Die Not ist groß, die Zeit ist kurz

Aktion Würde und Versöhnung – Hilfe für Holocaustüberlebende in Israel

„Die Not ist groß, die Zeit ist kurz“ – mit diesen Worten charakterisiert Harald Eckert, Vorsitzender der „Initiative 27. Januar„, die Situation der Holocaustüberlebenden in Israel. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass der Appell, handelnd einzugreifen, auf offene Ohren und Herzen stößt. Die 2012 ins Leben gerufene „Aktion Würde und Versöhnung“ soll bedürftigen Holocaustüberlebenden dazu verhelfen, in Würde zu leben und ein Zeichen der Versöhnung zu erfahren.

INHALT DES VIDEOS (s.u.) im Wortlaut:

„Mein Vater wurde im Holocaust ermordet. Ich war 13 Jahre alt, ein Kind. Schon wir Kinder mussten Zwangsarbeit leisten. Sie sahen, dass den alten Leuten das Laufen schwer fällt. Für was hätte man sie brauchen können? Sie brachten sie an Ort und Stelle um. Überall auf der Straße lagen Leichen.“ (Yossi Kalman, Holocaustüberlebender)

Noch heute leben in Israel etwa 200.000 Menschen, die der Mordmaschinerie der Nazis entkommen sind. Doch etwa ein Drittel der Holocaustüberlebenden lebt nun an oder sogar unter der Armutsgrenze und leidet nicht selten auch an den psychosozialen Spätfolgen ihrer Erfahrungen. Sie haben so viel Leid erlebt und überlebt, müssen aber ihren Lebensabend in Not statt in Würde verbringen.

Harald Eckert, Vorsitzender der „Initiative 27. Januar“, wurde im Jahr 2007 durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hierauf aufmerksam. „Damals war mir nicht bekannt, dass es so viele Holocaustüberlebende in Israel gab, und es war mir noch weniger bekannt, dass ein Drittel davon wirklich existentielle Nöte hatte. Inzwischen weiß ich, dass neben diesem einen Drittel mindestens die Hälfte der anderen Überlebenden auch psychische oder sonstige Nöte haben, die auf ihre Erfahrungen in der Jugend oder in der Kindheit im Holocaust zurückzuführen sind.“

Die Initiative 27. Januar fördert als zivilgesellschaftliche Organisation das Gedenken an den Holocaust und die deutsch-israelischen Beziehungen. Gemeinsam mit ihren drei israelischen Projektpartnern, dem Hadassah-Krankenhaus, „Keren Hayesod“ und der „Helping Hand Coalition“ startete sie im Jahr 2012 die „Aktion Würde und Versöhnung“, um in Deutschland verstärkt auf die bedürftigen Holocaustüberlebenden in Israel aufmerksam zu machen und ihre materielle wie immaterielle Not zu lindern. Mit einer Pressekonferenz konnte die „Aktion Würde und Versöhnung“ eine breite öffentliche Aufmerksamkeit erreichen. […]

Bereits im Januar 2012 hatte die „Initiative 27. Januar“ in Berlin aus Anlass des 70. Jahrestages der Wannseekonferenz zum gemeinsamen Gedenken und Begegnen mit Vertretern von Verbänden der Holocaustüberlebenden in Israel und mit weiteren Gästen aus dem In- und Ausland eingeladen. Bei den Veranstaltungen wurde auf die Situation bedürftiger Holocaustüberlebender in Israel hingewiesen. Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.: „Hier kann man nicht entschädigen, hier kann man nur helfen, dass diese Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können.“ 

Ende Januar 2013 stellten die israelischen Partnerorganisationen der „Aktion Würde und Versöhnung“ bei Gedenk- und Benefizveranstaltungen in Berlin und München ihre Hilfsprojekte vor. […]

„Keren Hayesod“ unterhält mit dem Arbeitszweig „Amigour“ landesweit über 50 Altersheime. Erez Shani, Pressesprecher „Amigour“: „Amigour untersteht der Jewish Agency und bietet bedürftigen Senioren ein Betreutes Wohnen. Unter den 8.000 Einwanderern im Seniorenalter, die in 57 Amigour-Einrichtungen leben, sind viele Holocaust-Überlebende.“ Yossi Kalman: „Ich genieße diesen Ort. Hier bin ich in Gesellschaft, bin glücklich, G‘tt sei Dank. Ich danke G’tt jeden Tag.“

Das  Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem hat eigene Betreuungskonzepte für Holocaustüberlebende bei stationären klinischen Aufenthalten. Aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen sind Krankenhausaufenthalte für diese Menschen psychologisch oft besonders schwierig, brauchen deshalb besondere Zuwendung und Begleitung. […]

Die „Helping Hand Coalition“ arbeitet eng mit den sozialen Kommunalbehörden und mit Verbänden der Holocaustüberlebenden in Israel zusammen, um die materielle Not und die Einsamkeit der ärmsten Holocaustüberlebenden zu lindern. Sie unterstützte seit 2007 bereits mehrere zehntausend Betroffener mit Essen, Kleidung und finanziellen Mitteln sowie mit kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten. Die israelischen Partnerorganisationen der „Aktion Würde und Versöhnung“ decken mit den jeweiligen Schwerpunkten ihrer Hilfsprojekte somit gemeinsam ein breites Spektrum von Bedürfnissen bei Holocaustüberlebenden in Israel ab.

Prof. Dr. Süssmuth anlässlich des 70. Jahrestages der Wannseekonferenz: „ […] wenn wir uns nur darauf verlassen, es wird schon jemand anders richten, in aller Regel der Staat, dann bleiben die Menschen auf der Strecke. Ich unterschätze nicht die Leistungen, die erbracht worden sind, aber wie spät!“

Harald Eckert, Initiator der „Aktion Würde und Versöhnung“: Die Not ist groß, die Zeit ist kurz. Es ist vielleicht eine historische Chance für uns Deutsche, hier einen Unterschied zu machen, der bei den betroffenen Menschen ankommt und der auch in der deutsch-israelischen Beziehung einen großen Unterschied macht.“

Wer mit einer Spende helfen möchte, sei auf folgendes Spendenkonto verwiesen:

Spendenkonto: „Aktion Würde und Versöhnung“
Empfänger: Initiative 27. Januar e.V.
Stichwort: Holocaustüberlebende
Evangelische Kreditgenossenschaft e.G., Kontonummer: 20 5344 166, BLZ: 520 604 10

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Ein Gedanke zu „Die Not ist groß, die Zeit ist kurz

  1. Sehr gut dass man endlich sieht, dass die erste Priorität darin liegt den Überlebenden zu helfen in allen ihren Nöten. Auch wenn es spät kommt, ist es doch besser als gar nicht zu agieren. Die Leute sollten darauf aufmerksam gemacht werden, dass viele noch leben und viele Hilfe brauchen. Jetzt ist die Zeit, wenn man noch etwas tun möchte – den Überlebenden die Hand zu reichen und ihnen eine Hilfe, ein Beistand und vor allem ein Freund zu sein.

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