Die Ermordung einer Träumerin

Ein Palästinenser rast an einer Haltestelle der Jerusalemer Straßenbahn mit einem Auto absichtlich in eine Menschengruppe, die gerade aus der Straßenbahn ausgestiegen ist. Dabei wird ein Baby im Alter von gerade mal drei Monaten getötet, mehrere Erwachsene (6? 7? 8?) verletzt. Der Fahrer des Wagens – ein israelischer Beamter identifizierte ihn als einen Anhänger der Hamas, der bereits eine Zeitlang im israelischen Gefängnis eingesessen hat – wird bei dem Versuch, zu Fuß zu flüchten, von der Polizei angeschossen, ins Krankenhaus eingeliefert und stirbt dort.

So geschehen am Mittwochnachmittag, 22. Oktober 2014.

Wenn Israel „im Spiel“ ist, kann man nicht davon ausgehen, dass fair und objektiv berichtet wird, eher davon, dass an den Fakten gedreht und manipuliert wird. Yaakov Kirschen verweist unter seinem CartoonIt just gets Crazier and Crazier [Es wird immer verrückter]“ auf einen zu diesem Terroranschlag im „Commentary Magazine“ erschienenen Artikel von Seth Mandel, der sich mit der extremen Verzerrung des Sachverhalts in den Medien und der darin enthaltenen Manipulation auseinandersetzt. Mandel zieht in seinem ArtikelA Case Study in Media Bias: Todays Jerusalem Terror Attack“ den Schluss, das Ganze sei „stomach turning“, also etwas, das den Magen von innen nach außen drehe. So ist es! Wer mag, kann den englischsprachigen Artikel hier nachlesen. (Lesenswert!) Auch in deutscher Sprache gibt es dazu eine ausführliche Darstellung der überaus verdrehten, ja falschen Berichterstattung.

Es bleibt nicht bei dem einen Todesopfer. Der Anschlag fordert ein weiteres Opfer, Karen Yamima Mosquera aus Ecuador, die vier Tage nach dem Anschlag ihren schweren Verletzungen erliegt. Von ihr bzw. ihrer Lebensgeschichte berichtet der Artikel „Killing a Dreamer“ von Sara Yoheved Rigler, erschienen bei Aish. Und genau diesen Artikel möchte ich im Folgenden ins Deutsche übersetzt wiedergeben.

Originalartikel: „Killing a Dreamer“ von Sarah Yoheved Rigler

Übersetzung: faehrtensuche

Die Ermordung einer Träumerin

Ein arabischer Terrorist tötete Karen Yemima Mosquera, eine Konvertitin aus Ecuador, aber er konnte nicht alle ihre Träume töten.

Karen Mosquera, in einer christlichen Familie in Ecuador geboren, war 17 Jahre alt, als ihre Ahnenforschung ergab, dass sie mütterlicherseits von den Conversos abstammte. [Spanische Juden, die im 15-ten Jahrhundert während der Inquisition zum Christentum konvertierten.]

„Sie hat die Lehren der Kirche nie akzeptiert“, erklärt Yael Barros aus Brasilien, Karens beste Freundin im Studiengang Judaistik in der Jerusalemer Altstadt. Sie sitzt auf ihrem Bett im Schlafsaal, neben dem Bett, das, bevor sie bei einem Terroranschlag an einer Jerusalemer Straßenbahnhaltestelle ermordet wurde, Karens war. Ein arabischer Terrorist raste mit seinem Auto in eine Menge von Fußgängern, tötete ein drei Monate altes Baby und verletzte die 22-jährige Karen schwer.

„Jeder andere wäre beim Aufprall gestorben”, bezeugt Karens Cousine Sabrina, die ihre schrecklichen Verletzungen auf der Intensivstation im Krankenhaus gesehen hat. „Aber Karen Yemima war so willensstark. Sie kämpfte gegen den Todesengel vier Tage lang.“ Am Sonntag, den 26. Oktober, erlag Karen ihren Verletzungen. Sie wurde in jener Nacht auf dem Ölberg begraben.

“Karen Yemina fühlte in ihrem Herzen nicht, dass die Lehren der Kirche die eigentliche Wahrheit waren“, erklärte ihre Freundin Yael. „Sie sagte mir, dass, als sie mit dem Studium der Torah und der Mitzvot begann, alles für sie Sinn machte. Und sie war sehr, sehr glücklich über ihr Torah-Studium, wie sie es nie zuvor in ihrem Leben gewesen war.“

In Ecuador jüdisch zu werden, ist ein mühsamer Prozess. Es gibt keine Gerichtshöfe für Konversionen [Beit Din] und die Judaistik-Studiengänge in ihrem Heimatort Guayaquil waren limitiert. Aber Karen träumte immer davon, nach Israel zu gehen.

Sehr intelligent, erhielt sie im Alter von 18 Jahren ein Vollstipendium für die Universität in Guayaquil. Während sie tagsüber Psychologie studierte, blieb sie den größten Teil der Nacht auf, um über das Internet das Judentum zu studieren. Mittels eines jüdischen Freundes traf sie den israelischen Spanisch-sprechenden Rabbi Geiber online. Von Karens brennendem Interesse für das Judentum beeindruckt, lehrte Rabbi Geiber sie über den Computer. Karen begann die Mitzvot zu halten, betete die jüdischen Gebetsgottesdienste, segnete das Essen und kleidete sich bescheiden.

Ihre Mutter und ihre jüngere Schwester folgten ihrem Beispiel. Wie viele Nachkommen der Conversos, beachtete Karens Mutter Rosa Cecilia Bräuche, sie sich später als jüdisch herausstellten. Zum Beispiel, wenn jemand in der Familie starb, bedeckte Rosa Cecilia die Spiegel. Und einem geheimnisvollen sephardischen Brauch folgend – immer, wenn sie Fingernägel oder Haare schnitt, verbrannte sie die abgeschnittenen Fingernägel und Haare anstatt sie wegzuwerfen.

Manchmal wachte Rosa Cecilia mitten in der Nacht auf und fand Karen beim Torah-Studium. Einmal hörte sie sie G’tt bitten: „Bring mich nach Israel! Das ist mein Land! Dort möchte ich heiraten und Kinder zu haben, und dort möchte ich sterben und begraben werden.“

Vor anderthalb Jahren träumte Rosa Cecilia zweimal, dass ihre Tochter nach Israel reisen würde. Sie sah ein Flugzeug mit dem Wort „Israel“ an seiner Seite prangen und Karen einen Rollkoffer in das Flugzeug ziehen. Aufgeregt erzählte sie Karen von ihrem Traum und ergänzte: „Ich möchte dir Kleidung kaufen, die entsprechend bequem zu tragen ist in Israel.“

Das war der Anstoß, auf den Karen wartete. Dann, in ihrem dritten Jahr an der Universität, reagierte sie: „Mama, ich werde jetzt zur Universität gehen, um meine Immatrikulaton zurückzuziehen und nach Israel gehen.“ Bald danach kam sie in Jerusalem an, wo Rabbi Geiber es für sie arrangiert hatte, an der Machon Roni-Hochschule [Torahschule für Frauen] in der Altstadt zu leben und zu studieren. Ihre beste Freundin Yael erinnert sich voller Bewunderung: „Sie war so mutig. Sie ließ alles zurück – ihre Familie, ihr Studium – und kam ganz allein nach hier.“

Die Himmel sind offen

Ein Jahr lang studierte Karen das Judentum. Sie arbeitete auch als Putzhilfe, um Geld für ihre Familie zu sparen, um sie nach Israel zu bringen, was ein weiterer Traum von ihr war. In der Tat kam ihre Familie nach Israel, eine Reise, die nicht von Karens mageren Ersparnissen, aber vom israelischen Außenministerium bezahlt wurde, die die Familie ausländischer Terroropfer [ins Land] bringt, um an ihren Begräbnissen teilzunehmen.

Vor fünf Monaten unterzog sich Karen der Konvertierung und nahm den hebräischen Namen Yemima an. Yael erklärt: „Wenn eine Person in der Mikveh konvertiert, ist der Himmel offen. Karen Yemina kam an jenem Tag in das Studentenwohnheim zurück und rief aus: ‚Nun kannst du mich alles fragen! Die Himmel sind offen.‘ Sie war so überaus glücklich.“

Auf ihrer Facebookseite postete sie an jenem stolzen Tag: “Danke, HaShem, für den Tag, an dem ich nach Israel kam. Ich sah einen meiner Träume wahr werden. Und ich hoffe, hier für eine lange Zeit zu bleiben. Ich hoffe, dass ich meine Familie hier sehe und sie mit mir zusammen dieses neue Leben teilt. Danke, HaShem, dass du mich nie allein gelassen hast, und DU mir auch weiterhin jeden Tag Kraft geben wirst.“

„Karen Yemina war allen anderen Mädchen ein Vorbild”, bezeugt Yael. Sie erinnert sich an einen Tag, als eine Gruppe von Studenten zusammen in die Innenstadt von Jerusalem ging. Sie hatten alle Säfte gekauft und als sie zum Bus liefen, murmelten die anderen Mädchen ihren Segen über den Saft, bevor sie ihn tranken. Nur Karen Yamima blieb in der Mitte des Bürgersteigs stehen, schloss die Augen und sprach den Segen mit entsprechender Andacht.

Wenn Karen Yemima und Yael einen freien Nachmittag hatten, machten sie oft einen Spaziergang außerhalb der alten Stadtmauern zum Berg Zion. Dort sitzend, genossen sie die Aussicht – auf den alten jüdischen Friedhof auf dem Ölberg, wo so viele aufrichtige Juden begraben sind. Eines Tages rief Karen Yemima aus: „Yael, ich möchte hier leben, hier heiraten und hier meine Kinder bekommen. Und ich möchte hier sterben. Und ich weiß, es ist unmöglich, aber wir können träumen, nicht wahr? Mein Traum ist, auf dem Ölberg begraben zu sein, denn – wenn der Messias kommt – werde ich die Erste sein, die aufsteht und im Heiligen Tempel sein wird. Kannst du dir das vorstellen?”

Am Mittwoch, den 22. Oktober, beendete Karen Yemima ihre Arbeit in der Wohnung, die sie putzte und war auf dem Weg zu einer Torah-Unterrichtsstunde. Sie stieg an der Station Ammunition Hill aus der Straßenbahn aus. Plötzlich lenkte Abdel-Rahman Shaloudi, 21 Jahre alt, der aus einem israelischen Gefängnis, wo er wegen terroristischer Angriffe einsaß, entlassen worden war, sein Auto in die Menschenmenge der aussteigenden Passagiere. Er überfuhr Karen Yemima und fügte ihr tödliche Verletzungen zu, tötete ein drei Monate altes Baby und verletzte mehrere andere.

Der Terrorist zerstörte Karen Yemimas Traum zu heiraten und Kinder zu haben, aber traurigerweise wurde ihr Traum, in Israel zu sterben und auf dem Ölberg begraben zu sein, in dieser Woche Wirklichkeit.

[Links von der Übersetzerin gesetzt.]

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5 Gedanken zu „Die Ermordung einer Träumerin

  1. Auch heute ist das Judesein gefährlich. Nicht nur in Israel, auch in Europa. Diese Geschichte erinnert mich an eine andere, als beim Wiener Stadttempel ein Attentat stattfand und eine junge schwangere Frau, die ein Jahr vorher zum Judentum konvertiert war, getötet wurde. Schlimm, sehr schlimm.
    lg
    caruso

    • Das stimmt leider! Ich denke das Judesein ist in Europa noch gefährlicher als in Israel. Was es dort an antisemitischen Ausschreitungen gibt ist erschreckend. Ich habe lange in Wien gewohnt und noch heute ist dort das Attentat in lebendiger Erinnerung. Solch grausames und brutales Morden ist einfach nicht zu verstehen – da fehlen einem die Worte.

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