„Unsägliche Tradition anti-israelischer Politik“

„Indem die Europäer Trumps Entscheidung als gefährlich darstellen und vor allen möglichen schrecklichen Folgen warnen, machen sie sich zu den diplomatischen Anwälten der arabischen und palästinensischen Extremisten, die – wie aktuell die angeblich gemäßigte Fatah von Mahmud Abbas – die Bevölkerung zu Gewalttaten aufhetzen und solche inszenieren wollen.

Abbas & Co. können auf eine Eskalation setzen, weil sie wissen, dass ihnen die Europäer die Mauer machen und wahlweise Trump oder Israel für die zu erwartende Gewalt verantwortlich machen werden. Anstatt die düsteren Ankündigungen und Drohungen entschieden zurückzuweisen, die von der Fatah über die Hamas bis zur Türkei und dem Iran ausgesprochen werden, verschaffen die Europäer diesen einen Hauch von Legitimation.“

Aus: „Die Europäer machen sich zu Anwälten der Extremisten“, Mena-Watch, 8.12.2017

Hervorhebungen im Text: faehrtensuche

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Das Rote Kreuz verwirft die Gesetze des Krieges

von Evelyn Gordon

Originalartikel: The Red Cross Destroys the Laws of War, 14. November 2017

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuzes [IKRK], selbsternannter Hüter der Kriegsgesetze, hat ein aufregendes neues Online-Projekt begonnen: die Zerstörung eben der Gesetze, die es angeblich zu schützen sucht. Natürlich würde das IKRK es anders ausdrücken; es würde sagen, dass es die Gesetze des Krieges lehrt. Das Problem ist, dass die „Gesetze“, die es lehrt, nicht die eigentlichen, in internationalen Verträgen kodifizierten Gesetze des Krieges sind, sondern eine fingierte Version, die den Ländern jegliches Recht auf Selbstverteidigung gegen Feinde, die aus innerhalb der Zivilbevölkerung [liegenden] Positionen kämpfen, verweigert. … Und damit lehrt es jeden, der nicht gewillt ist, das Recht auf Selbstverteidigung einzuräumen, dass die Kriegsgesetze einfach ignoriert werden sollten.

Als Israel Hayom letzte Woche über das „Do not Be Numb“ [Sei nicht gefühllos]-Projekt berichtete, klang es so hanebüchen, dass ich einen Fehler des Reporters vermutete. Aber die Webseite des Projekts erwies sich als noch schlimmer.

Die Website ist in vier Abschnitte unterteilt – „Verhalten im Krieg“, „medizinische Einsätze“, „Folter“ und „Kulturgut.“ Aber das große Problem ist der erste [Abschnitt], der aus drei Fragen besteht, die die Nutzer richtig beantworten müssen, um eine „Medaille der Integrität“ zu erhalten.

Frage Nummer eins: „Sie sind ein militärischer Kommandeur. Der Feind versteckt sich in einer bevölkerten Ortschaft an der Frontlinie. Können Sie angreifen?“ Die richtige Antwort der Webseite zufolge heißt „Nein“.

Das ist einfach falsch. Die Gesetze des Krieges gewähren den feindlichen Soldaten, einfach weil sie den Beschluss gefasst haben, sich unter Zivilisten zu verstecken, weder Immunität noch ordnen sie die Vermeidung jeder militärischen Aktion an, die zivile Opfer zur Folge haben könnte. Sie verlangen lediglich, dass Zivilisten nicht gezielt angegriffen werden (der Grundsatz der Unterscheidung), dass angemessene Bemühungen zur Minimierung ziviler Opfer unternommen werden und dass diese Opfer nicht disproportional zum militärischen Nutzen der Operation stehen sollten (der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit).

Die zweite Frage lautete: „Was ist, wenn Sie ganz genau wissen, dass viele Zivilisten getötet würden? Können Sie angreifen?“ Da das IKRK in der ersten Frage bereits entschieden hatte, dass der Angriff auf besiedelte Dörfer niemals zulässig ist, bin ich mir nicht sicher, welchem Zweck diese Frage dient; sie würde nur dann Sinn machen, wenn die Antwort auf die erste Frage „ja“ gewesen und dies eine nachfolgende Entscheidung wäre, um die Beschränkungen der Genehmigung zum Angriff auf bevölkerte Ortschaften zu prüfen. Aber lassen Sie uns diese Inkongruenz ignorieren und die Frage um ihrer selbst willen untersuchen.

Die Antwort des IKRK lautete natürlich „Nein“. Jedoch ist die korrekte Antwort „unzureichende Information“. Wie bereits erwähnt, verhindern die Kriegsgesetze nicht, [dass es] zivile Opfer als Kollateralschaden einer legitimen Militäroperation [gibt]. Jedoch verlangen sie, dass solche Opfer nicht in einem Missverhältnis zum militärischen Nutzen stehen, und die Frage stellt nicht die Information bereit, die notwendig wäre, um über die Verhältnismäßigkeit dieses Angriffs zu entscheiden. Zum Beispiel: Wie viele zivile Opfer bedeuten eigentlich „viele“ – 10? 100? 1.000? Noch wichtiger: Welchen Preis wird Ihre eigene Seite bezahlen, wenn sie nicht angreift? Zum Beispiel, wie viele Ihrer eigenen Zivilisten könnten getötet werden, wenn Sie das feindliche Raketen- und Mörserfeuer nicht stoppen?

Die Kriegsgesetze waren niemals als Selbstmordbündnis gedacht; sie schreibt Ländern nicht vor, ihre eigenen Zivilisten abschlachten zu lassen, um zu verhindern, dass feindliche Zivilisten verletzt werden. Aber in der Version des IKRK tun sie das. Seine Webseite lehrt Nutzern, dass Militäraktionen, die feindliche Zivilisten verletzen, nie erlaubt sind. So ist alles, was ein Feind tun muss, um die Zivilisten der anderen Seite ungestraft abzuschlachten, seine Zelte unter der eigenen Zivilbevölkerung aufzuschlagen. Nach dieser Logik hätten keine Maßnahmen ergriffen werden sollen, um – sagen wir mal – den Genozid des Islamischen Staates gegen die Jesiden zu stoppen, weil er aus bevölkerten Ortschaften heraus operierte und nicht ohne zivile Opfer vertrieben werden konnte. Ist es wirklich das, was das IKRK will?

Übrigens ist die Verwendung von Zivilisten als menschliche Schutzschilde ein Kriegsverbrechen in sich, aber darauf würde man von der Webseite her nie kommen. Die Schlussfolgerung der Fragen des IKRK ist, dass die Kriegsgesetze eigentlich die Verwendung von Zivilisten als menschliche Schutzschilde fördern, weil sie Ihnen – indem Sie danach handeln – Immunität vor Angriffen gemäß genau dieser Gesetze verschaffen.

Bevor zur dritten Frage übergegangen wird, stellt die Webseite die durchschnittlichen Ergebnisse von den Befragten aus 16 Ländern auf die ersten beiden [Fragen] vor. Es überrascht nicht, dass Israel den niedrigsten Prozentrang an Befragten hatte, die die „richtigen“ Antworten gegeben haben (gefolgt von Amerika). Das deswegen, weil Israelis, die regelmäßig von aus bevölkerten Ortschaften operierenden Feinden angegriffen werden, besser als die meisten verstehen, dass die „richtigen“ Antworten von ihnen verlangen würden, mit gefalteten Händen da zu sitzen während ihre Feinde sie töten.

Dies ist von höchster Relevanz für die dritte und letzte Frage der Webseite: „Die Genfer Konventionen, der Kern des humanitären Völkerrechts, sind jetzt 70 Jahre alt. Die Kriegsführung heute ist sehr verschieden; macht es immer noch Sinn, im Krieg Beschränkungen aufzuerlegen?“ Die Antwort des IKRK, mit der ich einverstanden bin, lautet „ja“. Aber Beschränkungen der Kriegsführung werden nur dann breite Akzeptanz finden, wenn sie immer noch die Möglichkeit effektiver Selbstverteidigung zulassen. Wenn das Befolgen der Kriegsgesetze es erforderlich macht, Ihre eigenen Zivilisten ungestraft abschlachten zu lassen, wird kein Land, das angegriffen wird, zustimmen.

Das genau ist die Gefahr des Standpunktes des IKRK. Die wirklichen Kriegsgesetze stellen ein herausforderndes, aber erreichbares Ziel dar: die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung durch konsequent wirksame militärische Aktionen auf ein Minimum zu reduzieren. Aber die fingierten Gesetze des IKRK setzen ein unmögliches Ziel: alle zivilen Opfer überhaupt zu vermeiden, auch wenn das eine militärische Aktion ausschließt. Daher würde jedes Land, das an einer militärischen Aktion beteiligt ist, am Ende die Gesetze des IKRK verletzen, unabhängig davon, welche Maßnahmen es ergreift, um die Zahl ziviler Opfer gering zu halten. Und wenn ja, warum sollte man sich überhaupt die Mühe machen, diese Maßnahmen zu ergreifen?

In der Tat hat dieses Argument in Israel jetzt seit Jahren gewütet. Trotz der großen Bemühungen Israels, die wirklichen Gesetze des Krieges zu erfüllen – eine Gruppe hochrangiger westlicher Militärexperten schrieb in einem Bericht über den Gaza-Krieg im Jahr 2014, es „erfüllte und übertraf in gewisser Hinsicht die höchsten Standards, die wir für die Streitkräfte unserer eigenen Nationen setzen“ – wird es wiederholt von den Vereinten Nationen, „Menschenrechts“-Organisationen und Weltpolitikern beschuldigt, diese Gesetze grob zu verletzen. Daher fragen sich viele Israelis, warum sie sich weiterhin diesen Bemühungen, die oft das Risiko für ihre eigenen Soldaten und Zivilisten erhöhen, unterziehen sollten, wenn sie dafür keine internationale Anerkennung bekommen.

Durch die Zusicherung von Immunität ermutigt das IKRK nicht nur Terroristen, aus der Zivilbevölkerung heraus zu operieren; es hält auch von Bemühungen ab, die zivilen Schutzmaßnahmen einzuhalten, die von den wirklichen Kriegsgesetzen vorgeschrieben werden. Mit anderen Worten, es macht eigentlich zivile Opfer in beiderlei Hinsicht wahrscheinlicher – und verrät damit ihre eigene humanitäre Mission.

Übersetzung: faehrtensuche

Klare Kante zeigen

Man könnte auch sagen „Einfach hervortreten“ ! Diese Aussage jedenfalls trifft den, der die entsprechende Webseite aufruft. Mir hat die Aussage imponiert, suggeriert sie doch, dass es gar nicht so schwer ist, sich zu positionieren, klare Kante zu zeigen. Zumindest regt die Aussage zum Nachdenken an!

Besonders wenn es um Antisemitismus und Judenhass geht, sollte sich jeder positionieren und sich fragen, wo und wie er einen Beitrag leisten und Taten sprechen lassen kann! Manchmal reicht eine Unterschrift! 🙂

Um eine solche geht es bei der von Malca Goldstein-Wolf ins Leben gerufenen Petition „Kein Support des Antisemiten Roger Waters durch öffentliche Gelder des WDR“ . Die Petition wendet sich gegen die Unterstützung eines Konzerts des Künstlers Roger Waters, bekannt als Gründer der britischen Rockband Pink Floyd und jetzt als Solokünstler unterwegs. Roger Waters ist eifriger Unterstützer der BDS-Bewegung und nutzt seine Konzerte explizit dazu, um in massivster Form gegen Israel Stellung zu beziehen. Der Petitionstext auf Change gibt Auskunft.

Mara Goldstein wendet sich an den Intendanten des Westdeutschen Rundfunks Thomas (Tom) Buhrow und schreibt:

Sehr geehrter Herr Buhrow,

nach dem unschönen Eklat um die Ausstrahlung der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“, scheint sich der WDR beim Thema Antisemitismus wiederholt auf der falschen Seite zu positionieren.

Auch wenn ich es mir wünschen würde, kann ich niemanden zwingen, judenfreundlich zu sein.

Allerdings kann ich von einem öffentlich-rechtlichen Sender zumindest Neutralität im Angesicht von Antisemitismus erwarten, auch wenn Solidarität angebracht wäre.

Keinesfalls bin ich aber bereit mich damit abzufinden, dass mit meinen Geldern Judenhasser subventioniert werden.

Es schockiert mich zutiefst, dass WDR4 das Kölner Konzert des BDS Aktivisten und leidenschaftlichen Antisemiten Roger Waters präsentiert. ARD und SWR subventionieren Waters‘ Konzerte (als ebenfalls öffentlich-rechtliche Sender) in anderen bundesdeutschen Städten…

Roger Waters mag ein talentierter Künstler sein, allerdings setzt er einen großen Teil seines Engagement als Gallionsfigur für den antisemitischen Verein BDS (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) im Kampf gegen Israel ein.

Er setzt internationale Künstler massiv unter Druck, um deren Konzerte in Israel zu verhindern.

Während seiner Konzerte lässt Waters Ballons in Schweineform (!), auf denen ein Davidstern abgebildet ist, aufsteigen und fordert seine Fans zum Boykott israelischer Produkte auf.

Will der WDR tatsächlich das neue „Kauft nicht bei Juden“ unterstützen? Und dann auch noch mit öffentlich-rechtlichen Mitteln?

Städte wie Berlin, Frankfurt und München haben sich klar gegen diese antisemitische Organisation positioniert und der WDR promotet gar ihren prominentesten Anführer , hilft dabei Judenhass salonfähig zu machen?

Nein, Herr Buhrow, so geht das nicht!

Gerade im Hinblick auf den steigenden Antisemitismus appelliere ich an Ihre soziale Verantwortung und daran, dass Sie die Gebühren der GEZ Zahler nicht missbrauchen.

Antisemitismus ist kein Kavaliersdelikt und wenn Sie Juden in Deutschland schon nicht schützen wollen, dann unterstützen Sie wenigstens deren Feinde nicht!

Ich bitte Sie, über mein Anliegen nachzudenken und hoffe auf ein Statement Ihrerseits.

Bis dahin verbleibe ich mit besorgten Grüßen und einem dennoch herzlichen Shalom,

Malca Goldstein-Wolf

Hier geht’s zur Petition!

„Ich werde nicht sterben, sondern leben.“

„Passend“ zum 79. Jahrestag der Reichskristallnacht am gestrigen 9. November stieß ich auf einen Text von Rabbi Sacks, der mich elektrisierte, sprach er doch Fragen an, die mich auch schon häufig beschäftigt hatten. Wie konnte ein Volk so lange überleben? Wie konnte ein Volk nach den Erfahrungen der Shoa „auferstehen“ und sich zu so blühendem Leben entwickeln? Warum war/ist es so erfolgreich? Persönliche Begegnungen in Israel haben für mich immer eine besondere Strahlkraft und Stärke, die mich beeindruck(t)en und faszinier(t)en! Besonders beeindruckend und unvergesslich: Die Begegnung mit Holocaust-Überlebenden! In Israel hatte ich mehrere Male die Gelegenheit, einige von ihnen kennenzulernen. Jedes Mal bin ich durch diese Begegnungen bereichert worden und oft habe mich gefragt: Wie kann es sein, dass sie mir (zudem noch als Deutsche) so freundlich, offen und unvoreingenommen begegnen, dass sie so lebensbejahend und herzlich sind, dass sie so positive Energie ausstrahlen und all das nach unvorstellbar schrecklichen Erfahrungen während der Shoa? (Für den interessierten Leser: Von einer dieser Begegnungen habe ich hier berichtet.)

Rabbi Sacks hat den nachfolgend von mir übersetzten Text nicht verfasst, um an den 79. Jahrestag der Reichskristallnacht zu erinnern, aber er passt meiner Ansicht nach gut (auch) dazu. Grundlage der Ausführungen von Rabbi Sacks ist die Parasha dieser Woche in Genesis 23, 1-16. Zur Erklärung: Am Shabbat, dem jüdischen Feiertag, wird in der Synagoge die Torah als fortlaufender Text gelesen. Entsprechend der Anzahl der Wochen nach jüdischem Kalender wird die Torah in Abschnitte eingeteilt, so dass am Ende des Jahres die ganze Torah gelesen worden ist.

Rabbi Sacks, The World’s Oldest Man (Chaje Sarah 5778), 6. November 2017

Der älteste Mann der Welt

Am 11. August 2017 verstarb der älteste Mann der Welt, nur einen Monat vor seinem 114. Geburtstag. Das machte ihn zu einem der zehn am längsten lebenden Männer seit Beginn der modernen Registrierungen. Wenn Sie nichts anderes als das von ihm wüssten, würden Sie zu Recht denken, dass er ein friedvolles Leben geführt hat, das von Angst, Trauer und Gefahr verschont blieb.

Das Gegenteil ist der Fall. Der betreffende Mann war Yisrael Kristal, ein Überlebender des Holocaust. 1903 in Polen geboren, überlebte er vier Jahre im Ghetto Lodz und wurde dann nach Auschwitz transportiert. Im Ghetto starben seine beiden Kinder. In Auschwitz wurde seine Frau umgebracht. Als Auschwitz befreit wurde, war er ein wandelndes Skelett mit einem Gewicht von nur 37 Kilo. Er war das einzige Mitglied seiner Familie, das überlebte.

Er war als religiöser Jude aufgewachsen und blieb es sein ganzes Leben lang. Als der Krieg vorbei und seine ganze Welt zerstört war, heiratete er erneut, diesmal eine andere Holocaustüberlebende. Sie hatten Kinder. Sie machten Aliyah in Haifa. Dort begann er wieder im Süßwarengeschäft, wie schon vor dem Krieg in Polen. Er stellte Süßigkeiten und Schokolade her. Er wurde ein Innovator. Wenn Sie jemals eine mit Schokolade bedeckte israelische Orangenschale oder Likörpralinen geformt wie kleine Flaschen und mit Silberfolie bedeckt gegessen haben, genießen Sie eines der Produkte, die von ihm stammen. Diejenigen, die ihn kannten, sagten, er sei ein Mann ohne Bitterkeit in seiner Seele gewesen. Er wollte, dass die Leute Süße schmeckten.

Im Jahr 2016, im Alter von 113 Jahren, feierte er endlich seine Bar Mizwa. Hundert Jahre früher hatte sich das als unmöglich erwiesen. Zu diesem Zeitpunkt war seine Mutter tot und sein Vater kämpfte im Ersten Weltkrieg. Mit einem fast poetischen Gefühl von Angemessenheit starb Yisrael am Erev Shabbat Ekev, der Parasha, der den zweiten Absatz des Sh’ma [Yisrael] mit seinen Befehlen enthält, Tefillin zu tragen und deinen Kindern die Torah zu lehren, „damit du und deine Kinder lange in dem Land lebest, das der Herr deinen Ahnen geschworen hat.“

Yisrael Kristal tat beides gewissenhaft. Auf seiner Bar Mizwa scherzte er, dass er der älteste Tefillin-Träger der Welt sei. Er versammelte seine Kinder, Enkel und Urenkel unter seinem Tallit und sagte: „Hier ist ein Mensch, und schau, wie viele Menschen er zum Leben erweckt hat. Da wir alle hier unter meinem Tallit stehen, denke ich: Sechs Millionen Menschen. Stell dir die Welt vor, die sie hätten bauen können.“ Das war ein außergewöhnlicher Mann.

Sein Leben wirft Licht auf einen der verlockendsten Verse in der Torah. Den Tod von Abraham beschreibend, sagt unsere Parasha, „Er tat seinen letzten Atemzug und starb in gutem Alter, alt und lebenssatt.“ (Gen. 25, 8). Sein Tod ist der ruhigste in der Torah. Doch schau dir sein Leben an, belastet wie es war, mit einer Prüfung nach der anderen.

Um dem Ruf G’ttes zu folgen, musste er sich von seinem Land, seinem Geburtsort und dem Haus seines Vaters verabschieden und zu einem unbekannten Ziel reisen. Zweimal zwang ihn die Hungersnot ins Exil, wo sein Leben in Gefahr war. Er, dem zahllose Kinder zugesagt waren – so viele wie der Staub der Erde und die Sterne des Himmels – blieb bis ins hohe Alter kinderlos. Dann sagte ihm Gott, er solle seinen Sohn, den er mit Sarahs Dienerin Hagar hatte, wegschicken. Und als ob dieser Prozess nicht herzzerreißend genug gewesen wäre, sagte G’tt ihm dann, seinen einzigen mit Sarah gezeugten Sohn zu opfern, Isaak, der, von dem Gott gesagt hatte, dass er sein geistiges Erbe und Träger des Bundes in der Zukunft wäre.

Sieben Mal [wurde ihm] ein Land zugesprochen. Als Sarah starb, besaß er keinen einzigen Quadratzentimeter an Land, um sie zu begraben, und musste die Hethiter bitten, ihm ein Feld und eine Begräbnishöhle durch Kauf zu überlassen. Das war ein Leben von enttäuschten Hoffnungen und verzögerten (Lebens-)Erfüllungen. Was war das für ein Mann, von dem die Torah sagen kann, dass er „im guten Alter, alt und lebenssatt“ starb?

Ich habe die Antwort auf diese Frage durch eine Reihe von lebensverändernden Begegnungen mit Holocaustüberlebenden erfahren. Sie gehörten zu den stärksten, lebensbejahendsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Ich habe mich jahrelang gefragt, wie sie überhaupt überleben konnten, nachdem sie gesehen hatten, was sie sahen und erfahren hatten, was sie erfuhren. Sie hatten die tiefste Dunkelheit durchlebt, die je auf eine Zivilisation herabgekommen ist.

Irgendwann wurde mir klar, was sie getan hatten. Fast ohne Ausnahme haben sie sich nach Kriegsende zielstrebig auf die Zukunft konzentriert. Fremde in einem fremden Land, sie bauten Häuser und machten Karriere, heirateten und bekamen Kinder und brachten neues Leben in die Welt.

Oftmals sprachen sie nicht über ihre Erfahrungen während der Shoah, nicht einmal mit ihren Ehepartnern, ihren Kindern und ihren engsten Freunden. Dieses Schweigen dauerte in vielen Fällen bis zu fünfzig Jahre. Erst dann, als die von ihnen aufgebaute Zukunft sicher war, erlaubten sie sich, zurückzublicken und zu bezeugen, was sie erlitten und gesehen hatten. Einige von ihnen schrieben Bücher. Viele von ihnen gingen in Schulen und erzählten ihre Geschichte, so dass der Holocaust nicht geleugnet werden konnte. Zuerst bauten sie eine Zukunft. Erst dann erlaubten sie sich, sich an die Vergangenheit zu erinnern.

Das ist es, was Abraham in der Parasha dieser Woche getan hat. Er hatte drei Verheißungen von G’tt erhalten: Kinder, ein Land, und die Versicherung, dass er der Vater sein würde, nicht einer Nation, sondern vieler Nationen (Gen. 17, 4-5). Im Alter von 137 Jahren hatte er einen unverheirateten Sohn, kein Land und hatte keine Nationen ins Leben gerufen. Er äußerte kein einziges Wort der Beschwerde. Offensichtlich erkannte er, dass G’tt wollte, er sollte handeln, nicht darauf warten, dass G’tt die Arbeit für ihn tat.

Also, als Sarah starb, kaufte er das erste Grundstück in dem [Land], das das Heilige Land werden würde, das Feld und die Höhle von Machpelah. Dann wies er seinen Diener an, eine Frau für Isaak, seinen Sohn, zu finden, damit er die ersten jüdischen Enkelkinder sehen könnte. Schließlich heiratete er im hohen Alter wieder und hatte sechs Söhne, die später Stammväter vieler Nationen werden sollten. Er hockte nicht da, außer für kurze Zeit, um seine Vergangenheit zu betrauern. Stattdessen unternahm er die ersten Schritte, um die Zukunft aufzubauen.

Das ist das, was Yisrael Kristal auf seine Art getan hat – und das ist die Art, wie er als Überlebender von Auschwitz lebte und der älteste Mann der Welt wurde. Auch er starb „im guten Alter, alt und lebenssatt“.

Das ist das, was das jüdische Volk gemeinsam getan hat, als David Ben-Gurion den jüdischen Staat in der alten Heimat unseres Volkes, im Land Israel ausrief – nur drei Jahre, nachdem er Auge in Auge dem Todesengel in Auschwitz gegenüber gestanden hatte. Hätte das weltweite jüdische Volk passiv da gesessen und von damals bis heute um die ermordeten Generationen des europäischen Judentums geweint, wäre das eine verständliche Reaktion gewesen. Aber das tat es nicht. Es war so, als ob das jüdische Volk gemeinsam in den Worten König Davids gesagt hätte: „Ich werde nicht sterben, sondern leben“ (Ps 118,17), um dadurch dem G’tt des Lebens Zeugnis zu geben. Aus diesem Grund ist die älteste Nation der Welt noch jung, ein weltweit führendes Unternehmen in lebensrettender Medizin, Katastrophenhilfe und lebensverbessernder Technologie.

Das ist eine transformative Idee. Um Tragödie und Trauma zu überleben, zuerst die Zukunft bauen [und] sich erst dann an die Vergangenheit erinnern.


Übersetzung, Hervorhebung im Text und Links: faehrtensuche

Mahmoud Abbas‘ Anti-Balfour-Artikel. Eine Falsifizierung.

Englischer Originalartikel: Fisking Mahmoud Abbas‘ anti-Balfour article

von Elder Of Ziyon, 5. November 2017

Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, hat seinen eigenen Artikel darüber geschrieben, wie Großbritannien für die Balfour-Deklaration „büßen“ sollte.

Obwohl der Artikel in Englisch ist, kann ich ihn in nur einer Zeitung der Golfregion finden. Die britische Presse scheint Abbas während der Balfour-Woche durchweg ignoriert zu haben!

Aber sein Artikel muss noch analysiert werden – weil es eine Litanei palästinensischer Lügen ist, auf die reagiert werden muss.

Viele Briten werden Sir Arthur James Balfour nicht kennen, ein Außenminister des frühen 20. Jahrhunderts. Für 12 Millionen Palästinenser ist sein Name nur allzu bekannt. Am 100. Jahrestag der Balfour-Deklaration sollte die britische Regierung die Gelegenheit ergreifen, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

An seinem Schreibtisch in London unterzeichnete Balfour am 2. November 1917 einen Brief, in dem er das Land Palästina der Zionistischen Föderation versprach, einer erst kurz zuvor gegründeten politischen Bewegung, deren Ziel die Schaffung eines jüdischen Staates war. Er versprach ein Land, das er – die politische Rechte derjenigen, die dort bereits lebten, missachtend – nicht versprechen konnte. Für das palästinensische Volk – mein Volk – waren die Ereignisse, die dieser Brief lostrat, so verheerend wie weitreichend.

Nein. Balfour sagte: „Die Regierung Seiner Majestät blickt mit Wohlwollen auf die Gründung einer nationalen Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes geben, um die Erreichung dieses Ziels zu ermöglichen.“ Es war kein Versprechen, und die Erklärung lautete nicht, der Zionistischen Föderation Land zu geben, sondern dem Jüdischen Volk.

Am Ende sagt Balfours Brief aus: „Ich wäre dankbar, wenn Sie diese Erklärung der Zionistischen Föderation zur Kenntnis bringen würden.“ Das war die 1899 gegründete britische Zionistische Föderation. Balfour versprach Palästina nicht der britischen ZF – er sagte, Großbritannien würde helfen, eine nationale Heimstätte für Juden weltweit zu ermöglichen.

Abbas möchte nicht sagen, dass der Brief dazu bestimmt war, einen Staat für „Juden“ zu schaffen, weil er verdammt gut weiß, dass Juden sich seit dem ersten Jahrhundert ndZ [nach der Zeitenwende] wünschten, nach Israel zurückzukehren. So lügt er gezielt und charakterisiert Balfour als ein Versprechen an einige Zionisten.

Abbas‘ Lügen enden dort nicht. Seine Behauptung, Balfour habe die „politischen Rechte“ der Palästinenser missachtet, lässt den Leser vermuten, dass es ein palästinensisches Volk gab, das 1917 politische Rechte geltend machte. Das war nicht der Fall. Eine sehr kleine Zahl palästinensischer Araber sagte, sie wollten ein arabisches Palästina (als Reaktion auf den Zionismus, nicht aus irgendeinem tatsächlichen Wunsch nach einem Staat), aber die Mehrheit der palästinensischen Araber, wenn sie sich überhaupt irgendwelche nationalen Rechte wünschten, wollte, dass es Teil von Syrien sein sollte.

Im Jahr 1948 haben zionistische Milizen gewaltsam mehr als 800.000 Männer, Frauen und Kinder aus ihrem Heimatland vertrieben und schreckliche Massaker begangen und dabei Hunderte von Dörfern zerstört. Ich war zur Zeit unserer Vertreibung aus Safed 13 Jahre alt. Der Anlass, an dem Israel seine Schaffung als Staat feiert, kennzeichnen wir Palästinenser als den dunkelsten Tag unserer Geschichte.

Abbas selbst hat beschrieben, wie seine Familie 1948 Safed verließ – und sie sahen nie einen einzigen jüdischen Soldaten. Sie gingen von selbst weg. In seinen Worten:

„Wir gingen zu Fuß bei Nacht zum Jordan. … Schließlich ließen wir uns in Damaskus nieder. … Mein Vater hatte Geld, und er gab sein Geld systematisch aus. Nach einem Jahr, als das Geld ausging, begannen wir zu arbeiten. „Die Menschen waren motiviert wegzulaufen. … Sie fürchteten Vergeltung von zionistischen Terrororganisationen – besonders von denjenigen aus Safed. Diejenigen von uns, die aus Safed kamen, fürchteten besonders, dass die Juden alte Wünsche hegten, um das, was sich bei den Aufständen von 1929 ereignet hat, zu rächen. Das war im Gedächtnis unserer Familien und Eltern. … Sie realisierten, dass sich das Gleichgewicht der Kräfte verlagerte und deswegen wurde die ganze Stadt auf Basis dieser Begründung verlassen – und unser Leben und unser Hab und Gut wurden gerettet.“

Das war die Erfahrung der meisten Palästinenser, die 1947/48 weggingen – eine kleine Anzahl wurde tatsächlich vertrieben, eine größere Zahl ist freiwillig von selbst weggegangen und die meisten sind aus Angst geflohen. (Beachten Sie auch, wie Abbas die Zahl auf „mehr als 800.000“ aufgebläht hat – eine weitere Lüge, die reale Zahl lag bei ungefähr 600.000).

Die Balfour-Deklaration ist nicht etwas, das vergessen werden kann. Heute zählen die Palästinenser mehr 12 Millionen und sind in der ganzen Welt verstreut. Einige wurden 1948 aus ihrer Heimat vertrieben, mehr als 6 Millionen leben bis heute noch im Exil. Diejenigen, denen es gelang, in ihren Häusern zu bleiben, beziffern sich auf ungefähr 1,75 Millionen und leben in einem System von institutionalisierter Diskriminierung im heutigen Staat Israel.

Eine Lüge zusätzlich zu den anderen Lügen.

Etwa 2,9 Millionen leben im Westjordanland unter einer drakonischen militärischen, in eine Kolonialisierung gekehrten Besatzung, von dieser Zahl sind 300.000 heimische Bewohner Jerusalems, die bis jetzt einer Politik der Vertreibung aus ihrer Stadt widerstanden haben. Etwa 2 Millionen leben im Gazastreifen, einem offenen Gefängnis, das regelmäßiger Zerstörung durch die ganze Kraft des israelischen Militärapparats unterworfen ist.

Sind 300.000 Jerusalemer Araber in Gefahr, aus der Stadt vertrieben zu werden? Natürlich nicht.

Ist Gaza ein offenes Gefängnis? Natürlich nicht.

Hat Israel jemals seine ganze Stärke gegen Gaza eingesetzt? Natürlich nicht.

Jeder Satz ist eine Lüge, die nicht unterstützt werden kann.

Die Balfour-Deklaration darf nicht gefeiert werden – schon gar nicht, solange eines der betroffenen Völker weiterhin solche Ungerechtigkeit erleidet. Die Schaffung einer Heimat für ein Volk führte zur Enteignung und fortgesetzten Verfolgung des anderen – jetzt eine tiefe Ungleichheit zwischen Besatzern und Besetzten. Das Gleichgewicht muss wiederhergestellt werden und Großbritannien trägt ein großes Maß an Verantwortung bei der Wegweisung. Feierlichkeiten müssen warten bis zu dem Tag, an dem jeder in diesem Land über Freiheit, Würde und Gleichheit verfügt.

Abbas selbst hat Friedensvorschläge abgelehnt – wie die Palestine Papers und Haaretz gezeigt haben. Alle hätten seinem Volk einen Staat gegeben. Er [Abbas] und sein blutdurchtränkter Vorgänger Arafat sind diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass sie dieses vermeintliche Ziel nicht erreicht haben, nicht Großbritannien.

Trotz der Schrecken, die wir im vergangenen Jahrhundert erlitten haben, ist das palästinensische Volk standhaft geblieben. Wir sind eine stolze Nation mit einem reichen Erbe an alten Zivilisationen und die Wiege der abrahamitischen Religionen. Im Laufe der Jahre haben wir uns an die Realitäten um uns herum angepasst – die im Jahr 1917 losgetretene Kette von Ereignissen – und zutiefst schmerzliche Kompromisse um des Friedens willen geschlossen, angefangen mit der Entscheidung, einen Staat auf nur 22% unseres historischen Heimatlandes zu akzeptieren, während wir den Staat Israel anerkennen, bisher ohne Gegenleistung.

Versuchen Sie, in einer Zeitung oder einem Buch, das vor 1950 geschrieben wurde, irgendwelche Aufzeichnungen über ein spezifisch palästinensisches arabisches Erbe oder eine Zivilisation zu finden. Ich habe es versucht. Es gibt keine.

Und es gibt einen Widerspruch innerhalb dieses Absatzes selbst. Wenn es ein altes palästinensisches Volk gab, dann haben sie in Bereichen gelebt, die vor Balfour und San Remo als Palästina betrachtet wurden. Was bedeutet, sie haben Transjordanien eingeschlossen. Aber Abbas sagt hier, dass das Westjordanland und der Gazastreifen 22% seines „historischen Heimatlandes“ seien – doch sie schließen nur Bereiche des britischen Mandats Palästina ein, nicht „das östliche Palästina“.

Warum akzeptiert Mahmoud Abbas, der so stolz auf das palästinensische Erbe ist, eine kolonialistische Definition Palästinas, die vieles von dem ausschließt, was vor 1917 als Palästina galt?

Die Antwort ist die gleiche wie auf die Frage, warum die PLO 1964 das Westjordanland und Gaza explizit von Bereichen ausgeschlosse hat, die sie als ihr Land beanspruchte. Weil es dem palästinensischen Nationalismus niemals um die Schaffung eines Staates ging, sondern darum, einen zu zerstören. Und als Jordanien und Ägypten Teile des britischen Mandatsgebietes Palästina kontrolliert haben, hat Mahmoud Abbas nie jene Bereiche als seine gefordert.

Nur das Land, das die Juden kontrollieren, ist das, das „befreit“ werden muss. Es war in Ordnung, wenn Araber einen Teil Palästinas kontrollierten.

Das bedeutet, dass das Palästinensertum keine nationale Befreiungsbewegung ist. Es ist eine antisemitische Bewegung.

Aber das ist nicht politisch korrekt.

Übersetzung: faehrtensuche