holocaust erinnern, von dem die Welt sagt, dass er nie wieder passieren würde, ist der Antisemitismus zurückgekehrt.

Aber was ist Antisemitismus und warum sollte seine Rückkehr Grund zu ernster Besorgnis sein, nicht nur für Juden, sondern für uns alle?

Historisch gesehen ist der Antisemitismus schwer zu definieren, weil er so widersprüchlich zum Ausdruck kommt. Vor dem Holocaust wurden Juden gehasst, weil sie arm waren und weil sie reich waren, weil sie Kommunisten waren und weil sie Kapitalisten waren, weil sie unter sich blieben und weil sie überall infiltrierten, weil sie an alte religiöse Glaubensüberzeugungen festhielten und weil sie wurzellose Kosmopoliten waren, die an nichts glaubten.

Was also ist Antisemitismus? Lasst uns klar sein – Leute nicht zu mögen, weil sie anders sind, ist kein Antisemitismus. Es ist Fremdenfeindlichkeit. Israel zu kritisieren ist kein Antisemitismus: Es ist Teil des demokratischen Prozesses, und Israel ist eine Demokratie.

Der Antisemitismus ist etwas sehr viel Gefährlicheres – er beabsichtigt, Juden zu verfolgen und ihnen das Recht absstreitig zu machen, zusammen als Juden wie alle anderen mit denselben Rechten zu existieren.

Er ist ein Vorurteil, das wie ein Virus im Laufe der Zeit durch Mutation überlebt hat.

So wurden im Mittelalter Juden wegen ihrer Religion verfolgt.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden sie wegen ihrer Rasse verunglimpft.

Heute werden Juden wegen der Existenz ihres Nationalstaates, Israel, angegriffen. Israels Existenzrecht zu verweigern, ist der neue Antisemitismus.

Und ebenso wie der Antisemitismus mutiert ist, verhält es sich mit seiner Legitimierung. Jedes Mal, wenn die Verfolgung in Barbarei überging, griffen die Verfolger zur höchsten Form der verfügbaren Rechtfertigung.

Im Mittelalter war es die Religion.

Im Weltverständnis Europas nach der Aufklärung war es die Wissenschaft: das sogenannte wissenschaftliche Studium der Rasse.

Heute sind es die Menschenrechte.

Wann immer Sie hören, dass man sich auf Menschenrechte beruft, um das Existenzrecht  Israels zu verweigern, hören Sie den neuen Antisemitismus.

Also, warum ist er zurückgekehrt? Es gibt viele Gründe, aber eine tiefere Ursache ist das kognitive Scheitern, Sündenbock genannt.

Wenn einer Gruppe schlimme Dinge zustoßen, können ihre Mitglieder eine von zwei Fragen stellen: „Was haben wir falsch gemacht?“ oder „Wer hat uns das angetan?“ Das ganze Schicksal der Gruppe wird davon abhängen, wofür sie sich entscheidet.

Wenn sie fragt: „Was haben wir falsch gemacht?“ hat der Heilungsprozess des Leids begonnen. Wenn sie stattdessen fragt: „Wer hat uns das angetan?“ hat sie sich als Opfer definiert. Sie wird dann einen Sündenbock suchen, der für all ihre Probleme verantwortlich ist.

Klassischerweise waren das die Juden, weil sie seit Tausenden von Jahren die auffälligste nicht-christliche Minderheit in Europa waren, und heute, weil Israel das auffälligste nichtmuslimische Land im Nahen Osten ist.

Das Argument ist immer das gleiche. Wir sind unschuldig; deshalb sind sie schuldig. Wenn wir also frei sein wollen, müssen sie – die Juden oder der Staat Israel – zerstört werden. So beginnt das große Übel.

Warum sollen wir uns dann alle darum kümmern? Wenn wir nicht jüdisch sind, was hat er schließlich mit uns zu tun?

Die Antwort ist, dass es sich beim Antisemitismus um die Unfähigkeit einer Gruppe handelt, Raum für Unterschiede zu schaffen.

Und weil wir alle verschieden sind, endet der Hass, der mit Juden beginnt, nie mit Juden.

Es waren nicht die Juden allein, die unter Hitler litten. Es waren nicht die Juden allein, die unter Stalin litten. Es sind nicht die Juden allein, die unter den radikalen Islamisten und anderen, die das Existenzrecht Israels verweigern, leiden.

Der Antisemitismus ist das weltweit zuverlässigste Frühwarnzeichen für eine erhebliche Bedrohung der Freiheit, der Menschlichkeit und der Würde des Unterschiedes.

Es betrifft uns alle.

Darum müssen wir ihn gemeinsam bekämpfen.

Übersetzung des Transkripts (hier in Englisch): faehrtensuche

Hungerstreik palästinensischer Gefangener. Die israelische Botschaft nimmt Stellung

Angehörige von Terroropfern bei der Eröffnung des Prozesses gegen Marwan Barghouti an einem Gericht in Tel Aviv, 2002 (Foto: GPO/Moshe Milner)

Angehörige von Terroropfern bei der Eröffnung des Prozesses gegen Marwan Barghouti an einem Gericht in Tel Aviv, 2002 (Foto: GPO/Moshe Milner)

Marwan Barghouti und palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen

In Israel findet zurzeit ein Hungerstreik palästinensischer Gefangener statt. Dieser wird organisiert von Marwan Barghouti. Zum besseren Verständnis der Person Barghoutis hat das Außenministerium eine Stellung- nahme veröffentlicht. In dieser heißt es:

„Die Tragödie des israelisch-arabischen Konflikts und das Haupthindernis für seine Lösung ist die anhaltende Weigerung der Palästinensischen Autonomiebehörde und palästinensischer Meinungsbildner, Intellektueller und religiöser Führer, die Legitimität Israels in welchen Grenzen auch immer anzuerkennen, sowie die Beförderung einer Kultur des Hasses und der Gewalt, die in der palästinensischen Gesellschaft so dominant sind.

Marwan Barghouti, verurteilter Mörder und Terrorist, war einer der Anführer der Zweiten Intifada zwischen 2000 und 2005.

Folgender Verbrechen war Barghouti angeklagt:

– Er wurde in einem Strafverfahren von einem Zivilgericht für fünf verschiedene Mordfälle an unschuldigen Zivilisten verurteilt.

– Die Verbrechen, die Barghouti inszeniert hat, waren unter anderem: der Mord an dem griechischen Mönch Tsibouktsakis Germanus in Jerusalem am 12.Juni 2001, der Mord an Yoela Chen in Jerusalem am 15. Januar 2002 und die Morde an Eli Dahan, Yosef Habi und Salim Barakat in Tel Aviv am 5. März 2002.

– Er war 21 weiterer Morde im Rahmen von 33 weiteren Anschlägen angeklagt gewesen, wurde in diesen Prozessen jedoch wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.

– Barghouti war der Gründer und einer der Anführer der Terrororganisation Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, die für die Ermordung Dutzender Israelis bei Selbstmordattentaten und Anschlägen mit Schusswaffen während der Zweiten Intifada verantwortlich war.

– Barghouti war außerdem der Anführer der Tanzim, einer bewaffneten Unterorganisation der Fatah, die während der Zweiten Intifada Anschläge auf Israelis ausgeführt hat.

– Während der Prozesse gegen ihn hat Barghouti keinerlei Reue für die von ihm begangenen Morde gezeigt.

Die Rechte von Gefangenen gemäß dem internationalen humanitären Recht

In israelischen Gefängnissen inhaftierten Palästinensern werden alle Rechte gewährt, die ihnen gemäß internationalem Gesetz zustehen. Darüber hinaus genießen palästinensische Gefangene sehr häufig Privilegien, die über die ihnen in der Genfer Konvention zugesagten Rechte hinausgehen. So hat etwa Marwan Barghouti im Gefängnis eine Dissertation geschrieben und einen Doktortitel erworben.

Barghoutis kürzlich in einem Gastbeitrag für die New York Times aufgestellte Behauptung, seit 1967 seien in israelischen Gefängnissen 200 palästinensische Gefangene gestorben, entbehrt jeder Grundlage. Verurteilte und Verwaltungshäftlinge werden in Israel human und in Einklang mit dem internationalen Recht behandelt. In den vergangenen zehn Jahren ist lediglich ein Gefangener gewaltsam zu Tode gekommen, dies während eines Aufstands.

Barghoutis Akte: Die Antithese zum Frieden

Hätte Marwan Barghouti wirklich einen palästinensischen Staat zum Ziel, der Seite an Seite mit Israel existiert, hätte er den israelischen Vorschlag für einen solchen Staat bei den Verhandlungen in Camp David 2000 unterstützt (ebenso wie die weiteren israelischen Initiativen in den darauffolgenden Jahren).

Stattdessen hat Barghouti den Weg der Gewalt gewählt und unmittelbar nach der Ablehnung des Vorschlags von Camp David die blutige Zweite Intifada gestartet, womit der Friedensprozess geplatzt war.

Wenn Barghouti (in dem Beitrag für die New York Times) von Israel als „Besatzungsmacht“ seit 70 Jahren spricht (das heißt, seit der Staatsgründung 1948), dann heißt das, dass er die extremistische Ideologie vertritt, derzufolge Israel eliminiert und durch einen palästinensischen Staat ersetzt werden müsste. Mit dieser Rhetorik inspiriert er lediglich zu weiteren Verbrechen aus Hass und zu Gewalt und ist damit weiterhin die Antithese zu einer friedlichen Koexistenz, zu Dialog und gegenseitiger Anerkennung.

Sogar heute, wo Barghouti im Gefängnis einsitzt, wird er noch für seine Gewalt belohnt. Er erhält ein Gehalt von der Palästinensischen Autonomiebehörde. Bis zum Alter von 85 Jahren wird er insgesamt eine Million US-Dollar von der Palästinensischen Autonomiebehörde erhalten haben, deren Haushalt teilweise von demokratischen Ländern des Westens finanziert wird.“

(Außenministerium des Staates Israel, 19.04.2017)

Zur Homepage von Premierminister Netanyahu»

Aus dem Newsletter der Botschaft des Staates Israel, 20.04.2017


Update (23.04.2017)

Zu Marwan Barghouti siehe auch: Stefan Frank, Ein Terrorist als Gastautor der „New York Times“, Mena-Watch (23.04.20117)

Die 5 wichtigsten Dinge, die man über Pessach wissen sollte

Originalartikel: The 5 Most Important Things to Know About Passover

von: Rabbi Benjamin Blech

Unsere größten Beiträge für die Welt in fünf Worten zusammengefasst: Erinnerung, Optimismus, Glaube, Familie und Verantwortung

Gelehrte haben sich längst gefragt, warum Juden, die sich auf weniger als ein Viertel eines Prozents der Welt beziffern – wie Milton Himmelfarb es einprägsam formuliert hat: „Die Gesamtbevölkerung des jüdischen Volkes ist weniger als ein statistischer Fehler in der jährlichen Geburtenrate eines chinesischen Volkes“ – einen so tiefen Einfluss auf fast jeden Bereich des menschlichen Bestrebens hatten.

Was macht die bemerkenswerte Tatsache aus, dass im 20. Jahrhundert die Juden – mehr als jede andere Minderheit – mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, wobei fast ein Fünftel aller Nobelpreisträger jüdisch ist?

Vielleicht geht alles zurück auf den Anfang der Geburt unseres Volkes und des Pessach-Festes, das wir in Kürze feiern werden.

Pessach vermittelt fünf Hauptkonzepte, die zu unserem Motto wurden, wie man ein erfolgreiches und produktives Leben führt. Sie sind die fünf wichtigsten Dinge, die  man über Pessach wissen und in jeden Tag des restlichen Jahres integrieren sollte. Weil wir sie seit Tausenden von Jahren seit dem Exodus in unsere nationale Psyche absorbiert haben, haben wir es geschafft, unsere prophetisch beauftragte Rolle in großem Maße zu erfüllen, um ein Licht für die Nationen zu werden.

Sie sind unsere größten Beiträge für die Welt und können in fünf Worten zusammen-gefasst werden: Erinnerung, Optimismus, Glaube, Familie und Verantwortung.

Die Bedeutung der Erinnerung

Der irisch-katholische Schriftsteller Thomas Cahill war so überwältigt davon, wie das jüdische Volk buchstäblich die Welt umgestaltet hat, dass er [ein Buch] verfasste, das sich zum internationaler Bestseller entwickelte, The Gifts of the Jews [Die Geschenke der Juden]. Eines der größeren Geschenke, die er dem jüdischen Genius zuschreibt, ist die Erfindung der Idee von Geschichte.

„Denkt daran, dass ihr Fremde im Land Ägypten wart.“ „Denkt daran, dass der Herr euch aus der Knechtschaft der Sklaverei geführt hat.“ Sich zu erinnern ist ein biblisches Mandat, das nie jemandem wichtig gewesen zu sein schien, bis das jüdische Volk auf die Bühne kam. Es war die Geschichte von Pessach, die eine Verpflichtung zur Erinnerung initiierte.

Henry Ford war berühmt für seine Überzeugung „Geschichte ist dummes Zeug“. Die Ford-Motorenfirma ist auch berühmt für die Herstellung der [Automobilmarke] Edsel. Und beides waren wahrscheinlich gleich dumme Fehler. Geschichte ist der einzige Weg, aus der Vergangenheit lernen zu können. Geschichte erlaubt uns zu wachsen, indem wir auf den Schultern von Giganten stehen. Wenn du einen Fehler einmal machst, bist du menschlich. Wenn du nie aus dem lernst, was vormals passiert ist, bist du gedankenlos. Deshalb ist es so wichtig, die berühmten Worte von George Santayana zu beachten: „Diejenigen, die nicht aus der Vergangenheit lernen, sind dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“

Wir wissen, wie schrecklich es sein kann, ohne eine persönliche Erinnerung an vorangegangene Ereignisse zu leben. Für eine Einzelperson haben wir einen Namen dafür, der uns mit Schrecken erfüllt: Alzheimer. Es ist eine Krankheit, die wir vermutlich mehr fürchten als den Tod, denn sie hinterlässt uns lebendige Leichen. Merkwürdig genug, wir haben kein ähnliches Wort für den Zustand, der die Ignoranz unserer kollektiven Vergangenheit beschreibt. Zu wissen, was vorher geschah, ist in einem historischen Sinn fast so wichtig wie in einem persönlichen. Nur durch das Bewusstsein unserer Vergangenheit als Volk kann unser Leben mit Sinn und Inhalt erfüllt werden.

Die Erinnerung verbindet unsere Vergangenheit mit unserer Zukunft. Sie wendet Geschichte in Schicksal. Sie schätzen zu lernen, war unser erster Schritt, um zu wahrer Größe zu gelangen.

Die Bedeutung von Optimismus

Um die Geschichte von Pessach in ihrer Tiefe zu verstehen, müssen wir erkennen, dass die schwierigste Aufgabe, die Mose zu erfüllen hatte, nicht darin bestand, die Juden aus Ägypten zu führen, sondern Ägypten aus den Juden herauszubekommen. Sie waren so an ihren Status als Sklaven gewöhnt, dass sie alle Hoffnung verloren hatten, jemals ihr Los verbessern zu können.

Ohne Hoffnung wären sie verloren gegangen.

Das wahre Wunder von Pessach und seine Bedeutsamkeit für allezeit ist die Botschaft, dass mit G’ttes Hilfe keine Schwierigkeiten unüberwindbar sind. Ein Tyrann wie Pharao konnte gestürzt werden. Eine Nation so mächtig wie Ägypten konnte besiegt werden. Sklaven konnten freie Menschen werden. Die Unterdrückten konnten die Fesseln ihrer Gefangenschaft lösen. Alles ist möglich, wenn wir nur wagen, den unmöglichen Traum zu träumen.

In der Geschichte des Großen Siegels der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein besonders relevanter Teil die von Benjamin Franklin im August 1776 vorgeschlagene Metaphorik. Er wählte die dramatische im Buch Exodus beschriebene Szene, in der Menschen einem Tyrannen gegenübertraten, um ihre Freiheit zu gewinnen.

„Pharao sitzt in einem offenen Streitwagen mit einer Krone auf dem Kopf und einem Schwert in der Hand und durchquert auf der Jagd nach den Israeliten die geteilten Wasser des Roten Meeres: Strahlen aus einer Feuersäule, Ausdruck der göttlichen Gegenwart und Anordnung, auf Mose ausstrahlend, der am Ufer steht und seine Hand auf das Meer ausstreckt, was dazu führt, dass Pharao besiegt wird.“

Das Motto, das er vorschlug, Worte, die auf der Pessach-Geschichte basierten, inspirierten George Washington und die Gründungsväter der amerikanischen Kolonien, gegen ihre britischen Unterdrücker zu rebellieren: „Rebellion gegenüber Tyrannen ist Gehorsam gegenüber Gott“.

Es war der biblische Bericht des Exodus, der es der Aufbruchstimmung ermöglichte, sich bei den Anhängern des Martin Luther King durchzusetzen in ihrem Streben nach Gleichberechtigung, weil sie durch die Vision des Mose, der sein Volk ins Gelobte Land führte, aufgewühlt wurden. Es war die Hoffnung, ausgelöst durch die Erinnerung daran, wie G’tt unsere Vorfahren erlöst und den in Ausschwitz inhaftierten Juden ermöglicht hat, heimlich das Fest der Freiheit zu feiern und an die Möglichkeit der eigenen Befreiung zu glauben.

Diese optimistische Stimmung, die auf unserer eigenen wunderbaren Geschichte basiert, ist das zweite große Geschenk, das wir der Menschheit gegeben haben und das unsere Identität definiert.

Die Bedeutung des Glaubens

Ein Pessimist, so heißt es, ist jemand, der keine unsichtbaren Mittel zur Unterstützung hat.

Der jüdische Optimismus ist verwurzelt in einer gegensätzlichen Vorstellung, einem festen Glauben, dass wir mit Unterstützung von oben durch einen fürsorglichen G’tt gesegnet sind. Und dieser Glaube an einen persönlichen G’tt gibt uns Glauben an uns selbst, an unsere Zukunft und an unsere Fähigkeit, die Welt verändern zu helfen.

Der Gott des Sinai sagte nicht: „Ich bin der Herr, dein G’tt, der die Himmel und die Erde erschaffen hat.“ Stattdessen verkündete er: „Ich bin der Herr, dein G’tt, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft geführt hat.“ Der G’tt der Schöpfung hätte theoretisch die Welt verlassen können, nachdem er seine Aufgabe vollendet hatte. Der G’tt des Exodus machte deutlich, dass Er stets in unserer Geschichte involviert ist und eine Verpflichtung zu unserem Überleben hat.

Thomas Cahill ehrt die Juden nicht nur für den Monotheismus, sondern für diese zusätzliche bahnbrechende Idee eines göttlichen Wesens, mit dem wir eine persönliche Beziehung teilen. Dies ist, wie er hervorhebt, der Schlüssel des Konzepts der westlichen Zivilisation für persönliche Verantwortung, persönliches Gewissen und Verschulden uns selbst und der Welt gegenüber.

Die Pessach-Geschichte vermittelt, dass Geschichte kein Zufallsprodukt ist. Sie folgt einem göttlichen Masterplan. Sie hat eine prädestinierte Ordnung. „Ordnung“ bedeutet auf Hebräisch „Seder“ – und darum wird das große Pessach-Ritual mit diesem Namen gekennzeichnet. Zufall ist kein jüdisches Konzept. Zufall ist nur G’ttes Weg, der wählt, anonym zu bleiben.

Der Glaube gibt uns die Gewissheit, dass – was auch immer unsere täglichen Probleme sind – die Geschichte sich in Richtung der endgültigen messianischen Erlösung bewegt. Das ist es, was uns immer motiviert hat, an Fortschritt zu glauben und teilzunehmen an tikkun olam, den Bemühungen, die Welt zu verbessern.

Die Bedeutung der Familie

Pessach lehrte uns noch eine andere große Wahrheit: Der Weg, die Welt zu perfektionieren, besteht darin, bei unseren eigenen Familien zu beginnen.

Gott baute seine Nation nicht, indem er eine kollektive Versammlung von Hundert-tausenden auf einem öffentlichen Platz befahl, sondern indem er Juden bat, ihre Häuser in Orte des familiären G’ttesdienstes zu verwandeln bei einem Seder, der in erster Linie Linie der Beantwortung der Fragen der Kinder gewidmet ist.

Es scheint allzu offensichtlich. Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind diejenigen, die unsere Aufmerksamkeit am meisten erfordern. Das Haus ist [der Ort], wo wir zuerst unsere Identitäten bilden und unsere Werte entdecken.

Mehr noch als in der Synagoge geschieht es in unseren Häusern, dass wir die Samen der Zukunft säen und unsere Kontinuität sichern. Kein Wunder also, dass die Kommentatoren darauf hinweisen, dass der erste Buchstabe der Tora ein Bet ist, der Buchstabe, dessen Bedeutung Haus ist. Die ganze Tora folgt erst, nachdem wir die Vorrangsstellung der Familie verstanden haben.

Die Welt kann jüdische Eltern für ihren besonderen Beschützerinstinkt und ihre kindzentrierte Lebensweise verspotten, aber sie sind diejenigen, die hauptsächlich für die außerordentlichen Erfolge ihres Nachwuchses verantwortlich sind.

Am Seder-Tisch werden die Kinder ermutigt, die Stars zu sein und ihre Fragen werden mit Respekt behandelt. Und das ist der erste Schritt zur Entwicklung der jüdischen Begabung.

Die Bedeutung der Verantwortung anderen gegenüber

Eine ernste Frage bittet, aufgefordert zu werden, wie wir unsere göttliche Berufung aus der Sklaverei Ägyptens feiern. Wir danken G’tt dafür, dass er uns herausgebracht hat, aber warum lässt es G’tt zu, zunächst Opfer solch einer schrecklichen Misshandlung zu werden?

Eine bemerkenswerte Antwort wird in zahlreichen Thora-Texten deutlich. Wir waren Sklaven in Ägypten – und so müssen wir in jeder Generation Empathie für die Unterdrückten haben. Wir waren Sklaven in Ägypten – und so müssen wir uns Gedanken machen über die Rechte der Fremden, der Obdachlosen und der Verarmten. Wir haben Unterdrückung erlebt – und so muss uns mehr als jedem anderen der Schmerz der Unterdrückten bewusst sein.

Die Tragödie unserer Begegnung mit Ungerechtigkeit war in einem nicht unerheblichen Maß dazu bestimmt, uns darauf vorzubereiten, in allen künftigen Generationen als Sprecher derjenigen zu dienen, mit deren Schmerz wir uns persönlich identifizieren können.

Der Sinn unseres Leidens war, uns zu einem Volk zu machen, das sich verpflichtet hat, das Unrecht der Welt zu korrigieren, Partner mit G’tt zu werden und die Welt würdig zu machen für die endgültige Erlösung.

Wir beginnen den Seder, indem wir Hungrige und Obdachlose einladen, sich uns anzuschließen. Wir beenden den Seder, indem wir die Tür für Elijah öffnen. Es ist unsere Akzeptanz der Verantwortung für andere, die der Schlüssel dafür ist, die Ankunft des Messias zu beschleunigen.

Von frühester Kindheit an identifiziert sich jeder Jude mit diesen fünf kraftvollen Ideen, die im Mittelpunkt von Pessach und seiner Botschaft stehen. Und gerade weil Erinnerung, Optimismus, Glaube, Familie und Verantwortung zu solch lebenswichtigen Merkmalen unseres Volkes geworden sind, konnten wir weit über das hinausgehen, was jemand für möglich gehalten hätte.

Übersetzung (und Link im Text): faehrtensuche

Warum gibt es keinen palästinensischen Staat?

Viele Leute scheinen zu glauben, es gäbe keinen palästinensischen Staat, weil Israel das nicht zuließe.

Dabei hat Israel den Palästinensern immer wieder Angebote für einen eigenen Staat gemacht, doch die Palästinenser haben jedes Angebot abgelehnt.

„Land [im Austausch] für Frieden“ hat nie funktioniert. Im Gegenteil: Statt Frieden „erntete“ Israel Terror und Krieg. „Bestes“ Beispiel: die Räumung des Gazastreifen im Jahr 2005!

Ein neu erstelltes Video der Prager University gibt Auskunft.

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Der Text des Videos in Deutsch (Übersetzung: faehrtensuche):

Israel muss den Palästinensern nur einen eigenen Staat zugestehen, dann gibt es Frieden im Nahen Osten, nicht wahr?

Das ist das, was Sie von UN-Botschaftern, europäischen Diplomaten und den meisten Hochschul-Professoren hören. Aber was wäre, wenn ich Ihnen sagte, dass Israel den Palästinensern bereits einen eigenen Staat angeboten hat – und nicht nur einmal, sondern fünfmal, bei verschiedenen Anlässen. Sie glauben mir nicht?

Lassen Sie uns die Vorgeschichte prüfen!

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Großbritannien den größten Teil des Nahen Ostens, einschließlich des Gebietes, das das moderne Israel ausmacht. Siebzehn Jahre später, im Jahre 1936, rebellierten die Araber gegen die Briten und gegen die jüdischen Nachbarn. Die Briten bildeten eine Kommission, um die Ursache der Rebellion zu untersuchen. Die Kommission kam zu dem Schluss, der Grund für die Gewalt läge darin, dass zwei Völker – Juden und Araber – das gleiche Land regieren wollten. Die Lösung wäre, so die Peel-Kommission, die Schaffung zweier unabhängiger Staaten – eine für die Juden und eine für die Araber. Eine Zwei-Staaten-Lösung.

Die vorgeschlagene Aufteilung fiel stark zugunsten der Araber aus. Die Briten boten ihnen 80 Prozent des umstrittenen Territoriums an, den Juden die restlichen 20 Prozent. Doch trotz der winzigen Größe ihres vorgeschlagenen Staates stimmten die Juden dafür, dieses Angebot anzunehmen. Aber die Araber lehnten es ab und nahmen ihre gewalttätige Revolte wieder auf.

Ablehnung #1

Zehn Jahre später, 1947, forderten die Briten die Vereinten Nationen auf, eine neue Lösung für die anhaltenden Spannungen zu finden. Ebenso wie die Peel-Kommison entschieden die Vereinten Nationen, dass der beste Weg für die Lösung des Konflikts der sei, das Land zu teilen. Am 7. November 1947 stimmten die Vereinten Nationen für die Schaffung von zwei Staaten. Wiederum nahmen die Juden das Angebot an, die Araber lehnten es ab, nur taten sie es dieses Mal, indem sie einen totalen Krieg begannen.

Ablehnung #2

Jordanien, Ägypten, Irak, Libanon und Syrien beteiligten sich an dem Konflikt. Aber sie scheiterten. Israel gewann den Krieg und baute weiterhin eine neue Nation. Der größte Teil des Landes, das von der UN für einen arabischen Staat vorgesehen war – das Westjordanland und Ost-Jerusalem -, wurde besetztes Gebiet (1949); besetzt nicht von Israel, sondern von Jordanien. Zwanzig Jahre später, 1967, versuchten die Araber, diesmal von Ägypten angeführt und gemeinsam mit Syrien und Jordanien  erneut, den jüdischen Staat zu zerstören. Der Konflikt des Jahres 1967, auch bekannt als der 6-Tage-Krieg, endete mit einem überwältigenden Sieg für Israel. Jerusalem und das Westjordanland, auch das Gebiet, das als Gaza-Streifen bekannt ist, fiel an Israel. Die Regierung war darüber geteilter Meinung, was man mit diesem neuen Territorium tun sollte. Die [eine] Hälfte wollte das Westjordanland an Jordanien und Gaza an Ägypten zurückgeben – im Austausch für Frieden. Die andere Hälfte wollte es den Arabern der Region geben, die begonnen hatten, sich selbst als die Palästinenser zu bezeichnen, in der Hoffnung, dass sie dort letztlich ihren eigenen Staat bauen würden. Keine der Initiativen kam sehr weit. Ein paar Monate später traf sich die Arabische Liga im Sudan und veröffentlichte ihre berüchtigten drei „NOs“:

NO – KEIN FRIEDE MIT ISRAEL!

NO – KEINE ANERKENNUNG ISRAELS!

NO – KEINE VERHANDLUNGEN MIT ISRAEL!

Wieder einmal wurde eine Zweistaaten-Lösung von den Arabern abgelehnt und es kam zur Ablehnung Nummer 3.

Ablehnung #3

Im Jahr 2000 traf sich der israelische Ministerpräsident Ehud Barak in Camp David mit dem Präsidenten der Palästinensischen Befreiungsorganisation Yasser Arafat, um einen neuen Zwei-Staaten-Plan abzuschließen. Barak bot Arafat einen palästinen-sischen Staat an – ganz Gaza und 94% der Westbank mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Aber der Palästinenserführer lehnte das Angebot ab. In den Worten des US-Präsidenten Bill Clinton war Arafat „hier 14 Tage lang und sagte ‚Nein‘ zu allem.“ Stattdessen begannen die Palästinenser eine blutige Woge von Selbstmordattentaten, die über 1000 Israelis tötete und weiter Tausende verstümmelte – in Bussen, in Hochzeitssälen und Pizzabuden.

Ablehnung #4

Im Jahr 2008 versuchte Israel es noch einmal. Ministerpräsident Ehud Olmert ging noch weiter als Ehud Barak, indem er das Friedensangebot um zusätzliches Land erweiterte, um den Deal zu versüßen. Wie sein Vorgänger lehnte der neue Palästinenserführer, Mahmoud Abbas, den Deal ab.

Ablehnung #5

Zwischen diesen beiden letzten israelischen Angeboten hat Israel den Gazastreifen einseitig geräumt und den Palästinensern dort die volle Kontrolle überlassen. Anstatt dieses Gebiet zum Wohl seiner Bürger weiterzuentwickeln, verwandelten die Palästinenser den Gazastreifen in einen terroristischen Stützpunkt, von dem aus sie Tausende von Raketen nach Israel abfeuerten. Jedes Mal, wenn Israel einem palästinensischen Staat zugestimmt hat, haben die Palästinenser das Angebot abgelehnt, oft gewaltsam.

Also, wenn Sie sich für Frieden im Nahen Osten interessieren, dann ist die Antwort nicht, auf Israel Druck auszuüben, um den Palästinensern ein weiteres Angebot für einen Staat zu unterbreiten. Möglicherweise ist die Antwort die, auf die Palästinenser Druck auszuüben, endlich die Existenz eines jüdischen Staates zu akzeptieren.

Mein Name ist David Brog, Geschäftsführer der Maccabbee Task Force, für die PragerU.