Warum die Medien den Nahen Osten nie richtig verstehen

Am 24. Oktober 1993 veranstaltete das Commitee für Accuracy in Middle East Reporting in Amerika (CAMERA) [Deutsch: Komitee für korrekte Berichterstattung über den Nahen Osten in Amerika (CAMERA)] eine Konferenz an der Brandeis University mit dem Titel: „The Media, the Message, and Middle East Peace“ („Die Medien, die Nachrichten und der Frieden im Nahen Osten.“) Unter den Rednern der Konferenz war auch Charles Krauthammer, ein jüdisch-amerikanischer Publizist, der 1987 für seine Kolumnen in der Washington Post den Pulitzer-Preis erhielt.

Charles Krauthammer starb am 21. Juni 2018 an einem Krebsleiden. Er wurde 68 Jahre alt.

Um Charles Krauthammers Andenken zu ehren, veröffentlichte CAMERA seine auf oben genannter Konferenz gehaltene Rede „Why the Media Never Gets the Middle East Right“, „Warum die Medien den Nahen Osten nie richtig verstehen“ am 28. Juni 2018 neu.

Wer sich mit dem Text befasst, wird erkennen, wie trefflich die Analyse von Charles Krauthammer ist. Die Rede, 1993 gehalten, ist in vielerlei Hinsicht immer noch aktuell.

Hier also der Artikel, in deutscher Übersetzung von faehrtensuche.

Charles Krauthammer, Why the Media Never Gets the Middle East Right

Warum die Medien den Nahen Osten nie richtig verstehen

Lassen Sie mich mit den guten Nachrichten beginnen. Ich habe eine Karikatur mitgebracht, die am 31. Juli in einer großen Zeitung abgebildet war. Sie zeigt eine Reihe von Menschen, unter ihnen auch einige Kinder. Bomben explodieren über ihren Köpfen und sie rennen um ihr Leben. Warum? Sie werden von einer großen Kreatur, einem Tyrannosaurus Rex, gejagt. Aber kein gewöhnlicher T.Rex. Dieser trägt einen Armeestahlhelm mit einem darauf abgebildeten Davidstern. Das ist eine Karikatur über den Südlibanon. Die Bildunterschrift lautet: „Sechzig Millionen in der Herstellung, eine Woche in der Zerstörung. Jewrassic Park, alias Südlibanon.“ Jurassic ist Jew-rassic geschrieben.

Warum sind das gute Nachrichten? Weil sie in der Irish Times erschienen. Es ist weniger leicht, so etwas in diesem Land zu finden. So voreingenommen, unfreundlich und unangemessen die amerikanische Medienberichterstattung über den Nahen Osten auch sein mag, sie kann dem Rest der Welt und insbesondere Europa nicht das Wasser reichen. Schließlich ist Irland kein Land, das für seinen wütenden Antisemitismus bekannt ist. Doch ist dies ihre typische europäische Sicht der israelischen Kampagne im Südlibanon in diesem Sommer als Reaktion auf die Katyusha-Raketenangriffe.

Also, meine erste gute Nachricht ist: Es könnte schlimmer sein. (Ich freue mich immer über Gespräche mit guten Nachrichten. Chesterton hat einmal von Zola gesagt: „Er war schlimmer als ein Pornograf, er war ein Pessimist.“ – Ich bin hier, um Sie aufzuheitern.)

Meine zweite gute Nachricht ist, dass die anti-israelische Voreingenommenheit in den Medien meiner Ansicht nach nicht in erster Linie eine Funktion der Bosheit ist. Das sind gute Nachrichten, denn Bosheit ist unheilbar. Die Voreingenommenheit in den Medien ist meiner Meinung nach eine Verbindung von anderen Faktoren, hauptsächlich Sentimentalität, Unkenntnis, Faulheit und Über-Aufmerksamkeit. Und gegen einige – vor allem Unkenntnis – können Sie etwas tun.

Meine Grundaussage ist, dass der Antisemitismus in der amerikanischen Mainstream-Presse eine sehr kleine Rolle in der Medienverzerrung über den Nahen Osten einnimmt. Dies steht wiederum im Gegensatz zu Europa, wo, wie die Karikatur der Irish Times zeigt, Judenhetze und Judenhass ein ziemlich großer – und akzeptierter – Teil der anti-israelischen Presseberichterstattung sind.

Die Voreingenommenheit der Medien in den amerikanischen Medien beginnt mit einer politischen Sentimentalität, die nicht nur Sympathie für den Außenseiter, sondern auch Bevorzugung gegenüber dem Außenseiter diktiert, welcherlei Außenseiter es zu diesem betreffenden Zeitpunkt auch sein mag.

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben, das überhaupt nichts mit dem Nahen Osten zu tun hat. Es hat mit einer ehemaligen Studentin an dieser Universität zu tun, mit Katharine Anne Power, einer politischen Radikalen, die sich 23 Jahre nach der Teilnahme an einem Banküberfall, bei dem ein Polizist aus Boston erschossen wurde, den Behörden gestellt hat. Wenn Sie die Presseberichte über ihre Wiederkehr gelesen hätten, wären Sie entsetzt gewesen: Lange, mitfühlende Artikel über ihre mentale Qual, ihre seelischen Kämpfe, ihre Traurigkeit, alles, was sie verwirkt hatte, alles was sie verloren hatte, auf was alles sie in den 23 Jahren im Untergrund verzichtet hatte. Über den Verlust und die Sorgen der neun Kinder und der Witwe, die der ermordete Polizist zurückgelassen hat – sehr wenig.

Ein großes Magazin beendete seine mitfühlende Titelgeschichte über Katherine Power folgendermaßen: „Nach all den Jahren ist es schwer zu wissen, für wen man die größte Sympathie empfinden soll: die Kinder des Polizisten, die einen Vater verloren haben … [oder] die junge Frau, die sich im Tumult der 60er Jahre verirrt hat.“

Dieses erstaunliche, atemberaubende Stück unreflektierten moralischen Unsinns ist wichtig, weil es dem ähnelt, was die Berichterstattung über den Nahen Osten betrifft: eine hirnlose Opferverehrung, Sentimentalität, unter der ein Opfer, jedes Opfer, ein Objekt der Sympathie – und Voreingenommenheit wird.

Ich behaupte, dass diese Art von Sentimentalität sich auf die Medienberichterstattung über die meisten Themen und vor allem auf den Nahen Osten erstreckt.

Im Nahen Osten wie anderswo versuchen die Medien, sich für den Außenseiter einzusetzen. In den ersten etwa 20 Jahren der Existenz Israels war Israel der Nutznießer dieser Befangenheit. Es wurde eine „Exodus“-Berichterstattung – bis 1967. Als die Juden siegreich waren, änderte sich die Berichterstattung schnell. Die Presse entdeckte neue Außenseiter, die Palästinenser. Sie wurden die Lieblinge der Presse, wurden hoch gejubelt, gefördert und von den normalen Regeln moralischen Verhaltens befreit.

Ich möchte noch einmal betonen, dass diese Sympathie für die Palästinenser weitgehend eine Art Sympathie für den historischen Außenseiter ist – den wahrgenommenen Außenseiter – und keine Form des Antisemitismus. Schließlich sind viele Kommentatoren, die diese Position eingenommen haben, selbst jüdisch, und einige sind weder verschlossene Juden noch Selbsthasser. Sie sind einfach blind ihren allgemeinen liberalen Instinkten gefolgt und für das neueste offiziell sanktionierte Opfer in Ohnmacht gefallen.

Aber Sentimentalität ist nicht der einzige Faktor. Ein zweiter wichtiger Faktor, der die Medeinvoreingenommenheit im Nahen Osten erklärt, ist schiere Unkenntnis. Und wenn diese Unkenntnis mit Sentimentalität verbunden ist, ergibt sich ein sehr ausgeprägtes Medienphänomen, nämlich die unmoralische Äquivalenz. Da die Medien sehr wenig über die Geschichte des Nahen Ostens wissen und zwei Völker um dasselbe Territorium wetteifern sehen, stellen sie die beiden Parteien unaufhörlich als moralisch gleichwertig dar.

Eines der auffälligsten Merkmale der Berichterstattung über das Abkommen zwischen Israel und der PLO im September waren die kleinen Geschichten, die die Presseberichte begleiteten. Und diese Artikel beschrieben immer 50, 100, 1000 Jahre „gegenseitigen Hasses“ zwischen Arabern und Israelis.

Das alles passt sehr gut in die liberale Kategorie, nach der alle gleich sind. Aber das stimmt einfach nicht. Es verrät eine erstaunliche Unkenntnis der Kultur des Nahen Ostens. Die Israelis lehren an ihren Schulen keinen Araberhass. Die Syrer hingegen hatten arithmetische Lehrbücher, in denen eine typische Aufgabe die folgende ist: Wenn du einen Juden am Dienstag und fünf Juden am Donnerstag tötest, wie viele hast du dann insgesamt getötet? Diese Art von anti-semitischer, anti-zionistischer Indoktrination, die in arabischen Ländern und in der palästinensischen Gemeinschaft vor sich geht, ist eine Art bösartiger Propaganda, die in Israel einfach unvorstellbar ist.

Die Israelis hassen die Araber nicht. Einige mögen das privat tun, aber die Partei, die es predigt – die Kach-Partei – erhielt höchstens ein Prozent der Stimmen, bevor sie aus der Knesset verbannt wurde. Araberhass wird in den Schulen nicht gelehrt. Es ist nicht Teil der bürgerlichen Kultur, der politischen Kultur, der Medienkultur. Vergleichen Sie dies mit der arabischen Welt, in der die „Protokolle der Weisen von Zion“ als Fakten präsentiert, wo Israelis als Monster, Usurpatoren, Folterer und Menschen dargestellt werden, die aus dem Nahen Osten ausgelöscht werden sollen.

Dennoch hören wir ständig vom „gegenseitigen Hass“ zwischen Arabern und Juden. Dies ist ein typisches Produkt dieser fatalen Kombination aus liberaler Sentimentalität und historischer Unkenntnis, die eine besonders virulente und absurde Form der moralischen Äquivalenz ergibt. Das ist nicht überraschend. Eine Kultur, die während des Kalten Krieges, in dem das Sowjetimperium dem amerikanischen Commonwealth gleichgestellt wurde, regelmäßig Theorien der moralischen Gleichwertigkeit hervorbringen konnte, ist eine [Kultur], die leicht für ähnlich ahistorische und ignorante Formen der moralischen Gleichwertigkeit im Nahen Osten prädisponiert war.

Die Unkenntnis in der Berichterstattung der Presse nimmt weitere Formen an. Es gibt geographische Unkenntnis. Es ist fast kein Verständnis für das Ausmaß der Entfernungen in und um Israel vorhanden. Manchmal denke ich, dass eines der größten Probleme Israels in den Medien das Aufkommen der Wetterkarte im amerikanischen Fernsehen ist. Die Amerikaner sind es gewohnt, eine Karte der kontinentalen Vereinigten Staaten zu sehen, die jeden Morgen und Abend während der Nachrichten ihre Fernsehbildschirme ausfüllt. Das gibt den Maßstab vor. Wenn sie also eine Karte von Israel auf dem gleichen Bildschirm sehen, um ein Nachrichten-Ereignis zu illustrieren, geht man natürlich davon aus, dass die Entfernung von links nach rechts – vom Mittelmeer bis zum Jordan – ungefähr gleich groß sein muss wie die von L[os]A[ngeles] nach N[ew]Y[ork], die man beim Wetter am Morgen sieht. Die Idee, dass Tel Aviv in Reichweite des Westjordanlandes liegt, ist in diesem Zusammenhang schwer zu vermitteln.

Aber die Unkenntnis besteht nicht nur geographisch, sondern auch historisch. Es gibt kein Gespür für Gegenüberstellungen, z. B. der Satz, der in der arabischen Propaganda immer zu hören ist und im Westen oft nachgeplappert wird, dass die Juden immer Freude [an ein Leben] ohne Unterdrückung in den arabischen Ländern gehabt hätten. Es stimmt, dass die Juden im Vergleich zu den Pogromen und Massenmördern des christlichen Europas ein relativ sicheres Leben in der islamischen Welt geführt haben. Aber nur im Vergleich zum christlichen Europa! In Wirklichkeit wurden die Juden als äußerst untergeordnete und unterworfene Personen behandelt, die einer besonderen Steuer für Ungläubige unterlagen. Es ist kein Zufall, dass die überwältigende Mehrheit der in arabischen Ländern lebenden Juden nach Gründung des jüdischen Staates die Gelegenheit zur Flucht nutzte, wenn sie konnte.

Es gibt im Nahen Osten auch kein Gespür für historische Zusammenhänge. In Anbetracht der Tatsache, dass Israels Methoden bei der Niederschlagung der Intifada mit den Methoden der Polizei im Westen verglichen werden (und die Israelis unter der Gegenüberstellung dieser Methoden nicht leiden), ergibt es keinen Sinn, dass Israel in einer Nachbarschaft lebt, in der solche Methoden höchst ungewöhnlich und bemerkenswert human sind, verglichen damit, wie die benachbarten Araber ihre Dissidenten behandeln. Das dramatischste Beispiel [dafür] ist natürlich [das Massaker von] Hama, wo Syrien innerhalb einer Woche 20.000 islamische Fundamentalisten getötet und die Stadt [mit ihnen] gepflastert hat. Aber man sieht es auch unter den Palästinensern, wo die Intifada zur Orgie von Lynchmorden und Schnelljustiz degenerierte, neben der israelische Gerichtsverfahren und Revisionen positiv jeffersonian* sind.

Und vergleichen Sie die Israelis noch nicht einmal mit Palästinensern. Vergleichen Sie sie mit einem westlichen Land. Die letzte Intifada war der arabische Aufstand von 1936 bis 1939. Die Briten schlugen sie nieder, „ohne Gnade, ohne Bedenken“, um Fouad Ajami zu zitieren. Ganze Dörfer wurden gleichgemacht. Dreitausend Palästinenser wurden getötet. Allein 1939 haben die Briten 109 erhängt. Die Israelis haben keinen einzigen Palästinenser hingerichtet.

Aber diese Vergleiche werden nie angestellt – wiederum nehme ich an, dass das nicht in erster Linie aus Bosheit geschieht -, sondern weil die Presse nicht in der Lage ist, einen historischen Kontext herzustellen. Alles, was sie tun kann, ist, über das Letzte zu berichten, was sie erkennt.

Die Unkenntnis reicht viel tiefer. Es herrscht nahezu eine völlige Unkenntnis gegenüber der spezialisierten Code-Sprache des Nahen Ostens. Yassir Arafats Fahrt nach Washington war ein Triumph. Die Medien waren absolut geblendet, allein durch seine Anwesenheit. Und er entging einem politischem Mord. Abgesehen von der Tatsache, dass er von der Presse und den Politikern – Senatoren, die um ein Autogramm wetteiferten – katzbuckelnd behandelt wurde, gab es wenig Verständnis dafür, wie widerwillig und unkooperativ er war, das Abkommen umzusetzen, das er gerade unterzeichnet hatte.

Die Hauptsache, die die Israelis von der PLO gefordert hatten – und die Israelis leisten den größten Teil des Zugeständnisses – war ein Ende der Intifada. Arafat wurde darüber am Tag nach der Unterzeichnung im National Press Club befragt. Er wurde gefragt: „Warum rufen Sie die Hamas und andere Palästinenser nicht klar dazu auf, ihre Angriffe auf die Israelis einzustellen?“

„Ich habe es geschafft. Und das hier, ich habe es unterschrieben,“ antwortete Arafat und weigerte sich, eine einfache, direkte Aussage wie z.B. diese zu machen: „Ich bitte mein Volk, damit aufzuhören, Israelis zu töten.“ Stattdessen bot er Folgendes an: „Die genaue Umsetzung dieses Abkommens wird die Ursachen von … Gewalt entschärfen.“ Das bedeutet: Gib mir, was ich verlange („genaue Umsetzung“) und es wird keine Notwendigkeit mehr geben, israelische Busfahrer niederzustechen. Bis dahin? Nun, ich habe es unterschrieben, nicht wahr?

Genau so ging der „alte Arafat“ mit solchen Fragen um: wackeln, erfinden, manövrieren. Diese aalglatte Art ging in den amerikanischen Medien, die das historische Gedächtnis eines Molches haben, verloren. Stattdessen wurden sie von „dem Handschlag“ gebannt. Mit feuchten Augen interpretierten sie ihn als ein Zeichen der Freundschaft, während es für Arafat eindeutig ein Mittel zur augenblicklichen Gleichstellung mit zwei großen Staatschefs war, Yitzhak Rabin und Bill Clinton.

Lassen Sie mich abschließend auf eine besonders perfide Form der historischen Ignoranz hinweisen, die es verdient, erwähnt zu werden. Also: Immer, wenn Sie auf die Worte Judäa und Samaria stoßen, folgt stets die Parenthese: „die biblischen Namen für das Westjordanland“.

Nun, in einer säkularen Kultur etwas biblisch zu nennen, bedeutet, dass wir es mit einer Frage des Aberglaubens, der alten Tradition und des Hokuspokus zu tun haben. Wie zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte. Als ob man, wenn man Judäa und Samaria benennt, glauben würde, dass das Land von Gott mit großem weißen Bart auf dem Berg Sinai an einem bestimmten Mittwoch vor 5000 Jahren geschenkt wurde.

Tatsächlich sind Judäa und Samaria nicht weniger biblische Namen als Galiläa oder Hebron oder Tyrus und Sidon. Außerdem sind Judäa und Samaria eben nicht nur die biblischen Namen für dieses Gebiet, sie sind die historischen Namen. So wurden diese Länder nicht nur in der Bibel, sondern überall durch die Römerzeit hindurch genannt. Es ist das Westjordanland, das als neue Wortschöpfung entstand. Aber anzuerkennen, dass Judäa und Samaria die historischen Namen für das Westjordanland sind, bedeutet erstens, etwas Geschichte zu kennen, und zweitens, dem jüdischen Anspruch auf das Land eine gewisse Legitimität zu verleihen.

Aber die Medien, die den Nahen Osten falsch verstehen, sind nicht nur eine Frage von Sentimentalität und Unkenntnis. Israel ist auch eine Art Obsession in den westlichen Medien. Die Tatsache, dass der Nahe Osten und insbesondere die jüdische Saga für die Presse so faszinierend sind, erhöht, verstärkt und verschärft die mediale Voreingenommenheit. Also wird jeder Fehler, den sie macht, vergrößert. Wenn sie Fehler in der Berichterstattung über Bangladesch macht, lesen Sie darüber auf Seite 63. Die Fehler über Israel stehen auf der ersten Seite. Und die Voreingenommenheit hat weit mehr Wirkung und schädlichen Einfluss als für jedes andere Land.

Diese Faszination kommt von vielen Dingen. Das eine ist die traditionelle europäische und christliche Faszination für die jüdische Saga, die so eng mit der des christlichen Westens verbunden ist und in diesem Jahrhundert so dramatisch wieder aufersteht. Und auf der anderen Seite besteht das erhöhte Interesse am Nahen Osten sowohl als Quelle von Reichtum und Macht als auch als Reservoir für den größten Teil des Erdöls der Welt.

Das Ergebnis ist eine übertriebene Aufmerksamkeit für die Dinge in Israel und dem Nahen Osten, die man nur als atemberaubend bezeichnen kann. Der paradigmatische Fall ereignete sich 1988: die Seite in der International Herald Tribune, die sieben ihrer [insgesamt] acht Kolumnen dem palästinensischen Aufstand widmete. Schlagzeile: „Israelischer Soldat erschossen. Die Verlustziffer bei den Palästinensern stieg auf 96.“ Die achte Kolumne enthielt einen Bericht, demzufolge 5.000 Kurden bei einem irakischen Gasangriff ums Leben gekommen seien.

Zusammengefasst möchte ich die amerikanischen Medien nicht für antisemitische Vorurteile anklagen, sondern eher [dafür], dass sie es einfach vermasselt haben. Unkenntnis, Sentimentalität, all dies zusammengesetzt mit einer Faszination über ein Gebiet, das sie nur schwer verstehen und präsentieren können. Ich fasse die Medienberichterstattung über den Nahen Osten zusammen, indem ich das zitiere, was Louis Theirs, ehemaliger Premierminister Frankreichs, einmal über den Grafen von Paris, den Thronanwärter sagte: „Aus der Ferne wirkt er preußisch, aus der Nähe wie ein Schwachkopf.“ Aus der Ferne sieht die Medienberichterstattung aus wie ein monolithischer Anti-Israel-Moloch. Aus der Nähe zeichnet sie vor allem durch Unkenntnis und Sentimentalität aus.

Aber hierbei handelt es sich um die Vergangenheit. Meines Erachtens ist der schlimmste Medienkrieg über den Nahen Osten jetzt wahrscheinlich vorbei. Mit Rabins Zugeständnissen und Israels historischer Anerkennung der PLO wird es für die Medien immer schwerer werden, die Israelis als das unnachgiebige, landraubende Jurassic Park-Monster zu bezeichnen.

Es wird weitergehen, vor allem in Europa, aber es wird nicht wirklich andauern. Das Gesicht Israels veränderte sich 1967, es änderte sich 1977 mit dem Machtantritt Begins, es änderte sich 1987 mit dem Ausbruch der Intifada. Es änderte sich wiederum am 13. September 1993.

Auch die Berichterstattung über die PLO wird sich ändern. Wo immer es ein sehr breites Reservoir an Sympathie für die Palästinenser gab, haben Yassir Arafat und die PLO als Organisation mehr gemischte Kritiken erhalten, verdientermaßen für eine Organisation, die den politischen Terrorismus in unserer Zeit praktisch erfunden hat.

Hier wird es auch eine Veränderung geben. Mit dem großen Händedruck und der Anerkennung Israels wird die PLO, wie die Israelis, in gedämpfteren Tönen dargestellt werden.

Der Hauptakteur im arabisch-israelischen Konflikt, der eine ungünstige Berichterstattung erhalten wird, wird die Hamas sein. Und nicht gerade aus den richtigen Gründen, [etwa] wegen seiner mörderischen Methoden, seiner Unnachgiebigkeit und seiner Ideologie des Hasses. Nein. Die Hamas ist für die westlichen Medien schwer zu verstehen und zu lieben, weil die westlichen Medien im Grunde genommen säkular sind und Religion nicht mögen, besonders keine fanatische Religion. Sie stehen jeder religiös-fundamentalistischen Bewegung, ob christlich, islamisch, jüdisch oder anderen feindlich gegenüber. Es wird gelegentlich eine Geschichte über ein besonders heroisches Hamas-Mitglied geben. Aber die eingebaute antireligiöse Voreingenommenheit in der Presse wird die Hamas davor schützen, den Mantel der Sympathie zu erben, der der palästinensischen Opferrolle gewährt wird.

Was ist mit der Zukunft? Ich möchte Sie an dieser Stelle einladen, sich auf das Datum des 13. September 1993 zu konzentrieren. Alles im Nahen Osten hat sich an diesem Tag mit der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der PLO und Israel verändert. Ich möchte Sie davor warnen, zu viel Zeit mit der Vergangenheit zu verbringen. Alle [Eereignisse] vor dem September gehören zur alten Geschichte. Die Welt hat sich an diesem Tag radikal verändert, weitaus radikaler als es damals offensichtlich war.

Der Kampf um Palästina ist vorbei. Der palästinensische Staat ist eine Tatsache. Das Abkommen zwischen Israel und der PLO räumt den Palästinensern die Kontrolle über etwa 92 Prozent des Westjordanlands ein. Die Flagge wird legalisiert, die Polizei wird versammelt, die Institutionen werden aufgebaut. Es wird kein Zurück mehr geben.

Vielleicht noch wichtiger als das, was vor Ort geschieht, ist das, was in der Meinung des Westens passiert ist. Als Israel schließlich die PLO, die Verkörperung des palästinensischen nationalen Bestrebens, anerkannte, erkannte es Palästina an. Das Wort darf noch nicht verwendet werden, aber es wird verwendet werden. Und es hat im Westen jede Barriere niedergerissen, die der Anerkennung dieses Palästinas entgegenstand.

Die offizielle Position der Vereinigten Staaten steht immer noch einem palästinensischen Staat entgegen, aber diese Position wird die Übergangszeit zwischen dem Heute und den Verhandlungen über den endgültigen Status nicht überleben. In den Augen des Westens, als Rabin die Hand Yassir Arafats schüttelte, erteilte er der Sache, für die Arafat steht, nämlich die palästinensische Staatlichkeit, seinen Segen. Die Amerikaner werden nicht königlicher sein als der König.

Und trotz der Schwierigkeiten, die sich in den kommenden Verhandlungen ergeben mögen, Schwierigkeiten, die den Prozess möglicherweise verlangsamen, gibt es keinen Weg, die Uhr zurückzustellen und zurückzunehmen, was er anerkannt hat. Aus diesem Grund hat Arafat all diese Zugeständnisse gemacht, um diesen Deal zu bekommen.

Was bedeutet das für Sie? Es bedeutet, dass der Kampf um Palästina vorbei ist und der Kampf um Jerusalem begonnen hat. Die einzig wirklich verbleibende Frage ist, was mit Jerusalem geschehen wird. Und hier scheint es mir, dass Gruppen wie CAMERA und andere, die sich um Fairness in der Berichterstattung über den Nahen Osten bemühen, ihre Aufmerksamkeit verlagern müssen. Es macht keinen Sinn, Werbung zu betreiben, um Israels Anspruch auf Judäa und Samaria erklären. So richtig sie auch liegen mögen, dieses Problem ist größtenteils von historischem Interesse. Die eigentliche Schlacht findet für Jerusalem statt und die Zeit, sich darauf vorzubereiten, ist jetzt gekommen.

Die Presseberichterstattung über Jerusalem war ebenso flach wie insgesamt über den Nahen Osten. Es bedarf einer gewaltigen Kampagne, um die einzigartige Bedeutung Jerusalems für die Juden und den einzigartigen Platz, den es in der jüdischen Geschichte und im jüdischen Bewusstsein einnimmt, zu erklären.

Das ist wichtig, weil die Berichterstattung über Jerusalem unter den gleichen Problemen leidet wie die Medienberichterstattung über den Nahen Osten im Allgemeinen. Die üblichen Quellen der Medienvoreingenommenheit kommen ins Spiel: Sentimentalität verschmolzen mit einer abgrundtiefen Unkenntnis transportiert in Jerusalem, wie anderswo in der Berichterstattung über den Nahen Osten, moralische Äquivalenz.

Deshal das allgegenwärtige Medienklischee: „Jerusalem, die Stadt, die den Christen, Muslimen und den Juden heilig ist“, was wiederum eine Art Gleichwertigkeit in ihren Ansprüchen und ihrer historischen Bedeutung impliziert.

Es ist unerlässlich, darauf hinzuweisen, dass dies historischer Unsinn ist.

Ich brauche diesem Publikum nicht die Geschichte der einzigartigen jüdischen Verbundenheit mit Jerusalem, die fast 3000 Jahre zurückreicht, zu erläutern. Für die Juden war es immer die Hauptstadt ihres Staates, alt und modern, das Zentrum ihrer religiösen Bestrebungen. Doch unter muslimischer Herrschaft, türkisch und jordanisch, war es ein Provinznest.

Muslime verbeugten sich Richtung Mekka. Christen wenden sich nach Rom. Nur die Juden wenden sich Jerusalem zu, wenn sie beten.

Man kann mit einfachen demographischen Daten beginnen. Die vorherrschende Vorstellung ist, dass Juden bis vor kurzem eine Minderheit in Jerusalem bildeten. Man geht davon aus, dass die Juden erst jetzt nach Jerusalem zurückgekehrt sind. [Dem ist] nicht so. Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass es in der türkischen Volkszählung von 1844 – der ersten offiziellen Volkszählung – mehr Juden in Jerusalem gab als Muslime: 7.120 zu 5.760 (und 3.390 Christen). Diese jüdischen Mehrheiten wurden dokumentiert: 1876 (Guide von Lievin de Hamme), 1909 (Mayers Enzyklopädisches Lexikon): 45.000 Juden, 12.000 Muslime, 10.200 Christen), 1911 (Baedekers Reiseführer: 30.800 Juden, 10.000 Muslime, 15.000 Christen) und 1948 (Encyclopedia Britannica: 99.320 Juden, 36.680 Muslime, 31.300 Christen).

Es ist wichtig zu erklären, warum ganz Ost-Jerusalem, als die Juden 1967 [dort] ankamen, arabisch war. Nicht weil es das schon immer war, sondern weil es 1948/49 Juden-rein gemacht – ethnisch gesäubert – wurde, von den Jordaniern. Die Juden lebten kontinuierlich in Ost-Jerusalem, bis Jordanien die Macht übernahm und jeden darin lebenden Juden vertrieb oder ermordete. Im Jüdischen Viertel von Jerusalem lebte kein einziger Jude.

Als Jerusalem 1967 von den Juden übernommen wurde, blieb das arabische Viertel arabisch. Das wirft die Frage des historischen Vertrauens auf, wenn man vergleicht, wie die Juden Respekt und Zugang zu allen christlichen und muslimischen heiligen Stätten gewährt haben und das der Entweihung und Zerstörung jüdischer Stätten unter den Jordaniern entgegenstellt.

Ein letztes Klischee, dem begegnet werden muss: Der palästinensische Anspruch auf Jerusalem mit der Begründung, es sei die drittheiligste Stadt des Islam. Bekommen wir jetzt alle unsere besten drei (Wahl-)Möglichkeiten? Warum haben die Juden für so einen Fall keinen Anspruch auf Jerusalem, Hebron und den Berg Sinai?

Es gibt viel zu tun, meine Damen und Herren. Gehen Sie sparsam mit Ihren Ressourcen um und denken Sie an Jerusalem!

*jeffersonian: Nach Art Thomas Jeffersons oder nach der Art seiner demokratischen Prinzipien. Thomas Jefferson war der 3. Präsident der Vereinigten Staaten (1801 – 1809). Er wurde auch bezeichnet als der „größte Demokrat der Gründerväter„. Über das Zustandekommen der Unabhängigkeitserklärung und das Anliegen Thomas Jeffersons finden sich hier einige wesentliche Aussagen.

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Zehn falsche Thesen in Bezug auf Israel

Originalartikel: Ten False Assumptions regarding Israel

von Alan Baker*, 15. August 2016

Israel wird mit einseitigen internationalen Resolutionen, Erklärungen, „Friedensplänen“ und Empfehlungen von Regierungen, internationalen Organisationen, Führern, Experten und Teilen der jüdischen, christlichen und muslimischen Kommunen überschwemmt.

Der größte Teil des Obengenannten beruht auf weitverbreiteten, falschen und fehlerhaften Annahmen bezüglich Israels, seiner Führer, Regierung, Politik und der von einer großen Mehrheit der israelischen Öffentlichkeit gehaltenen Positionen.

Diese falschen und fehlerhaften Annahmen müssen thematisiert werden:

1. „Der israelische Rückzug aus den Gebieten des Westjordanlandes (Judäa und Samaria) wird Israel Sicherheit und internationaler Akzeptanz geben.“ Falsch.

  • Vor dem Einmarsch Israels in die Territorien im Krieg von 1967 haben die arabischen Staaten alle Anstrengungen unternommen, Israel militärisch und diplomatisch anzugreifen und zu schwächen.

  • Die arabischen und iranischen Versuche heute, die jüdische Geschichte im biblischen Land Israel und in Jerusalem und die Legitimität des Staates Israel als jüdischem Staat infrage zu stellen, findet seinen Nachhall noch immer in der internationalen Gemeinschaft, zuletzt in der UNESCO.

  • Die Palästinenser haben sich festgelegt, ihren Staat schließlich auf dem ganzen Mandatsgebiet Palästina zu errichten und sie indoktrinieren ihre Kinder auf diese Weise.

  • Die jüngste, absurde Initiative durch die palästinensische Führung, Großbritannien für die Publikation der Balfour-Deklaration von 1917 (strafrechtlich) zu verfolgen, beweist die tief verwurzelte palästinensische Ablehnung der Existenz Israels.

  • Seit der Gründung Israels im Jahr 1948 und bis heute ist und bleibt Israel weiterhin der einzige UN-Mitgliedsstaat, dem sein von den Vereinten Nationen garantiertes Recht auf „souveräne Gleichheit“ verweigert wird.

  • Zweifelsohne würde der Rückzug aus den Territorien zum jetzigen Zeitpunkt unter diesen Bedingungen die Sicherheit Israels bedrohen.

2. „Israels ‚Besetzung der Territorien‘ ist illegal und eine Verletzung des Völkerrechts.“ Falsch.

  • Israel drang 1967 in die Territorien ein, nachdem es von allen seinen Nachbarn angegriffen worden war und agierte in Selbstverteidigung gegen einen offensiven und aggressiven Krieg.

  • Die Besetzung von Territorium während eines bewaffneten Konflikts ist ein akzeptierter und anerkannter Sachverhalt im internationalen Recht und in der Praxis.

  • Israel hat sich festgelegt auf die Einhaltung internationaler, humanitärer und legaler Normen für die Verwaltung dieser Territorien. Israels Verwaltung der Territorien unterliegt einer strengen richterlichen Kontrolle durch Israels Oberstem Gerichtshof.

  • Das Gebiet war nie unter palästinensischer Regierung oder Souveränität und als es unter jordanischer Kontrolle war, gab es keine Absichtserklärung durch Jordanien, es in einen palästinensischen Staat zu verwandeln.

  • Der oft verwendete Begriff in UN-Resolutionen „besetzte palästinensische Gebiete“ hat keinerlei Rechtsgrundlage oder Geltung. Es wird nicht durch kein rechtliches, historisches oder anderes verbindliches Dokument unterstützt, und seine Verwendung präjudiziert das Ergebnis einer noch ausstehenden Verhandlung.

  • Es ist eine akzeptierte Tatsache, dass die Frage der Zukunft der Territorien strittig ist. Israel hegt gültige, weithin anerkannte und langjährige historische und rechtliche Ansprüche bezüglich der Territorien.

  • Unterzeichnete Abkommen zwischen der palästinensischen Führung und Israel haben einen vereinbarten Rahmen aufgestellt für die Beilegung des territorialen Disputs durch Verhandlungen über ihren permanenten Status.

  • Bis zu einer Einigung zwischen Israel und den Palästinensern über den dauerhaften Status des Territoriums kann keine externe, politische Entscheidung einer dritten Partei oder Resolution feststellen, dass die Gebiete den Palästinensern gehören.

3. „Die palästinensische Führung ist sich einig und wird allgemein unterstützt.“ Falsch.

  • Die palästinensische Führung ist von einer Einigung weit entfernt. Es gibt eine totale, unversöhnliche Trennung zwischen der palästinensischen Autonomiebehörde in den Westjordanland-Gebieten von Judäa und Samaria und der Hamas-Regierung in Gaza. Die Führung wird als nicht korrigierbar korrupt angesehen. Präsident Mahmoud Abbas befindet sich im elften Jahr seiner vierjährigen Amtszeit. Der Behörde fehlt es an interner Glaubwürdigkeit, Rechenschaftspflicht und einer breiten Unterstützung.

  • Diese Situation untergräbt jedes Vertrauen in eine lebensfähige und vereinte Regierungsführung und Vertretung der Palästinenser. Sie neutralisiert jede Kapazität, eine internationale Verpflichtung oder Obliegenheit einzugehen und diese umzusetzen.

4. „Die palästinensische Führung ist moderat und bereit, zu verhandeln und mit Israel in Frieden zu leben.“ Falsch.

  • Die palästinensische Führung ist weit davon entfernt, moderat zu sein, egal, welchen Standard man anlegt. Sogar ohne Anstiftung durch die Hamas engagiert sie sich in einer offiziell sanktionierten Politik der „De-Normalisierung“ gegenüber Israel. Die Führung preist palästinensische Terroristen, gedenkt ihrer und fördert sie.

  • Die palästinensische Führung weigert sich, Verhandlungen wieder aufzunehmen und lehnt es ab, israelische Führer zu treffen oder in einen Dialog mit ihnen zu treten. Sie blockiert Kontakte zwischen Palästinensern und Israelis auf diplomatischer, professioneller und persönlicher Ebene, von Mensch zu Mensch. Diese Politik läuft palästinensischen Verpflichtungen des Oslo-Abkommens, die Entwicklung von Kooperation und „Mensch-zu-Mensch-Dialoge“ – auf allen Ebenen – zuwider.

  • Die palästinensische Führung beginnt und unterstützt offen Boykott, Deinvestition und Sanktionen (BDS) mit dem Ziel der Delegitimierung Israels in der internationalen Gemeinschaft, in internationalen und regionalen Organisationen, internationalen Gerichten und den Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen.

  • Während Israel seine Bereitschaft für das Prinzip „zwei Staaten für zwei Völker“ bekundet hat, lehnt es die palästinensische Führung konsequent ab, das Konzept Israels als demokratische Nation des jüdischen Volkes zu akzeptieren.

5. „Israels Siedlungen sind illegal und verletzen internationales Recht.“ Falsch.

  • Diese Vorwürfe basieren auf einer Missdeutung relevanter internationaler Gesetze und gegenseitiger Verpflichtungen zwischen Israel und der PLO.

  • Das Verbot der Umsiedlung der Bevölkerung in Gebiete, die während des Krieges okkupiert worden sind, dargelegt in der Vierten Genfer Konvention im Jahr 1949, wurde ausdrücklich entworfen, um eine Wiederholung des gewaltsamen Bevölkerungsaustauschs, der während des Zweiten Weltkriegs stattfand, zu verhindern. Im Fall von Israels Siedlungspolitik gibt es keine Zwangs-ausweisungen oder erzwungene Ansiedlungen.

  • Das hat weder Einfluss auf noch Relevanz für die Siedlungspolitik Israels, die die legitime Nutzung von nicht privatem Land bis zur permanenten Beilegung des Rechtsstreits ermöglicht. Die Nutzung von nicht-privaten öffentlichen Landes für die Ansiedlung oder die Landwirtschaft steht im Einklang mit anerkannten internationalen Normen, solange der Status des Landes nicht geändert wird bis ein endgültiges Verhandlungsergebnis vorliegt.

  • Im eigentlichen Sinn können Israels Siedlungen nicht als eine Verletzung internationalen Rechts angesehen werden. Jede solche Festlegung basiert auf einem selektiven, politisch voreingenommenen Standpunkt, der außerhalb der akzeptierten internationalen Praxis eingenommen wird.

  • Ungeachtet der Divergenz der Ansichten über die Rechtmäßigkeit der Siedlungen Israels ist diese Frage gemäß dem Oslo-Abkommen eine offene Verhandlungsfrage zwischen den Palästinensern und Israel.

  • Bis zum Erreichen einer ausgehandelten Besiedlung stellen die Oslo-Abkommen kein Einfrieren oder keine Beschränkung für Israel oder die Palästinenser dar, um in den jeweiligen ihrer Kontrolle unterliegenden Gebieten zu planen, Flächen zu nutzen oder zu bebauen. Im Gegenteil, Planung, Flächennutzung und Bebauung sind ausdrücklich zulässig.

  • Dementsprechend sind willkürliche und einseitige Vorherbestimmungen betreffs der Legitimation von Siedlungen und jede Forderung nach einer Beseitigung vor einem Abkommen zwischen Israel und den Palästinensern unvereinbar mit den Abkommen und stellt einen Vorgriff auf eine zu verhandelnde Sache dar.

  • Die Behauptung, die Siedlungen seien die Quelle des Konflikts, entbehrt jeder Logik. Der arabisch-israelische Konflikt existierte lange vor der Gründung jeder Siedlung mit Bemühungen der arabischen Staaten im Jahr 1948, die Gründung des Staates Israels zu verhindern und ihren andauernden Bemühungen seither, seinen Untergang herbeizuführen.

6. „Jerusalem gehört den Arabern. Die Juden haben keine Rechte oder Ansprüche darauf.“ Falsch.

  • Die palästinensische Führung manipuliert die Geschichte und verleugnet die jüdische Geschichte und das jüdische Erbe in den jüdischen heiligen Orten in seinen Präsentationen vor internationalen Organisationen wie z.B. der UNESCO. Sie können nicht die historische Tatsache ändern, dass Jerusalem seit Menschengedenken das Epizentrum der jüdischen Religion und des jüdischen Erbes gewesen ist. Sie spielt auch eine größere Rolle in der Geschichte der Christenheit. Das ist im Koran, im Alten und Neuen Testament und in den Schriften der Historiker belegt.

  • Versuche der palästinensischen Führung, Hetze und Gewalt durch falsche Anschuldigungen bezüglich der muslimischen heiligen Orte in Jerusalem zu generieren, haben keine Basis und werden die Tatsache nicht ändern, dass die Jerusalemfrage entsprechend des Oslo-Abkommens eine vereinbarte Verhandlungssache zwischen Israel und den Palästinensern ist.

  • Jede Annahme oder Erwartung, dass die israelische Öffentlichkeit unter Druck gesetzt werden könne, um Forderungen für einen einseitigen Abzug aus arabischen Gebieten Ost-Jerusalems außerhalb eines verhandelten und vereinbarten Rahmens zu unterstützen, ist fehl am Platz und hat tatsächlich keine Basis.

7. „Die israelische Führung und Regierung sind unflexibel, extrem und wollen keinen Frieden.“ Falsch.

  • Die intensive Feindseligkeit gegenüber der demokratisch-gewählten Regierung Israels ist deplatziert und beleidigt die israelische Öffentlichkeit.

  • Die Tendenz, besonders in Europa und in internationalen Organisationen, empörende palästinensische Anschuldigungen gegen Israel – oft alte antisemitische Falschmeldungen – zu akzeptieren, ist nichts weiter als eine Unterwerfung unter einer zynischen Manipulation. Solche Anschuldigungen missbrauchen absichtlich den guten Glauben (bona fides) und den Sinn für politische Korrektheit, in westlichen Ländern und Gesellschaften weit verbreitet.

  • Das geschieht auf Kosten einer echten objektiven, historischen, rechtlichen und sachlichen Analyse.

  • Gutmeinende und aufrichtige europäische und amerikanische Politiker, kommunale Führungspersonen und Organisationen zusammen mit internationalen und regionalen Organisationen scheinen zu fühlen, dass sie besser geeignet und ausgerüstet sind – mehr als die gewählten Führer Israels und mehr als die israelische Öffentlichkeit – um zu wissen, was den besseren Interessen Israels dient.

  • Die israelische Öffentlichkeit, deren Wähler und ihre gewählten Politiker den Bedrohungen von Feindseligkeit und Terror auf einer täglichen Basis gegenüberstehen, haben ein tiefes politisches Bewusstsein und sind ganz kompetent, um das Schicksal Israels zu bestimmen.

  • Die Annahme, dass internationaler Druck den Untergang der demokratisch gewählten Regierung Israels verursachen wird, widerlegt die Stärke der israelischen Demokratie und untergräbt die demokratischen Prinzipien des Westens.

8. „Der gegenwärtige Status Quo zwischen Israel und den Palästinensern ist untragbar.“ Falsch.

  • Die gegenwärtige Situation des politischen Stillstands zwischen den Palästinensern und Israel ist nicht das Ergebnis einer israelischen Trotzhaltung, wie von einigen westlichen Führern, Regierungen und Kommentatoren behauptet.

  • Israel hat wiederholt seine Bereitschaft ausgedrückt, den Verhandlungsprozess unverzüglich wiederaufzunehmen. Israel ist dem Oslo-Abkommen verpflichtet und hat sehr deutlich gemacht, dass es nicht die Absicht hat, irgendeine einseitige Handlung auszutragen, um den Status der Gebiete zu verändern.

  • Der „derzeitige Status Quo“ wird durch die Tatsache bestimmt, dass sich die palästinensische Führung durchweg weigert, zum Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie zieht es vor, die internationale Gemeinschaft mit ihrer Opferrolle zu verhätscheln und negative Initiativen zu generieren, die darauf abzielen, Israels Charakter als jüdischem Staat zu verleugnen und Israel zu delegitimieren.

  • Die palästinensische Führung zieht es vor, diplomatische Kriegsführung durch Boykotte gegen Israel und legale Verfahren gegen Israels Führer in internationalen und nationalen Gerichten zu betreiben.

  • Die einseitige Auferlegung politisch orientierter Lösungen ist eine nicht akzeptable Art und Weise, den Status Quo zu verändern.

  • Ohne einen lebensfähigen diplomatischen Prozess heute ist der gegenwärtige Status Quo tragbar.

9. „Islamophobie entspricht Antisemitismus.“ Falsch.

  • Die Tendenz in der internationalen Gemeinschaft, Antisemitismus mit Islamophobie als zwei gleiche Phänomene von Rassismus zu verbinden, ist völlig falsch. Diese Tendenz geht bedauerlicherweise von einer übertriebenen politischen Korrektheit seitens vieler westlicher Länder und Gemeinden aus.

  • Antisemitismus ist ein tragisches Phänomen, seit Jahrtausenden ausschließlich gegen Juden betrieben, das Massaker, Pogrome, Vertreibungen, öffentliche Folter und Exekutionen, Lynchmord, Zwangskonversion, Zerstörung von Synagogen, Versklavung, Konfiszierung von Eigentum verursachte und im Holocaust der Nazis seinen Höhepunkt fand.

  • Antisemitische Themen sind ein Grundnahrungsmittel palästinensischer und arabischer Medien, Schulcurricula, Karikaturen und Predigten.

  • Das Ziel des Antisemitismus es gewesen auszurotten und den totalen Völkermord des jüdischen Volkes als Rasse herbeizuführen.

  • Antisemitismus kann nicht mit Islamophobie, die von der Furcht vor dem Islam als ein Ergebnis fanatischer islamischer Bewegungen und dem von ihm generierten Terror ausgeht, verglichen oder verbunden werden.

  • In diesem Kontext wird die Delegitimierung Israels von den meisten westlichen Staaten als eine neue Form des Antisemitismus angesehen.

10. „Israel ist ein rassistischer Staat, der Menschenrechte verletzt und Apartheid praktiziert.“ Falsch.

  • Diese Behauptung wird von palästinensischen Führern und linken Propagandisten weltweit wiederholt. Sie wurde ursprünglich von Yasser Arafat vertreten und von NGO-Gruppen auf der diskreditierten UN-Konferenz gegen Rassismus in Durban im Jahr 2001 übernommen.

  • Sie ist ein Hinweis auf einen offensichtlichen Mangel an Verständnis der rassistischen Natur des Phänomens der „Apartheid“ und noch auf ein weiteres und tiefergehendes Missverständnis des Charakters von Israel als einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft.

  • Der Vergleich von Israel mit Südafrika unter der weißen rassistischen Herrschaft wurde von jenigen mit einem intimem Verständnis des alten Apartheid-Systems, insbesondere von Südafrikanern, ganz und gar zurückgewiesen. Das Ziel einer solchen Propaganda ist es, neben der Delegitimierung der Existenzgrundlage des Staates Israel, die internationale Gemeinschaft zynisch zu manipulieren und die Auferlegung eines internationalen Sanktionsregimes gegen Israel zu begünstigen, nach dem Vorbild des Vorgehens gegen das frühere Apartheidsregime in Südafrika.

  • Israel ist eine ethisch-gemischte und mehrfarbige Gesellschaft, und die israelisch-arabische Bevölkerung nimmt aktiv am politischen Prozess teil. Israelische Araber genießen vollkommene Gleichheit und Meinungsfreiheit. Sie wählen ihre eigenen Knesset-Mitglieder und arabische Richter dienen am Obersten Gerichtshof. Israelische Araber dienen als Abteilungsleiter von Krankenhäusern, Universitätsprofessoren, Diplomaten und leitende Polizei- und Armeeoffiziere.

  • Jede religiöse Gemeinschaft hat ihr eigenes religiöses Gerichtssystem, das jeweils die Sharia, das Kirchenrecht und das jüdische Gesetz anwendet.

  • Anders als jene arabischen und andere Staaten, in denen eine Religion zur Staatsreligion erklärt wird, oder westliche Länder, in denen das Christentum die vorherrschende Religion ist, oder muslimische Länder wie Iran und Saudi-Arabien, wo bestimmte Gebiete, Städte und Straßen „nur Moslems“ vorbehalten sind und wo Frauen als Bürger zweiter Klasse und schwule Menschen als Kriminelle behandelt werden, betrachtet das israelische Recht das Judentum, den Islam und das Christentum als offizielle Religionen und gewährleistet konstitutionell für alle völlige Freiheit und Gleichheit.

  • Aufstachelung zu Rassismus oder seiner Ausübung ist in Israel eine strafbare Handlung wie auch jede Diskriminierung auf der Basis der Rasse, Religion, des Geschlechts oder von Gender. Israelische Schulen, Universitäten und Krankenhäuser machen keinen Unterschied zwischen Juden und Arabern.

Ob im alltäglichen politischen und gesellschaftlichen Diskurs oder ob in den internationalen und lokalen Medien – die oben genannten Falschmeldungen treten immer wieder und konsequent auf.

Gemeinden, vor allem jüdische Gemeinden überall auf der Welt, christliche Gemeinden, Studenten und akademische Mitarbeiter, Parlamentarier, Publizisten sowie alle wohlmeinenden Menschen im Allgemeinen sind zynischerweise Zielgruppe und werden manipuliert, um künstliche Narrative durch Wiederholung von Lügen und durch Verzerrung und Perversion der Wahrheit zu generieren.

Es ist zu hoffen, dass diese Manipualtion in ihrem wahren Licht gesehen und abgelehnt wird.

*Alan Baker: Alan Baker ist Direktor des Institute for Contemporary Affairs im Jerusalem-Zentrum und Leiter des Global Law Forums. Er beteiligte sich an der Verhandlung und Ausarbeitung des Osloer Abkommens mit den Palästinensern sowie an den Abkommen und Friedensverträgen mit Jordanien, Ägypten und Libanon. Er diente als Rechtsberater und stellvertretender Generaldirektor des israelischen Außenministeriums und als israelischer Botschafter in Kanada.

Übersetzung: faehrtensuche

Warum die Tempelberg-Krise mich nach Hause ruft – nach Israel

von Fred Menachem, 6. August 2017

Originalartikel: Why The Temple Mount Crisis Is Calling Me Home – To Israel

Dies waren für das jüdische Volk einige besonders harte Wochen.

Die Tempelberg-Krise hat Extremisten in der arabischen Welt die Gelegenheit gegeben, falsche Argumente, inszenierte Gewalt, Propaganda und eine verzerrte Version der Geschichte zu benutzen, um Gewalt anzuheizen und zu entflammen und barbarische Morde an israelischen Juden und Nichtjuden zu begehen.

Merkwürdigerweise, aber nicht überraschend scheinen die internationalen Mainstream-Medien – von denen viele nicht über ihren Hass auf den israelischen Ministerpräsidenten Bibi Netanyahu hinwegsehen können – vergessen zu haben, dass diese ganze Krise ausgelöst wurde, als drei arabische Israelis zwei drusische israelische Polizeibeamte erschossen. Traurig und paradox – diese Polizeibeamten hielten den Berg für jeden sicher, die Muslime eingeschlossen.

Doch diese Tatsache ist meist ignoriert worden und diese Krise hat leider erwiesen, dass Gewalt sich bezahlt macht.

Darüber hinaus sieht es so aus, als ob sich die internationalen Medien – wieder einmal – unverhohlen und rücksichtslos haben dazu verleiten lassen, manipuliert und als Werkzeug benutzt zu werden. Sie berichteten über die Nachrichten, indem sie die Fassade der ‚unvoreingenommenen Medienberichterstattung‘ nutzten und unrichtig und unverantworlich boshafte Verleumdungen und Propaganda verbreiteten, die fälschlicherweise Israel als den ‚Goliath‘ darstellten.

Viele andere Medien – sowohl im Westen als auch in der arabischen Welt – sind noch weiter gegangen, indem sie die Tempelberg-Krise als Entschuldigung nutzten, um Gewalt anzutreiben und das Leben unschuldiger Menschen in Gefahr zu bringen. Es scheint, dass der Mord an Israelis von den Medien nur noch ignoriert wird, während jeder Tod eines palästinensischen Mörders oder Terroristen oft legitimiert und ihm mehr oder gleiches Gewicht beigemessen wird.

Diese Ereignisse und diese ganze offengelegte Scharade zu beobachten – nachdem ich nach einem Jahr in Israel wieder in die USA gekommen bin – hat meine lebenslange Verpflichtung für den jüdischen Staat und das jüdische Volk aufgefrischt.

Obwohl ich Aliyah gemacht hatte, bin ich vor kurzem in die USA zurückgekehrt, um die Arbeit, die ich in Israel begonnen hatte, fortzusetzen. Zuerst entschloss ich mich, 2016 nach Israel zu ziehen – auf der Suche nach einer Aufgabe im Rahmen meines Judentums. Im Rückblick stelle ich fest, dass ich schlecht vorbereitet war, ich war nicht bereit für die kulturellen Barrieren, die es gab, und für die harte Umstellung aufgrund der Auswanderung in ein anderes Land, wo ich die Sprache nicht sprechen konnte und begrenzte finanzielle Mittel hatte.

Doch rückblickend erkenne ich jetzt, dass dieses Leiden notwendig war – denn das ist es, was das jüdische Volk zusammenhält. Diese Prüfungen und Bedrängnisse haben uns die Kraft und Entschlossenheit gegeben, weiterzumachen und jahrtausendelang Erfolg zu haben trotz der geschichtlichen und beständigen Verfolgung und den systematischen Mord durch die, die alle Anstrengungen unternommen haben, uns zu vernichten.

Während ich in Israel war, suchte ich zunächst nach dem Judentum, lief dann aber fort; es war zu erdrückend, doch jetzt sehne ich mich danach. Ich habe dem Schabbat oft den Rücken zugekehrt, doch jetzt suche ich ihn. Ich war frustriert wegen der Härte der hebräischen Sprache und meiner fehlenden Sprachkompetenz, doch jetzt, wenn ich jemanden sprechen höre, fühle ich mich sicher und geschützt – da ich weiß, dass meine Familie in der Nähe ist. Und wenn ich die Hatikvah und Am Yisrael Chai höre – und die israelische Flagge mit dem jüdischen Stern wehen sehe – und um den Preis wissend, den unser Volk dafür bezahlt, weine ich mit Stolz.

Unser Schicksal und unsere Zukunft hängen von einer starken IDF, von der fortgesetzten Ausübung unseres Judentums und von einem starken und erfolgreichen Israel ab.

Ich plädiere sicherlich nicht für eine besondere Behandlung Israels, lediglich für eine vernünftige und fairen Berichterstattung. Journalisten sollten die israelische Regierung und Politiker sicherlich zur Rechenschaft ziehen – aber das sollte moralisch vertretbar und verantwortungsvoll getan werden. Also, wenn ich die gegen Israel gerichtete Voreingenommenheit im Fernsehen oder sonstwo sehe, bin ich auf hundertachtzig. Aber nachdem der anfängliche Zorn und die Traurigkeit abflauen, motiviert sie mich und gibt mir größere Orientierung. Es stärkt meine Entschlossenheit und meine tiefe Verpflichtung, meinen Teil zum Kampf gegen Ungerechtigkeit beizutragen – egal, wo in der Welt sie vorkommt und zu helfen, die Verbundenheit zwischen den Vereinigten Staaten und Israel aufrechtzuerhalten und für mein Volk mit unerschütterlicher Loyalität einzustehen, koste es, was es wolle.

Während ich in Israel lebte, hatte ich schrecklich Heimweh, ich sehnte mich nach der Behaglichkeit und Vertrautheit meines Hauses in den USA. Doch als ich wieder hierher zurückkam, fühlte sich meine Seele leer an; irgendwas fehlte mir. Im Rückblick entdecke ich jetzt, dass die Mehrheit der Israelis meine Familie ist, auch wenn wir uns nie begegnet sind. Und während meine Aliyah-Reise mühsam war, veränderte sie mich und nichts kann jemals für mich wieder dasselbe sein.

Eines Tages, wenn die Zeit reif dafür ist, werde ich für immer in meine angestammte Heimat zurückkehren, um meiner tiefen Verantwortung gerecht zu werden und weiterhin meinen Teil dazu beizutragen, dass das jüdische Volk weiterhin durchhält, Erfolg hat und lange nach meiner Zeit auf diesem Planeten überlebt. Das ist mein Abkommen mit Gott, dem jüdischen Volk und der Zukunft des demokratischen und jüdischen Staates Israel. Die Tempelberg-Krise und die brutalen Ermordungen meines Volkes sind es, die mein Schicksal und diese Verpflichtung zementiert haben.


Der Autor ist leitender Angestellter bei i24NEWS und war ein politischer Kommentator und Mitwirkender bei ILTV, Miami Herald, MSNBC, The Palm Beach Post, Sun-Sentinel, Jerusalem Post und Israel National News. Er ist auch Mitglied des Ausschuss-Teams von POLITICO. Derzeit lebt er in New York. Eine Version dieses Artikels wurde auch in der Jerusalem Post veröffentlicht.


Übersetzung: faehrtensuche

Nach(t)-GedankenLese

zur Antisemitismus-Dokumentation der ARD und zur anschließenden Diskussion bei Maischberger.

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Die verschlimmbesserte Dokumentation in der „Lange[n] Nacht der Antisemitismus-Verharmlosung“ und der „Peinliche[n] Offenbarungen beim WDR

– ist ein Schuss ins Knie, „eingebettet in ein Tribunal über die beiden Autoren“, das „Bände spricht über die Qualität des Qualitätsjournalismus im Jahr 2017.“

– kommt einem Schauprozess gleich, bei dem die Filmemacher „vom eigenen Auftraggeber an den öffentlichen Medienpranger gestellt werden.

– lässt sich interpretieren als „Abgesang auf journalistischen Anstand“ oder auch als „Selbstentleibung des WDR.“

– präsentiert antisemitisches Geraune als Faktencheck. Frederik Schindler hat den Faktencheck des WDR genauer unter die Lupe genommen und dröselt ihn auf.

– verdeutlicht Das Handwerk des Antisemitismus“, wie Ulrich W. Sahm in seinem Artikel (vortrefflich) analysiert.

– bzw. der Umgang des WDR mit ihr kann auch gesehen werden als „Betreuter Antisemitismus“.

50 Jahre danach: Anti-Israel oder antisemitisch?

Originalartikel: Fifty years on: Anti-Israel oder antisemitic?

von Ira Forman, 8. Juni 2017

Der 50. Jahrestag des Sechs-Tage-Krieges bedeutet, ganze Berge an Kommentaren über den schnellen Sieg Israels und das anhaltende Scheitern des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses zu generieren. Eine Überprüfung der Ereignisse rund um den Krieg von 1967 klärt auch die Natur des Antisemitismus des 21. Jahrhunderts.

Siebzig Jahre nach dem Holocaust ist der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch, aber es gibt wenig Konsens über die Ursachen dieser beunruhigenden Entwicklung. Eine bedeutende Analyse erklärt einen Großteil dieser Zunahme mit einem „neuen Antisemitismus“ – eine Art von Judenhass, der sich tarnt als Opposition gegen den Zionismus und die Politik des Staates Israel. Als Antwort darauf behaupten andere, dass diese Argumentation ein Mittel sei, die freie Meinungsäußerung zu unterbinden und Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu zensieren – insbesondere an der fünfzig Jahre andauernden militärischen Okkupation des Westjordanlandes.

Eine Betrachtung des Sechs-Tage-Krieges ist ein besonders gutes Objektiv für die Analyse der Frage „Ist die Kritik an Israel immer antisemitisch?“, weil Sprache, Bilder und Fragen im Vorfeld des Konflikts oftmals stärker/weniger nuanciert waren. Vor dem Juni 1967 gab es umfangreiche Kritik am jüdischen Staat, aber Israel hatte nicht das Westjordanland und den Gazastreifen militärisch besetzt und zahlreiche Kritikpunkte konzentrierten sich nicht auf israelische Politik, sondern auf die Legitimität des jüdischen Staates an sich und verwendeten offenkundige antisemitische Motive, um die Sache zu begründen.

Jahrhundertelang waren Diskriminierungen der jüdischen Minderheiten in der moslemischen Welt deutlich geringer als im christlichen Europa.

Das hatte im 20. Jahrhundert begonnen, sich zu verändern. Die Juden-hassende-Politik Nazi-Deutschlands hatte im Nahen Osten beträchtliche Unterstützung und nach 1945 fanden Nazi-Kriegsverbrecher Unterschlupf bei vielen arabischen Nachbarn Israels, häufig Rollen in Militär- und Sicherheitsapparaten annehmend.

In den Jahren vor dem Sechs-Tage-Krieg charakterisierte eine von den Nazis aufgegriffene Vernichtungsrhetorik die Aussagen einiger arabischer Führer.

Der damalige syrische Verteidigungsminister (und Vater des jetzigen Präsidenten) Hafiz Assad erklärte: „Wir haben uns vorgenommen, dieses Land mit eurem Blut zu durchtränken, euch Aggressoren zu vertreiben und euch in das Meer zu werfen.“ Der damalige Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Ahmed Shukairy, erklärte Ende Mai 1967: „Es wird im Heiligen Krieg zur Befreiung Palästina keine jüdischen Überlebenden geben.“

Ähnliche Rhetorik ist nicht ungewöhnlich in den heutigen Nahost-Medien.

Ägyptische Regierungserklärungen waren ausgestattet mit Behauptungen wie: Juden benutzten das Blut von Kindern für ihre religiösen Rituale (die klassische Ritualmord-Legende), Verleugnung des Holocaust und Verweise auf die niederträchtige Fälschung Die Protokolle der Weisen von Zion. Im Jahre 1966 hat Nassers persönlicher Vertreter zu einer offiziellen Publikation erklärt, dass „eine der bedeutendsten zionistischen Arbeiten zur allgemeinen politischen Planung die Protokolle der Weisen von Zion [seien], die eindeutig den Weg zur Erreichung ihres Ziels der jüdischen Weltherrschaft belegen. …“

Heute können die Staatsoberhäupter von Ländern wie Ägypten und Jordanien solchen Unsinn nicht von sich geben, doch sind die Protokolle – und ähnliches Material – im ganzen Nahen Osten weit verbreitet, während Medien, religiöse und politische Personen weiterhin auf die Protokolle und die Ritualmordlegende als feststehende Tatsachen verweisen.

Politische Karikaturen der Zeit ahmen die der Nazi-Publikation Der Stürmer nach – mit Juden/Israelis, dargestellt als böse, entstellte menschenähnliche Gestalten. Leider werden ähnliche Karikaturen immer noch im Nahen Osten und manchmal sogar in europäischen Medien veröffentlicht.

Das Ende der meisten jüdischen Gemeinden im Nahen Osten zeigt auch, wie anti-israelische Rhetorik tiefere antisemitische Gefühle verbirgt. Im Zuge der Unabhängigkeit Israels und anschließend mit dem Sechs-Tage-Krieg wurde die jüdische Bevölkerung in der ganzen Region ungerechtfertigt als zionistische Agenten geschmäht, verhaftet, der Staatsbürgerschaft beraubt, pauperisiert und dazu veranlasst, Länder zu verlassen, in denen sie mehr als zwei Jahrtausende gelebt hatten.

Natürlich steht jedes Problem, so komplex wie der moderne Antisemitismus, einfachen Erklärungen entgegen. In der arabischen Welt heute gibt es eine größere Bandbreite an Meinungen über Israel, einschließlich der Stimmen, die das Existenzrecht Israels akzeptieren. Es ist klar, dass Kritik an Israel nicht inhärent antisemitisch ist und dass falsche Antisemitismusvorwürfe den wirklichen Kampf gegen Hass behindern können. Darüber hinaus hat ein großer Teil des Antisemitismus in der ganzen Welt wenig oder nichts mit Israel zu tun.

Doch können wir dem Wiederaufleben des Antisemitismus in keinem Land entgegnen, ohne uns über seine Ursachen im Klaren zu sein. Wenn auf eine europäische Synagoge ein Brandanschlag verübt wird und Behörden darauf bestehen, es sei ein Ausdruck einer gegen Israel gerichteten Wut und nicht antisemitisch, ist es an der Zeit, zu erkennen, dass Aktivismus gegen Israel manchmal eine einfache Maske für Antisemitismus ist. Die dem Juni 1967 vorausgegangenen Ereignisse zu überdenken hilft uns an diese unglückliche Wahrheit zu erinnern.

Ira Forman war von 2013 bis 2017 der Sondergesandte des US-Außenministeriums zur Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus. In diesem Herbst wird er an der Georgetown University als renommierter Gastprofessor Antisemitismus lehren.

Übersetzung und Hervorhebung im Text: faehrtensuche