Yakov Hadas-Handelsman,

Botschafter des Staates Israel in Deutschland, äußert sich sehr hilfreich …

… „Über Kritik, Moral und Manipulation“!

Quelle: Newsletter der Botschaft des Staates Israel, auch auf der Homepage! Hier!

„Moralpredigten und ein systematisches Ignorieren der Tatsachen sind seit langem die übliche Ausdrucksform einiger Kritiker des Staates Israel geworden.

Lassen Sie mich zunächst etwas Selbstverständliches sagen: Kritik gegenüber Israel ist legitim und mitunter auch berechtigt. Sie wird mündlich und schriftlich formuliert, in Israel und im Ausland – auch in Deutschland. Echte Kritik kennt nur einen Maßstab, der für alle Länder gilt – seien es westliche Staaten oder Entwicklungsländer. Eine solche Kritik leistet einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs und korrigiert Fehlentwicklungen, die es in Israel genauso gibt wie in jeder anderen Demokratie auch.

Doch in einigen Fällen wird die Kritik von außen zu einer geradezu obsessiven Beschäftigung mit Israel und ignoriert dabei alle Standards, die sonst in dem Land üblich sind, in dem sie geäußert wird. Immer wieder setzen die Kritiker dabei auf ein Ignorieren des Kontexts, die Manipulation von Tatsachen und Verallgemeinerungen.

Daher glaube ich, dass manchmal hinter der vermeintlich unschuldigen Frage „Darf man Israel kritisieren?“ auch Antisemitismus steckt, der sich als Kampf für die Meinungsfreiheit ausgibt, tatsächlich jedoch nur Kritik um der Kritik willen übt und das legitime Recht des jüdischen Volkes auf seine Selbstbestimmung in Frage stellt.

Eine der Säulen des Judentums ist die Polemik. Fragen zu stellen, Kritik zu üben, etwas in Zweifel zu ziehen und Normen und Regeln in Frage zu stellen, sind wichtige Grundlagen der jüdischen Kultur. Es gibt kein anderes Volk, das seit Tausenden von Jahren mit einer so reichen demokratischen und pluralistischen Kultur gesegnet ist. Diese Kultur wurde auch vom modernen Staat Israel adaptiert und wird dort Tag für Tag praktiziert. Der Schutz des Schwachen, der Minderheit ist die Basis für das israelische Recht und die israelische Gesellschaft. Die israelischen Medien, Nicht-Regierungsorganisationen und die politische Opposition fordern die Regierung jeden Tag aufs Neue durch von ihnen vorgetragene Kritik heraus.

Der Staat Israel kann stolz auf einen Obersten Gerichtshof sein, der sich nicht scheut, in politischen, gesellschaftlichen und sogar auch sicherheitsrelevanten Fragen gegen die Regierungsmeinung zu entscheiden. Ein solches Oberstes Gericht, dessen Türen auch Nicht-Staatsbürgern (auch Palästinensern) offen steht, gibt es in nur wenigen westlichen Staaten.

Trotz seiner einzigartigen geostrategischen Lage bemüht sich der Staat Israel, eine religiöse und nationale Minderheit zu integrieren – sicherlich tut er das nicht immer so konsequent wie gewünscht, sicherlich gibt es hier noch Raum für Verbesserungen; doch anderthalb Millionen arabischer israelischer Staatsbürger genießen Religionsfreiheit, vollkommen gleiche Rechte und sind ein integraler Bestandteil des Lebens in Israel. Unter ihnen sind erfolgreiche Geschäftsleute, führende Medienvertreter, Rechtsanwältinnen und Richter, Ärztinnen und hochrangige Offiziere in Armee und Polizei. Die israelischen Araber sind in der Knesset vertreten – unter anderem durch Abgeordnete, die sogar die Symbole des Staates in Frage stellen. Doch die israelische Demokratie ist stabil und stark genug, um auch dies auszuhalten.

Die israelischen Araber leben im jüdischen Staat und genießen eine Lebensqualität, von denen die übrigen Bewohner des Nahen Ostens nur träumen können. Im Nahen Osten herrschten Freiheit und Demokratie, wenn alle seine Bürger über ähnliche Rechte und Rechtssicherheit verfügen würden wie die arabischen israelischen Staatsbürger.

All dies jedoch hat ein Teil der Kritiker des Staates Israel nicht vor Augen. (Selbsternannte) Experten für den Nahen Osten wiederholen wieder und wieder ihre „gelehrte“ Kritik an Israel und verschließen dabei die Augen vor den Ereignissen und Prozessen, die sich in der übrigen Region ereignen – und nicht selten auch in ihren eigenen Ländern. Wann haben sie das letzte Mal über die Lage der Christen, die Stellung der Frau oder die Rechte von Homosexuellen in der arabischen Welt nachgedacht? Wann haben sie das letzte Mal ihrem Abscheu über den hasserfüllten Antisemitismus Ausdruck verliehen, wie ihn Führer der arabischen Welt in den arabischen Medien verbreiten? Oder ist es vielleicht so, dass eben diese Kritiker in Bezug auf die arabische Welt einfach zu westlich arrogant sind, und deshalb den arabischen Regimen und Gesellschaften aus welchen Gründen auch immer alles nachzusehen bereit sind…?

Daher: Ja zu Kritik, aber nein zu Moralpredigten von manipulativen Schreibern mit Doppelmoral.“

[Hervorhebungen: faehrtensuche]

Newsletter der Botschaft des Staates Israel, 07. Januar 2013

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3 Gedanken zu „Yakov Hadas-Handelsman,

  1. Nicht nur, dass man kritisieren darf, man muss es sogar! Kritik üben bedeutet nicht nur, mit dem Finger auf einen Fehler hinweisen, und damit eine Schuldzuweisung zu leisten, sondern, und das ist die für mein Empfinden wesentlichere Form, Kritik üben bedeutet auch, eine Beurteilung von Fakten und/oder Entwicklungen abzugeben. Diese Beurteilung wiederum orientiert sich an Normen, die von einer breiten Mehrheit getragen werden. Objektiv und ohne Schuldzuweisung. Kommt die Kritik also auf diese Art daher, wird sie den Anstoss für einen Denkprozess geben. Vor allem aber: diese Form der Kritik kränkt nicht! Leider ist es aber so, dass sich hinter der derzeit so gerne geübten Israelkritik sehr oft ein mehr oder weniger gut verborgener Antisemitismus versteckt, der dann zu der scheinheiligen Aussage führt:“Ja, man wird doch wohl noch……..“

    • Stimme dir im Wesentlichen zu. Kritik ist dann gut und notwendig, wenn sie begründet ist, d.h. auf (nachweisbaren) Fakten beruht und wenn ihr Maßstäbe zugrunde liegen, die für alle gleich gültig sind (nicht gleichgültig!!!) Was Israel anbetrifft, zeigt die Diskussion, dass man alle Maßstäbe verloren zu haben scheint. Antisemiten gibt es (bald) nicht mehr, die verstecken sich hinter Aussagen wie „Man wird ja wohl noch … kritisieren dürfen!“ Hat ihnen jemand das Recht zu kritisieren abgesprochen? Müssen sie sich rechtfertigen für ihre Kritik? Und wenn man diese „Kritik“ der sogenannten „Israelkritiker“ dann mal „unter die Lupe“ nimmt, ist sie voll von Ressentiments, Vorurteilen, Halbwissen, Unwissen, regelrechtem Judenhass, der durch nichts zu begründen ist, jedenfalls nicht durch Fakten! Manisch-obsessiv schießt man sich auf Israel ein! Bei keinem anderen Land der Welt (außer bei Israel) fragt man oder rechtfertigt sich mit der Aussage „Man wird ja wohl noch kritisieren dürfen“. Das allein zeigt doch schon einen „Ausnahmezustand“!
      (Ebenso verhält es sich mit dem sogenannten „Existenzrecht“. Warum muss man (immer wieder) das Existenzrecht Israels betonen, als ob das nicht etwas völlig Normales wäre! Bei keinem Land der Welt wird das Existenzrecht in Frage gestellt!
      Apropos „Schuldzuweisung„: Schuldzuweisung nein (bringt nicht weiter), Hinweis auf Fehler ja! Schuld ist für mich etwas, was ich bei mir selbst feststellen kann, aber jemand anders muss – wenn es denn so ist – selbst drauf kommen. ;.)

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