Al Quds-Tag in Deutschland 2015

Ein etwas verspäteter Rückblick!

Jedes Jahr dasselbe Szenario: Am Ende des Fastenmonats Ramadan wird nicht nur im Iran, sondern auch in Deutschland  (und weiteren europäischen Ländern) der al Quds-Tag begangen. Al Quds ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Der Initiator dieses al Quds-Tages war der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini, der zuerst 1979 „zur Befreiung Jerusalems und des Landes der Palästinenser von den blutrünstigen Zionistenaufgerufen hatte. Im Iran ist dieser Tag ein nationaler Feiertag, der neben den üblichen Schlachtrufen zur Vernichtung Israels und der Vereinigten Staaten einhergeht mit dem Verbrennen israelischer und amerikanischer Flaggen. Der Westen meint tatsächlich, dass der heute ausgehandelte Iran-Deal etwas ändert?! … Wie gern lässt er sich betrügen! … Hat er den dafür zu zahlenden Preis wohl einkalkuliert? …

Auf der deutschen Homepage der Veranstalter wird „der Quds-Tag (Jerusalem-Tag) [als] der Tag des Widerstandes der Unterdrückten gegen die Unterdrücker“ bezeichnet. Man wolle die Stimme erheben „gegen Antisemitismus“, zugleich aber auch „gegen Zionismus“ – ein Widerspruch in sich! Es solle eine „Demonstration für Frieden in Palästina“ sein, heißt es. …

Die jährlichen Demonstrationen anlässlich des al Quds-Tages kommen alles andere als friedlich daher. Gewalttätig wird man nicht erst durch Körpereinsatz, es „reichen“ auch Sprechchöre, um Gewalt(bereitschaft), Feindseligkeit und Hass zu übermitteln.

Am 11. Juli 2015 war es wieder soweit. Spätestens seit dem Sommer letzten Jahres, als unsägliche Demonstrationen gegen Israel auf Deutschlands Straßen hochkochten, die Polizei, Freund und Helfer, damals ihr Megafon zur Verfügung stellte (nicht nur in einer Stadt), damit der Judenhass noch lauter und vehementer herausgeschrien werden konnte, spätestens ab da hätte ich angenommen, dass gutmeinende Worte (Zeichen[hafte Worte] setzen allein reicht nicht, Frau Merkel!!!), Gestalt in Form von Verboten solcher Aufmärsche angenommen hätten. Wie kann es sein, dass immer wieder die unverbrüchliche Freundschaft zu Israel mit Worten beschworen wird, jedoch die darauf zu folgenden  Aktionen, die Worte wahr werden lassen, fehlen? Worte werden durch Taten wahr!

Dieses Jahr nahmen die Demonstrationen zwar nicht ein so großes Ausmaß an (sowohl was „Körpereinsatz“ als auch Anzahl der Teilnehmer betrifft) wie letztes Jahr (meines Wissens fand „nur“ eine in Berlin und in Frankfurt statt), aber zumindest die in Berlin war „laut und gar nicht lustig„. Jeder mag sich anhand des weiter unten eingestellten Videos selbst überzeugen. Unsäglich, was in Deutschland als Judenhass herausgeschrien werden kann – alles unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung. „Ist die Welt denn taub und stumm, Israel bringt Kinder um„, „Israel bombardiert, Deutschland finanziert„, „Gaza, Gaza, das ist Mord, Frauen und Kinder sterben dort“ oder „Muslime, Juden und Christen, Hand in Hand gegen Zionisten“ und immer wieder „Free Palestine“. Der Sprecher mit Megafon gibt die Kampfparolen aus, der Chor der Demonstranten antwortet.

Die Berliner Zeitungen berichten. Wäre komisch, wenn nicht. Wenn schon keine Berichterstattung in den öffentlichen Medien für „alle“, so doch wenigstens regional. Die Berliner Zeitung, der Tagesspiegel, der Berliner Kurier bringen Berichte, ebenso Bild regional. (+ Berliner Morgenpost). Die Jüdische Allgemeine ist mit zwei Artikeln dabei (hier und hier). Der Vollständigkeit halber sei noch Idea angeführt, eine kurze Info gibt’s auch da.

Für jemand, der Wert auf einen aufschlussreichen Bericht legt, ist die Berichterstattung eher verwirrend. Ich versuche, ansatzweise zu begründen (es soll nicht auf eine ausführliche Analyse hinauslaufen!), warum. Dass die Einschätzungen über die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer differieren – geschenkt! Aber dass, wie in der BZ geschehen, die Demonstrationsteilnehmer von Israel-Gegnern (wie sie in der Überschrift bezeichnet werden) über Israel-Feinde zu Islamisten mutieren können, ist mir ein Rätsel. Am Ende des Artikels folgt die perfekte Gleichsetzung, indem es heißt:

Nach bisheriger Einschätzung marschieren weniger Islamisten auf als noch im vergangenen Jahr. Rund 2500 Israel-Feinde wurden angekündigt, doch mit schätzungsweise 650 Menschen lag die Teilnehmerzahl weit darunter.“

Eine einheitliche Verwendung der „Begrifflichkeiten“ fehlt, wäre aber für das Verständnis hilfreich und notwendig! Der Tagesspiegel bleibt übrigens bei dem in der Überschrift gewählten Begriff und spricht durchgängig von „Israel-Feinden“.

Insgesamt ist die Berichterstattung „mau“. Abgesehen von der Jüdische[n] Allgemeine[n], die in ihren Überschriften deutlich macht, worum es geht, nämlich um Israel-Hetze und um eine Show des Hasses, haben für wenig oder oberflächlich Interessierte nur die BZ und der Berliner Kurier Überschriften mit Aufforderungscharakter zum Weiterlesen. (BZ: Israel-Gegner hetzen auf Protestmarsch durch Berlin; Berliner Kurier: Laut und gar nicht lustig)! Alle anderen fordern eher zum Nicht-Lesen auf. Wenn schon in der Überschrift betont wird, dass „nur wenige“ oder „deutlich weniger“ Teilnehmer bei der al-Quds-Veranstaltung dabei waren, dann kann man ja ganz beruhigt weiterblättern, sich beruhigt zurücklehnen, noch ein Zigarettchen anzünden (oder auch nicht) und muss sich nicht weiter mit dem Thema auseinandersetzen. Ist doch eh unbequem!

Bei dem Bericht über die Frankfurter Demonstration wird eher von „Lautstarker Israel-Kritik“ als von Israel-Feindschaft gesprochen. Der Organisator der Gegendemonstration, Thomas Berninger, („Der al Quds-Tag ist ein politischer Kampftag für die Vernichtung Israels“) berichtet von Rufen wie „Tod den Juden“, was jedoch vom Einsatzleiter der Polizei nicht bestätigt wurde. Der Polizei seien „keine Äußerungen bekannt geworden, die einen ‚Straftatbestand‘ dargestellt hätten.“

Sowohl in Frankfurt als auch in Berlin hat es Gegendemonstrationen gegen den al Quds-Marsch gegeben. Einen ausführlichen Bericht über diese Proteste gibt’s bei Haolam.

Hier nun das oben angekündigte Video. Eine „Demonstration für den Frieden“ (s.o.)? Das muss ein merkwürdiger Friede sein!

Ganz  fein wäre es, wenn es jemand gäbe, der mir die fremdsprachigen Teile übersetzen könnte.

***

German Media Watch ist tätig geworden (vielen Dank!) und hat eine Petition ins Netz gestellt:

Keine Demonstrationen mehr am „Al-Quds-Tag“ auf deutschen Straßen

Wer unterschreiben möchte – Hier geht’s lang!

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Nachgereicht: Lese-Empfehlung: Kolumne von Gunnar Schupelius, Der Hass-Marsch gegen Israel meint uns alle

Nachgereicht (2): Video über den Al Quds-Tag in Berlin. Hier zu finden!

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