Attentat in Tel Aviv, 1. Januar 2016

1. Januar 2016. Der Beginn eines neuen Jahres. Vor etwa drei Monaten, dem jüdischen Neujahr, postete Alon Bakal auf Facebook „Moved to Tel Aviv. New Year, new beginning„. Jetzt zu lesen, dass er eines der Opfer bei dem heutigen Attentat in Tel Aviv ist, zerreißt einem das Herz. …

Eine Überwachungskamera hat die Tat aufgenommen. Zunächst kauft der Attentäter ruhig in einem Naturkostladen Trockenobst ein, um dann am Ausgang seinen Rucksack auf einen Einkaufswagen zu legen, sein Gewehr zu ziehen, vor die Tür zu gehen und dort auf die gegenüberliegende Bar zu schießen, wo junge Leute gerade einen Geburtstag feiern. Israel-direkt berichtet, dass auch die Attentäter von Paris vor ihrer Tat Trockenobst gekauft haben sollen.

Die Schriftstellerin Sibylle Berg, die sich „seit gefühlten hundert Jahren“ zum Jahresende in Israel aufhält, hat den Anschlag miterlebt. In Welt-online schildert sie ihr Entsetzen. Und Europa? Sibylle Berg: „In den letzten hundert Jahren hat sich Europa nie für das Leben mit dem Terror in Israel interessiert. Außer einem geraunten Selber-schuld, bei der Politik, außer: na ja, ist eben da unten so, außer seltsamen Zuschreibungen, Verurteilungen und dem Gefühl – das ist irgendwo, da unten – ging es in Europa außer den Juden oder den Angehörigen von in Israel Lebenden, wenige etwas an. Und die hier leben oder Verwandte hier haben, die sind ohnmächtig.“

Was ist mit den Anschlägen in Paris? Haben sie nicht dazu beigetragen, das Verständnis für die Situation in Israel zu verbessern? Nein, haben sie nicht! „Europa ist da, wo die Israelis nicht sind“ und „Terror in Paris ist immer noch etwas anderes als Terror hier„.

Sibylle Berg schildert die dramatischen Minuten des Anschlags. Sie beobachtet alles von ihrem Balkon aus, aus nächster Nähe.

BITTE LESEN!

Zum Abschluss ihres Berichts heißt es: „Wir sind betroffen. Wir alle, die nicht morden, sind betroffen, denn unser kurzes Leben ist von einer neuen, realistischen Angst bedroht. Der Angst um unsere Familien. Unsere Liebsten. Der Angst, dass die Welt wohl doch nicht der freundlichste Ort ist, den wir uns früher erträumt haben.

Sibylle Berg, Attentat in Tel Aviv: Wir alle, die nicht morden, sind betroffen. In: Die Welt, 01.01.16

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