Eine skandalöse Entscheidung

Oder: Frankfurt darf keine Schule machen

Alle drei Jahre verleiht die Stadt Frankfurt den mit 50.000 € dotierten Theodor-Adorno-Preis an eine Frau/einen Mann, die/der herausragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film .erbracht hat. In diesem Jahr soll der Preis an Judith Butler verliehen werden. Am 11. September 2012 ist es soweit.

Wie kommt das Kuratorium, das als „geballte, repräsentative Kompetenzansammlung deutscher Elite“ angesehen wird,  dazu, eine solche Wahl zu treffen? Was zeichnet Judith Butler aus, dass man sie für den diesjährigen Preis vorgesehen hat? Auf der Internetseite der Stadt Frankfurt heißt es, das Kuratorium „ehr[e] mit Judith Butler eine Autorin bedeutender Schriften zur politischen Theorie, zur Moralphilosophie und zur Geschlechterforschung [Stichwort: Gender (faehrtensuche)]“. Weiter ist zu lesen, dass mit Judith Butler „eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit geehrt“ werde.

Ja, wenn das so ist, kann man doch applaudieren, nicht? Denken ist gut, maßgeblich denken noch besser! Aber warum werden dann Proteste laut?

Mit Datum vom 31.08.2012 ist auf dem Blog des Staates Israels zu lesen:

„Botschafter Yakov Hadas-Handelsman hat dem Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Peter Feldmann, einen Brief geschrieben, in dem er gegen die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an die Philosophin Judith Butler protestiert hat.

In dem Schreiben bringt der Botschafter seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass ein Preis, der nach einem Menschen benannt ist, der unter den Nationalsozialisten wegen seiner Ansichten und seiner Herkunft verfolgt wurde, an eine Person verliehen wird, die dem Staat Israel gegenüber keine Toleranz und Liberalität erkennen lässt.

In dem Brief heißt es wörtlich:

„Ohne Zweifel mag das akademische Wirken Butlers im sozialwissenschaftlich-philosophischen Bereich außerordentlich und preiswürdig sein, jedoch verwundert es, dass die Stadt Frankfurt eine Person, die wiederholt zum kulturellen und akademischen Boykott Israels aufgerufen hat, ausgerechnet mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis auszeichnen wird.

Das Kuratorium hat es bei seiner diesjährigen Entscheidung zur Preisvergabe leider versäumt, die Moralphilosophin an ihrer eigenen Moral zu messen – denn zwischen dem akademischen Werk Judith Butlers und ihrer persönlichen antiisraelischen Agenda, die sie nicht müde wird, in ihrer Position als international renommierte Wissenschaftlerin öffentlichkeitswirksam zu verfechten, herrscht eine groteske Diskrepanz.“

(Botschaft des Staates Israel, 31.08.12)“

                                                                       (Hervorhebungen: faehrtensuche)

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer findet sehr deutliche Worte, indem er sagt:

„Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als „Halbjude“ in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten.“ […]“Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen.“

Stephan Grigat spricht von einem „schlechte[n] Scherz“ und meint, Judith Butler sei

„eine internationale Aktivistin, die zum Boykott Israels aufruft. Sie engagiert sich im „Boycott, Divestment and Sanctions movement“ (BDS), das sich nicht etwa gegen das iranische Regime richtet, das seit über 30 Jahren Frauen mit aller Gewalt unter die Gesetze der Scharia zwingt und Schwule an Baukräne aufhängt, sondern gegen den jüdischen Staat, der als einziger in der Region Homosexuellen ein gleichberechtigtes und selbstbewusstes Leben ermöglicht. Von der BDS-Kampagne haben sich mittlerweile selbst radikale Antizionisten wie Noam Chomsky und Norman Finkelstein distanziert, während Butler weiterhin als ihr internationales Aushängeschild fungiert.“

Wie sehr Judith Butler in der BDS-Kampagne involviert ist, zeigt z.B. ihr Widerstand gegen den Verbleib des Nachlasses Franz Kafkas in Israel, weil – so Butler – die Notwendigkeit bestehe, die Nationalbibliothek in Jerusalem zu boykottieren.

Ein weiterer Aspekt wird von der Jüdische Allgemeine[n] angesprochen. Die Zeitung zitiert eine Äußerung Judith Butlers, die wie folgt lautet: „Es ist extrem wichtig, Hamas und Hisbollah als soziale Bewegungen zu verstehen, die progressiv sind, die links stehen, die Teil der globalen Linken sind.“ Welch eine groteske Verharmlosung der Hamas als auch der Hisbollah! Butler stellt sich schützend hinter Terror, der ja in bestimmten Situationen durchaus zu rechtfertigen sei? Hat sie ausgeblendet, dass beide Organisationen rücksichtslos gegen unschuldige Zivilisten vorgehen?

Die bisher genannten Fakten reichen bereits aus, um zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass die Nominierung Judith Butlers und das Festhalten an dieser Nominierung durch nichts zu rechtfertigen ist! Wie viel Realitätsbezug, Einsicht in politische Auswirkungen ist noch vorhanden, wie viel Offensichtlichkeiten werden ausgeblendet?

Die Preisverleihung wird all jene Kräfte stärken und weiter Auftrieb geben, die alles daran setzen, den Staat Israel zu deligitimieren bzw. die als letztes Ziel die Auslöschung des Staates Israel im Auge haben, wie es die BDS-Bewegung deutlich macht! Man könnte es auch so ausdrücken, Frankfurt macht Schule, schlechte Schule!

Frankfurt darf keine Schule machen!

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