80 Jahre Pogromnacht

Deutschland. November 1938.

Die Nacht, in der jüdische Wohnhäuser, Geschäfte und Synagogen in Flammen aufgingen. Die Reichskristallnacht.

Die deutschen Behörden berichteten von 191 verbrannten Synagogen und von 96 Juden, die in jener Nacht ums Leben gekommen seien. Und wie sah die Wirklichkeit aus?

Die Untersuchungen des aus Deutschland gebürtigen Professors Meir Schwarz erbrachten ganz andere Ergebnisse. Nahezu 1550 Synagogen wurden demoliert oder niedergebrannt und an die 2500 Juden wurden ermordet oder nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Annähernd 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager gesteckt und Zehntausende von jüdischen Wohnungen und Geschäften wurden geplündert. Die Reichskristallnacht. Die Pogromnacht.

Der 9. November des Jahres 1938 war das Fanal für die Juden in Deutschland, die Ankündigung des herannahenden Unheils der Vernichtung der europäischen Juden.

Die aschkenasische Judenheit hatte Blütezeiten gekannt. Über Jahrhunderte waren aus ihr rabbinische Gelehrte, Denker, Forscher und geistig Schaffende hervorgegangen. Als die Nationalsozialisten Ende Januar 1933 an die Macht kamen, wohnten in Deutschland über eine halbe Million* Juden [derzeitiger Stand (2017): 97.791], weniger als 1% der gesamten Bevölkerung, deren Einfluss im Handel, in Wirtschaft und Kultur unverhältnismäßig groß war. Zu jener Zeit gab es mehr als 2000 Synagogen in Deutschland und Österreich. Die Synagogen gehörten zu den schönsten Gebäuden am Ort. Zusammen mit der jüdischen Schule bildeten sie allenthalben das Zentrum der jüdischen Gemeinde.

In der Nacht des 9. November 1938, der sogenannten Reichskristallnacht, sahen die deutschen und österreichischen Nachbarn mit an, wie die Synagogen verbrannten, wie ganze Gemeinden vernichtet wurden und schwiegen dazu. Sie waren Zeugen, wie ihre jüdischen Nachbarn gedemütigt, verhaftet, misshandelt wurden und sahen weg. Mit schweigender Zustimmung der deutschen Bevölkerung und ohne spürbaren Widerstand der übrigen Staaten Europas nahm Deutschland Kurs auf den 2. Weltkrieg und auf die Vernichtung der Juden Europas.

(Text aus dem nachfolgenden Video)

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Deutschland. November 2018

So wichtig es ist, dass in vielen Städten der Novemberpogrome gedacht wird, es Veranstaltungen und Demonstrationen gibt, so wenig reicht es, nur der toten Juden zu gedenken. All das hat keinen Wert, wenn es keine Solidarität mit den lebenden Juden und Israel gibt.

Aus: Ruhrbarone, Stefan Laurin: Pogromnacht: Deutschland ehrt nur tote Juden

3 Gedanken zu „80 Jahre Pogromnacht

  1. Die toten Juden sind tot. Denen hilft kein Gedenken, sie werden davon nicht auferstehen. Viel wichtiger wäre die Unterstützung der lebenden Juden, von Israel. Nur, wer denkt schon daran in dieser „verkehrten“ Welt, in der wir leben?
    Anderes. Man sollte die Israelkritiker nicht so nennen, sondern Israelverleugner. Denn was die saugenden Kritiker tun, das ist keine „normale“ Kritik, sondern viel eher
    Verleumdung.
    lg
    caruso

    • Ich denke, das eine ist nicht vom anderen zu trennen. Gedenken ist gut und notwendig, darf sich aber nicht auf Worte beschränken, sondern Worte müssen durch entsprechendes Handeln zur Wahrheit werden. Jeder mag sich selbst fragen, wie viel davon in Deutschland (noch) zu merken ist! Jede Rede von Politikern zum Thema ist wertlos, wenn „Theorie und Praxis“ nicht zusammenpassen!

      Dazu habe ich heute im Netz bemerkenswerte Worte von Henryk M. Broder gefunden. („Merkels Chuzpe“). Er sagt: „Merkels Chuzpe ist alternativlos, grenzenlos, schamlos“! Warum? Zu lesen hier!

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