Israel zu hassen, war eine Sache der Ehre

„Ich wurde geboren, um Juden zu hassen. Es war Teil meines Lebens, ich habe das nie in Frage gestellt. Ich wurde nicht etwa im Iran oder in Syrien geboren. Ich wurde in England geboren. Meine Eltern zogen aus Pakistan dorthin. Ihre Geschichte war typisch für Einwanderer: In den Westen ziehen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und seine Kinder. Wir waren eine gläubige muslimische Familie, jedoch nicht extrem oder radikal auf irgendeine Weise. Wir wünschten jedem nur das Beste – allen, außer den Juden. Die Juden, so glaubten wir, waren Aliens, die auf gestohlenem muslimischen Land lebten. Eroberer, die einen Völkermord gegen das palästinensische Volk verübten. Unser Hass war daher gerechtfertigt. Und das machte mich und meine Freunde anfällig für die Argumente radikaler Extremisten. Wenn die Juden so böse sind, wie wir immer glaubten, müssen dann nicht diejenigen, die sie unterstützen – Christen, Amerikaner und andere im Westen – genauso böse sein?

Anfang der 1990er Jahre begannen Sprecher und Lehrer in Moscheen und Schulen immer wieder zu wiederholen: Wie sind nicht westlich. Wir sind nicht britisch. Wir sind Muslime und sonst nichts. Unsere Loyalität galt unserer Religion und unseren muslimischen Glaubensbrüdern. Wir schuldeten den westlichen Nationen, die uns aufnahmen, gar nichts. Als Teil des Westens waren sie unsere Feinde. All das hatte seinen gewünschten Effekt. Zumindest bei mir war das der Fall. Es änderte meine Sicht auf die Welt. Ich begann das Leiden der Muslime – auch derer in Großbritannien – als Folge des westlichen Imperialismus anzusehen. Der Westen war im Krieg mit uns, und die Juden kontrollierten den Westen.

Meine Erfahrungen an der Universität in Großbritannien verstärkten nur meine sich steigernden radikalen Gedanken. Israel zu hassen war eine Sache der Ehre. Veranstalte eine anti-israelische und pro-palästinensische Rallye und du kannst dir einer großen applaudierenden Menge sicher sein. Während meiner Zeit an der Universität entschied ich, dass nur Proteste und Propaganda gegen Israel nicht genug seien. Wahrer Jihad erfordert Gewalt. So schmiedete ich Pläne in den echten Krieg zu ziehen. Ich würde also die Universität verlassen und mich einem terroristischen Trainingscamp in Pakistan anschließen.

Zum Glück jedoch änderte sich mein Schicksal – in einem Buchladen. Ich stieß auf ein Buch des Harvard Professors Alan Dershowitz mit dem Titel „The Case for Israel“. Ein Plädoyer für Israel? Was für ein Plädoyer könnte das bitte sein? Der Titel machte mich rasend und ich begann die Seiten zu lesen, fast schon ein Akt des Trotzes. Wie schlecht informiert, wie dumm könnte dieser Mann sein, das Unentschuldbare zu verteidigen? Nun ja, er war Jude. Das musste die Antwort sein. Trotzdem las ich weiter. Und das, was ich las, stellte alle meine Überzeugungen, die ich gegenüber Israel und den Juden hatte, auf die Probe. Ich las, dass es nicht etwa Israel war, das die palästinensische Flüchtlingskrise verursacht hatte, es waren die arabischen Länder, die Vereinten Nationen und die korrupte palästinensische Führung. Ich las, dass die Juden nicht etwa den Holocaust ausnutzten, um den israelischen Staat zu gründen; die Bewegung, einen modernen jüdischen Staat zu gründen, geht zurück ins 19. Jahrhundert und letztendlich bis zum Beginn des jüdischen Ursprungs knapp 4000 Jahre zuvor. Und ich las, dass Israel nicht beteiligt war an einem Völkermord gegen die Palästinenser. Im Gegenteil, die Zahl der Palästinenser hat sich in nur 20 Jahren verdoppelt. All das machte mich nur wütender. Ich musste beweisen, dass Dershowitz falsch lag und wollte mit meinen eigenen Augen sehen, wie rassistisch und unterdrückend Israel wirklich ist.

Deshalb kaufte ich mir ein Flugticket. Ich wollte Israel, das Land meiner Feinde, besuchen. Und das war der Punkt, wo sich alles änderte. Alles. Das, was ich dort mit eigenen Augen sah, war noch herausfordernder als das, was Dershowitz schrieb. Anstatt Apartheid sah ich Muslime, Christen und Juden koexistieren. Anstatt Hass sah ich Akzeptanz und sogar Barmherzigkeit. Ich sah eine laute, moderne und liberale Demokratie, voll von Fehlern sicherlich, aber fundamental anständig. Ich sah ein Land, das nichts anderes wollte, als einfach in Frieden mit seinen Nachbarn zu leben. Ich konnte meinen Hass förmlich vor meinen Augen dahinschmelzen sehen. Ich wusste dann genau, was ich zu tun hatte.

Zu viele Menschen auf dieser Erde sind voller Hass, der gleiche Hass, den auch ich konsumiert habe. Sie sind dazu erzogen, den jüdischen Staat zu hassen – viele Muslime durch ihre Religion, viele andere durch ihre Universitätsprofessoren oder Studentengruppen. Hier ist also meine Aufgabe für jeden, der das gleiche fühlt wie ich damals – macht, was ich gemacht habe. Finde die Wahrheit für dich selbst heraus. Wenn die Wahrheit mich verändern kann, dann kann sie jeden verändern.

Ich bin Kasim Hafeez.“

Nachzuhören auf YouTube (Englisch mit deutschen Untertiteln)!

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6 Gedanken zu „Israel zu hassen, war eine Sache der Ehre

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