Und die Welt schaut zu …

Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, täglich, ja „rund um die Uhr“ einer existentiellen Bedrohung ausgesetzt zu sein? Nein?

Dann ist es unbedingt wichtig, den heute auf „haolam“ erschienenen Artikel „Das Dilemma Israels: Ein Ruf nach Verständnis“ zu lesen, um wenigstens ansatzweise zu verstehen, in welcher Lage sich dieses Land befindet. Und die zunehmende Isolierung spricht „aus allen Knöpflöchern“ – es tut regelrecht weh, dabei zusehen zu müssen und so gut wie nichts ausrichten zu können. Hier der Artikel:

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Das Dilemma Israels: Ein Ruf nach Verständnis

von Alan Elsner

Was bedeutet es eigentlich einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt zu sein?

Es heißt, dass Sie, Ihre Familie, Ihr persönliches Umfeld, Ihre Stadt, Ihr Land und Ihr Volk jederzeit aufhören könnten zu existieren – und zwar abhängig von der Entscheidung eines Dritten, den Sie nicht kontrollieren können.

Stellen Sie sich vor, dass dieser Dritte zudem keine Gelegenheit verpasst Ihnen zu sagen, dass er zum Ziel hat und sich geradezu danach sehnt, Sie zu zerstören. Dann können Sie ansatzweise verstehen, in was für einer misslichen Lage sich Israel heute befindet.

Es ist schwer für Amerikaner (oder Europäer, Anm. des Übersetzers) sich in diese Lage hineinzuversetzen. Wir waren einer solchen Bedrohung seit Jahrzehnten nicht ausgesetzt, seit dem Höhepunkt des kalten Krieges. Einige können sich noch an Zivilschutzübungen in den 50er Jahren erinnern. Für den Fall eines Atomkrieges wurden die Menschen angewiesen unter einem Tisch oder in der Nähe einer Wand Schutz zu suchen und ihre freien Hautpartien zu verdecken.

Wie David Rothkopf, Direktor und Herausgeber von Foreign Policy, letzte Woche schrieb: “Seitdem ist die Idee, dass ein Einzelner Amerika oder die amerikanische Lebensweise auf Knopfdruck vernichten könnte, für viele unvorstellbar geworden.”

“Doch das ist genau die Art von Bedrohung, der sich Israelis durch einen schon “limitierten” atomaren Angriff des Irans ausgesetzt sehen. Man kann natürlich darüber spekulieren, ob der Iran in Anbetracht der potentiellen Gegenwehr eine solche Waffe auch wirklich einsetzten würde. Doch angesichts der iranischen Drohungen und Handlungen erscheint die Gefahr, die wahren Intentionen der Führer in Teheran falsch einzuschätzen, als fahrlässig.”

Einige behaupten, ein atomar bewaffneter Iran wäre verrückt, wenn er Israel angreifen würde, da dieser ja weiß, dass die Antwort unmittelbar und katastrophal für das eigene Volk wäre.

“Ja, eine Bombe auf Tel Aviv wäre vermutlich das Ende von Israel, während der Gegenschlag vermutlich ´nur´ 20 Millionen Iraner zerstören würde…. Doch gerade der apokalyptische Charakter eines Angriffs auf Tel Aviv ist es, der die Drohung mit einem Gegenschlag glaubhaft erscheinen lässt”, schreibt Bernard Avishai in “The Daily Beast”.

Doch was, wenn er falsch liegt? Was, wenn auch nur eine fünfprozentige Chance besteht, dass ein iranischer Führer irgendwann den Knopf drückt? Ist eine fünfprozentige Wahrscheinlichkeit totaler Vernichtung für irgendeinen israelischen Staatschef akzeptabel?

In den letzten Tagen haben iranische Führer eine ganze Flut von Hasstiraden losgelassen. Der Oberste Führer, Ayatholah Khamenei, nannte Israel das “Krebsgeschwür des Zionismus im Herzen der islamischen Welt” und bezeichnete den Zionismus als “eine Gefahr für die gesamte Menschheit”.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad gab von sich, dass Israels Existenz eine “Beleidigung für die ganze Menschheit” sei. Einige Wochen zuvor sagte er einer Versammlung islamischer Diplomaten, dass jeder, der Freiheit und Gerechtigkeit liebe, nach der Vernichtung des zionistischen Regimes streben müsse.

Ahmadinejad sagte islamischen Botschaftern in Teheran, dass eine zionistische Bande seit über 400 Jahren die Angelegenheiten der Welt bestimme und behauptete, dass Juden an allen Schalthebeln der Macht in Politik, Medien, Wirtschafts- und Bankinstitutionen der Welt sitzen würden.

Hitler wäre stolz auf eine solche Rede gewesen: mit wenigen Änderungen könnte er sie sogar selbst geschrieben haben. Und das ist nur eine Kostprobe des Antisemitismus aus Teheran.

Für einen Großteil der Welt ist der Holocaust nunmehr Geschichte. Aber für Israelis ist er noch immer bittere Realität. Viele Israelis haben oder hatten Eltern und Großeltern, die überlebt haben – und viele andere Verwandte, die nicht überlebt haben. Der Holocaust ist für sie lebendige Geschichte.

Was das Ganze noch schlimmer macht ist der Anblick von Politikern, die Ahmadinejad hofieren. Dutzende werden dieser Tage auf einem Gipfel der blockfreien Staaten in Teheran erwartet. Mit ihrer Teilnahme senden sie die Botschaft, dass diese Art von Hass akzeptabel ist. Sie senden die Botschaft, dass die Drohung mit Völkermord gegen Israel nicht ausreicht, um sie fernbleiben zu lassen.

Wie Rabbi David Wolpe in der Washington Post schrieb: “Denken Sie, dass die internationale Gemeinschaft sich angesichts dieses Skandals rühren würde? Wenn die Protokolle der Weisen von Zion, die berüchtigste antisemitische Fälschung überhaupt, in Hotels in Jordanien und in ägyptischen TV Serien verbreitet werden, gibt es dann massenweise empörte Reden bei den Vereinten Nationen? Wird Ahmadinejad nicht mehr zu internationalen Foren und Symposien eingeladen werden? Werden die islamischen Völker sich erheben und sagen, dass man nicht in dieser Art mit anderen Völkern umgeht? Wird die Welt erkennen, dass die iranische Führung davon träumt, die zwei großen Warnschilder der Geschichte, Hiroshima und Auschwitz, miteinander zu verbinden?”

“Nein, stattdessen wird folgendes geschehen: Die Empörung wird abebben, die Welt wird sich selbst überzeugen, dass er es nicht wirklich so meint oder gar nicht die Kraft dazu hat. Auf den Straßen arabischer Hauptstädte wird ihm ein Heldenempfang bereitet werden und die Völker werden ein paar Schlafmittel namens Zaudern, Gleichgültigkeit, Dummheit und eine Prise Antisemitismus schlucken.”

Premierminister Benjamin Netanyahu sieht sich nun einer der schwerwiegendsten Entscheidungen gegenüber, die ein israelischer Regierungschef je zu treffen hatte. Die enormen Kosten, die ein Angriff auf Iran mit sich brächte: wirtschaftlich, diplomatisch und in Menschenleben, sind ihm wohl bekannt. Aber er kann unmöglich das Risiko eingehen, den Iranern zu gestatten, an die Mittel zu gelangen, um Israel zu vernichten, was das jüdische Volk zu zwei Holocausts in einem Zeitraum von 80 Jahren verurteilen würde.

 Alan Elsner ist Vorsitzender von The Israel Project

(Hervorhebungen: faehrtensuche)

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