Olympische Spiele 1972 in München – Wir waren dabei

Originalartikel: We Were at the 1972 Munich Olympic Games

von Melinda Stein, 29. August 2022

Vor 50 Jahren wurden 11 israelische Athleten in Deutschland von palästinensischen Terroristen massakriert. Wir waren dort für unsere Flitterwochen.

Mein Mann Steve und ich waren per Bahn von Athen aus durch das damalige Jugoslawien und durch Österreich gereist, als unser Zug in den Münchner Hauptbahnhof einfuhr. Es war ein imposantes Gebäude mit hohen Gewölben und vielen Bahnsteigen.

Um sieben Uhr morgens frühstückten die Einheimischen mit großen Bierkrügen. Es war der 2. September 1972 und Steve und ich hatten kürzlich in New York geheiratet. Wir hatten geplant, unsere Flitterwochen mit einer gemächlichen Bahnfahrt durch Europa und Skandinavien zu begehen und sie sollten mit einer Rückkehr nach Israel enden, wo wir einen Wohnsitz hatten.

Als wir über Landkarten Strategien entwarfen und die Routen und Aufenthalte für unsere Reise auswählten, merkte Steve plötzlich an: „Hey, auf dem Weg in den Norden werden wir München passieren und das fällt genau mit den Olympischen Spielen zusammen! Vielleicht können wir einige Zeit dort verbringen, das wäre ein tolles Erlebnis!“

„Aber Schatz, zu diesem späten Zeitpunkt ist es unmöglich, dort Unterkünfte zu bekommen. Vergiss es.“

Da Steve etwas von einem Sportjunkie hat, war er entschlossen, jeden Weg zu verfolgen, um das hinzubekommen. „Hat dein Vater nicht mal erwähnt, dass er Cousins in München hat?“

Ich hatte gemischte Gefühle bei dem Gedanken, in Deutschland einen Halt einzulegen. Meine Eltern waren polnische Überlebende des Holocaust und die meisten meiner Verwandten einschließlich aller vier Großeltern waren Opfer des Nazi-Angriffs. Als der Krieg zu Ende war, lebten meine Eltern bis 1949 in einem Lager für Vertriebene in der Nähe von München, als sie die Genehmigung erhielten, in die Vereinigten Staaten auszuwandern.

Für meine Flitterwochen hätte ich es vorgezogen, Deutschland aus der Wunschliste zu streichen. Aber ich gab schweren Herzens nach und meine Münchner Verwandten, ebenfalls Überlebende, boten uns an, während der Olympischen Spiele ihre Gäste zu sein.

Die Stadt selbst war wunderschön, die Atmosphäre festlich und vielsprachig. Athleten und Trainer von überall auf der Welt spazierten in ihren Jacken mit identifizierenden Länderabzeichen herum. Düfte von gerösteten, gezuckerten Nüssen von Straßenverkäufern wehten durch die Straßen. Viele Geschäfte stellten Fernseher in ihre Schaufenster, so dass die Menge den Wettkämpfen in Echtzeit zusehen konnte. Wir sahen Mark Spitz eine seiner sieben Goldmedaillen im Schwimmen gewinnen. Olga Korbuts erstaunlichen gymnastischen Darbietungen erzeugten mehrsprachigen Jubel. Später gingen wir im Englischen Garten spazieren, der Englische Garten, größer als der Central Park. Es war aufregend, den olympischen Bogenschießwettbewerben zuzusehen, die dort stattfanden und für alle frei zugänglich und kostenlos waren.

Die Planer der Spiele gaben dem Event einen Spitznamen: Die unbeschwerten Spiele. München war darauf erpicht, die Erinnerung an die Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu verbannen. Die omnipräsenten Nazi-Embleme und Flaggen und der ungezügelte Rassismus und Antisemitismus jener Spiele würde vermutlich vergessen werden, da die aktuellen Olympischen Spiele reibungslos und freudig verlaufen würden.

Der 5. September war ein Tag, an dem keine Veranstaltungen vorgesehen waren. Wir beschlossen, einen Ausflug außerhalb von München zu einer Stadt namens Garmisch-Partenkirchen zu machen. Es ist eine alpine Skistadt und war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1936. Es ist auch der Standort mit dem höchsten Berg, der Zugspitze, und einer unglaublich schönen Aussicht.

Während wir auf die Seilbahn warteten, die uns zum Gipfel transportieren sollte, schnappten wir eigentümliches Gemunkel der anderen auf, die auf die Seilbahn warteten – irgendetwas über eine Art palästinensischen Terrorangriffs an diesem Morgen im Olympischen Dorf. Auf unserem Weg den Berg hoch wurden die Gerüchte von einem englischsprachigen Passagier bestätigt und dass der Anschlag gegen die Mitglieder der israelischen Olympia-Delegation ging. Wir waren geschockt und entsetzt und sobald wir den Gipfel des Berges erreichten, kehrten wir um und gingen wieder hinunter, um hastig nach München zurückzukehren.

Wir fanden heraus, dass zwei Mitglieder des israelischen Teams kaltblütig ermordet worden waren, einer der Leichen verstümmelt und vom Balkon geworfen wurde und dass die neun anderen Athleten von den Terroristen als Geiseln festgehalten wurden. Die Fernsehberichterstattung war an diesem Nachmittag fast gänzlich in Deutsch und ließ uns frustriert in unserem Wunsch zurück, die aktuellsten Nachrichten herauszufinden. Der Auftritt des vermummten Terroristen auf dem Balkon des israelischen Athletengebäudes (und nun berühmtes Video) ließ einen das Blut in den Adern gefrieren.

Der Korrespondent der News, Jim KcKay, erschien plötzlich und übertrug die Situation in Englisch. Wir erfuhren, dass die Bande von Terroristen mit Leichtigkeit über den Zaun des Olympischen Dorfes gestiegen war, mit Reisetaschen voller Munition und Maschinengewehren und schnurstracks zu den Athleten aus Israel eilte. Wir saßen vor dem Fernseher und unsere Emotionen liefen Amok vor Angst und Wut. Es schien unmöglich, dass es dort außer dem dürftigen Zaun keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen gegeben hatte, um die internationalen Wettkampfteilnehmer zu schützen.

Gerade bevor wir uns bettfertig gemacht hatten, gab es Gerüchte, dass eine Einigung erzielt worden wäre und die Geiseln freigelassen würden. Der Plan schien zu sein, dass die Geiselnehmer die neun Athleten zum Münchner Flughafen von Fürstenfeldbruck bringen würden. Dort wären vier oder mehr deutsche Scharfschützen für den Fall, dass die bewaffneten Terroristen versuchen würden, das Feuer auf ihre Gefangenen zu eröffnen. Ein Flugzeug würde auf der Rollbahn stehen, um die Palästinenser und Geiseln in einen Ort des Nahen Ostens zu fliegen. Wir gingen ins Bett mit optimistischen Gefühlen, dass die Geiseln befreit würden.

Wir wachten mit den äußerst erschütternden Nachrichten auf, dass alle neun Geiseln niedergemetzelt worden waren, doch drei der Terroristen überlebt hatten. Letztere wurden später von den deutschen Behörden freigelassen. Meine Cousins waren sprachlos und geschockt. Ich fragte mich ungläubig „Wie um alles in der Welt kann das sein? Wir haben 1972 und nicht 1942. Jüdische Leichen und Blut beflecken wieder deutschen Boden?“

Es wurde eine Durchsage bezüglich einer schnell arrangierten Zeremonie übertragen, um der ermordeten Athleten zu gedenken. Niemand von uns hatte das Bedürfnis, ihr beizuwohnen. Die Zeremonie beinhaltete nicht die traditionelle Schweigeminute für die Toten. Avery Brundage, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees lehnte es ab, die Spiele aus Respekt vor den Trauernden zu verschieben und bestand gebieterisch darauf „Die Spiele werden weitergehen!“ Steve fragte sich, ob das auch die Reaktion gewesen wäre, wenn das Massaker 11 amerikanischen Athleten das Leben gekostet hätte.

Steve und ich gingen nach draußen, nachdem wir genug hatten von der Berichterstattung. Die Straßen, die vor ein paar Tagen freundlich und einladend schienen, fühlten sich nun gefühllos und hartherzig an. Wir schauten uns an – angewidert und sagten uns „Wir müssen raus von hier.“ Wir stornierten den Rest unserer Hochzeitsreise, nahmen einen Zug in die Schweiz und von dort einen Flieger nach Israel.

Experten haben zahlreiche Fehler in der Handhabung der Sicherheitsmaßnahmen für alle Athleten gefunden. Angefangen bei dem Mangel an adäquaten Schutzmaßnahmen des Dorfes bis hin zum misslungenen Versuch der Polizei, die Geiseln zu retten, wurden Fehler über Fehler gemacht. Ein Experte für Veranstaltungssicherheit hatte vorgeschlagen, Wochen vor den Spielen, dass die Athleten nach Sportarten untergebracht werden sollten und nicht nach Ländern – Schwimmer in einem Bereich, Leichtathletik in einem anderen, usw. Das hätte jede Art von Zwischenfällen gegen eine bestimmte Nationalität verhindert. Die Idee wurde über den Haufen geworfen.

Manche glauben, dass die zuständige Polizei es abgelehnt hat, den Sicherheitsbeamten zu erlauben, sich zu bewaffnen oder am Ankunftsterminal oder irgendwo sonst auf dem Olympiagelände auf Waffen hin zu kontrollieren. Es wurde anscheinend eine Rechtfertigung gebraucht, um dem Image der „unbeschwerten Spiele“ Vorschub zu leisten.

Bücher sind geschrieben worden über die Tragödie von 1972, ebenso viele Filme zu dem Thema. Das Münchner Massaker zerstörte den Glauben, die Olympischen Spiele seien harmlose Wettkämpfe zwischen den Athleten der Welt. Für immer wird es danach Sicherheitsbedenken und Angst vor politischen Störungen geben.

Es hat 49 Jahre gedauert, bis das Internationale Olympische Komitee endlich der 11 Ermordeten mit einer Schweigeminute bei den Olympischen Spielen in Tokio gedachte.

Heute, ein halbes Jahrhundert später, sind wir gefordert, darüber nachzudenken, was alles schief gelaufen ist und warum. Im Gedenken an die unschuldigen Menschen, die auf tragische Weise ums Leben gekommen sind, haben wir die Pflicht, aus der Vergangenheit zu lernen, um sicherzugehen, dass solche Tragödien sich nicht wiederholen können.

Übersetzung: faehrtensuche

… und Olaf Scholz schweigt!

Mahmud Abbas, der Präsident eines palästinensischen Staates, der nur in seiner Fantasie existiert, sagte gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz: „Israel hat seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker in 50 palästinensischen Orten begangen“ und fügte hinzu: „50 Massaker, 50 Holocausts.“ Und was sagte der Bundeskanzler? Nichts. Er schwieg. Ein Moment der Schande für das Land, das sechs Millionen Juden ermordete.

Scholz Ausfall ist ein Signal, das Neonazis, Islamisten und linksradikale Israelhasser verstehen werden: Der Kanzler, die Bundesregierung, schauen zu, wenn es gegen Juden und Israel geht. Sie duldet Antisemitismus sogar im Kanzleramt. Das passt ins Bild. Denn sie duldet ihn nicht nur, sie fördert ihn sogar mit Geld …“


Den ganzen Artikel lesen? Hier: Stefan Laurin, Abbas, Scholz und Documenta: Die Ampel duldet und fördert Antisemitismus

Schlagzeile in der Times of Israel: In Berlin, Abbas says Israel committed ‘holocausts’; Scholz grimaces but is silent

Purim Sameach!

Gestern Abend, am Abend des 9. März 2020, wurde in Israel der Beginn von Purim gefeiert. Zu den wichtigen Ereignissen dieses Festes gehört das Verlesen der Megillah [Buchrolle] Esther.

Ich überlasse an dieser Stelle das Wort an Rabbi Sacks. In seinem Artikel „The Therapeutic Joy of Purim“ (Die therapeutische Freude von Purim) führt er aus:

In Purim liegt etwas sehr Seltsames. Es ist vor allem ein Fest der Freude, „Yamei mishtei b’simcha“. Und nicht nur der Tag selbst ist ein freudiger, sondern einzigartig ist, dass wir diese Freude zwei Wochen vorher beginnen: „Misheh nichnas Adar marbim b’simcha“ bedeutet, dass wir von Anfang [des Monats] Adar [s. Wikipedia] an beginnen, unsere Freude zu vergrößern.

Und das ist nicht nur in den Wochen vor Purim so. Diese Freude ist das ganze Jahr über präsent. An jedem Ende eines Shabbats, während des Havdallah-Gottesdienstes [zur Bedeutung von „Havdallah“ s. Wikipedia], erinnern wir uns an diese Zeile aus der Megillah [Buchrolle] „Layehudim haitah orah v’simcha“, was bedeutet: „Für Juden gab es Licht und Freude“.

Doch was genau feiern wir an Purim? Die bloße Tatsache, dass wir überlebt haben? Dass Hamans Völkermorddekret nicht in Kraft getreten ist? Dass das teuflische Dekret „L’harog u’lehabed u’lehashmid“, [also] jeden einzelnen Juden, ob jung und alt, ob Mann oder Frau, an einem einzigen Tag zu töten, zu vernichten und auszurotten, abgewendet wurde? Das ist kein Grund zur Freude, das ist ein Grund zur Erleichterung. Das ist kein Grund zum Feiern, sondern in Wirklichkeit [Grund] für eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Frage, die ich hier stelle, ist also, was ist diese einzigartige Freude von Purim?

Ich möchte die folgende Antwort vorschlagen. Es gibt zwei Arten von Freude. Es gibt die expressive Freude, die Freude, die man erlebt und kommuniziert, weil man sich so fühlt. Aber es gibt auch die therapeutische Freude, die Freude, die man selbst empfinden will, um sich vor negativen Emotionen zu schützen. Und wenn wir uns über Purim freuen, über dieses Fest, das genau genommen das Fest [der Sieg] über den Antisemitismus ist, sagen wir etwas sehr Wichtiges. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden nicht traumatisiert sein. Wir lassen uns nicht über unsere Feinde definieren. Wir werden mit den Bedrohungen leben und sogar darüber lachen, denn worüber wir lachen können, das kann uns nicht gefangen halten.“ Und das ist es, was die Freude an Purim wirklich ausmacht. Es geht darum zu überleben und darüber hinaus zu prosperieren, selbst wenn wir durch das Tal des Todesschattens gehen. Es ist eine Art zu sagen: „Ich werde essen und werde trinken und werde feiern und werde keine dunklen Wolken in meinen Geist oder mein Herz eindringen lassen.“

Daher enthält Purim eine echte Botschaft für unsere Zeit, in der wir die Rückkehr des Antisemitismus sehen. Wir dürfen uns niemals einschüchtern lassen. Und der jüdische Weg, dies zu vermeiden, besteht darin, marbim b’simcha zu sein, unsere Freude zu steigern. Denn das Volk, das die volle Dunkelheit der Geschichte kennt und sich dennoch freuen kann, ist ein Volk, dessen Seele keine Energie [Macht] auf Erden jemals brechen kann.

Lassen Sie mich Ihnen also Purim Sameach wünschen, ein Purim voller Freude.

Übersetzung: faehrtensuche

Valentinstag im Jahr 1349

Am Valentinstag 1349 wurden Tausende von Juden verbrannt, denen unterstellt wurde, Brunnen vergiftet zu haben.

von Dr. Yvette Alt Miller

Originalartikel: Horrific Valentine’s Day Massacre of Jews

Das entsetzliche Valentinstag-Massaker an Juden

Die meisten Menschen assoziieren den 14. Februar mit Liebe und Romantik. Doch vor Hunderten von Jahren kam es am Valentinstag zu einem entsetzlichen Massenmord, als 2.000 Juden in der französischen Stadt Straßburg lebendig verbrannt wurden.

Es war das Jahr 1349, als die (Beulen-)Pest, bekannt als der Schwarze Tod, über ganz Europa hinwegfegte und ganze Gemeinden auslöschte. Zwischen 1347 und 1352 tötete sie Millionen von Menschen. Der Historiker Ole J. Benedictow schätzt, dass 60% der Europäer an der Krankheit starben. Ein italienischer Schriftsteller hat dokumentiert, was die Pest der Stadt Florenz, in der er lebte, angetan hat: „Alle Bürger taten nur wenig anderes, als Leichen zu transportieren, die begraben werden mussten. … An jeder Kirche gruben sie tiefe Gruben bis zur Grundwasserschicht; und so wurden diejenigen, die arm waren und in der Nacht verstarben, schnell zusammengepackt und in die Grube geworfen.“

Die Beulenpest wird durch ein Bakterium namens Yersinia pestis verursacht und am häufigsten durch Flöhe verbreitet, die sich von Nagetieren wie Ratten und Mäuse ernähren. Die Krankheit existiert immer noch und jedes Jahr erkranken Tausende von Menschen, darunter eine Handvoll Menschen in den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern. Frühzeitig erkannt, ist die Beulenpest mit modernen Medikamenten behandelbar. Im Mittelalter gab es natürlich keine medizinische Behandlung, um die verheerenden Auswirkungen der Pest zu mildern. Schätzungsweise sind etwa 80% der Menschen, die sich im Mittelalter mit der Pest infiziert haben, gestorben.

Der erste große europäische Ausbruch der Pest ereignete sich 1347 in Messina, Italien, und von dort breitete sie sich rasch aus. Historiker schätzen, dass die größte Woge der Beulenpest – die Pandemie, die als Schwarzer Tod bezeichnet wurde – ihren Ursprung in Zentralasien hatte. Als sie durch die europäischen Gemeinden zu fegen begann, sahen sich verängstigte Menschen nach einem Schuldigen um. Juden waren eine natürliche Wahl. Als der Schwarze Tod vorrückte, wandten sich die Christen gegen die Juden in ihrer Mitte und beschuldigten diese, die Pest durch Vergiftung der Brunnen der Christen zu verbreiten.

Juden, die oft gezwungen wurden, in überfüllte und umzäunte jüdische Viertel zu leben, litten in einem vergleichbaren Ausmaß unter dem schwarzen Tod wie ihre christlichen Nachbarn. Doch obwohl es offensichtlich war, dass auch Juden krank wurden und starben, beschuldigten viele Christen die Juden, die Krankheit absichtlich zu verbreiten, um Christen zu schaden. Der Historiker Heinrich Graetz beschrieb die fieberhafte Atmosphäre des Hasses und der Anschuldigungen gegen die europäischen Juden wie folgt: „… Es entstand der Verdacht, dass die Juden die Bäche und Brunnen und sogar die Luft vergiftet hätten, um die Christen eines jeden Landes mit einem Schlag zu vernichten ”. (Ausführlich in Graetz‘ Geschichte der Juden, 1894)

Jüdische Gemeinden wurden angegriffen. Damals existierten etwa 363 jüdische Gemeinden in Europa. In der Hälfte von ihnen wurden Juden von Mobs angegriffen, die sie für die Verbreitung der Pest verantwortlich machten.

Diese Angriffe waren entsetzlich gewalttätig. In Köln wurden die Juden in eine Synagoge gesperrt, die dann in Brand gesteckt wurde. In Mainz wurde die gesamte große jüdische Gemeinde der Stadt an nur einem Tag ermordet. Juden wurden in ganz Europa, in Spanien, Italien, Frankreich, den Niederlanden und den germanischen Ländern massakriert und gefoltert. Kaiser Karl I., der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verfügte, dass der Besitz von Juden, die wegen angeblicher Ausbreitung der Pest ermordet wurden, ungestraft von ihren christlichen Nachbarn beschlagnahmt werden durfte. Mit diesem finanziellen Anreiz, Juden zu töten, wurden die Angriffe nur noch verstärkt.

1349 versuchte eine Gruppe von Feudalherren im französischen Elsass, die Angriffe auf Juden offiziell zu machen. Sie versammelten sich in der französischen Stadt Benfeld und gaben den Juden formell die Schuld am Schwarzen Tod. Sie verabschiedeten auch eine Reihe von Maßnahmen, um Juden ins Visier zu nehmen. Sie sonderten sie wegen Mordes aus und forderten ihre Vertreibung aus den Städten. Dieses „Benfeld-Dekret“ hatte eine sofortige Wirkung. In 30 Gemeinden im ganzen Elsass wurden Juden angegriffen. Nur die Stadt Straßburg, die eine große jüdische Gemeinde hatte, leistete Widerstand und schützte die Juden ihrer Stadt.

In Straßburg herrschte zu Beginn des Jahres 1349 eine angespannte Stimmung. Der Schwarze Tod hatte die Stadt noch nicht erreicht; allerdings warteten die Bürger ängstlich auf den ersten Fall von Opfern, die jeden Tag erkranken und sterben würden. Straßburgs Bischof Berthold III. wetterte gegen die Juden, aber die gewählten Vertreter der Stadt blieben standhaft. Bürgermeister Kunze aus Wintertur, Straßburgs Schultheiß Gosse Sturm und ein örtlicher Laienführer namens Peter Swaber verteidigten und schützten die Straßburger Juden lautstark.

Am 10. Februar 1349 hatten die unruhigen Bürger schließlich genug. Ein Mob erhob sich und stürzte die Straßburger Stadtregierung. Stattdessen setzte er eine instabile Regierung „des Volkes“ ein. Diese hasserfüllte Gruppe, die nun das Sagen hatte, war ein seltsames Amalgam: Angeführt von den örtlichen Metzger- und Schneidergilden, wurde sie von örtlichen Adligen, die die Juden hassten und hofften, deren Besitz zu beschlagnahmen, finanziell unterstützt. Eine der ersten Aktionen dieses neuen Mobs bestand darin, die Juden der Stadt unter dem Vorwurf zu verhaften, christliche Brunnen zu vergiften, um den Schwarzen Tod zu verbreiten.

Freitag, der 13. Februar 1349, war ein schwarzer Tag für die Straßburger Juden. Normalerweise hätten sie den Tag damit verbracht, sich auf den Shabbat vorzubereiten, Challah zu backen, ihre Häuser zu putzen und festliche Mahlzeiten zuzubereiten. Stattdessen wurden Frauen, Kinder und Männer unter schwerer bewaffneter Bewachung aus ihren Häusern geschleppt, inhaftiert und des Mordes angeklagt. Jeder Jude, der bereit sei, zum Christentum zu konvertieren, würde verschont bleiben, hieß es. Während die verängstigten Juden auf ihr Schicksal warteten, bauten die neuen Gouverneure der Stadt eine riesige Holzplattform, die Tausende von Menschen im Inneren des jüdischen Friedhofs halten konnte. Für die Juden war der nächste Tag der Shabbat. Für die christlichen Bürger von Straßburg war der nächste Tag der 14. Februar, der Valentinstag. Sie bestimmten diesen Tag des Heiligen [Valentin] als den Tag, an dem sie Straßburgs gesamte jüdische Bevölkerung exekutieren würden.

Am Morgen des Valentinstags versammelte sich eine große Menschenmenge, um zuzuschauen. Ein ortsansässiger Priester namens Jakob Twinger von Konigshofen hat das grausame Massaker festgehalten: „Sie verbrannten die Juden auf einer hölzernen Plattform auf ihrem Friedhof“, schrieb er. „Es waren etwa zweitausend.“ Einige kleine Kinder wurden den Armen ihrer Eltern entrissen und gerettet, damit sie getauft und als Christen erzogen werden konnten. Jedoch gab es für die meisten Juden keine solche Hilfe. Als die riesige Holzkonstruktion in Flammen aufging, wurden rund zweitausend Juden langsam bei lebendigem Leib verbrannt.

Ihre Ermordung dauerte Stunden. Danach durchkämmten eifrige Stadtbewohner die schwelende Asche, nicht [etwa], um Überlebende zu suchen, sondern um nach Wertsachen zu suchen. Von Konigshofen notierte das finanzielle Motiv für dieses enorme Massaker: „… alles (alle Schulden), was den Juden geschuldet wurde, wurde gestrichen … Der Rat … nahm das Geld, das die Juden besaßen, und teilte es anteilig unter die Arbeiter auf. Das Geld war in der Tat das, was die Juden tötete. Wenn sie arm gewesen wären und wenn die Feudalherren keine Schulden gehabt hätten, wären sie nicht verbrannt worden.“

Straßburgs Regierung des Mobs und seine Bürger wurden nicht kritisiert. Einige Monate später begnadigte Kaiser Karl IV. offiziell die Bürger von Straßburg dafür, dass sie die Juden ihrer Stadt ermordet und ihr Geld gestohlen hatten.

Im Laufe der Zeit schienen viele die Katastrophe der Gewalt zu vergessen, die zur Folter und Ermordung so vieler Juden zur Zeit des Schwarzen Todes führte. Jedoch sind wir es den Opfern schuldig, ihrer zu gedenken.

Übersetzung: faehrtensuche

A. Merkel – “ … nur noch von taktischen Erwägungen bestimmt …“ (Chaim Noll)

„Wenn das Handeln eines Politikers – in diesem Fall einer Politikerin – nur noch von taktischen Erwägungen bestimmt wird, kann man von Inhaltsleere sprechen, von konzeptioneller Armut, man kann es auch Täuschung, Falschheit oder Infamie nennen. Fast nichts, was diese Frau tut, ist ohne Kalkül, ohne Berechnung. So auch ihr Besuch in Auschwitz. Gerade jetzt, da die deutsche Regierung international ins Gerede gekommen ist für ihre anti-israelische, daher im Kern anti-jüdische Politik.

Israel ist einer der Eckpfeiler jüdischen Lebens in der Welt, und wer Israel schadet, der schadet den Juden. Auch wenn es Juden gibt, die betonen, man könne ein guter Jude sein, ohne für Israel einzustehen, man könne Jude sein und Antizionist – glaubt ihnen nicht, sie schwindeln, und sie wissen es auch. Denn käme es hart auf hart, müssten sie fliehen, von wo sie heute sind, wären sie die ersten, die hier Obdach suchten. Dazu ist dieser Staat gegründet worden, und dazu muss er stark sein. Wer ihn schädigt, sei es durch Unterstützung seiner übelsten Feinde, sei es durch Stigmatisierung in den Abstimmungen der Vereinten Nationen, der will den Juden nicht wohl, und wenn er hundert Klagelieder in Auschwitz anstimmt.“

Chaim Noll in: So billig kommt ihr nicht davon