Die Versöhnung zwischen Fatah und Hamas: Eine Fusion von Übeln

Originalartikel: Fatah-Hamas reconciliation: A fusion of evils

von Isi Leibler, 17. Oktober 2017

Übersetzung: faehrtensuche

Führende Politiker der ganzen Welt – darunter einige unserer amerikanischen Freunde – sind offenbar nicht bereit, der Realität ins Auge zu sehen und reden sich ein, Mahmoud Abbas und die palästinensische Autonomiebehörde könnten zu einer Friedensregelung veranlasst werden, wenn Israel sie weiterhin milde stimmt und ihre Verbrechen entschuldigt.

Noch wahnhafter ist der nahezu allgemeine Konsens, dass ein Zusammenschluss der Fatah und der radikaleren, genozidalen Hamas ein positiver Schritt zur Erreichung einer Verständigung ist. Es widerspricht allen Beweisen, dass solch eine Fusion zweier übler Entitäten positive Konsequenzen haben kann.

Dieser potenzielle Zusammenschluss ist das Resultat der Sorge der Hamas angesichts der Wirtschaftskrise, dass sie – sofern sie den beginnenden Kollaps, insbesondere den von der PA verursachten dramatischen Rückgang der elektrischen Versorgung, nicht in den Griff bekommt – internen Unruhen ausgesetzt sein könnte.

Die Hamas stimmte zu, dass die Kommunalverwaltung Gazas unter dem politischen Dach der PA stehen würde – was auch immer das bedeutet. Doch obwohl die Grenzübergänge unter der Aufsicht der PA stehen werden, sind die Hamas-Führer unerbittlich, dass die Sicherheit völlig unter ihrer Kontrolle bleiben wird und dass sie weder ihre Waffen niederlegen noch ihre militärische Struktur demontieren oder sie mit der PA zusammenlegen werden. Auch wären sie nicht bereit, den Bau von Tunneln mit dem Zweck, Terror innerhalb Israels zu schaffen, zu unterlassen. In der Tat hat die Hamas am Vorabend der Versöhnung die härtesten und fanatischsten Terroristen in ihren Reihen in militärische Schlüsselpositionen erhoben. Sie hat auch ständig wiederholt, dass sie über keinerlei Einigung mit Israel nachdenken würde.

Die Fusion dieser zwei terroristischen Entitäten wird es der Hamas wahrscheinlich ermöglichen, letztendlich die Kontrolle über die PA zu übernehmen oder sie komplett zu verdrängen. Das Ziel ist es, ähnliche Taktiken anzuwenden wie die im Libanon tätige Hisbollah und, während sie Abbas zunächst einräumt, als nationaler Führer aufzutreten, würde die Hamas wirksame Kontrolle über das Westjordanland übernehmen.

Der doppelzüngige, unpopuläre und alternde Abbas ist bereit, sich mit seinen Erzfeinden in diese Richtung zu begeben, um Anspruch auf die Vertretung aller Palästinenser zu erheben. Er steht auch Drohungen innerhalb seiner eigenen Reihen, besonders von seinem Erzrivalen Mohammed Dahlan, gegenüber.

Abbas besteht auch weiterhin unnachgiebig darauf, dass das Recht auf Rückkehr für die Nachkommen der palästinensischen Flüchtlinge (was das Ende eines jüdischen Staates zur Folge hätte) nicht verhandelbar ist. Sowohl er als auch sein Vorgänger Yasser Arafat lehnten israelische Angebote ab, mehr als 95% des bis 1967 von den Jordaniern und Ägyptern besetzten Gebietes abzutreten.

Abbas braucht keine Ermutigung der Hamas, wenn es darum geht, Hass und Gewalt gegen Israel auszuspucken. In der Tat haben er und seine Regierung in den letzten paar Jahren ihre Aufstachelung dramatisch und schamlos intensiviert.

Die gegenwärtige Propaganda der PA, die in Schulen, Moscheen und den staatlich kontrollierten Medien vorangetrieben wird, macht klar, dass das ultimative Ziel nichts weniger ist als die arabische Hegemonie vom Jordan bis zum Mittelmeer. Die PA fördert beharrlich den Hass auf Juden, beschreibt sie als Nachkommen von Affen und Schweinen und veröffentlicht einige der schlimmsten antisemitischen Karikaturen im Nazi-Stil.

Erst in jüngster Zeit [und] unter Druck verurteilte Abbas einen Terrorangriff – fuhr dann aber fort, die Angehörigen der Mörder für ihr „Märtyrertum“ mit großzügigen staatlichen Pensionen zu belohnen.

Damit es kein Missverständnis gibt – trotz persönlicher Aufforderungen durch den US-Präsidenten Donald Trump, diese barbarische Praxis finanzieller Belohnung von Mördern zu beenden, hat Abbas dem Revolutionsrat der Fatah versichert, dass seine Regierung die Politik fortsetzen würde, Gehälter für die Familien der palästinensischen Terroristen im Gefängnis sowie für diejenigen bereitzustellen, die durch israelische Streitkräfte getötet wurden und dass er das als eine „moralische, nationale, politische und menschliche Verpflichtung“ betrachten würde. Dieses Jahr wurden mehr als 345 Millionen Dollar als Belohnung für Terroristen ausgegeben, die Hälfte der 693 Millionen US-Dollar, die die PA an Auslandshilfe bekommt.

Die Amerikaner haben offenbar bei dieser empörenden Reaktion mit ihren Zähnen geknirscht und sich der Illusion hingegeben, dass dieses Problem im Laufe von Friedensverhandlungen gelöst werden würde. Man kann sich nur ausmalen, wie absolut unvorstellbar es für die Vereinigten Staaten wäre, ein Land zu beschwichtigen, das weiterhin massive jährliche finanzielle Belohnungen an diejenigen gezahlt hätte, die den Angriff vom 11. September auf die Twin Towers organisiert hatten.

Und doch hat diese barbarische Politik seit Jahrzehnten Anwendung gefunden und wird von dem Rest der Welt ignoriert – mit den Europäern, die weiterhin Finanzmittel zur Verfügung stellen, von denen ein erheblicher Teil benutzt wird, um die Erinnerung an Massenmörder zu heiligen. Erst seit Trumps Aufforderung an Abbas, von diesen Zahlungen Abstand zu nehmen, haben mehrere europäische Länder zum ersten Mal ihre Zuschüsse aufgekündigt. Der US-Kongress wird wahrscheinlich auch Gesetze zur Kürzung von Finanzhilfen für die PA verabschieden, wenn sie nicht aufhört, Mord und Chaos zu schaffen.

In diesem Umfeld setzt die Europäische Union ihre eklatante Doppelmoral fort und verhält sich so, als handele es sich um den Konflikt mit Immobilien. Sie ruft zum Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen auf, doch äußert sich kaum über das anhaltende wöchentliche Massaker an Hunderten von unschuldigen syrischen Zivilisten und Bashar Assads anhaltenden Gebrauch verbotener chemischer Waffen.

Bei dieser üblen Gesellschaft, die auf einer Kultur des Todes und des Hasses basiert, gehen jene Staatsoberhäupter davon aus, dass Israel weiterhin einseitige Zugeständnisse macht. Diejenigen, die Israel unter Druck setzen, ermutigen die Palästinenser nur dazu, unnachgiebiger zu werden. Es ist besonders frustrierend zu hören, dass Trump immer noch seine Überzeugung zum Ausdruck bringt, der Frieden mit diesen Barbaren könne durch Appeasement erreicht werden. Während er weiterhin seine Liebe und Unterstützung für den jüdischen Staat bekundet, lässt er durchblicken, dass Israel mehr tun könne, um Frieden zu erreichen.

Man kann nur hoffen, dass er bald zu einem realistischeren Schluss kommt und bereit ist, die bittere Pille zu schlucken.

Auch wenn fast die gesamte internationale Gemeinschaft der Fatah-Hamas-Versöhnung Beifall spendet, die Wahrheit ist, dass beide Parteien aus einem Holz geschnitzt sind. Der Grund für den brutalen für beide Seiten vernichtenden Konflikt zwischen ihnen im vergangenen Jahrzehnt ist nicht ideologischer Natur, sondern basiert auf konkurrierenden Persönlichkeiten und sich befehdenden palästinensischen Clans. Die von der Fatah dominierte PA spricht in sanfteren Tönen zur Außenwelt, um diplomatische Optionen auszunutzen, Zugeständnisse ohne Reziprozität zu erreichen – eine Strategie, die Israel schrittweise zunichte machen will. Aber die Realität ist, dass beide terroristischen Gruppierungen dasselbe ultimative Ziel teilen – die Beseitigung der jüdischen Souveränität in der Region.

Wenn die Versöhnung zwischen Fatah und Hamas fortbesteht, wird Abbas Probleme haben. Bis jetzt war er der Verantwortung für die von den Terroristen der Hamas begangenen Gräueltaten enthoben. Nun wird er als Leiter der fusionierten Entität für den Terror der Hamas verantwortlich sein, und es ist fraglich, ob seine Sicherheitskräfte den Angriffen der Hamas Einhalt gebieten werden. In der Tat, er scheint sich nun verpflichtet zu haben, fortan Belohnungen und Pensionen für die Hamas-Terroristen zur Verfügung zu stellen.

Bis heute hat das US-Außenministerium kein Wort der Verurteilung für diese empörende Initiative geäußert. Es sollte sich bewusst sein, dass Israel gezwungen sein wird, präventiv zu handeln, wenn die Hamas die Kontrolle über die PA übernimmt und die Iraner und die Hisbollah sich an unseren südlichen Grenzen niederlassen.

Sicherlich ist es jetzt für die USA an der Zeit, die Palästinenser zu warnen, dass sie großen Repressalien ausgesetzt sein werden, wenn sie nicht ihre anhaltenden Aggressionen gegen Israel beenden. Trump sollte erklären, dass – solange unsere Gegner nicht bereit sind, ihre Aufhetzung zu beenden und Terrorismus zu verurteilen – die USA nicht länger diejenigen tolerieren wird, die Lippenbekenntnisse für den Frieden ablegen und gleichzeitig Massenmörder unterstützen und sie finanzieren. Er sollte dafür sorgen, alle Auslandshilfe für die Palästinenser einzufrieren, bis ihre Führer von ihren terroristischen Aktivitäten Abstand nehmen.

Israel sollte die vielen Palästinenser unterstützen, die den Terrorismus nicht decken und versuchen, ihre Lebensgrundlagen und ihren Lebensstandard zu verbessern. Wenn die demokratische Welt in dieser Richtung in Einigkeit agierte, würde bald eine neue Führung entstehen, die echt eine Friedensregelung anstreben würde.

In der Zwischenzeit müssen wir stark und unabhängig bleiben. Während es im Interesse Israels liegt, eine Übereinkunft zu erreichen, ist dies nur möglich, wenn ein echter Partnervertreter der Palästinenser bereit ist, sich auf uns einzulassen.

Diese Kolumne erschien auch in der Jerusalem Post und in Israel Hayom.

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2 Gedanken zu „Die Versöhnung zwischen Fatah und Hamas: Eine Fusion von Übeln

  1. Warum kann der Westen nicht begreifen, daß die Menschen in anderen Weltgegenden anders denken als wir? Das erstemal fiel mir das während der Balkan-Kriege in den ’90er Jahren auf. Wollen sie es nicht verstehen oder sind sie dazu nicht fähig? Häufig empfinde/denke ich, sie wollen es nicht, aus welchen Gründen immer. Manchmal bin ich unsicher. — Wie kann man die Augen dermaßen vor der Realität schließen? Klar ist man dann desorientiert! Kannst Du mir zu diese Dinge etwas sagen? Dank im Voraus! — Der Artikel ist sehr gut, finde ich, was da steht, stimmt. Selten in einer Zeitung.
    lg
    caruso

    • Eine gute Frage! …
      Wie gern würde ich Dir darauf antworten (können), aber ich stehe ebenso sprachlos davor wie Du! …
      Gibt es darauf überhaupt eine Antwort? …
      Ist es Arroganz? Ignoranz? Ein „Nicht-wissen-wollen“? Ein Interesse, das dem (eigentlichen) Wissen entgegensteht? Ein Nicht-wahr-haben-wollen? Ein „Es-kann-nicht-sein, was-nicht-sein-darf?
      Was Israel anbetrifft – eine nicht geringe Portion Antisemitismus, den man sich natürlich nicht eingestehen will oder nicht eingestehen „darf“/kann?
      Wie sagte doch der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex: „Die Deutschen werden den Juden Ausschwitz (den Holocaust?) nie verzeihen.“ …
      Tut mir leid, dass ich dazu nicht mehr sagen kann. Man müsste die betreffenden Personen persönlich fragen, aber dazu bedarf es einer Ehrlichkeit (eben dieser zu Befragenden), die nicht nur auf einer persönlichen Basis „im stillen Kämmerlein“ zum Tragen kommt! …
      In diesem Zusammenhang: Kennst Du vielleicht folgenden Artikel „Mehr Nachdruck gegen Dämonisierung Israels“ ? – Österrreich macht’s vor! 🙂
      Herzliche Grüße und Shalom!

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