Das Volk des Narrativs

von Vic Rosenthal, 11. August 2017

Originalartikel: The People of the Narrative

Die Nachrichten von Dienstag enthielten einen besonders ärgerlichen, wenn auch völlig vorhersehbaren Bericht, um meiner Sammlung von „Dingen, die zeigen, warum eine Koexistenz unmöglich ist“ hinzugefügt zu werden. Es scheint, dass durch das Pariser Protokoll zum Oslo-Abkommen im Jahr 1994 von Israel verlangt wird, ‚qualifizierten‘ palästinensischen Reiseleitern die Genehmigung zu erteilen, in Israel zu arbeiten. Reiseunternehmen heuern sie an, weil sie ungefähr halb so viel kosten wie ein israelischer Reiseleiter oder in einigen Fällen, wenn das Unternehmen eine ‚ausgewogene‘ Tour anbieten möchte, in der die israelischen und arabischen Narrative gleichermaßen geehrt werden.

Also, was passiert, ist dies: Die palästinensischen Reiseleiter bringen naive Ausländer zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und erklären, dass die dort zu lernenden Lektionen die sind, dass die Israelis heute die Palästinenser so behandeln wie die Nazis sie behandelt haben; dass Israel aufgrund der westlichen Schuld wegen des Holocausts gegründet wurde; und dass die Palästinenser Opfer des Genozids sind (trotz der Tatsache, dass sich ihre Zahl seit 1970 verdreifacht hat).

Dann gehen sie zur Altstadt, wo sie ihren Klienten erzählen, dass die Juden keine Geschichte in Jerusalem hätten und dass es „strittig“ sei, ob es dort einen jüdischen Tempel gegeben hätte oder nicht. Sie erklären, dass es dort eine jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendelange palästinensische Zivilisation gab, bis die kolonialistischen Juden kamen und sie enteigneten, vertrieben und besetzten.

Dies ist nur eine kleine, aber signifikante Art und Weise, in der die palästinensischen Araber eine historische Realität demontieren und ihr Narrativ fördern – eine unwahre Geschichte, an die sie mit absoluter Ernsthaftigkeit glauben.

Sie glauben, dass der jüdische Staat voll und ganz illegitim ist und keine moralische oder legale Berechtigung hat, palästinensische Mörder zu verhaften und ins Gefängnis zu werfen, die keine Terroristen oder Verbrecher sind, sondern politische Gefangene oder Kriegsgefangene, und dass es angebracht ist, sie als Helden zu behandeln und für die palästinensische Autonomiebehörde, ihren Familien Pensionen zu bezahlen.

Und sie glauben, dass das Narrativ der Besatzung jede Form des ‚Widerstands‘ einschließlich der Ermordung von Juden rechtfertigt, die sie „Siedler“ nennen (auch wenn sie in Tel Aviv leben). Sie glauben sogar, dass sie – ebenso wie James Bond – eine Lizenz zum Töten haben, ihnen gewährt durch das Völkerrecht!

Aber es ist nicht nur ein Glaube an historische Tatsachen oder Völkerrecht oder Menschenrechte oder die Frage, wer hier zuerst war oder ob arabische Flüchtlinge im Jahr 1948 freiwillig geflohen sind oder hinausgeworfen wurden (beides ist geschehen). Es liegt ein überwältigend starker emotionaler Gehalt in dem Narrativ. Es legt ein massives Gewicht an Demütigung und Scham auf die Schultern der palästinensischen Araber, die – davon weiß die ganze Welt – im Krieg besiegt, vertrieben und unterworfen wurden, von Juden, ausgerechnet!

Jedes Argument wird herangezogen, um zu beweisen, dass die Juden es nicht selbst getan haben – dass sie die westliche Welt auf ihrer Seite und das Geld des internationalen Judentums hinter sich hatten, dass die arabischen Nationen die Palästinenser verraten haben, und so weiter. Aber Entschuldigungen schaffen es nicht. Das Einzige, was das Gewicht des Narrativs von dem palästinensischen Mann nehmen kann, ist das Blut der Juden, die ihn gedemütigt haben.

Das Narrativ ist unabhängig von dem religiösen Imperativ, der fromme Muslime antreibt, Ungläubige zu ermorden, die ein Land heimgesucht haben, das einmal muslimisch war und deswegen für immer muslimisch bleiben muss. Es ist unabhängig von der aus Scham geborenen Wut, die ein Muslim fühlt, der sich nur den geringsten Beschränkungen seines Rechts auf Anbetung (wie Metalldetektoren oder der temporären Schließung oder Altersbeschränkungen auf dem Tempelberg) – durch die Juden auferlegt – unterzuordnen hat. Aber die intensive Scham und Wut, die es erzeugt, passt sich nahtlos in die von palästinensischen Muslimen empfundene religiöse Demütigung ein.

Wenn Sie sich hinsetzten und versuchten, einen Weg zu erfinden, um einen Konflikt für immer zu verlängern, könnten Sie es nicht besser machen als das palästinensische Narrativ. Es ist das Narrativ, das die Art und Weise rechtfertigte, mit der die arabischen Nationen, die die im Jahr 1948 Geflüchteten aufnahm, sie in Flüchtlingscamps zwang und sich weigerten, ihnen die Integration in ihre Gesellschaften zu ermöglichen. Sogar die palästinensische Autonomiebehörde, von der sie behaupten, sie sei eigentlich der „Staat Palästina“, weigert sich, ihren Flüchtlingsstatus zu beenden! Es ist das Narrativ, das die Ablehnung jeder Art eines „Normalisierungs“-Prozesses anheizt, der dazu beitragen könnte, es Juden und Arabern möglich zu machen, zukünftig nebeneinander zu leben. Es ist das Narrativ, das darauf besteht, dass nur die „Rückkehr“ der Nachkommen der im Jahr 1948 Geflüchteten in „ihre Häuser“ – das heißt, die Vertreibung des jüdischen Volkes aus dem Land Israel – ein Beginn sein kann, das zu korrigieren, was sie als die moraliche Inversion von 1948 sehen.

Einige Zionisten sagen, es gäbe kein palästinensisches Volk, es sei nur ein Haufen Araber, deren Vorfahren im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in das Land eingewandert seien. Und es ist richtig, dass nur wenige von ihnen hier eine langfristige Geschichte haben und dass sie keine eigene Sprache oder Religion haben.

Aber ich würde nicht zustimmen, dass es nicht so etwas wie ein palästinensisches Volk gäbe. Wenn das jüdische Volk „das Volk des Buches“ ist, so sind die Palästinenser das Volk des Narrativs. Das Narrativ und der immer schwelende und manchmal kochende Konflikt mit den Juden haben aus ihnen ein Volk gemacht, ebenso wie die Reise durch die Wüste die Arbeit beendet hat, das jüdische Volk zu erschaffen.

Die palästinensische Identität beruht heute ganz auf ihrem Narrativ und ihrer Opposition gegen uns, auch ihren Hass auf uns. Wenn das jüdische Volk morgen verschwinden würde, gäbe es keine Palästinenser, nur Araber.

Und deshalb wird der Konflikt nicht durch ein Friedensabkommen, irgendeinen Kompromiss, eine andere Teilung oder auch nur eine allmähliche Versöhnung beendet. Ein Ende des Konflikts würde ein Ende der palästinensischen Identität bedeuten, was sie nicht freiwillig aufgeben werden. Es ist alles, was sie haben.

Das Narrativ füttert sich selbst und wächst mit Konflikt und Zeit nur stärker; und je stärker es ist, desto mehr Konflikte gibt es. Es gibt nur einen Weg, um ihn zu beenden: eine Seite muss gewinnen und die andere muss verlieren.

Übersetzung: faehrtensuche

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Ein Gedanke zu „Das Volk des Narrativs

  1. Das Ende des Artikels, die Schlußfolgerung, ist leider völlig richtig. Ich hoffe nur, daß es Israel wird, das gewinnt. Ich bete dafür, dabei bin ich eine gottlose. Doch eine Jüdin mit Leib und Seele.
    lg
    caruso

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