Palästinensische Rhetorik der „Besatzung“

Originalartikel: How Palestine „Occupies“ Itself

von Dr. Asaf Romirowsky

BESA Center Perspectives Paper No. 606, October 7, 2017

Übersetzung: faehrtensuche

KURZFASSUNG: „Besatzung“ ist zu einer palästinensischen Allzweckwaffe geworden. Einerseits behaupten die Palästinenser, die israelische „Besatzung“ mache ernsthafte Verhandlungen mit Israel unmöglich. Andererseits behaupten sie, die „Besatzung“ mache die Entwicklung von lokalen Institutionen und der bürgerlichen Gesellschaft unmöglich. Westliche und israelische Diplomaten haben es weitgehend vermieden, diese Strategie zu kritisieren, möglicherweise, weil sie zu einem zentralen Bezugspunkt der palästinensischen Identität geworden ist.

Eine gleichbleibende palästinensische Strategie, die Staatlichkeit anzustreben und gleichzeitig Israel für ihr Ausbleiben verantwortlich zu machen, wurde durch das Narrativ der „Besatzung“ kodifiziert. Der Jahrestag des Krieges von 1967 stellte dies, bezugnehmend auf die israelische „Besatzung“ des Westjordanlandes, in endlosen Anschuldigungen in den Vordergrund. Es gibt sogar eine Behauptung, dass Gaza noch „besetzt“ sei.

Die Besatzung ist ein palästinensisches Instrument, um Verhandlungen aus dem Weg zu gehen, denn „keine taktische Brillanz bei Verhandlungen, keine umfängliche Expertenvorbereitung, keine perfekte Anordnung der Sterne kann dieses Hindernis überwinden.“ Ebenso wenig ist ein Fortschritt in der palästinensischen Wirtschaft, der Bildung von Institutionen oder der bürgerlichen Gesellschaft möglich, denn – wie es der palästinensische Finanzminister Nabeel Kassis ausdrückte – „Entwicklung unter Besatzung ist eine Farce.“ Sogar die eigene Unterdrückung der palästinensischen Autonomiebehörde und die Niederschlagung der Pressefreiheit liegt, Hanan Ashrawi zufolge, „natürlich in der israelischen Besatzung“ begründet. Und trotz der spürbaren Unterentwicklung der palästinensischen Institutionen und bürgerlichen Gesellschaft muss Europa sie finanzieren, denn „Die Bereitschaft für einige mögliche Szenarien mit langfristiger Ausrichtung auf funktionierende Institutionen ist das, was von der EU und anderen (Geld-)Gebern in Palästina verlangt wird.“

Im Jahr 2011, als der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas in der UNO die Einseitige Unabhängigkeitserklärung [Unilateral Declaration of Independence] (UDI) vorgebracht hat, sahen wir diesen Prozess in Aktion. Das Vorgehen sollte gezielt direkte Verhandlungen mit dem Staat Israel verhindern. Einige palästinensische Unterstützer haben sich sogar gegen die UDI ausgesprochen, eben deswegen, weil Palästina „die wichtigsten Elemente der Staatlichkeit nicht hat: Unabhängigkeit und Souveränität sowie wirksame Kontrolle über sein Territorium. Tatsache ist, dass Israel, die Besatzungsmacht, das letzte Wort in den meisten Angelegenheiten hat, die das Schicksal des palästinensischen Volkes beeinflussen.“

Trotz der hoch klingenden Rhetorik über die Erklärung, die der palästinensischen „Unabhängigkeitserklärung“ von 1998 folgte, war ihr Ziel, Druck auf die UNO für einen palästinensischen Staat auszuüben. Aber die Palästinenser werden bereits von der UNO behandelt wie keine andere Entität, ob Staat oder Volk. Umfangreiche finanzielle und administrative Ressourcen sind für die „Ausübung von unabdingbaren Rechten des palästinensischen Volkes“ bestimmt. Trotz dieser Bemühungen, die viele Millionen gekostet und fast siebzig Jahre gedauert haben, lange vor der „Besatzung“ im Jahr 1967, gibt es immer noch keinen palästinensischen Staat.

Die Palästinenser und ihre Unterstützer wollen mit der Besatzung doppelt gewinnen. Es ist die Trumpfkarte für ihre eigene Weigerung zu verhandeln und für ihr Versäumnis, ihre eigene Gesellschaft zu entwickeln, aber es ist auch ein nützliches Instrument für die weitere Internationalisierung des Konflikts und die Verlängerung ihres internationalen Wohlfahrts-Status.

Dieses Muster ist seit Jahrzehnten offensichtlich. Sogar Hillary Clinton, damals US-Außenministerin, verstand die Fassade. „Es gibt keinen Ersatz für persönliche Gespräche und für eine Vereinbarung, die zu einem gerechten und dauerhaften Frieden führt“, sagte sie. „Das ist der einzige Weg, der zur Erfüllung der palästinensischen nationalen Bestrebungen führen wird … Es ist auch nicht machbar, die Institutionen eines zukünftigen Staates zu bilden ohne die Verhandlungen, die ihn letztlich schaffen werden.“ 

Doch haben bisher sukzessive amerikanische Regierungen nur palästinensische Rhetorik und nicht palästinensische Methoden in Frage gestellt – und die Rhetorik der „Besatzung“ wurde überhaupt nicht direkt in Frage gestellt. Dies liegt daran, dass sie neben „Flüchtling-Sein“ und Opferrolle nah am Zentrum der palästinensischen Identität steht, jedenfalls in politischer Hinsicht.

Die UDI-Strategie war eine diplomatische Methode, um die sogenannte „Besatzung“ zu vermarkten. In der palästinensischen Gesellschaft oder Politik kann nichts passieren, etwa die Entwicklung palästinensischer staatlicher Institutionen oder eine Kultur des friedlichen Zusammenlebens mit Israel, wegen der „Besatzung“. Leere Symbolik wie die UDI erleichtert geschickt das langfristige palästinensische Ziel, Israel auszulöschen durch die Vereinnahmung der Vereinigten Nationen und der internationalen Gemeinschaft von NGOs. Dieser lange Marsch durch die Institutionen hat die globale Delegitimierung Israels kostengünstig ausgeweitet. Das unvermeidliche Scheitern der Bemühungen der UDI, ein lebensfähiges Palästina zu kreieren, mobilisiert die Sache trotzdem, während ihre Erfolge Israel unterminiert. Die Veränderungsgeschwindigkeit ist langsam genug, um die Illusion von Frieden und hochwichtiger westlicher Hilfe aufrechtzuerhalten.

Drohungen sind Teil eines jeden diplomatischen Werkzeugkastens, und Palästinenser überbieten sich darin. Das unzureichende amerikanische Trompeten von „Objektivität“ und – vor allem – neue Herausforderungen der palästinensischen Narrative der Opferrolle (und das daraus resultierende Bedürfnis nach internationaler Hilfe) erzeugen neue Runden von Drohungen. Die Palästinensische Autonomiebehörde sieht nun Stagnation und Appetitlosigkeit in der Trump-Administration, besonders nach Jared Kushners letztem Besuch. So kommentierte Ahmad Majdalani, ein Berater von Abbas, nach dem Treffen: „Wenn das US-Team diesmal keine Antworten auf unsere Fragen mitbringt, werden wir unsere Optionen prüfen, denn der Status Quo funktioniert nicht im Sinne unserer Interessen.“

Ein neuer Ansatz zur Internationalisierung des Konflikts und zur Förderung des palästinensischen Narrativs wird entwickelt. Daher der Plan, den internationalen Begriff von „palästinensischen Gebieten unter Besatzung“ in „einen palästinensischen Staat unter Besatzung“ zu verändern. Das würde die Aufmerksamkeit zurück auf die „Besatzung“ verlagern und nichts von der palästinensischen Autonomiebehörde verlangen.

Natürlich, die Deklaration eines De-facto-Staates lässt ihn nicht Realität werden, ebensowenig wie die Deklaration, dieser Staat stünde „unter Besatzung“. Die Realität sieht so aus, dass sowohl die essentielle Nicht-Existenz als auch der Opfercharakter des palästinensischen Staates eine bewusste Entscheidung darstellt, die Erfolglosigkeit in Kauf zu nehmen. Dies wird sich nicht ändern, außer wenn direkte Verhandlungen stattfinden, eine Entscheidung, die die PA konsequent abgelehnt hat.

Während ein funktionierender palästinensischer Staat wünschenswert bleibt, ist es bezeichnend, dass die palästinensische Führung sich geweigert hat, mit Israel direkt zu verhandeln und dass sie Organisationen wie die UNO dazu benutzt, einen „virtuellen“ Staat ohne lebensfähige Institutionen zu unterstützen. Ist das palästinensische Ziel ein eigener Staat oder bloß die Auslöschung Israels? Wenn letzteres der Fall ist, was folgt danach? Auf einen palästinensischen Staat zu bestehen muss einhergehen mit der Wiederbelebung des erstarrten palästinensischen politischen Systems und der Institutionen, die ihn stützen würden, wie eine freie Presse. Aber das sind Forderungen, die in erster Linie von den Palästinensern kommen sollten. Wenn solche Forderungen von Israel oder westlichen Ländern kommen, kollidieren sie mit dem Narrativ der „Besatzung“.

Der palästinensische Nationalismus hat den Konflikt nie als einen [Konflikt] zwischen zwei nationalen Gruppen mit legitimen Ansprüchen und Bestrebungen verstanden. Die Existenz Israels – ja der Zionismus selbst, die Idee des jüdischen Nationalismus – wird als völlig illegitim angesehen. Die palästinensische Akzeptanz der Zwei-Staaten-Lösung war ein Mittel zur Beschwichtigung des Westens und seines erklärten Bestrebens für alle Parteien, in Frieden nach demokratischen, nationalen Idealen zu leben. Aber für Arafat zu seiner Zeit und nun für Mahmoud Abbas war die Zwei-Staaten-Lösung ein Mechanismus, um Zeit zu gewinnen, bis die Palästinenser endlich Israel überwinden und besiegen könnten. Die Ausdrucksweise der „Besatzung“ spielt eine Schlüsselrolle.

Ob Palästinenser denken, sie seien ein „besetzter Staat“ oder „palästinensische Gebiete unter Besatzung“ – solange Palästinenser an der Vorstellung festhalten, „besetzt“ zu sein und Israel der „Besatzer“ bleibt, sind wir dazu bestimmt, mehr von der Dynamik der Vergangenheit und weniger Möglichkeiten in der Zukunft zu sehen. Bis wir mehr Selbstbewusstsein, Selbstkritik und Verantwortungsbewusstsein sehen, wird die palästinensische Identität und Staatlichkeit auf ewig besetzt bleiben. Palästina ist in der Tat „besetzt“ durch die Schatten seines eigenen Tuns.

Dr. Asaf Romirowsky ist Geschäftsführer von „Scholars for Peace im Nahen Osten“ (SPME) und Mitglied des Middle East Forum.

BESA Center [Begin-Sadat Center (for Strategic Studies)] Perspectives Papers werden durch die Großzügigkeit der Familie Greg Rosshandler veröffentlicht.

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Eine erfrischende Dosis nationaler Größe

Die Tennis-Interessierten werden ihn vielleicht kennen bzw. von ihm gehört haben – Dudi Sela. Dudi Sela ist ein israelischer Tennisspieler und einer der Teilnehmer des professionellen Herrenturniers, das vom 25. September bis zum 1. Oktober 2017 in Shenzhen, China ausgetragen wurde. Dieses Turnier war eines der insgesamt 63 angesetzten Wettkämpfe der ATP World Tour 2017, die auf insgesamt sechs Kontinenten ausgetragen wurden/werden. Der auf „spox.com“ über dieses Turnier berichtende Sportreporter Jens Huber gibt dort seine Einschätzung wieder, dass Dudi Sela der Religon „den Vortritt vor seinen sportlichen Ambitionen“ gebe, er spricht sogar von einem „Mann strenger religiöser Prinzipien.“ Ich halte es eher für „eine erfrischende Dosis nationaler Größe“, wie es auch Michael Freund in dem unteren Artikel zum Ausdruck bringt, den ich übersetzt habe und der selbsterklärend ist, wie ich finde.

Originalartikel: Michael Freund, Israel’s Sandy Koufax, 5. Oktober 2017

Übersetzung: faehrtensuche

Am vergangenen Freitagnachmittag [29.09.2017], als sich Millionen Juden weltweit für den Beginn von Yom Kippur vorbereiteten, befand sich der israelische Tennisstar Dudi Sela auf einem Spielfeld in Shenzhen, China, und lag in der Mitte eines kritischen Spiels gegen seinen Kontrahenten in Führung.

Nach einer neunmonatigen Durststrecke hatte es Sela endlich bis ins Viertelfinale eines Turniers der Association of Tennis Professionals [Vereinigung der professionellen männlichen Tennisspieler] (ATP) geschafft und damit nicht nur ein größeres Prestige erhalten, sondern – sollte er weiterkommen – auch die Hoffnung auf größere Prämien.

Aber als die Zeiger der Uhr voranschritten und die Sonne unterzugehen begann, machte Sela etwas, dass nur als wahrhaft bemerkenswert bezeichnet werden kann.

In einem beispiellosen Schritt legte er seinen Tennisschläger nieder und erklärte, er hätte den Wettkampf verloren und entfernte sich tatsächlich von dem Wettbewerb.

Es war weder Erschöpfung noch Trägheit, die hinter seiner Entscheidung lag, sondern etwas viel Edleres. Als Vertreter Israels, dem jüdischen Staat, entschloss sich Sela, nicht am heiligsten Tag des jüdischen Kalenders zu spielen.

Durch diesen einfachen, zugleich sicherlich diffizilen Akt, hat Sela seinen Namen in den Pantheon der wahren jüdischen Sporthelden geätzt und wurde in der Tat die israelische Version von Sandy Koufax, dem großen, feurig werfenden Baseball-Pitcher, der sich weigerte, im Spiel 1 der World Series von 1965 zu spielen, weil es mit Yom Kippur zusammenfiel.

Wie Koufax soll Sela nicht sonderlich [religiös] praktizierend sein, aber er besitzt etwas, das ihn besonders macht und das ist ein gesunder Sinn für jüdischen Stolz.

„Dudi ist kein religiöser Mann und er fastet normalerweise nicht zu Yom Kippur“, sagte sein Bruder Ofer und fügte hinzu: „Zum ersten Mal in seiner Karriere war er gezwungen, diese qualvolle Entscheidung zu treffen, die sein ATP-Ranking beeinflusst und ihn Zehntausende an Dollars kostet.“

Als er bemerkte, dass niemand seinen Bruder genötigt hatte, nicht zu spielen, sagte Ofer: „Er tat es nur, weil er Yom Kippur und das Land, das er vertritt, respektiert.“ Was für eine erfrischende Dosis nationaler Würde! Sicher ist Sela nicht der erste prominente israelische Sportler, der sich weigert, am Versöhnungstag [Day of Atonement] zu erscheinen.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul, Südkorea, gab die israelische Fechtmannschaft ihre Chance auf, eine Medaille zu holen und blieb zu Hause, weil es bedeutet hätte, an Yom Kippur anzutreten.

Ebenso entschloss sich Avram Grant, Manager der britischen Soccer-Mannschaft West Ham United, im Jahr 2010, zusammen mit einem der Abwehrspieler seiner Mannschaft, Tal Ben-Haim, bei einem Ligaspiel zu fehlen, weil es auf den heiligen Tag fiel.

Und im Jahr 2013 wurde das israelische Davis-Cup-Team mit einer Strafe von 10.000 Euro belegt, weil es sich weigerte zu spielen.

Aber was Selas Handlung so bemerkenswert macht, ist, dass er mitten im Spiel ausstieg, als sein Adrenalin rauschte und, wie jeder gute Sportler, wahrscheinlich zuversichtlich war, dass der Sieg in der Luft lag. Und dafür verdient er unsere Bewunderung und Unterstützung.

In Wahrheit aber hätte es niemals dazu kommen dürfen.

Die Tatsache, dass die ATP nicht die Weitsicht hatte, den heiligsten Tag des jüdischen Kalenders bei der ursprünglichen Planung des Turniers zu berücksichtigen, ist bedauerlich, doch vielleicht verständlich. Aber ihr Mangel an Sensibilität bei der Weigerung, den Zeitpunkt von Selas Spiel zu verschieben, als sie von dem Konflikt erfuhren, ist einfach respektlos und beschämend.

In dieser Hinsicht ist die ATP nicht allein. Wie die Jerusalem Post am 30. Juli berichtete, „laufen einige der besten Judokas Israels Gefahr, im nächsten Jahr die Weltmeisterschaften in Aserbaidschan zu verpassen, nachdem sie kürzlich auf die Woche von Yom Kippur gelegt wurden“, der am 19. September 2018 sein wird.

Moshe Ponte, der Vorsitzende der israelischen Judo-Vereinigung, wird sich bald mit Marius Vizer, dem Präsidenten des Internationalen Judo-Verbandes, treffen, um darum zu bitten, dass das Datum des Wettkampfes verschoben wird und es ist zu hoffen, dass seiner Anfrage mit der Aufnahmefähigkeit und dem Verständnis begegnet wird, die sie verdient.

„Das ist eine ernste Bedrohung für das israelische Judo,“ sagte Ponte. „Das kann den Athleten, die sich für die Olympischen Spiele qualifizieren wollen, wirklich weh tun und auch ihre Auslosung in Tokio beeinflussen,“ betonte er und fügte hinzu: „Dieses Problem erfordert diplomatisches Eingreifen. Letzten Endes vertreten wir das Land.“

Ponte liegt genau richtig. Das ist nicht eine Frage der religiösen Nötigung, sondern eine des nationalen Stolzes und es ist nun für internationale Sportverbände und Räte an der Zeit, mehr Rücksicht und Respekt für Israel und sein Erbe zu zeigen.

Schließlich haben die Vereinten Nationen im Dezember 2015 formell Yom Kippur als offiziellen Feiertag anerkannt, vor allem dank der Bemühungen des israelischen UN-Botschafters Danny Danon und seiner amerikanischen Kollegen. Es dürfen keine offiziellen UN-Treffen am heiligen Tag stattfinden.

Wenn es gut genug für die UNO ist, dann gibt es keinen Grund, warum das gleiche Prinzip nicht auf internationale Sportwettbewerbe angewendet werden kann.

Es mag trivial erscheinen, aber in der heutigen Welt führen viele Menschen den Begriff „Held“ an, wenn sie sich auf diejenigen beziehen, deren Taten sich in einem Bereich von den anderen abheben.

Obwohl das Schießen eines [Basketball]-Tores sich kaum vergleichen lässt mit der Rettung eines Menschen aus einem brennenden Gebäude, finden sportliche Aktivitäten auf der ganzen Welt Nachhall und haben eine profunde soziale und kulturelle Wirkung.

Und das allein ist Grund genug für Israel, Druck auszuüben, damit bei internationalen Wettbewerben für israelische Athleten keine Spiele an Yom Kippur anberaumt werden.

Denn wie Dudi Sela in der vergangenen Woche auf einem chinesischen Tennisplatz gezeigt hat, ist eine wahre Koryphäe derjenige, der nicht nur weiß, wie er seinen Schläger nutzt, sondern wann er ihn ablegt und erkennt, dass es Werte von größerer Bedeutung gibt, die es wert sind, dass man sie einhält.

(Der Artikel ist auch in der Jerusalem Post  erschienen.)

Rabbi Sacks: Sukkot für unsere Zeit

Im vergangenen Jahr hat Rabbi Sacks einen Shiur (man könnte auch sagen: ein Grundsatzreferat 😉 ) über das Buch Kohelet [Prediger] gehalten, um in das von ihm für Sukkot verfasste Gebetbuch The Koren Sacks Sukkot Mahzor einzuführen.

Mahzor ist ein besonderes Gebet-buch mit den Texten, die jeweils zu den verschie-denen jüdischen Hohen Feiertagen, wie z.B. Pessach, Yom Kippur oder in diesem Fall Sukkot gelesen/gebetet werden und Auslegungen dazu. Jeder Hohe Feiertag hat seinen eigenen Mahzor.

Der von Rabbi Sacks gehaltene Shiur trägt den Titel „Lessons from Kohelet“ [Lehren aus Kohelet]. Er geht auf die anhaltende Bedeutung und Aktualität des Buches Kohelet für uns heute ein, besonders in Hinblick auf die Art und Weise, wie wir im 21. Jahrhundert oft unser Leben gestalten.

Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus dem gesamten Shiur und vermittelt einen Eindruck von genau diesem Wert des Festes.

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Rabbi Sacks, Sukkot For Our Time – Sukkot für unsere Zeit

Übersetzung: faehrtensuche

Von allen Festen ist Sukkot sicherlich dasjenige, das unsere Zeit am stärksten anspricht. Kohelet hätte es geradezu im 21. Jahrhundert schreiben können. Hier ist der ultimative Erfolg, der Mann, der all das hat – die Häuser, die Autos, die Kleidung, die [ihn] verehrenden Frauen, die Bewunderung aller Menschen – der alles verfolgt hat, was die Welt bieten kann, angefangen von Vergnügen über Besitz(tümer) über Macht bis hin zur Weisheit, und dennoch der, indem er die Gesamtheit seines Lebens genau betrachtet, eigentlich nur sagen kann: „Nichtig, nichtig, alles ist nichtig.“

Kohelets Misserfolg, Sinn zu finden, steht in direktem Zusammenhang mit seiner Obsession mit dem „Ich“ und dem „Mich“: „Ich habe für mich gebaut. Ich habe für mich gesammelt. Ich habe für mich erworben.“ Je mehr er seinen Wünschen nachjagt, desto leerer wird sein Leben. Es gibt keine größere Kritik an der Konsumgesellschaft, deren Idol das „Ich“ ist, deren Ikone das „Selfie“ ist und deren Moralkodex „Was auch immer dir dient“ ist. Das ist die Gesellschaft, die einen nie dagewesenen Wohlstand erreicht hat und den Menschen mehr Möglichkeiten gibt als jemals zuvor und doch zur gleichen Zeit einen unerwarteten Anstieg an Alkohol- und Drogenmissbrauch, Essstörungen, stressbedingten Symptomen, Depressionen, versuchten und tatsächlichen Selbstmorden miterlebt hat. Eine Gesellschaft von Touristen – nicht Pilgern – ist nicht eine, die den Sinn für ein lebenswertes Leben liefert. Von allen Dingen, die die Menschen zur Verehrung gewählt haben, ist das Selbst die geringste Erfüllung. Eine Kultur von Narzissmus ebnet schnell den Weg zur Einsamkeit und Verzweiflung.

Kohelet war natürlich auch ein Weltbürger: ein Mann, der überall und daher nirgendwo zu Hause war. Das ist der Mann, der siebenhundert Frauen und dreihundert Konkubinen hatte, aber am Ende nur sagen konnte: „Bitterer als der Tod ist die Frau“. Es sollte jedem, der das im Kontext von Salomos Leben liest, klar sein, dass Kohelet nicht wirklich von Frauen, sondern von sich selbst spricht.

Am Ende findet Kohelet Sinn in einfachen Dingen. Süß ist der Schlaf eines arbeitenden Mannes. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst. Esse, trinke und genieß die Sonne. Das ist letztlich der Sinn von Sukkot als Ganzes. Es ist das Fest der einfachen Dinge. Es ist, jüdisch gesehen, die Zeit, in der wir der Natur näher kommen als in irgendeiner anderen [Zeit]. Wir sitzen in einer Hütte nur mit Blättern als Dach und nehmen die unverarbeiteten Früchte und das Blattwerk der Palmwedel in unsere Hände, die Zitrone, Myrtenzweige und Blätter von Weiden. Es ist eine Zeit, in der wir uns kurz von den anspruchsvollen Freuden der Stadt und den fortgeschrittenen Errungenschaften eines technologischen Zeitalters befreien und einen Teil der Unbefangenheit unserer Kindheit zurückerobern, als die Welt noch die Strahlkraft des Staunens hatte.

Die Kraft von Sukkot liegt darin, dass es uns zurückversetzt zu den elementarsten Wurzeln unseres Seins. Du musst nicht in einem Palast leben, um von Wolken der Herrlichkeit umgeben zu sein. Du musst nicht reich sein, um dir die gleichen Blätter und Früchte zu kaufen, die ein Milliardär benutzt, um G’tt zu loben. Indem du in der Sukkah [Laubhütte] lebst und Gäste zu deinem Essen einlädst, entdeckst du – das ist die Prämisse von Ushpizin, den mystischen Gästen – dass die Menschen, die gekommen sind, um dich zu besuchen, keine anderen sind als Abraham, Isaak und Jakob und ihre Frauen. Was eine Hütte schöner als ein Haus macht ist, dass es – was Sukkot betrifft – keinen Unterschied gibt zwischen dem Reichsten der Reichen und dem Ärmsten der Armen. Wir sind alle Fremdlinge auf Erden, vorübergehende Bewohner in G’ttes nahezu ewigem Universum. Und ob wir zu Vergnügungen fähig sind oder nicht, ob wir Glück gefunden haben oder nicht – können wir alle dennoch Freude spüren.

Sukkot ist die Zeit, in der wir die profundeste Frage stellen, was ein Leben lebenswert macht. Nachdem wir an Rosh Hashanah und Yom Kippur gebetet haben, in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werden, zwingt uns Kohelet, uns daran zu erinnern, wie kurz das Leben tatsächlich ist und wie verwundbar. „Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein Herz von Weisheit bekommen können.“ Was zählt, ist nicht, wie lange wir leben, sondern wie intensiv wir empfinden, dass das Leben ein Geschenk ist, das wir vergelten, indem wir anderen schenken. Freude, das überwältigende Thema dieses Festes, ist das, was wir spüren, wenn wir um das Privileg wissen, einfach zu leben und die mitreißende Schönheit dieses Augenblicks einzuatmen – inmitten der Fülle der Natur, der wimmelnden Vielfalt des Lebens und des Gefühls der Verbundenheit mit so vielen anderen, mit denen wir eine Geschichte und eine Hoffnung teilen.

Am majestätischsten von allem – Sukkot ist das Fest der Unsicherheit. Es ist die freimütige Anerkennung, dass es kein Leben ohne Risiko gibt, doch können wir uns der Zukunft ohne Angst stellen, wenn wir wissen, dass wir nicht allein sind. G’tt ist bei uns, im Regen, der Segen auf die Erde bringt, in der Liebe, die das Universum und uns zum Dasein verholfen hat und in der Widerstandsfähigkeit des Geistes, der es einem kleinen und gefährdeten Volk ermöglicht hat, die größten Reiche, die die Welt je gekannt hat, zu überleben. Sukkot erinnert uns daran, dass G’ttes Herrlichkeit in der kleinen, tragbaren Stiftshütte, die Mose und die Israeliten in der Wüste gebaut haben, präsent war, sogar nachdrücklicher als in Salomos Tempel mit all seiner Pracht. Ein Tempel kann zerstört werden. Aber eine zerbrochene Sukkah kann morgen wieder neu gebaut werden. Sicherheit ist nicht etwas, was wir körperlich erreichen können, sondern etwas, das wir mental, psychisch, spirituell erwerben können. Alles, was es dazu braucht, ist der Mut und der Wille, unter dem Schatten von G’ttes beschützenden Flügeln zu sitzen.

Wer mag, kann sich den Shiur als Video anhören/anschauen! Viel Freude!

Sukkot 2017 steht vor der Tür

Heute Abend beginnt in Israel (und für alle Juden weltweit) Sukkot, das Laubhüttenfest! Es ist eines von drei Wallfahrtsfesten und das fröhlichste Fest im jüdischen Kalender. Geht es nach der Jüdische[n] Allgemeine[n], steht allen, die dieses Fest feiern, eine „Bunte Woche“ bevor. In der Tat bringt Sabine Brandes mit „zehn farbenfrohe[n] Fakten“ zum Ausdruck, was dieses Fest ausmacht.

Was auf keinen Fall fehlen darf, sind die Laubhütten, mit deren Bau gleich nach Yom Kippur begonnen wird, damit bei Beginn von Sukkot alle fertiggestellt sind. Die nachfolgenden Fotos – von mir im letzten Jahr bei Streifzügen durch Jerusalem gemacht – geben einen kleinen Eindruck von den vielfältigen, teilweise noch im Bau befindlichen Laubhütten wieder!

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CHAG SAMEACH! EIN FROHES FEST!

Die PA ist „der größte Feind des palästinensischen Volkes“

UN-Watch, eine 1983 gegründete NGO [Nichtregierungsorganisation] mit Sitz in Genf, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Aktivitäten und Beschlüsse der UNO unter die Lupe zu nehmen und kritisch zu hinterfragen.

Am 25. September 2017 debattierte der UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) einmal mehr über „Die Situation der Menschenrechte in Palästina“. Nachdem die PLO, Syrien, Quatar, Nordkorea, Pakistan, Venezuela und Iran ihre Anklagen gegen Israel vorgebracht hatten – alles Staaten, die bekanntlich in ihren eigenen Ländern alles andere als ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Menschenrechte haben! – wendete sich Mosab Hassan Yousef, ehemaliges Hamasmitglied und Sohn eines Gründungsmitglieds der Hamas, für UN-Watch in einer Rede an den UN-Menschenrechtsrat und bezeichnete die Palästinensische Autonomiebehörde als „den größten Feind des palästinensischen Volkes“. Weiter sagte er, dass – würde Israel nicht existieren – die PA niemanden hätte, dem sie die Schuld in die Schuhe schieben könnte. Er forderte die PA auf, selbst die Verantwortung für die Ergebnisse ihrer Handlungen zu übernehmen.

Hört man sich die ungeheuerlichen, grundlosen Lügen der oben genannten Staaten an, ist es nicht verwunderlich, dass kein Mitglied eines westlichen demokratischen Staates anwesend war. Hätten sie dazu schweigen können?

Was also bringen die einzelnen Staaten vor? Obwohl ich davon ausgehe, dass den meisten die Vorwürfe nicht unbekannt sind, seien sie hier nochmal aufgeführt:

Die PLO: Israel, die Besatzungsmacht, fährt mit seiner kolonialen Politik und seinen täglichen Rechtsverletzungen fort. Es fährt fort zu misshandeln, willkürlich festzunehmen, ethnische Säuberungen durchzuführen, Land und natürliche Ressorcen zu stehlen, Bäume zu entwurzeln, Geld zu stehlen.

Syrien: Israelische Aktivitäen zur Judaisierung Jerusalems, Zerstörung von Häusern, Konfiszierung von Land und Eigentum, Zerstörung natürlicher Ressourcen.

Quatar: Israel begeht rassistische Verstöße.

Nordkorea: Israel begeht weiterhin Menschenrechtsverletzungen in Palästina.

Pakistan: Israel, die Besatzungsmacht, beschleunigt sein Bestreben von Massenkolonisation und fortgesetzter Apartheid. Setzen Sie diesem kolonialistischen Regime ein Ende.(!)

Venezuela: Apartheid, dem palästinensischen Volk zugefügte Gräueltaten und massive Zerstöungen.

Iran: Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ethnische Säuberung, Staatsterror.

Auch wenn man kein Englisch versteht, lohnt sich das Anschauen des nachfolgenden Videos! Wie den Zuhörern bei den Ausführungen Mosad Hassan Yousefs die Gesichtszüge entgleiten, ist einfach „zu köstlich“!

Die deutsche Übersetzung der Rede kann unterhalb des Videos nachgelesen werden!

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Nachdem ihm das Wort erteilt worden ist, beginnt Mosab Hassan Yousef:

Danke, Herr Präsident.

Ich ergreife das Wort im Auftrag von UN-Watch.

Mein Name ist Mosab Hassan Yousef. Ich bin in Ramallah als Mitglied der Hamas aufgewachsen.

Ich richte mein Wort an die palästinensische Autonomiebehörde, die behauptet, die „einzige legitime Vertretung“ des palästinensischen Volkes zu sein.

Ich frage: Woher kommt Ihre Legitimität?

Das palästinensische Volk hat Sie nicht gewählt und hat Sie nicht damit beauftragt, es zu repräsentieren.

In der Tat sind das palästinensische Individuum und seine menschliche Entwicklung Ihr geringstes Anliegen.

Sie entführen palästinensische Studenten vom Campus und foltern sie in Ihren Gefängnissen. Sie foltern Ihre politischen Konkurrenten. Das Leiden des palästinensischen Volkes ist das Ergebnis Ihrer egoistischen politischen Interessen. Sie sind der größte Feind des palästinensischen Volkes.

Würde Israel nicht existieren, hätten Sie keinen, dem Sie die Schuld zuschieben [könnten]. Übernehmen Sie selbst die Verantwortung für die Ergebnisse Ihrer Handlungen.

Sie entfachen die Flammen des Konflikts, um Ihre missbräuchliche Macht aufrechtzuerhalten.

Schließlich benutzen Sie diese Plattform, um die internationale Gemeinschaft zu täuschen und um die palästinensische Gesellschaft zu täuschen, um ihnen Glauben zu machen, dass Israel für die von Ihnen selbst geschaffenen Probleme verantwortlich ist.

Vielen Dank!

Übersetzung und Hervorhebung: faehrtensuche


Nachtrag:

Gerade habe ich entdeckt, dass sich auch „Schreibschaukel“ mit dem Thema befasst hat. 🙂 Sie schlägt einen wunderbaren Bogen vom heute Abend beginnenden Jüdischen Feiertag Yom Kippur zum Israel-Bashing bzw. der Rede von Mosab Hassan Yousef! Unbedingt lesenswert!


Lese-Empfehlung: Die Obsession der UNO gegen Israel