Jibral Rajoub – ein „moderater“ Politiker der Fatah

– jedenfalls von den westlichen Medien als solcher bezeichnet – äußert sich in einem Interview, das er am 1. Mai 2013 dem arabischen Fernsehsender „Al Mayadeen“ [Libanon] gegeben hat, folgendermaßen:

Rajoub: In Palästina glauben wir, dass das, was unter dem “Arabischen Frühling” bekannt ist – angeblich eine rosige, süße, freudige Zeitperiode des Aufschwungs – in Wirklichkeit amerikanisch ist, sowohl dem Geist als auch dem Inhalt nach.

Der Arabische Frühling in der gesamten Region?

Das war unsere Ansicht von Anfang an, und deswegen distanzierten wir uns von den Ereignissen. Wir respektieren den Willen und die Rechte der Völker in der Region, aber …

Sie beziehen sich auf die Fatah-Bewegung?

Ja. Fatah hat tiefere historische Wurzeln als Leute, die sich erst seit kurzem an die Besatzung und die Palästinenser erinnern. Wir sind diejenigen, die den Arabern nach der Niederlage 1967 Würde zurückgegeben haben. Wir waren es, die die Revolution entfacht haben, auch wenn wir nicht darüber geprahlt haben und wir fuhren fort, die Befreiungsbewegung in Palästina und im Ausland zu leiten. Das war immer unsere Position, und sie ist es noch. Es gibt eine halbe Million Palästinenser, die in Syrien leben und seit 1948 von den Behörden als Syrer behandelt werden. Syriens Rolle in unserem Kampf – sowohl regional als auch international – verlangt von uns, Syriens Einheit und Kompetenzen zu erhalten, so dass es ein einflussreiches Land bleiben wird in dem Konflikt mit Israel. Wir hoffen wirklich, dass Syrien seine Einheit erhalten wird. Glauben Sie mir, wir sind vielleicht die Menschen, die am meisten unter dem syrischen Regime gelitten haben, aber unsere Priorität ist der Kampf gegen die Besatzung und der Kampf zur Befreiung Palästinas. Deswegen sind wir nicht schadenfroh über das, was in Syrien passiert. Im Gegenteil, es bricht unsere Herzen. Im Hinblick auf die Art des Islams, die behauptet, dass „Islam die Lösung ist“ – ich denke, dass die Erfahrung, die wir gemacht haben, nicht so ermutigend ist. Wir sahen, was in Algerien passierte und wir sehen, was heute in Ägypten und Teilen von Libyen und selbst in Tunesien in gewissem Ausmaß passiert. Ich glaube, dass dies unsere arabische und islamische Nation ins Verderben führt. Das widerspricht komplett den Werten und den Grundsätzen des Islam. Wenn das, was wir hier vorliegen haben, der „islamische Frühling“ ist, dann will ich Ihnen sagen, dass uns das zur Vernichtung bringen wird. Dieser „arabische Frühling“ ist amerikanisch, sowohl der Form nach als auch inhaltlich, und deswegen hoffe ich, dass die Leute das überdenken werden.

Wie kann es amerikanisch sein? Letzten Endes waren es die Menschen, die auf die Straßen gingen und die Revolutionen herbeiführten.

Wir sind nicht gegen Revolutionen. Im Gegenteil, wir sind selber Rebellen, wir lieben alle Rebellen, und wir würden gerne sehen, die ganze Welt führe Revolutionen. Aber mit welcher Begründung und angesichts welcher Perspektive? Wenn Sie mich als einen Palästinenser fragen, werde ich Ihnen sagen, dass sich unser Kampf gegen die israelische Besatzung richtet und dass unser Hauptfeind – nicht nur der der Palästinenser, sondern der aller Araber und Muslime – Israel ist und die israelische Besatzung. Wenn wir eine allgemeine Mobilmachung gesehen hätten – Geld fließt und Armeen marschieren, um Jerusalem mit gezückten Schwertern gegen den zionistischen Feind zu befreien – hätte das eine große Sache sein müssen. Aber ich hoffe, dass die palästinensische Sache nicht in diese gegenseitige Schlacht hineingezogen wird. Das wird uns nicht von Vorteil sein. Dabei mitzumachen, wird uns nur schaden. Die Muslimbruderschaft ist seit den 1930-er Jahren in Palästina präsent. Die Hamas-Bewegung entstand 1987. Wenn die Hamas sich nicht auf den bewaffneten Kampf eingelassen hätte, wäre sie eine isolierte religiöse Bewegung geblieben ohne wirklichen Einfluss auf die palästinensische nationale Entscheidungsfindung. Die Hamas hatte besser zu verstehen, dass ihr einziger Weg zu regionaler und internationaler Legitimität über die Einheit mit dem palästinensischen Volk und die Einheit mit der palästinensischen Führung geht, der PLO an seiner Spitze.

Nur durch die PLO?

Anders ist es unmöglich. Kein arabisches Regime kann das Spiel spielen, eine Alternative für die PLO zu schaffen, die der einzig legitime Repräsentant des palästinensischen Volkes ist.

Warum sind Sie sich dessen so sicher?

Weil wir Palästinenser sind. Wir sind taff und niemand wird irgendeinen anderen auf unseren Stuhl setzen. Wir (die PLO) haben unsere Position als Repräsentant mit Blut verdient und mit dem Kampf gegen die israelische Besatzung.

Und auch mit Diplomatie …

Einige arabische Regimes unterstützen Hamas. … Madam, lassen Sie mich total undiplomatische Worte gebrauchen. Wer auch immer Spielchen mit uns darüber treiben möchte, wer die Palästinenser repräsentiert, der trägt seinen Sarg auf seinem Rücken. Es gibt drei Themen in Bezug auf Palästina, mit denen niemand spielen darf, ungeachtet des Hintergrunds dieses oder jenes Regimes. Das erste ist ein unabhängiger palästinensischer Staat als Lösung für diesen Konflikt. …

Und ein Staat in den Grenzen von 1967?

1967 oder nicht – wir suchen nach  einem Platz unter der Sonne für diese Leute. 1967 oder nicht … – Sie sind es, die über die Grenzen von 1967 sprach. Sagen unsere Brüder in der Hamas etwas anderes? Zeigen Sie mir einen einzigen Araber, der eine Strategie hat, das zionistische Gebilde zu zerstören.

Hamas kämpft dafür, das Land Palästina in seiner Gesamtheit zu befreien.

Madam, sind Sie nun ein Anwalt für die Hamas? Wir haben eine Einigung mit Khaled Mash’al erzielt, dem Chef des politischen Büros der Hamas – und er wurde auf der Basis dieser Einigung wiedergewählt – , dass wir volle Souveränität wollen, einen unabhängigen palästinensischen Staat, mit Ostjerusalem als unserer Hauptstadt, und eine Lösung des Flüchtlingsproblems in Übereinstimmung mit den Resolutionen der Arabischen Liga, dem Recht auf Rückkehr und all das. Es gibt darüber keine Meinungsverschiedenheit mit der Hamas.

Sie sagten, es gäbe drei Themen …

Also lassen Sie mich ausreden. … Der Staat ist die Lösung. Gaza wird sich nicht Ägypten anschließen, und die Westbank wird sich nicht Jordanien anschließen. Es wird einen vollständigen souveränen palästinensischen Staat geben. Das zweite Thema ist der PLO-Status als einzig legitimer Repräsentant des palästinensischen Volkes in Übereinstimmung mit den Resolutionen der sukzessiven arabischen Gipfeltreffen. Das dritte Thema ist, dass die politische Partnerschaft in Palästina auf einem demokratischen Prozess und freien und fairen Wahlen gegründet sein sollte. Jedem Regime, das mit einem dieser drei Angelegenheiten spielt – lassen Sie es mich sagen, werden wir den Krieg erklären.

Welcher Art von Krieg?

Madam, gehen Sie noch nicht bis dorthin. Wir werden die Brücke überqueren, wenn wir an sie herangekommen. Der Widerstand, für uns in der Fatah, ist noch auf der Agenda. Ich spreche über Widerstand in all seinen Formen. Derzeit sind wir davon überzeugt, dass der Widerstand der Bevölkerung effektiv ist und die Besatzung für die andere Seite teuer macht. Niemand kann uns über Widerstand belehren, aber wir wollen, dass die Araber die gleiche Entscheidung treffen, weil die 4,5 Millionen Palästinenser in Gaza, Jerusalem und der Westbank die wichtigste Trumpfkarte sind in unseren Bemühungen, die palästinensische nationale Identität, den Staat und die Souveränität über palästinisches Land zu verwirklichen. Obama kam in die Region, um in ihr seine Interessen zu verteidigen. Er kam, um Israel, das die Investition Amerikas und des Westens in der Region ist, zu schützen. Obama kam, um die Verbrauchermärkte zu erhalten, die Seewege, amerikanischen Handel und amerikanische nationale Sicherheit. Er kam nicht zum Wohle Abu Mazens und der palästinensischen Behörde. Wir sagten Obama und Kerry dasselbe, was wir auch Ihnen und der ganzen Welt sagen: Wir werden nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren ohne die UN-Resolutionen als Quelle der Autorität, einschließlich eines Zeitrahmens und dem Einfrieren von allen einseitigen israelischen Maßnahmen – Jerusalem, die Mauer, die Siedlungen und die Gefangenen. Wir sagten das Obama. Dann besuchte uns Kerry dreimal und wir sagten ihm dasselbe.

Und dann hörten Sie, dass die Israelis das ablehnen.

Sie sollten bedenken, dass wir noch keine Atombombe haben. Bei Gott, hätten wir eine Atombombe, wir hätten sie an diesem Morgen eingesetzt.

[Übersetzung des Interviews: faehrtensuche]

LIEBER WESTEN, BITTE TRÄUM WEITER! 😦

Das Interview kann hier auf YouTube nachgehört werden (auf Englisch)!

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