Deutschland sollte sich schämen, Juden zu boykottieren

Die „Kleine Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag“ vom 29.04.2013, israelische Produkte in besonderer Weise zu kennzeichnen, wenn sie aus dem Westjordanland [Judäa und Samaria] stammen,  und die Antwort der Bundesregierung (Vorabfassung hier) lassen das enorme Ausmaß der Geschichtsvergessenheit der Deutschen zum Ausdruck kommen! Oder könnte es gar sein, dass das Bewusstsein zwar vorhanden, jedoch die Vergangenheit bewusst ausgeblendet wird? …

In der „Jerusalem Post“ vom 10.06.2013 findet sich ein Artikel, der mir voll aus der Seele spricht. Michael Freund titeltShame on Germany for boykotting Jews“.

Dort heißt es:

Deutschland hat beschlossen, eine Initiative zu befürworten, die in jüdischem Besitz befindliche Unternehmen aussondert und sie zur Zielscheibe für eine nachteilige Behandlung macht.

In einem Rückfall in ihre dunkelste Vergangenheit hat die deutsche Regierung kürzlich entschieden, eine Initiative zu befürworten, die in jüdischem Besitz befindliche Unternehmen aussondert und sie zur Zielscheibe für eine nachteilige Behandlung macht. Berlin hat sich 13 anderen Mitgliedern der europäischen Gemeinschaft angeschlossen und hat Berichten zufolge zugestimmt, Bestrebungen zu unterstützen, die darauf ausgerichtet sind, Produkte, die von jüdischen Betrieben in Judäa und Samaria hergestellt worden sind, mit speziellen Herkunftsbezeichnungen zu versehen.

Das Ziel ist natürlich, der Existenz(grundlage) der jüdischen Geschäftsleute und Unternehmer Schaden zuzufügen und eine Möglichkeit, die Siedlungsbetriebe zu unterminieren. Unnötig zu sagen, dass Waren aus palästinensischen Betrieben in den [sogen. „besetzten“] Gebieten nicht in ähnlicher Weise gebrandmarkt werden.

Das ist ein absoluter Skandal, einer, der beides ist, moralisch obszön und historisch unvertretbar, und die Regierung von Angela Merkel sollte sich schämen, sich mit solch diskriminierender Praxis einverstanden zu erklären. Was immer man denken mag über den Friedensprozess und die Zweistaatenlösung, es sollte klar sein, dass es ein Akt reiner Scheinheiligkeit ist, die Waren nur deswegen anders zu behandeln, weil der Besitzer eines Betriebes, wo sie hergestellt werden, ein Anhänger von Mose statt von Mohammed ist.

Und angesichts des eigenen erbärmlichen Rekords im 20. Jahrhunderts haben Deutschland und seine Politiker eine besondere Verantwortung dafür, außergewöhnlich sensibel für solche Angelegenheiten zu sein, insbesondere, wenn es um Juden geht.  Schließlich starteten die Nazis vor 80 Jahren, im April 1933, einen bundesweiten Angriff auf jüdische Geschäfte in ganz Deutschland, indem sie einen gelb-schwarzen Davidsstern auf die Schaufenster malten und Menschen davon abhielten, sie zu schützen.

Dies wurde ausgeführt unter dem Motto “Kauf nicht bei Juden!” Somit ist es absolut erschreckend und sollte jedem einen Schauer über den Rücken jagen, wenn eine deutsche Regierung aufsteht und erklärt: „Kauft nicht bei Juden!“, auch wenn der Vorschlag begrenzt ist auf die Juden von Judäa und Samaria.

Niemand kommt auf die Idee, dass Berlin einen zweiten Holocaust plant, aber man kann hier der schmerzlichen historischen Ironie nicht entrinnen.

Obwohl zerknirschte Deutsche ihren Rekord der Kriegszeit hinter sich haben, sehen sie noch immer nichts Falsches darin, den Juden eine spezielle Behandlung angedeihen zu lassen.

Aber was diese Übung so außergewöhnlich absurd macht, ist die Tatsache, dass diejenigen, denen sie am meisten schadet, in der Tat die Palästinenser sind.

Nach Angaben von Statistiken, die von Israels Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten zusammengestellt worden sind, wurden den Palästinensern im Jahr 2012 mehr als 23.000 Genehmigungen gewährt, in jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria zu arbeiten. Man kann viele palästinensische Araber finden, die für israelische Unternehmen, die in einer der fast 20 Industriezonen in der gesamten Gegend angesiedelt sind, arbeiten.

Und wie ein neuer Bericht des Außenministeriums feststellte, sind fast die Hälfte dieser palästinensischen Arbeiter im Alter zwischen 18 und 29, was bedeutet, dass die jüdischen Siedlungen eine wichtige Quelle für Beschäftigung und Einkommen für junge angestellte Palästinenser sind.

Darüber  hinaus liegt der Tageslohn 88,3 Prozent höher als das ihrer palästinensischen Kollegen in den palästinensisch kontrollierten Gebieten. Alles in allem beläuft sich nach Aussagen des Ministeriums ihr jährliches Einkommen auf fast 1 Milliarde NIS (israelische Shekel) oder auf über eine Viertelmilliarde Dollar.

Das bedeutet, dass Bemühungen von Deutschland und anderen, jüdische Unternehmen in Judäa und Samaria zu delegitimieren, am Ende die palästinensische Wirtschaft weit stärker und schmerzlicher beeinträchtigen könnte als Israels.

Also, wem tun die Deutschen hier wirklich weh? Die Doppelzüngigkeit der Kennzeichnungskampagne, die auf Judäa und Samaria abzielt, wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass es keine solche Kampagne für chinesische Produkte gibt, die in Tibet hergestellt werden, für russische in Tschechien hergestellte Artikel oder für spanische Waren aus Katalonien. Nur wenn es um den jüdischen Staat geht, bestehen die Liberalen Europas auf eine Kennzeichnung.

Das ist nicht nur Heuchelei, das ist Hass, schlicht und einfach.

Wie Abraham Foxman von der Anti-Defamation League es formulierte: “Wenn das einzige Land, das sie aussondern, Israel ist, dann ist das Antisemitismus.“

Das ist es sicher.

[Übersetzung: faehrtensuche]

Orignialartikel: Michael Freund, Shame on Germany for boykotting Jews

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2 Gedanken zu „Deutschland sollte sich schämen, Juden zu boykottieren

  1. Danke für den Beitrag. Wer die direkt Betroffenen vom Boykott gegenüber Israel und jüdische Firmen sind, ist bekannt: es sind Arbeitnehmer, hauptsächlich Palästinenser im WJL. Israel kann Produktionen zurück nach Israel oder ins Ausland verlagern. Zum Glück gibt es inzwischen auch arabische Stimmen, die vom Boykott, auch von der infamen BDS-Bewegung, Abstand nehmen. Dies gilt auch für den kulturellen Boykott.

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