Das jüdische Recht auf Leben ist das Menschenrecht auf Leben

Oder: Die Erinnerung an München

von: Forest Rain, 17. August 2018

Bei den Olympischen Spielen in München 1972, weniger als drei Jahrzehnte nach dem Holocaust, wurden Juden auf deutschem Boden ermordet, weil sie Juden waren. Weil sie Israelis waren.

Die Olympischen Spiele waren historisch gesehen ein Ort des Friedens, an dem sich selbst Krieg führende Nationen zusammenfinden und in der Sportarena antreten konnten statt auf dem Schlachtfeld. Am 5. September 1972 änderte sich das mit der allerersten internationalen Terrorismus-Aktion, die sich im Live-Fernsehen zeigte, während Menschen auf der ganzen Welt erschrocken zusahen.

Die PLO-Terroristen „Schwarzer September“ brachen in das Olympiagelände ein und nahmen 11 israelische Athleten als Geiseln. Während der 22-stündigen Pattsituation wurden die Geiseln geschlagen. Der Meister im Gewichtheben, Yossef Romano, der versucht hatte, die Terroristen abzuwehren und seine Freunde zu retten, wurde erschossen, kastriert und vor den anderen, hilflosen Geiseln verblutend zurückgelassen.

Den deutschen Behörden misslang die Rettung der Geiseln und am Ende hörte man die Worte von Jim McKay, dem Nachrichtensprecher für die olympische Berichterstattung des [Senders] ABC:

„Als ich ein Kind war, pflegte mein Vater zu sagen: ‚Unsere größten Hoffnungen und unsere schlimmsten Befürchtungen werden selten wahrgenommen.‘ Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden heute Abend Wirklichkeit. Sie haben jetzt gesagt, dass es 11 Geiseln gab; zwei wurden gestern Morgen in ihren Zimmern getötet, neun wurden heute Nacht am Flughafen getötet. Sie sind alle tot.“

Wiederholte Versuche, den Athleten die ihnen gebührende Anerkennung zukommen zu lassen, stießen auf taube Ohren. Im Jahr 2012, anlässlich des 40. Jahrestages dieses tragischen Ereignisses, strebten Organisationen, Gemeinden, Familien aus der ganzen Welt nach Anerkennung dieses Ereignisses, indem sie das Internationale Olympische Komitee aufforderten, bei der Eröffnungszeremonie der Spiele im Jahr 2012 eine Schweigeminute einzulegen. Dieses Anliegen wurde abgelehnt.

Deshalb hat die Israel Forever Foundation das „Munich Memory Project“ [Münchner Erinnerungsprojekt] ins Leben gerufen.

Es kann nicht sein, dass dieses Bild symbolträchtig geworden ist,

munich-terrorist-horizontal-large-gallery

… während die Gesichter und Namen dieser Männer vergessen sind.

Victims-of-the-Munich-Massacre

Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass dieses Ereignis nicht unter den Teppich der Geschichte gekehrt wird.

Wenn Großbritanniens Vorsitzender der Labour-Partei Jeremy Corbyn Terroristen ehrt, die diese Gräueltat begangen haben und anmerkt, er sei anwesend, aber nicht an der Kranzniederlegung beteiligt gewesen, ist es nicht an uns, Mr. Corbyn zu ändern. Gleichwohl ist es unsere Aufgabe zu hinterfragen, was in Großbritannien passiert, dass Antisemiten eine herausragende politische Rolle übernehmen können. Es ist an uns, uns zu wundern, zu fragen, Antworten [auf die Frage] zu verlangen, warum so viele Briten es für angebracht halten, so einen Mann zu wählen.

Es ist an der Zeit, sich an die Athleten zu erinnern, ihre Namen kennenzulernen, ihr Vermächtnis zu ehren. Es ist unsere Aufgabe, für die Erkenntnis zu sorgen, dass – wie die Israelis von heute, die ihre eigenen Körper als menschliche Schutzschilde einsetzen, um ihre Lieben vor Terroristen zu schützen – die israelischen Athleten in München auch gekämpft haben, um ihre Freunde zu retten, indem sie sich selbst in Gefahr brachten, um andere zu retten.

Moshe Weinberg

In München war es Moshe Weinberg, der die Gefahr erkannte, sich gegen die Tür warf und seine Freunde anschrie, die Flucht zu ergreifen, bevor die Terroristen eintreten konnten. Gad Zavarj überlebte, weil Moshe die Terroristen blockierte und ihm genug Zeit gab, um aus dem Fenster zu springen. Yossef Gutfreund tat dasselbe und blockierte die Tür, damit seine Zimmergenossen entkommen konnten.

Ihr Vermächtnis ist nicht der hässliche Tod durch abscheuliche Terroristen, ihr Vermächtnis ist das großartige Geschenk des Lebens, das sie ihren Freunden zuteil werden ließen.

Es liegt an jedem einzelnen von uns, uns zuerst selbst und dann den Rest der Welt zu erinnern, dass München der Anfang war, nicht das Ende der Terrorismus-Aktionen. Zuerst kam München, dann kamen Entführungen, dann kam 9/11, Bombenanschläge, rammende Autos und Messerangriffe. London, Paris, Bali, Indien, Mombasa und Russland. Was Terroristen ihren Opfern im Bataclan antaten, ist das, was die Terroristen des Schwarzen Septembers mit Yossef Romano getan haben.

Was bei den Juden anfängt, endet nicht bei den Juden.

Der Horror des Münchner Massakers ist keine israelische Frage oder gar eine jüdische Frage. Es ist eine menschliche Frage.

Alle ehrbaren Menschen sollten mühelos sagen können, dass Entführung, Folter und Missbrauch falsch sind. Alle ehrbaren Menschen sollten mühelos sagen können, dass es im Sport keinen Platz für Politik (oder Terrortaktiken, die die Politik beeinflussen sollen) gibt.

Aber was passiert, liegt nicht an „allen Menschen“, es ist die Aufgabe eines jeden Einzelnen von uns, als Individuum zu entscheiden, ob und wie wir reagieren werden.

Ich freue mich, ein Teil der Israel Forever Foundation zu sein, wo wir uns entschieden haben, das Vermächtnis der Ermordeten zu ehren – als Athleten, Freunde, Familie, die unserem Volk geraubt wurden.

Wir werden für sie einstehen – auch wenn es niemand anderes tun wird.

Es ist eine Erklärung, dass das jüdische Recht auf Leben das Menschenrecht auf Leben ist.

Bei der Erinnerung an München geht es nicht nur um die Erinnerung an eine vergangene Tragödie, sondern um die Verteidigung unserer Zukunft. Es ist eine Aussage, dass der Mord an Juden, nur weil sie Juden sind, nur weil sie dem Volk Israel angehören, völlig inakzeptabel ist.

Bitte besuchen Sie das Munich Memory Project und stellen Sie sicher, dass andere sich auch daran erinnern: https://israelforever.org/programs/Munich11Memory/

Originalartikel: Forest Rain, Remembering Munich

Übersetzung: faehrtensuche

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.