Wer es noch nicht wusste:

Westerwelle warnt – Merkel merkelt! – Ein kleiner Einblick in ein umfassendes Thema, heiter und ernst zugleich

Manchmal hat man so etwas wie „intuitive“ Gedanken, die nicht der bewussten Beeinflussung unterliegen. So geschehen, als ich dieser Tage auf der „Achse des Guten“ einen Eintrag entdeckte, der mich aufmerken ließ. „Westerwelles Warnsinn“ stand da. Dass Westerwelle Ehrenvorsitzender der Firma „Mahner & Warner“ ist, wie der Autor herausgefunden hat, setzte dem Eintrag das besondere „I-Tüpfelchen“ auf.

Westerwelle warnt also, und was macht Merkel? Ja, genau – „Merkel merkelt“. Ich war gespannt, wie viel Einträge Google nach Eingabe von „Merkel merkelt“ ausspucken würde. Ich war überrascht, fast ein runder Hunderttausender mehr als bei „Westerwelle warnt“ – 725.000 waren es. Beim Durchsehen der Einträge wunderte ich mich, bei wie vielen Headlines es „merkelt[e]“. Soweit ich gesehen habe, merkelte es bereits seit dem Jahr 2003 gewaltig! Schon gewusst?

Hier einige Beispiele aus dem Fundus „merkeln[der]“ Beiträge:

Jetzt merkeln es alle – Die CDU-Chefin gewinnt die letzte Schlacht vor der Kanzlerwahl
Zeit Online, 23.01.2004

„Merkeln“ durch das Wahlkampf-Finale
stern, 24.09.2009

Es merkelt nun seit Monaten
Leserkommentar auf FOCUS Online, 29. Juni 2010

Es „merkelt“ am Devisenmarkt
n-tv, 13.12.2011

Die Kanzlerin merkelt sich über Fehler und Niederlagen hinweg
Zeitung Oberpfalznetz, 11.05.2012

Es merkelt
Leserkommentar FOCUS Online, 04.10.2012

Es merkelt wirklich bei der CSU. [Nicht zu vergessen, der Zusatz:] Viele warme Worte, wenig Taten. 
Facebook-Eintrag, 14.11.2012

Frau Merkel, merkelt es bei Ihnen noch immer nicht
Leser-Kommentar, Focus Online, 26.06.2010

Die Kanzlerin merkelt bei den Närrinnen rum
Westfalenpost, 22.01.2008

AUCH EINIGE PROMINENTE (und) POLITIKER MERKELN MIT:

Wenn’s bei Mozart merkelt [Merkwürdig, das so ganz außerhalb seiner Zeit ? ;-)]
Pforzheimer Zeitung, 20.03.2011

Schröder merkelt
Spiegel Online, 03.04.2003

Gabriel merkelt
SF2000 Blog Flügelschläge, 25.07.2012

Herr Rösler merkelt nur ein wenig
free1words.wordpress.com, 27.07.2011

Und selbst
Udo Lindenberg merkelt sich was …
FAZ, 08.07.2005
… mit seinem Song, Hallo Angie, das Merkel ich mir!

Ja, und was bedeutet nun „merkeln“ oder „Merkeln“? Wer aus Udos Song noch nicht schlau (genug) geworden ist, dem bietet das Internet gute Aufklärungsmöglichkeiten. Auch bekannte und „selbsternannte“ Etymologen haben sich mit dieser neudeutschen Wortschöpfung befasst. Etwas Besonderes muss es damit schon auf sich haben, denn laut Duden werden Verben in der Regel klein geschrieben (immer noch!) und nicht groß wie im obigen Beispiel!

Zunächst lasse ich Angela Merkel selbst sprechen! 😀 Bereits alles klar? – Nein?

Auf „Yahoo“ stoße ich tatsächlich auf die Frage „Was bedeutet das neudeutsche Verb ‚merkeln‘?“ Unter den dort abgedruckten Antworten finde ich auch einen Verweis auf den Artikel in der Welt vom 04.06.2005 „Fricklen“, „daddeln“ oder „merkeln“. Demnach gehören diese drei Verben zu den „Teilzeitwörtern“. (Ein Artikel zum Schmunzeln, aber ernsthafte etymologische Aufklärung – ? – Fragezeichen!). Als beste Antwort (vom „Yahoo“- Fragesteller ausgewählt) bleibt „die Anspielung auf den Stil der Kanzlerin, Angela Merkel-nix oder schlichtweg die merkelt ja eh nix.

Auf dem Blog Schreibakademie erfahre ich etwas über die verschiedensten Varianten des Verbs „merkeln“. Man kann es mit Präfixen versehen (aufmerkeln, zumerkeln, bemerkeln), substanivieren oder gar als Adjektiv gebrauchen (merkelisiert sein).  Auch wird auf einen Schriftsteller verwiesen, der sich regelmäßig damit beschäftigt, wie aus Politikernamen Tatigkeiten werden. Dort ist unter „SPINNENS WORTSCHAU“ zu lesen, dass merkeln ein Synonym für „zögerliches Taktieren“ ist. Aha! Auf dieser Webseite, „satirisch-ernste Anmerkelungen zur Entwicklung der deutschen Sprache“, wird das genauso gesehen. Da liest man:

Das Wort merkeln ist ethymologisch (von der Herkunft her) verwandt mit dem Substantiv „Merkel“ (der Merkel, gelegentlich auch das Merkel) mit dem die Zeitspanne bezeichnet wird zwischen dem Auftreten einer durchschnittlich schwierigen Frage und der Formulierung  von Lösungsansätzen.

Als physikalische Größe würde man das Beharrungsvermögen eines Körpers in „Merkel“ ausdrücken können.“  (weiterlesen…)

Weg von der Satire. Das P.T.- Magazin (für Wirtschaft und Gesellschaft) widmete am 2. Juli 2012 dem „Merkeln“ einen ganzen Artikel. Untertitel „Planen und gewinnen. Egal, wie das Schicksal würfelt“. Der Autor geht dem Phänomen Merkel nach und fragt nach dem Grund ihres Erfolges. Das Magazin erwähnt u.a. den Finanzkabarettisten Chin Meyer. Dieser wird mit folgenden Worten zitiert:

„Das ist das Beste, was der CDU passieren konnte. Die perfekte Kombination der unbeachteten Minderheiten: Kinderlose – Frau – aus dem Osten – mit Promotion. Das ist genial. Unschlagbar. Da kann die SPD nichts dagegen setzen. Wen müssten die suchen, um das zu toppen? Was würde da noch ziehen? Höchstens: Lesbische – farbige – Liliputanerin – ohne Schulabschluss.“ 😀

Deutliche Worte für „Merkeln“ finden sich hier:

[…] Nirgends anecken, so ist der sozialdemokratische Sonnenschein in der CDU populär geworden. Ihr 2. Standbein war das Absägen von politischen Köpfen. Ihr politisches Anliegen liegt ganz im Sinne des Erhard Eppler: Etatismus und sozialistiche Bürokratie. Das politische Wort für ihr Handeln wird merkeln werden.“                                                             .(Hervorhebung: faehrtensuche)

Der Blogger „bluephant“ „mein[t] und frag[t] ja nur„:

… mal Butter bei die Fische: Was wird denn die Bundesregierung und wann konkret tun?

Aber ich denke ich kenne die Antwort schon: “Da muß man sich dann einmal zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden. Und, das sage ich mit aller Ernsthaftigkeit, ist alternativlos“.”

„Nett“ auch folgender EintragMerkeln wie Frau Merkel„:

„Geben Sie zunächst einmal den größten Banalitäten immer den Anschein einer überlegenen zenhaften Weisheit: “Wir dürfen es nicht beim Krisenmanagement bewenden lassen”. Genau, und wie einfach alles plötzlich scheint! Und vergessen Sie diesen ewig leicht pampigen Tonfall dabei nicht. Das größte Hindernis für intelligente Menschen, so etwas auch mal zu wagen, ist eigentlich nur ihre falsche Scham. Denn faktisch, also auf der Ebene der Merkel’schen Sachausssage, wären wir ja schon froh, wenn wenigstens das Krisenmanagement klappen würde.“

Weiterhin wird gesprochen von „ein paar rasch und ähnlich zusammengeklimperte[n] Perlen hausfraulicher Universalphilosophie, eine[r] Art politisches Allwetter-Taft, wie z.B. „Gas geben kann nicht alles sein, das wissen wir aus dem Straßenverkehr„. Amüsant auch der Schluss des Artikels:

„Und geben Sie sich zuletzt immer unbedingt einen Claim, einen ‘Markenkern’, auf den Sie in jeder Rede ‘einzahlen’, wie Marketing-Leute dies nennen: “Ich bin in der früheren DDR aufgewachsen und heute Bundeskanzlerin des wiedervereinten Deutschlands. Dies alles zeigt mir: Nichts ist unmöglich”. So wird Angela, die Einzige zu unserer obersten Mutmacherin. Man kann sogar aus der DDR kommen – boah ej!“

Ist es das, was viele als „Mutti-Faktor“ bezeichnen?

Die Frage, was Angies Erfolg ausmacht, bleibt. Ein Leser der „Augsburger Allgemeine[n]“ äußert sich in einem Kommentar zur Wiederwahl Merkels als Parteivorsitzende auf dem letzten Bundesparteitag der CDU in Hannover sehr kritisch:

Wer klar bei Verstand, also nicht Merkel-besoffen ist, weiß doch, dass die unangenehmen Wahrheiten von Merkel bis nach der Wahl verschoben werden, dann aber um so dramatischer hervorkommen. […] Dass das Parteivolk diese Merkel mit einem Ergebnis [97,94 Prozent der Stimmen] wählt, das man von Diktaturen kennt, ist beschämend.“

Die nächste Wahl steht bevor. Im September 2013 ist es soweit. Da werden wir erfahren, ob man weiter von „Unbezähmbare[r] Angéliquesprechen kann oder ob man wieder  sagen muss „Deutschland merkelt weiter„.

es-merkeltEs sei am Schluss noch ein Hinweis auf Konstatin Weckers Song für „Angie“ gestattet – sehr aussagekräftig!

PS: Merkel warnt auch, dabei übertrifft sie Westerwelle bei weitem (1.620.000 Einträge)

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