Shavuot

  • beginnt an diesem Abend (19. Mai) mit Sonnenuntergang und endet am Abend des 21. Mai.

  • folgt im Anschluss an den heutigen Shabbat. Deswegen sei auch dieser „am Rande“ besonders hervorgehoben. Die Frage, die sich heute stellt, ist die, warum das Volk Israel die Tora ausgerechnet in der Wüste erhielt. Rabbiner Salomon Almekias-Siegl gibt Antwort.

  • ist kein jüdisches Pfingsten, wie Günther B. Ginzel in seinem Beitrag in der Jüdischen Allgemeinen darstellt (auch dann nicht, wenn Shavuot und Pfingsten wie in diesem Jahr auf ein Datum fallen!)! Ups!

  • ist eines der drei im Judentum gefeierten Wallfahrtsfeste oder Pilgerfeste. Wer kennt die die beiden anderen? (Nachschauen?)

  • ist ein religiöses Fest. Viele Menschen bleiben die ganze Nacht wach und lesen die Thora. Bei den Lesungen darf das Buch Ruth nicht vergessen werden. Hier findet sich das ganze Buch Ruth in „bildlicher Sprache“!

  • ist die Gelegenheit, möglichst viele milchige Speisen zu sich zu nehmen. Eine Möglichkeit wäre z.B. ein leckerer Käsekuchen (mit Schokolade! 🙂 ) nach einem Rezept von Tom Franz! (Abschweifung: Anlässlich des 70. Geburtstags von Israel war Tom zu Gast bei zibb.)

  • darf man auch singen und tanzen! Beispiel gefällig? Findet sich weiter unten! Immer wieder „schön“! 🙂

  • Für die, die dem Jazz besonders verbunden sind, können sich in „Musikalische Traktoristen“ einige Anregungen holen, was an Shavuot „alles auf dem Plattenteller liegt“.

  • Zum Abschluss noch Nachrichten in Kürze: Kurz gemeldet!

CHAG SAMEACH! EIN FROHES FEST!

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Israel gedenkt

… seiner gefallenen Soldaten und Opfer von Terrorismus.

Im Newsletter der Botschaft des Staates Israel heißt es dazu:

Am Dienstagabend [17.04.2018] und Mittwoch, einen Tag vor dem Unabhängigkeitstag, wird der Gedenktag für die Gefallenen der Kriege Israels begangen, an dem der gefallenen Angehörigen der Sicherheitskräfte, der Terroropfer und der Versehrten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) gedacht wird.

Die Zählung der Toten beginnt mit dem Jahr 1860. Dies ist das Jahr, das den Beginn der Siedlung von Juden außerhalb der historischen Stadtmauern Jerusalems markiert.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Gefallenen von ZAHAL um 101 gewachsen. Seit Beginn der Staatsgründung sind 3.134 Zivilisten bei Terroranschlägen getötet worden, davon 12 im vergangenen Jahr. Die Zahl Opfer insgesamt beträgt damit 23.645 Menschen.

Der Gedenktag beginnt mit einer Schweigeminute um acht Uhr abends. Die zentrale Gedenkfeier findet am Abend an der Klagemauer in Jerusalem statt. Daran nehmen traditionell unter anderem der Staatspräsident, der Generalstabschef und Angehörige der Opferfamilien teil. Am nächsten Tag um elf Uhr vormittags werden bei Sirenenton zwei Schweigeminuten abgehalten. Im Anschluss daran finden auf den Militärfriedhöfen in ganz Israel Gedenkzeremonien statt, die zentrale Zeremonie hier ist diejenige auf dem Herzl-Berg.

***

Noch ein Hinweis: Lila hat vor einigen Jahren Lieder zusammengestellt, die diesen Tag begleiten. Wer daran interessiert ist, mag hier schauen (und hören)!

Warum ich ein Jude bin

von  Rabbi Jonathan Sacks

Die bedeutendste Frage, die wir uns stellen können, lautet: Wer bin ich?

Um diese Frage beantworten zu können, reicht es nicht, sich einfach zu fragen: „Wo wohne ich?“ Oder: „Was mache ich?“ Der schicksalhafteste Augenblick meines Lebens war, als ich mir selbst genau diese Frage stellte und wusste, dass die Antwort nur lauten kann: Ich bin ein Jude – aus diesen Gründen:

Ich bin ein Jude, nicht, weil ich glaube, dass das Judentum alle Aspekte der Geschichte der Menschheit umfasst. Ich bewundere auch andere Traditionen und ihren Beitrag in der Welt.

Ich bin auch nicht Jude, weil es Antisemitismus und Antizionismus gibt. Das, was mir widerfährt, macht mich nicht zu dem, der ich bin: Wir sind ein Volk des Glaubens und nicht des Schicksals.

Ich bin es auch nicht, weil ich denke, dass Juden besser, intelligenter, kreativer, großzügiger oder erfolgreicher sind als andere Menschen. Es sind nicht die Juden, die anders sind, sondern das Judentum ist es. Es geht nicht so sehr darum, was wir sind, sondern vielmehr darum, wozu wir berufen sind.

Ich bin ein Jude, weil ich als Kind meines Volkes den Ruf vernommen habe, mein eigenes Kapitel zu seiner noch unvollendeten Geschichte beizutragen. Ich selbst bin ein Teil seiner Reise und ein Bindeglied zwischen den Generationen. Die Träume und Hoffnungen meiner Vorfahren leben in mir weiter und ich bewahre ihr Vertrauen und ihre Zuversicht in der Gegenwart und für die Zukunft.

Ich bin ein Jude, weil es unsere Vorfahren waren, die erkannt haben, dass die Welt durch eine moralische Bestimmung angetrieben wird und dass die Wirklichkeit weder ein unentwegter Krieg der Elemente ist, die es zu vergöttlichen gilt, noch dass Geschichte ein Kampf ist, in dem Gewalt rechtens ist und der Macht einfach nur gefolgt werden muss. Die jüdische Tradition hat die Sitten und Werte der westlichen Zivilisation geprägt, indem sie als erste gelehrt hat, dass ein Menschenleben heilig ist, dass ein Einzelner niemals zugunsten der Masse geopfert werden sollte und dass vor G’tt alle Menschen gleich sind – arm und reich, groß und klein.

Ich bin ein Jude, weil ich ein Erbe eben jener bin, die am Fuße des Berges Sinai standen und sich verpflichtet haben, ihr Leben für alle Zeit nach diesen moralischen Wahrheiten zu führen. Ich bin ein Nachkomme unzähliger vorheriger Generationen, die trotz schwerster Prüfungen und Widerstände ihrem Bund mit G’tt treu geblieben sind, auch wenn eine Abkehr mitunter so viel leichter gewesen wäre.

Ich bin ein Jude, weil es den Schabbat gibt, die bedeutendste religiöse Institution, eine Zeit, in der es weder eine Beeinflussung der Natur noch unserer Mitmenschen geben soll und in der wir in jeder Woche auf’s Neue in Frieden und Gleichberechtigung zusammenkommen und eine Form der Vorfreude auf das messianische Zeitalter entstehen lassen.

Ich bin ein Jude, weil unser Volk selbst in Zeiten größter Not niemals aufgehört hat, die Armen mit Hingabe zu unterstützen, Juden aus anderen Ländern zu retten und für das Recht der Unterdrückten zu kämpfen – und dies taten wir nicht aus Selbstgefälligkeit, sondern weil es eine Mitzwa ist und das Mindeste, was man als Jude tun kann.

Ich bin ein Jude, weil ich die Tora liebe und an ihr festhalte, in dem Wissen, dass G’tt nicht nur in den Naturkräften zu finden ist, sondern auch in Form von Moral und Normen, in Worten, Texten, Lehren und Geboten, und ich bin es, weil Juden, selbst wenn sie alles andere entbehren mussten, niemals aufgehört haben, dem einzelnen Menschen Würde und Tiefe zu verleihen und Bildung als eine heilige Pflicht anzusehen.

Ich bin ein Jude aufgrund des glühenden Glaubens unseres Volkes an die Freiheit. Unsere einzigartige menschliche Würde besteht darin, dass ein jeder von uns ein Mittler der Moral ist.

Und ich bin es, weil die Ideale des Judentums nie einfach nur ein erhabenes Streben waren, sondern vielmehr in Taten und Methode verwandelt wurden, die wir Mitzwot bzw. Halacha nennen und auf diese Weise der Himmel zur Erde gebracht wurde.

Ich bin ganz einfach stolz, ein Jude zu sein.

Ich bin stolz, Teil eines Volkes zu sein, das trotz aller Narben und Verletzungen niemals seinen Glauben sowie seinen Humor und seine Fähigkeit verloren hat, über bestehende Schwierigkeiten zu lachen und dabei weiterhin an die Erlösung glaubt – ein Volk, das menschliche Geschichte als eine Reise erlebt und niemals aufgehört hat, sich zu bewegen und zu suchen.

Ich bin stolz, Teil einer Epoche zu sein, während derer mein Volk auf besondere Weise auf das schlimmste Verbrechen, das jemals gegen Menschen verübt wurde, reagiert hat, indem es ein Land wiederbelebt, seine Souveränität zurückgewonnen, Juden in Gefahr aus aller Welt gerettet und Jerusalem wiederaufgebaut hat. Es hat bewiesen, dass es dabei sowohl beherzt nach Frieden streben kann als sich auch im Kriegsfall zu verteidigen weiß.

Ich bin stolz, dass meine Vorfahren sich nicht mit verfrühtem Trost zufriedengeben wollten und auf die Frage, ob der Messias schon gekommen sei, stets erwiderten: „Noch nicht!“

Ich bin stolz, zum Volk Israel zu gehören, dessen Name so viel bedeutet wie „der mit G’tt und Mensch ringt und obsiegt.“ Denn obwohl wir die Menschheit lieben, haben wir nie aufgehört, zugleich mit ihr zu ringen und die Abgötter aller Zeiten in Frage zu stellen. Auch wenn wir G’tt stets in ewiger Liebe verehrt haben, so haben wir doch nie aufgehört, mit ihm zu ringen – noch er mit uns. Ich bewundere andere Kulturen und Traditionen und glaube, dass eine jede einen besonderen Anteil an dieser Welt hat. Aval zeh shelanu – aber dies ist unserer.  Dies ist mein Volk, mein Erbe, mein Glaube. In unserer Einzigartigkeit liegt unsere Universalität. Indem wir sind, was wir allein sind, leisten wir unseren Beitrag für die Menschheit.

Dies ist unsere Geschichte, unser Geschenk an die nächste Generation. Ich habe es von meinen Eltern erhalten und sie erhielten es von den ihren, seit langer Zeit und über weite Entfernungen hinweg. Es gibt nichts Vergleichbares. Dies hat die moralische Vorstellungskraft der Menschheit verändert und fordert sie noch immer heraus. Ich möchte den Juden auf der ganzen Welt sagen: Nehmt es an, haltet es in Ehren, lernt es zu verstehen und zu lieben. Tragt es und es wird euch tragen. Auf dass ihr es an zukünftige Generationen weitergeben möget, denn ihr seid Teil eines ewigen Volkes – ein Zeichen in seiner Schriftrolle.  Lasst seine Ewigkeit in euch weiterleben!

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Das Video zum Nachhören auf YouTube hier!

Eine erfrischende Dosis nationaler Größe

Die Tennis-Interessierten werden ihn vielleicht kennen bzw. von ihm gehört haben – Dudi Sela. Dudi Sela ist ein israelischer Tennisspieler und einer der Teilnehmer des professionellen Herrenturniers, das vom 25. September bis zum 1. Oktober 2017 in Shenzhen, China ausgetragen wurde. Dieses Turnier war eines der insgesamt 63 angesetzten Wettkämpfe der ATP World Tour 2017, die auf insgesamt sechs Kontinenten ausgetragen wurden/werden. Der auf „spox.com“ über dieses Turnier berichtende Sportreporter Jens Huber gibt dort seine Einschätzung wieder, dass Dudi Sela der Religon „den Vortritt vor seinen sportlichen Ambitionen“ gebe, er spricht sogar von einem „Mann strenger religiöser Prinzipien.“ Ich halte es eher für „eine erfrischende Dosis nationaler Größe“, wie es auch Michael Freund in dem unteren Artikel zum Ausdruck bringt, den ich übersetzt habe und der selbsterklärend ist, wie ich finde.

Originalartikel: Michael Freund, Israel’s Sandy Koufax, 5. Oktober 2017

Übersetzung: faehrtensuche

Am vergangenen Freitagnachmittag [29.09.2017], als sich Millionen Juden weltweit für den Beginn von Yom Kippur vorbereiteten, befand sich der israelische Tennisstar Dudi Sela auf einem Spielfeld in Shenzhen, China, und lag in der Mitte eines kritischen Spiels gegen seinen Kontrahenten in Führung.

Nach einer neunmonatigen Durststrecke hatte es Sela endlich bis ins Viertelfinale eines Turniers der Association of Tennis Professionals [Vereinigung der professionellen männlichen Tennisspieler] (ATP) geschafft und damit nicht nur ein größeres Prestige erhalten, sondern – sollte er weiterkommen – auch die Hoffnung auf größere Prämien.

Aber als die Zeiger der Uhr voranschritten und die Sonne unterzugehen begann, machte Sela etwas, dass nur als wahrhaft bemerkenswert bezeichnet werden kann.

In einem beispiellosen Schritt legte er seinen Tennisschläger nieder und erklärte, er hätte den Wettkampf verloren und entfernte sich tatsächlich von dem Wettbewerb.

Es war weder Erschöpfung noch Trägheit, die hinter seiner Entscheidung lag, sondern etwas viel Edleres. Als Vertreter Israels, dem jüdischen Staat, entschloss sich Sela, nicht am heiligsten Tag des jüdischen Kalenders zu spielen.

Durch diesen einfachen, zugleich sicherlich diffizilen Akt, hat Sela seinen Namen in den Pantheon der wahren jüdischen Sporthelden geätzt und wurde in der Tat die israelische Version von Sandy Koufax, dem großen, feurig werfenden Baseball-Pitcher, der sich weigerte, im Spiel 1 der World Series von 1965 zu spielen, weil es mit Yom Kippur zusammenfiel.

Wie Koufax soll Sela nicht sonderlich [religiös] praktizierend sein, aber er besitzt etwas, das ihn besonders macht und das ist ein gesunder Sinn für jüdischen Stolz.

„Dudi ist kein religiöser Mann und er fastet normalerweise nicht zu Yom Kippur“, sagte sein Bruder Ofer und fügte hinzu: „Zum ersten Mal in seiner Karriere war er gezwungen, diese qualvolle Entscheidung zu treffen, die sein ATP-Ranking beeinflusst und ihn Zehntausende an Dollars kostet.“

Als er bemerkte, dass niemand seinen Bruder genötigt hatte, nicht zu spielen, sagte Ofer: „Er tat es nur, weil er Yom Kippur und das Land, das er vertritt, respektiert.“ Was für eine erfrischende Dosis nationaler Würde! Sicher ist Sela nicht der erste prominente israelische Sportler, der sich weigert, am Versöhnungstag [Day of Atonement] zu erscheinen.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul, Südkorea, gab die israelische Fechtmannschaft ihre Chance auf, eine Medaille zu holen und blieb zu Hause, weil es bedeutet hätte, an Yom Kippur anzutreten.

Ebenso entschloss sich Avram Grant, Manager der britischen Soccer-Mannschaft West Ham United, im Jahr 2010, zusammen mit einem der Abwehrspieler seiner Mannschaft, Tal Ben-Haim, bei einem Ligaspiel zu fehlen, weil es auf den heiligen Tag fiel.

Und im Jahr 2013 wurde das israelische Davis-Cup-Team mit einer Strafe von 10.000 Euro belegt, weil es sich weigerte zu spielen.

Aber was Selas Handlung so bemerkenswert macht, ist, dass er mitten im Spiel ausstieg, als sein Adrenalin rauschte und, wie jeder gute Sportler, wahrscheinlich zuversichtlich war, dass der Sieg in der Luft lag. Und dafür verdient er unsere Bewunderung und Unterstützung.

In Wahrheit aber hätte es niemals dazu kommen dürfen.

Die Tatsache, dass die ATP nicht die Weitsicht hatte, den heiligsten Tag des jüdischen Kalenders bei der ursprünglichen Planung des Turniers zu berücksichtigen, ist bedauerlich, doch vielleicht verständlich. Aber ihr Mangel an Sensibilität bei der Weigerung, den Zeitpunkt von Selas Spiel zu verschieben, als sie von dem Konflikt erfuhren, ist einfach respektlos und beschämend.

In dieser Hinsicht ist die ATP nicht allein. Wie die Jerusalem Post am 30. Juli berichtete, „laufen einige der besten Judokas Israels Gefahr, im nächsten Jahr die Weltmeisterschaften in Aserbaidschan zu verpassen, nachdem sie kürzlich auf die Woche von Yom Kippur gelegt wurden“, der am 19. September 2018 sein wird.

Moshe Ponte, der Vorsitzende der israelischen Judo-Vereinigung, wird sich bald mit Marius Vizer, dem Präsidenten des Internationalen Judo-Verbandes, treffen, um darum zu bitten, dass das Datum des Wettkampfes verschoben wird und es ist zu hoffen, dass seiner Anfrage mit der Aufnahmefähigkeit und dem Verständnis begegnet wird, die sie verdient.

„Das ist eine ernste Bedrohung für das israelische Judo,“ sagte Ponte. „Das kann den Athleten, die sich für die Olympischen Spiele qualifizieren wollen, wirklich weh tun und auch ihre Auslosung in Tokio beeinflussen,“ betonte er und fügte hinzu: „Dieses Problem erfordert diplomatisches Eingreifen. Letzten Endes vertreten wir das Land.“

Ponte liegt genau richtig. Das ist nicht eine Frage der religiösen Nötigung, sondern eine des nationalen Stolzes und es ist nun für internationale Sportverbände und Räte an der Zeit, mehr Rücksicht und Respekt für Israel und sein Erbe zu zeigen.

Schließlich haben die Vereinten Nationen im Dezember 2015 formell Yom Kippur als offiziellen Feiertag anerkannt, vor allem dank der Bemühungen des israelischen UN-Botschafters Danny Danon und seiner amerikanischen Kollegen. Es dürfen keine offiziellen UN-Treffen am heiligen Tag stattfinden.

Wenn es gut genug für die UNO ist, dann gibt es keinen Grund, warum das gleiche Prinzip nicht auf internationale Sportwettbewerbe angewendet werden kann.

Es mag trivial erscheinen, aber in der heutigen Welt führen viele Menschen den Begriff „Held“ an, wenn sie sich auf diejenigen beziehen, deren Taten sich in einem Bereich von den anderen abheben.

Obwohl das Schießen eines [Basketball]-Tores sich kaum vergleichen lässt mit der Rettung eines Menschen aus einem brennenden Gebäude, finden sportliche Aktivitäten auf der ganzen Welt Nachhall und haben eine profunde soziale und kulturelle Wirkung.

Und das allein ist Grund genug für Israel, Druck auszuüben, damit bei internationalen Wettbewerben für israelische Athleten keine Spiele an Yom Kippur anberaumt werden.

Denn wie Dudi Sela in der vergangenen Woche auf einem chinesischen Tennisplatz gezeigt hat, ist eine wahre Koryphäe derjenige, der nicht nur weiß, wie er seinen Schläger nutzt, sondern wann er ihn ablegt und erkennt, dass es Werte von größerer Bedeutung gibt, die es wert sind, dass man sie einhält.

(Der Artikel ist auch in der Jerusalem Post  erschienen.)

Rabbi Sacks: Sukkot für unsere Zeit

Im vergangenen Jahr hat Rabbi Sacks einen Shiur (man könnte auch sagen: ein Grundsatzreferat 😉 ) über das Buch Kohelet [Prediger] gehalten, um in das von ihm für Sukkot verfasste Gebetbuch The Koren Sacks Sukkot Mahzor einzuführen.

Mahzor ist ein besonderes Gebet-buch mit den Texten, die jeweils zu den verschie-denen jüdischen Hohen Feiertagen, wie z.B. Pessach, Yom Kippur oder in diesem Fall Sukkot gelesen/gebetet werden und Auslegungen dazu. Jeder Hohe Feiertag hat seinen eigenen Mahzor.

Der von Rabbi Sacks gehaltene Shiur trägt den Titel „Lessons from Kohelet“ [Lehren aus Kohelet]. Er geht auf die anhaltende Bedeutung und Aktualität des Buches Kohelet für uns heute ein, besonders in Hinblick auf die Art und Weise, wie wir im 21. Jahrhundert oft unser Leben gestalten.

Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus dem gesamten Shiur und vermittelt einen Eindruck von genau diesem Wert des Festes.

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Rabbi Sacks, Sukkot For Our Time – Sukkot für unsere Zeit

Übersetzung: faehrtensuche

Von allen Festen ist Sukkot sicherlich dasjenige, das unsere Zeit am stärksten anspricht. Kohelet hätte es geradezu im 21. Jahrhundert schreiben können. Hier ist der ultimative Erfolg, der Mann, der all das hat – die Häuser, die Autos, die Kleidung, die [ihn] verehrenden Frauen, die Bewunderung aller Menschen – der alles verfolgt hat, was die Welt bieten kann, angefangen von Vergnügen über Besitz(tümer) über Macht bis hin zur Weisheit, und dennoch der, indem er die Gesamtheit seines Lebens genau betrachtet, eigentlich nur sagen kann: „Nichtig, nichtig, alles ist nichtig.“

Kohelets Misserfolg, Sinn zu finden, steht in direktem Zusammenhang mit seiner Obsession mit dem „Ich“ und dem „Mich“: „Ich habe für mich gebaut. Ich habe für mich gesammelt. Ich habe für mich erworben.“ Je mehr er seinen Wünschen nachjagt, desto leerer wird sein Leben. Es gibt keine größere Kritik an der Konsumgesellschaft, deren Idol das „Ich“ ist, deren Ikone das „Selfie“ ist und deren Moralkodex „Was auch immer dir dient“ ist. Das ist die Gesellschaft, die einen nie dagewesenen Wohlstand erreicht hat und den Menschen mehr Möglichkeiten gibt als jemals zuvor und doch zur gleichen Zeit einen unerwarteten Anstieg an Alkohol- und Drogenmissbrauch, Essstörungen, stressbedingten Symptomen, Depressionen, versuchten und tatsächlichen Selbstmorden miterlebt hat. Eine Gesellschaft von Touristen – nicht Pilgern – ist nicht eine, die den Sinn für ein lebenswertes Leben liefert. Von allen Dingen, die die Menschen zur Verehrung gewählt haben, ist das Selbst die geringste Erfüllung. Eine Kultur von Narzissmus ebnet schnell den Weg zur Einsamkeit und Verzweiflung.

Kohelet war natürlich auch ein Weltbürger: ein Mann, der überall und daher nirgendwo zu Hause war. Das ist der Mann, der siebenhundert Frauen und dreihundert Konkubinen hatte, aber am Ende nur sagen konnte: „Bitterer als der Tod ist die Frau“. Es sollte jedem, der das im Kontext von Salomos Leben liest, klar sein, dass Kohelet nicht wirklich von Frauen, sondern von sich selbst spricht.

Am Ende findet Kohelet Sinn in einfachen Dingen. Süß ist der Schlaf eines arbeitenden Mannes. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst. Esse, trinke und genieß die Sonne. Das ist letztlich der Sinn von Sukkot als Ganzes. Es ist das Fest der einfachen Dinge. Es ist, jüdisch gesehen, die Zeit, in der wir der Natur näher kommen als in irgendeiner anderen [Zeit]. Wir sitzen in einer Hütte nur mit Blättern als Dach und nehmen die unverarbeiteten Früchte und das Blattwerk der Palmwedel in unsere Hände, die Zitrone, Myrtenzweige und Blätter von Weiden. Es ist eine Zeit, in der wir uns kurz von den anspruchsvollen Freuden der Stadt und den fortgeschrittenen Errungenschaften eines technologischen Zeitalters befreien und einen Teil der Unbefangenheit unserer Kindheit zurückerobern, als die Welt noch die Strahlkraft des Staunens hatte.

Die Kraft von Sukkot liegt darin, dass es uns zurückversetzt zu den elementarsten Wurzeln unseres Seins. Du musst nicht in einem Palast leben, um von Wolken der Herrlichkeit umgeben zu sein. Du musst nicht reich sein, um dir die gleichen Blätter und Früchte zu kaufen, die ein Milliardär benutzt, um G’tt zu loben. Indem du in der Sukkah [Laubhütte] lebst und Gäste zu deinem Essen einlädst, entdeckst du – das ist die Prämisse von Ushpizin, den mystischen Gästen – dass die Menschen, die gekommen sind, um dich zu besuchen, keine anderen sind als Abraham, Isaak und Jakob und ihre Frauen. Was eine Hütte schöner als ein Haus macht ist, dass es – was Sukkot betrifft – keinen Unterschied gibt zwischen dem Reichsten der Reichen und dem Ärmsten der Armen. Wir sind alle Fremdlinge auf Erden, vorübergehende Bewohner in G’ttes nahezu ewigem Universum. Und ob wir zu Vergnügungen fähig sind oder nicht, ob wir Glück gefunden haben oder nicht – können wir alle dennoch Freude spüren.

Sukkot ist die Zeit, in der wir die profundeste Frage stellen, was ein Leben lebenswert macht. Nachdem wir an Rosh Hashanah und Yom Kippur gebetet haben, in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werden, zwingt uns Kohelet, uns daran zu erinnern, wie kurz das Leben tatsächlich ist und wie verwundbar. „Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein Herz von Weisheit bekommen können.“ Was zählt, ist nicht, wie lange wir leben, sondern wie intensiv wir empfinden, dass das Leben ein Geschenk ist, das wir vergelten, indem wir anderen schenken. Freude, das überwältigende Thema dieses Festes, ist das, was wir spüren, wenn wir um das Privileg wissen, einfach zu leben und die mitreißende Schönheit dieses Augenblicks einzuatmen – inmitten der Fülle der Natur, der wimmelnden Vielfalt des Lebens und des Gefühls der Verbundenheit mit so vielen anderen, mit denen wir eine Geschichte und eine Hoffnung teilen.

Am majestätischsten von allem – Sukkot ist das Fest der Unsicherheit. Es ist die freimütige Anerkennung, dass es kein Leben ohne Risiko gibt, doch können wir uns der Zukunft ohne Angst stellen, wenn wir wissen, dass wir nicht allein sind. G’tt ist bei uns, im Regen, der Segen auf die Erde bringt, in der Liebe, die das Universum und uns zum Dasein verholfen hat und in der Widerstandsfähigkeit des Geistes, der es einem kleinen und gefährdeten Volk ermöglicht hat, die größten Reiche, die die Welt je gekannt hat, zu überleben. Sukkot erinnert uns daran, dass G’ttes Herrlichkeit in der kleinen, tragbaren Stiftshütte, die Mose und die Israeliten in der Wüste gebaut haben, präsent war, sogar nachdrücklicher als in Salomos Tempel mit all seiner Pracht. Ein Tempel kann zerstört werden. Aber eine zerbrochene Sukkah kann morgen wieder neu gebaut werden. Sicherheit ist nicht etwas, was wir körperlich erreichen können, sondern etwas, das wir mental, psychisch, spirituell erwerben können. Alles, was es dazu braucht, ist der Mut und der Wille, unter dem Schatten von G’ttes beschützenden Flügeln zu sitzen.

Wer mag, kann sich den Shiur als Video anhören/anschauen! Viel Freude!