Die unglaubliche Geschichte der aus dem Irak stammenden Arabischlehrerin der IDF

von Neta Bar, Aish, 27. Oktober 2019

Originalartikel: Neta Bar, T´he Incredible Story of the IDF’s Iraqi  Arabic Instructor

Die Familie von Command Sgt. Maj.* V. lebte unter dem Regime von Saddam Hussein in Angst und verbarg ihre jüdische Identität. Sie gehörte zu den letzten Juden, die aus dem Irak nach Israel kamen.

Comand Sgt. Maj. V. ist als Arabischlehrerin im Geheimdienst der IDF tätig. Sie ist verantwortlich für die Vermittlung der arabischen Kultur und Mentalität sowie der arabischen Sprache an Geheimdienstmitarbeiter, für die die Kenntnisse von entscheidender Bedeutung sind.

Nach Ansicht ihrer Kameraden ist V. eine Art Legende, nicht nur, weil sie als Lehrerin bewundert wird oder lange Zeit in einer operativen Einheit verbracht hat, sondern auch wegen ihrer persönlichen Geschichte. Ihre Familie war eine der letzten jüdischen Familien im Irak und machte schließlich Aliyah**, nachdem sie jahrelang in ständiger Angst gelebt hatte.

V. wurde in einer jüdischen Familie im Irak geboren. Damals war die jüdische Gemeinde im Irak eine Hülle ihres früheren Glanzes und nur wenige Tausend von einer einst 120.000 Personen zählenden Gemeinde blieben im Land.

Das irakische Ba’ath-Regime verfolgte die verbliebenen Juden und betrachtete sie als Spione. Einige wurden sogar wegen des Verdachts der Spionage gehängt. Das Verhalten der Behörden überzeugte die Juden, dass es Zeit war zu gehen – einschließlich der Familie von V.. Dann aber schlug das Schicksal zu.

„Das Regime von Saddam Hussein erklärte, mein Vater sei ein Spion für Israel. Er versuchte, aus dem Land zu fliehen. Natürlich war es eine Lüge, aber während meine Eltern und ich am Flughafen waren und uns der Mukhabarat, der Geheimdienst, zur Befragung festhielt, schafften es mein Bruder und meine Großmutter, in das Flugzeug zu kommen. Mein Bruder war sieben Jahre alt. Meine Eltern und ich sahen ihn 24 Jahre lang nicht wieder.“

V., die damals vier Jahre alt war, und ihre Familie wurden als Verräter in einer feindlichen Nation eingestuft, in der nur eine winzige jüdische Gemeinde übrig blieb.

„Mein Vater wurde ins Gefängnis gesteckt und war schrecklichen Folterungen ausgesetzt. Er war jahrelang im Gefängnis und wieder draußen. Meine Mutter fastete zweimal pro Woche für ihn. Aber mein Vater war nicht der einzige, der unter der Brutalität des Saddam-Regimes litt. Mein Bruder, der erst fünf Jahre alt war, wurde ebenfalls verhört und missbraucht, wodurch er behindert wurde.“

Selbst als ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen wurde, hörten die Schikanen nicht auf.

„Der Mukhabarat hörte nie auf, uns zu verfolgen. Mein Vater fing an, als Schatzmeister für die jüdische Gemeinde zu arbeiten, weil es das Einzige war, was er tun konnte. Sein Bankkonto war gesperrt und niemand würde ihn einstellen.“

Die Familie entschloss sich, nicht auf ihre jüdische Identität zu verzichten, aber sie zu ihrer eigenen Sicherheit so weit wie möglich zu verbergen. Eine der ersten Kindheitserinnerungen von V. war das Zeichnen von Figuren auf ein Blatt Papier. Eine war ein Davidstern. Ihre Familie geriet in Panik und ließ sie versprechen, es nie wieder zu tun.

V.’s erste Begegnung mit der hebräischen Sprache war ebenfalls beängstigend.

„Ich erinnere mich, dass ich einmal mit meinem Vater zu Hause saß und er nach etwas suchte, das er im Radio hören konnte. Plötzlich hörten wir eine Sendung in einer Sprache, die ich nicht identifizieren konnte und die für mich sehr seltsam klang. Mein Vater schaute mich vollkommen ruhig an und wechselte den Sender.“

„Ich habe mitbekommen, welcher Sender es war, und er sah, wie ich suchte. Und er flüsterte: ‚Wage es nicht, später danach zu suchen. Das ist Hebräisch. Es ist illegal. Wenn sie uns erwischen, sind wir erledigt.‘

„Sie müssen verstehen, dass wir niemandem gezeigt haben, dass wir Juden sind. Uns wurden weder die Sprache noch die Religion oder die Gebräuche beigebracht. Seitdem ich vier Jahre alt war, wusste ich, wusste ich, was ich den Menschen in meiner Umgebung sagen konnte und was nicht.“ Ich wusste, dass wir Juden waren, aber ich verstand in diesem Alter nicht wirklich, was das bedeutete. Ich wusste nur, dass ich kein normales Kind war.“

Ein Doppelleben in einem so jungen Alter zu führen, hatte seinen Preis, der die Loyalität dem Regime gegenüber bekundete. Als sie in die Grundschule kam, wurde V. für die Pfadfinder, die Jugendbewegung des Saddam-Regimes, rekrutiert.

Im Gegensatz zu den Jugendbewegungen in Israel handelte es sich bei den irakischen Pfadfindern um eine echte militärische Ausbildung. V. erhielt eine Uniform, eine Waffe und eine kräftige Portion Propaganda der Ba’ath-Partei.

Israel war immer der Feind. „Mir wurde klar, dass ich beweisen musste, dass ich loyaler als jeder andere dem Irak gegenüber war. Ich war die irakischste Person, die man nur sein konnte,“ sagt V.

Durch ihre Schulausbildung war sie noch stärker der Propaganda des Regimes ausgesetzt und brachte sie in ein dauerhaftes Dilemma.

„Die Gehirnwäsche war absolut. In der Schule, in den Medien, war die Botschaft immer die gleiche. Wenn es eine Kriegssituation oder eine Gefahr gab, galt unsere Loyalität in erster Linie Saddam und dem Regime. Ich war konfus wegen meiner Identität zu Hause und der, die ich annahm, wenn ich mit Freunden an der Schule oder in der Jugendbewegung war.“

Als V. zur High School kam, wurde die Sache nur noch komplizierter.

„Ich beendete die Grundschule, ohne dass einer meiner Kindheitsfreunde wusste, dass ich Jüdin bin. Als ich zur Mittel- und Oberstufe kam, stieß ich wegen des Religionsunterrichts auf Schwierigkeiten. Es war das erste Mal, dass ich mit meiner Mutter über Religion sprach. Ich bat sie, ihre Identität nicht länger zu verstecken, damit ich mich selbst als jemand zeigen kann, der ich bin. Sie schimpfte mit mir und wieder gab es die Drohung und die Geschichten darüber, was mein Vater durchgemacht hatte.“

Aber diesmal ließ sich V. nicht davon abhalten, ihren Freunden ihre wahre Identität zu offenbaren. Sie hatte es satt, sich zu verstecken.

„Am Ende beschloss ich, meinen Freunden zu sagen, dass ich Jüdin bin. Ich bereitete mich auf das Schlimmste vor, auf Antisemitismus und sogar auf Gewalt. Es gab keine Gewalt, aber es gab antisemitische Fragen … sogar die Ritualmordlegende über das Passah-Matzah wurde aufgetischt. Ich musste erklären, dass ich eine Jüdin bin, kein Monster, aber am Ende ging es gut und machte mich stärker.“

Obwohl ihre Freunde der Highschool sie akzeptierten, begann V. zu erkennen, dass sie im Irak keine Zukunft hatte. Die Familie lebte in ständiger Angst, dass das Regime herausfände, dass ihr Bruder in Israel lebte und dass ihr Vater wieder verhört werden würde. V. begann heimlich davon zu träumen, Aliyah nach Israel zu machen, und einige jüdische Freundinnen halfen ihr.

„Von klein auf hatte ich zwei jüdische Freunde und wir spielten ein Spiel, das eine echte Bedeutung hatte“, sagt sie.

„Wir haben alle möglichen schriftlichen Codes erfunden, so dass wir, falls einer von uns den Irak verlassen sollte, frei in Briefen kommunizieren könnten. Unschuldige Zeilen wie ‚Was ist dort jetzt die Trendfarbe?‘ oder ‚Wann kannst du in mit dem Studium in Holland anfangen?‘ wurden zu Codes für Visa, um den Irak zu verlassen und Aliyah zu machen. Dieses lustige Spiel hat uns im Moment der Wahrheit sehr geholfen.“

Obwohl der Irak ihrer Kindheit ein harter und beängstigender Ort war, war es nicht die Hölle auf Erden. „Es ist mir wichtig zu sagen, dass es neben all den schwierigen Erfahrungen in meiner Kindheit für mich viele Möglichkeiten gab, mich als Individuum zu entwickeln“, sagt sie.

„Ich habe an Schulen für die oberen 10% gelernt, sowohl in der Grundschule als auch in der High School. Ich bekam die beste Ausbildung, die das Land zu bieten hatte. Ich war auch in der Jugendarbeit und im Sport tätig. Ich habe Schwimmen gelernt … von klein auf. Ich habe an Wettbewerben teilgenommen und sogar den zweiten Platz bei den Jugendmeisterschaften gewonnen.“

Während V. davon träumte und plante, wie sie ihre Familie mit nach Israel nehmen und nach Israel ziehen würde, ging das Leben weiter und brachte die Herausforderungen mit sich, denen sich jeder Teenager gegenübersieht, der eine höhere Ausbildung anstrebt. Aber dann spielte das Land verrückt.

V. war gezwungen, ihre Jahresabschlussprüfungen während des Golfkrieges zu schreiben, während der Irak durch Engpässe gelähmt war und täglich bombardiert wurde.

„Saddam entschied, dass das Leben trotz der Bombardierungen wie gewohnt weitergehen würde. Ich musste Zeit und Kraft zum Lernen finden, auch wenn es weder Strom noch Wasser gab und es an Nahrung mangelte. Die Amerikaner bombardierten nur nachts und tagsüber musste ich mich darum kümmern, dass meine Familie Nahrung und Wasser fand. Deshalb lernte ich im Kerzenlicht mit dem Dröhnen der amerikanischen Bomben im Hintergrund.“

Aber die Bombardierung war nicht die einzige Ablenkung. Während des Krieges begann das Regime zu zerfallen und Soldaten brachen in Häuser ein, rauben sie aus, verhafteten Menschen, die der Spionage verdächtigt wurden, und missbrauchten jeden, dessen Loyalität angezweifelt werden konnte. Viele Frauen wurden vergewaltigt und überall herrschte Angst.

„Aber der Golfkrieg gab mir auch Momente des Stolzes“, sagt V..

„Ich erinnere mich, dass meine Nachbarn nach Radiosendern suchten, um wahre Berichte über das Geschehen an der Front zu erhalten und nicht die Lügen des Regimes. Der Sender, den sie suchten, waren die arabischen Übertragunen von Radio Israel. Natürlich war es illegal, aber die Leute waren neugierig zu erfahren, was los war und das war der einzige Weg, um Updates zu bekommen.“

Trotz der Engpässe, der Bombenanschläge und der ständigen Angst hat V. ihre Prüfungen gut bestanden und wurde an der medizinischen Fakultät angenommen.

„Wie alle irakischen Juden habe auch ich einen Beruf erlernt. Die Universität befand sich in einem der schiitischen Viertel der Stadt und ich lernte Menschen kennen, die ich noch nie zuvor getroffen hatte.

„Es gab viele palästinensische Studenten, die Stipendien vom Saddam-Regime erhalten hatten. Sie waren nicht für ihre Sympathie für Israel oder Juden berühmt. Ich hatte viele Freunde aus dem Libanon, Jemen und Marokko und lernte ihre verschiedenen Dialekte, um ihnen Respekt zu erweisen und ihre Sprache sprechen. So entdeckte ich die Liebe zum Sprachenlernen.“

Sich in einen anderen menschlichen Naturraum zu versetzen, war jedoch mit einem Preis verbunden. „Als sie merkten, dass ich jüdisch war, begannen die Fragen erneut. Dieses Mal gab es auch Antisemitismus. Es gab eine Gruppe, die plante, mich zu lynchen – mich zu entführen und als Sexsklavin zu verkaufen“, sagt sie – immer noch entsetzt.

Glücklicherweise hasteten einige Freunde, die die Gruppe der potentiellen Entführer sprechen hörten, zu ihr, um sie zu warnen. V. war gezwungen, vorsichtig zu sein, während sie auf dem Campus war.

„Ich konnte es meinen Eltern nicht sagen, weil sie mich gezwungen hätten, vorzeitig auszusteigen“, sagt sie.

Nachdem Golfkrieg vorbei war, wurde der Irak viel weniger sicher. V. stellte fest, dass sie nicht nur an der Universität als Jüdin auf der Hut sein musste, sondern auch als Frau auf der Straße.

„Während sie mit dem Bus von der Universität nach Hause fuhren, saß eine Gruppe junger Männer, meist aus Familien, die mit dem Regime verbunden waren, in Autos, suchte auf der Straße nach Frauen und zwang sie in ihre Autos. Einmal fing eine dieser Banden an, mir zu folgen, nachdem ich aus dem Bus gestiegen war. Ich konnte sie nicht wissen lassen, wo ich wohnte, also versteckte ich mich hinter dem Tor und betete, dass sie mich nicht gesehen hatten. Ich lief mit dem Messer herum, nicht, dass es geholfen hätte, aber mir half es, mich sicherer zu fühlen.“

Als V. ihr Studium beendete, verschlimmerte sich die Situation im Irak weiter. Die Kombination aus Terrorismus und Regime und totaler Anarchie auf den Straßen überzeugte sie, dass es Zeit war, ihren alten Traum zu erfüllen und zu gehen.

Das erforderte, sich gegen ihren Vater zu stellen, der immer noch Angst vor dem Regime hatte, aber V. hatte ein Ass im Ärmel. Noch während ihrer Studienzeit kontaktierten sie Geheimdienstmitarbeiter und versuchten, sie als Agentin zu gewinnen.

„Ich habe meinem Vater gesagt, dass wir eine Woche Zeit hätten, um rauszukommen. Dass diese Leute mich bereits verfolgten und wenn wir nicht gingen, würden wir sie niemals loswerden.“ Ihr Vater, geschockt, überwand sich und die Vorbereitungen begannen.

V. wandte sich an ihre Freunde aus Kindertagen und benutzte dabei denselben Code, den sie als Mädchen entwickelt hatten. Zusätzlich zu den Ausreisegenehmigungen aus dem Irak arrangierte sie Visa für ein Drittland. Das Regime stellte auf Schritt und Tritt Hindernisse auf, aber V. war entschlossen und komplettierte alle erforderlichen Verfahren.

Nach Jahren des Versteckens und der Angst stieg die Familie in einen alten, ramponierten Bus, der zur Grenze fuhr. Abgesehen von 200 Dollar, ein paar Familienfotos und der Ketuba*** von V.’s Eltern trugen sie nur ein paar kleine Koffer in eine unklare Zukunft.

Als sie den Grenzübergang erreichten, kamen all die alten Alpträume zurück. Die Männer und die Frauen wurden getrennt, und V. wurde ausführlich von einem Offizier befragt, der ein Interesse an ihr hatte, das über seine beruflichen Pflichten hinausging.

„Ich habe ihm gesagt, ich sei auf dem Weg zu meinem Verlobten, und es hat ihn irgendwie abgekühlt“, sagt sie.

„Ich wurde in einen Vernehmungszimmer für Frauen gebracht, wo mich drei weibliche Beamte des irakischen Geheimdienstes befragten. Ich hatte die Ketuba meiner Eltern, und wenn sie die gefunden hätten, wäre es das Ende gewesen. Juden waren in den Augen des irakischen Geheimdienstes gleichbedeutend mit Spionen. Zum Glück ließen sie mich mich selbst ausziehen und überprüften nicht [meine Kleidung].“

Erschöpft und mit zitternden Knien verließ V. den Grenzübergang. Sie und ihre Mutter stiegen in einen Bus, der sie über die Grenze bringen sollte, aber langsam realisierte sie, dass ihr Vater und ihr Bruder immer noch am Grenzbahnhof waren. Der Fahrer wollte die Tür schließen und losfahren. „Sollen sie doch den nächsten Bus nehmen“, fauchte er V. an.

„Ich stellte mir eine Wiederholung der Trennung von meinem Bruder vor. Ohne nachzudenken, trat ich auf die Bremse und sagte dem Fahrer: ‚Du bewegst dich nicht, bis mein Vater und mein Bruder hier sind.'“

Einige Minuten später verließen die Männer die Grenzstation und die Familie überquerte die irakische Grenze in die Freiheit.

Die Ankunft der Familie im Drittland garantierte nichts. Ein Zustrom von Flüchtlingen zwang die Regierung, auf Kurzzeitvisa zu bestehen und viele der Neuankömmlinge in den Irak zurückzuschieben, auch diejenigen, die legal eingereist waren. V. und ihre Familie waren besorgt und bereiteten sich auf das Schlimmste vor. Sie waren in einem fremden Land ohne irgendetwas, was sie ihr Eigen hätte nennen können.

„Ich habe meine Freundin kontaktiert, die uns geholfen hat, den Irak zu verlassen. Ich habe ihr gesagt, wir hätten kein Geld und Angst, sie würden uns deportieren, und wir hätten keine Ahnung, wie wir nach Israel kommen sollten. Sie sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen, nicht um Geld und nicht darum, wie wir es nach Israel schafften. Sie sagte, wir sollten unseren ‚Urlaub‘ genießen und sie würde sich um alles kümmern.“

Ein paar Tage später nahm die Freundin mit V. Kontakt auf und forderte sie auf, in ein bestimmtes Hotel zu kommen, erklärte aber nichts.

„Der Mann, der auf uns wartete, war ein Israeli und er brachte uns nach Israel. Ich konnte nicht glauben, dass es eine so kurze Reise war. Es fühlte sich so an, als wäre ich auf einem anderen Planeten.“

Nach zwei Jahrzehnten des Leidens, Versteckens und der Angst befand sich V. in einem Aufnahmezentrum für Immigranten in Mevasseret Zion, außerhalb Jerusalems. Plötzlich wurde ihr klar, dass die Ankunft ihrer Familie in Israel ein ungewöhnliches Ereignis gewesen war.

„Die Leute im Aufnahmezentrum schienen wirklich aufgeregt“, erinnert sie sich, ebenfalls bewegt.

„Ich habe nicht verstanden, warum – wir waren nur Zivilisten, die aus dem Irak gekommen waren. Es war wirklich ein Glück, dass ich Englisch sprach, so dass ich mit allen dort sprechen konnte. Es stellte sich heraus, dass wir irgendwie berühmt waren. Wir waren die letzten Juden, die Aliyah aus dem Irak gemacht haben und es war wirklich aufregend für alle.“

V. machte einen Sprung direkt ins kalte Wasser. Sie begann Hebräisch zu lernen, noch bevor ihre formellen Ulpan-Kurse begannen, und nach ein paar Wochen im Ulpan forderte ihre Lehrerin sie auf, in eine fortgeschrittenere Gruppe zu wechseln. Ihr wurde gesagt, es würde mindestens drei Monate dauern, bis sie in der Lage wäre, Hebräisch zu sprechen, aber V. konnte in weniger als zwei Monaten fließend sprechen.

Kurz darauf erhielt sie einen Anruf vom Geheimdienst der IDF, und er machte ihr Angst. Im Irak waren Anrufe von den Geheimdiensten keine gute Sache, und die schmerzhaften Erinnerungen an ihren Vaters und ihren Bruder wurden in ihr Bewusstsein eingebrannt.

„Sie haben mich beruhigt. Sie sagten mir, dass sie mir einen Job anbieten wollten.“ So unterrichtete V. als zivile Mitarbeiterin der IDF Arabisch und arbeitete gleichzeitig daran, ihren irakischen Universitätsabschluss in Israel anerkannt zu bekommen.

Nach einigem Zögern entschied V., dass die Armee der richtige Ort für sie war. Sie würde nicht nur weiterhin für die Armee arbeiten, sondern sich auch als Soldatin verpflichten und in einer operativen Einheit dienen.

Nach einiger Zeit mit dieser Einheit kehrte V. zum Geheimdienst zurück, diesmal als NCO****. Wenn sie über ihren Militärdienst spricht, scheint sie aus einem tiefen Gefühl von Engagement und Stolz zu sprechen.

Es freut mich, dass ich den Soldaten Kenntnisse der [arabischen] Sprache als Schlüssel für ihren Dienst vermitteln kann“, sagt sie. „Die Soldaten hören mir zu, sie sind fasziniert von meiner persönlichen Geschichte sowie der Sprache, den verschiedenen Dialekten, den Nuancen und der Kultur, die die Sprache ausdrückt. Ich erzähle ihnen gerne, woher ich komme, denn es ist eine Geschichte, die für sie relevant ist.“

Auch nach vielen Jahren in Israel prägen V.’s Erinnerungen an den Irak noch immer ihr Sendungsbewusstsein.

„Weil ich in einem Land aufgewachsen bin, das seine Bevölkerung mit Brutalität behandelt, insbesondere – aber nicht nur – Juden, verstehe ich die Bedeutung unseres Landes. Ich habe entdeckt, dass das, was ich mit auf den Weg genommen habe, viel Wert ist, sowohl in Bezug auf die Mentalität als auch auf meine Vertrautheit mit der arabischen Welt. Ich habe entdeckt, dass ich etwas beitragen und anbieten kann, was nur sehr wenige andere Menschen in Israel können. Ich lasse mich von einem Gefühl der Verpflichtung leiten. Ich muss mein Wissen an die Soldaten weitergeben.“

„Es gibt etwas in der Essenz des Irak, das mich nie verlässt“, gibt V. zu. „Der breite Fluss, das Wasser, die Wüste, die Gassen und Spiele der Kindheit, das Essen. Ich erinnere mich besonders an den irakischen gegrillten Fisch, den ‚Samak Masgouf‘, einen Flussfisch, der über offenem Feuer zubereitet wird. Trotz allem, was ich durchgemacht habe, werde ich den Irak nicht vergessen. Er liegt mir immer noch im Blut.“

Übersetzung: faehrtensuche

*Command Sgt. Maj.: Entspricht etwa dem Dienstgrad eines „Oberstabsfeldwebels“, Näheres hier]

**Aliyah: Die Rückkehr von Juden nach Israel

***Ketuba: Jüdischer Ehevertrag

**** NCO: non-commissioned officer, Unteroffizier

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