Tuvia Tenenbom über …

… Das moderne Deutschland und die Juden

Die traurige Wahrheit über den heutigen zügellosen Antisemitismus in Deutschland

Tuvia Tenenbom, Modern Germany & jews, Aish

[Übersetzung: R.L.]

Vor drei Jahren nahm eine Redakteurin des Rowohlt-Verlages, einem der größten Buchverlage in Deutschland, Kontakt mit mir auf. Sie sagte, dass ihr meine Artikel in der Zeitschrift „Die Zeit“ sehr gefallen haben, jener renommierten deutschen Zeitung, für die ich geschrieben habe, und man würde es gern sehen, wenn ich für ein paar Monate nach Deutschland kommen würde, um einige Menschen zu interviewen und dann über sie „in demselben Stil zu schreiben, wie Sie für die Zeit schreiben.“

Es brauchte nicht lange, um mich zu überzeugen, und nur kurze Zeit danach tauchte ich in Deutschland auf.

Unglaubliche Landschaften, köstliches Essen, glänzende Museen, umjubelte Intellektuelle, unermüdliche Bauern, rastlose Künstler, blasphemische Fanatiker, standhafte Atheisten und eine hochmoderne Gesellschaft begrüßten mich. Alles, was ich tun musste, war den Umgang mit dieser Gesellschaft zu pflegen.

Ich interviewte Menschen aus allen Lebensbereichen. Die berühmte Ikone und Kettenraucher, Altkanzler Helmut Schmidt, den verlassenen Heroinsüchtigen auf den Straßen Frankfurts, den Herausgeber der größten europäischen Tageszeitung, der Bildzeitung, zweifelhafte Blogger, den Premierminister Sachsens, den gelangweilten Museums-Sicherheitsdienst, einen gebrechlichen Veteran des 2. Weltkrieges, große und sportliche Gymnasiasten, radikale Linke, die die Regierung stürzen wollen, Neonazis, die sich mit nichts weniger als mit Adolf Hitler abfinden wollen, Topmanager von Mercedes und Volkswagen, Straßenverkäufer, die Halsketten verkaufen, gebildete Leute und Analphabeten, reiche und arme Menschen, Leute aus dem Osten, Westen, Norden und dem Süden Deutschlands.

Wir haben zusammen gegessen, haben zusammen getrunken, und sie haben gesprochen.

Es verging kaum ein Tag, ohne dass nicht mindestens einer der Befragten mir gegenüber von den „reichen Juden“ oder den „schlauen Juden“ sprach. Sie redeten über Israelis, die die Palästinenser angeblich jeden Tag zum Frühstück verspeisen, über die „manipulierenden Juden“, oder irgendetwas anderes im Zusammenhang mit „den Juden“.

Traurigerweise musste ich herausfinden, dass Deutschland geradezu besessen ist auf Juden. Selbst diejenigen, die behaupteten, Juden zu mögen, hatten sehr befremdliche Gedanken über sie. Einige haben mir gesagt, dass angeblich alle Juden einander kennen, andere haben gesagt, dass alle Juden einander geholfen haben, und wieder andere behaupteten,  dass alle Juden sehr gut mit Geld umgehen können.

Die Menschen haben das so ausgesprochen, und ich habe es Wort für Wort so niedergeschrieben. Ich habe das Buch, ein Zeugnis über den zügellosen Antisemitismus im heutigen Deutschland, meiner Redakteurin vorgelegt.

Wir haben uns eine Woche später getroffen, und sie hat mir gesagt, dass sie beim Lesen des Buches geschrien und gelacht hat, und dass es noch besser sei, als sie erwartet hätte. Aber der Leiter des Verlages, der von Deutschlands renommiertesten Familien abstammt, geriet in Rage darüber. Er hat mir gesagt, dass ich das so nicht schreiben könne, und dass das Buch einer ernsthaften Überarbeitung bedarf.

Ich habe ihn gebeten, mir aufzuzeigen, wie eine gute Niederschrift aussehen könnte.

Er tat es.

Überall dort, wo es im Buch einen Satz über Menschen gibt, die „Juden“ nicht mögen, forderte er mich auf, dass ich das Wort in „Israel“ abändere.

Ein Kapitel über einen Klub, der die Tötung aller lebenden Juden verkündigt hat, musste gelöscht werden, er wollte es so. Wenn jemand mir in einem Interview gesagt hat, dass die Juden „die wahren Nazis sind“, dann mussten jene Äußerungen abgeändert oder gekürzt werden.

Ich begriff, nur wenn ich ihm darin gefolgt wäre, könnte ich ein „guter Schriftsteller“ sein.

Aber er beschränkte sich nicht darauf. Er ist wirklich so weit gegangen, mich als einen „hysterischen Juden“ zu bezeichnen. Und dann hat er unseren Vertrag aufgekündigt.

Kein amerikanischer Verleger, an den ich mich wandte, war bereit, das Buch herauszugeben. Welche Referenzen ich auch immer vorlegte, keiner der großen amerikanischen Verlagshäuser war bereit, etwas aus Deutschland zu übernehmen. Ich vermute, das Übernehmen von einem westlichen Verbündeten, ist bei den heutigen Verlegern nicht populär.

Nachdem ich bereits befürchtete, dass die Erkenntnisse aus dem Buch für immer verloren gehen könnten, hat sich das „Jewish Theater of New York (JTNY)“ dazu entschieden, das Buch in Amerika unter dem Titel „I Sleep in Hitler’s Room herauszubringen.

Im Dezember 2012 hat einer der renommiertesten deutschen Verlage, der Suhrkamp-Verlag, das Buch in Deutschland unter dem Titel „Allein unter Deutschenveröffentlicht.

Anfangs haben sich deutsche Kritiker geradezu auf das Buch eingeschossen, um mit aller Leidenschaft die Ergebnisse des Buches anzufechten und zu bestreiten, dass die meisten Deutschen heutzutage tatsächlich antisemitische Ansichten haben.

Einer unter ihnen, von der hoch angesehenen liberalen Süddeutschen Zeitung, scheute sich nicht einmal vor rassistischen Äußerungen und nannte mich ohne Hemmungen „Der Jude Tenenbom“.

Als Reaktion auf die wachsenden Anklagen gegen mich erklärte ich mich bereit, jedem Intellektuellen gegenüberzutreten und öffentlich mit ihm zu diskutieren.

Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass mir später bewusst wurde, dass meine heftigsten Kritiker das Buch angegriffen haben, ohne es vorher wirklich gelesen zu haben.

Glücklicherweise haben andere Kritiker auch einen tieferen Blick in das Buch geworfen und haben anerkennende Rezensionen veröffentlicht. Zehntausende haben das Buch gekauft, es war über Monate unter den Top Ten der Bestseller-Liste des Spiegel (vergleichbar mit der Bestseller-Liste der New York Times), und Tausende der Anhänger des Buches besuchten die öffentlichen Lesungen in ganz Deutschland.

Nach Abschluss meiner Reise durch Deutschland hatte ich auf jeden Fall  viele Freunde mehr, als zuvor.

Das macht mich glücklich, weil es immer gut ist, neue Freunde zu haben, aber das bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht auch besorgt bin. Ich bin es, und das noch viel mehr als ich es jemals war.

Deutschland ist ein wunderbares und schönes Land, seine Gesellschaft ist eine der am höchsten entwickelten in unserer Zeit.

Deutschlands kulturelle Einrichtungen, wie Museen, Theater und der Journalismus, all dies ist weltweit am weitesten fortgeschritten, was wahrscheinlich auch eine Erklärung dafür ist, dass die Stars der Deutschen nicht überwiegend aus Filmschauspielern, sondern aus Intellektuellen bestehen.

Nach meinem Eindruck, so weit, wie ich es feststellen kann, sind die meisten dieser Intellektuellen jedoch nur Pseudointellektuelle, also scheinbare Intellektuelle. Sie haben eine eingeschränkte Intelligenz, sind voll von sich überzeugt, haben eine sehr begrenzte Sichtweise von der Welt, sie haben einen Mangel an gesundem Realitätssinn, und, was das schlimmste ist, sie leiden unter einem akuten Antisemitismus.

Immer wieder lehrt uns die Geschichte, wohin dieser gefühllose Hass führen kann.

Vor dem 2. Weltkrieg, genau wie jetzt auch, war Deutschland für die damalige Zeit sehr fortgeschritten und stolz darauf, eine der besten Gesetze im Zusammenhang mit den Menschenrechten zu haben.

Aber damals, wie auch heute, hatten die Menschen Hass in ihrem Herzen, obwohl aus ihren Mündern zur gleichen Zeit die schönsten freiheitlichen Worte kamen.

Es war Adolf Hitler, der um ihre innersten Gedanken wusste, und er verwandelte sie in die sadistischsten Gedanken seit Menschengedenken.

Wenn Deutschland heute nicht aufwacht aus seinem Schlaf des tief innewohnenden Hasses, dann wird ein „Adolf“ erscheinen, der noch raffinierter ist, und niemand wird mächtig genug sein, um ihn zu stoppen.

Es ist Zeit, um Deutschland in aller Klarheit zu sagen: Menschen, die unter Krebs leiden, können es sich nicht leisten, ihn zu ignorieren. Deutschland muss wach werden gegenüber diesem Krebsgeschwür, bevor es daran zu Tode kommt.

Den Deutschen die Wahrheit zu sagen bedeutet nicht Hass, sondern es ist die reinste Form der Liebe. Ich empfinde eine ganz tiefe Liebe zu den Deutschen, und deshalb sorge ich mich auch so sehr um sie.

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