Killer-Drohnen

Pressemitteilung der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, 24.8.19 / Amt des Premierministers, 25.8.2019:

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte haben Samstagabend (24.8.) einen bevorstehenden umfangreichen Angriff mit mehreren mit Sprengstoff beladenen Killer-Drohnen auf Israel durch Angriffe auf Kräfte der iranischen Quds-Einheit und Ziele schiitischer Milizen in Syrien verhindert.

Kampfflugzeuge der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte griffen dazu präventiv eine Reihe von Zielen in Aqraba, Syrien, südöstlich von Damaskus an, wo Kräfte der iranischen Quds-Einheit und schiitischer Milizen in den letzten Tagen einen umfangreichen Angriff auf Israel planten.

„‚Wenn jemand kommt, um dich zu töten, töte ihn zuerst.‘ In einer komplizierten Operation des Sicherheitsapparats haben wir aufgedeckt, dass Irans Quds-Einheit eine Sondereinheit schiitischer Milizen nach Syrien entsandt hat, um Israelis auf den Golanhöhen mit mit Sprengstoff beladenen Drohnen zu töten. Ich möchte betonen: Dies war eine Operation des Iran, unter der Führung des Iran, auf Geheiß des Iran. Mit einer mutigen Entscheidung und der makellosen operativen und nachrichtendienstlichen Leistung der Armee sind wir ihnen zuvorgekommen und haben diesen Angriff vereitelt; wir haben schwerwiegende Angriffe verhindert. Wir werden ab jetzt jeden Versuch des Iran, uns anzugreifen, aufdecken sowie jeden Versuch iranischer Offizieller, sich hinter dieser oder jener Ausrede zu verstecken. Ich möchte betonen, dass wir keinerlei Aggression gegen Israel von keinem Land der Region tolerieren werden. Jedes Land, das es zulässt, dass sein Gebiet für Aggressionen gegen Israel genutzt wird, wird die Konsequenzen tragen. Ich wiederhole: Das Land wird die Konsequenzen tragen.“

Die folgende Aufnahme zeigt Kräfte der iranischen Quds-Einheit in Syrien mit einer Killer-Drohne, die für einen Angriff gegen Israel verwendet werden sollte. Die israeliche Armee konnte den Angriff verhindern.

Lila in: Sderot Live:

Wir wissen nicht, wie es weitergeht, das weiß man ja nie. Ich habe mir abgewöhnt, deutsche Medien zu konsumieren, seit der letzten Hetzgeschichte des Spiegel Online gegen Israel habe ich mein Bookmark gelöscht und klicke keine Links mehr an. Das will ich mir einfach nicht antun. Aber bei der Tagesschau gucke ich noch auf die Homepage – dort stehen zwei Artikel, die Israel eindeutig als Aggressor darstellen.

Überschriften:

Israelische Kampfflugzeuge – Palästinenserposten im Libanon attackiert

und

Israel greift Syrien an – Bombardements gegen „Killerdrohnen“

Der Iran und die Hisbollah werden nicht erwähnt, mMn mit gutem Grund. Schließlich sind deutsche Medien außerstande, Israel anders als durch die palästinensische Linse zu sehen. Und in dem Konflikt sind die Rollen schon vergeben: Israel der böse Aggressor, Palästinenser arme Häschen. „Killerdrohnen“ klingt wie eine lächerliche Übertreibung, aber wie soll man eine Drohne anders nennen, die mit Sprengstoff über zivile Ziele geschickt wird? Meinetwegen Kampfdrohne. Die Anführungszeichen jedenfalls ziehen das ganze Szenario ins Lächerliche.

Israel greift an – grundlos. Und das ist der Eindruck, den deutsche Medien, wie ihr wißt, euch seit Jahren und Jahrzehnten vermitteln wollen.

Den ganzen Artikel lesen!

ZDF-Berichterstattung über den Krieg in Gaza

AKTUELLE  MELDUNGEN aus Israel, 5. Mai 2019:

Thomas Heck schreibt in seinem ArtikelEine Meldung im ZDF über den Krieg in Gaza. Eine Analyse“ vom 5.05.2019:

„Während im Nahen Osten wieder eine offener Krieg tobt, der wie immer mit Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen seinen Ursprung hatte, auf den Israel natürlich reagieren muss, um seine Bevölkerung zu schützen, läuft an der Medienfront der Krieg der Bilder und Worte. Dabei sind ARD und ZDF ganz vorne mit dabei und machen mit Worten und Bildern Meinung und Stimmung gegen Israel, manchmal so subtil, dass es kaum auffällt. Über die sonstigen Israelhasser bei FAZ, SPIEGEL oder Frankfurter Rundschau wollen uns erst gar nicht einlassen.

Der Nahost-Korrespondent Ulrich W. Sahm hat anhand einer Meldung des ZDF diese Satz für Satz analysiert. Was ZDF für Nachrichten hält, entpuppt sich aber letztlich als ziemlich billiges Propaganda-Machwerk: …“   Weiter …

Deutschland als Bewährungshelfer für Israel

„Gestern verabschiedete das israelische Parlament ein Gesetz über den Nationalcharakter Israels. Es legt Name, Fahne, Hymne, Hauptstadt, Amtssprache, Gedenktage und das Einwanderungsrecht von Juden nach Israel fest, es definiert außerdem jüdische Siedlungen als „nationalen Wert“. Das meiste davon steht so ähnlich auch in den Verfassungen der meisten anderen Staaten.

Aber wie praktisch alles, was in Israel geschieht – Forschung, Kultur und Alltagsleben einmal ausgenommen – findet auch dieser Knessetbeschluss einen außerordentlich umfangreichen Niederschlag in der deutschen Qualitätspresse.

Allein schon die Tatsache, dass ein Parlament den Charakter eines Landes erhalten will – in diesem Fall: als jüdischen Staat, den einzigen weltweit – führt in Deutschland zu einer schweren publizistischen Erregung. Bekanntlich ist die Bundesrepublik, vertreten durch seine Medien, vom Weltgeist zum Bewährungshelfer für Israel bestellt worden. Und diese Rolle füllen Journalisten und Journalistinnen mit Eifer und einem Einsatz von Sendezeit und Zeitungsspalten aus, wie ihn deutsche Mediennutzer sonst nur von der Dauerkommentierung der Trump-Politik kennen.“

Alexander Wendt, Unerhört: Juden definieren Israel als jüdisch, 20.07.2018

Warum die Medien den Nahen Osten nie richtig verstehen

Am 24. Oktober 1993 veranstaltete das Commitee für Accuracy in Middle East Reporting in Amerika (CAMERA) [Deutsch: Komitee für korrekte Berichterstattung über den Nahen Osten in Amerika (CAMERA)] eine Konferenz an der Brandeis University mit dem Titel: „The Media, the Message, and Middle East Peace“ („Die Medien, die Nachrichten und der Frieden im Nahen Osten.“) Unter den Rednern der Konferenz war auch Charles Krauthammer, ein jüdisch-amerikanischer Publizist, der 1987 für seine Kolumnen in der Washington Post den Pulitzer-Preis erhielt.

Charles Krauthammer starb am 21. Juni 2018 an einem Krebsleiden. Er wurde 68 Jahre alt.

Um Charles Krauthammers Andenken zu ehren, veröffentlichte CAMERA seine auf oben genannter Konferenz gehaltene Rede „Why the Media Never Gets the Middle East Right“, „Warum die Medien den Nahen Osten nie richtig verstehen“ am 28. Juni 2018 neu.

Wer sich mit dem Text befasst, wird erkennen, wie trefflich die Analyse von Charles Krauthammer ist. Die Rede, 1993 gehalten, ist in vielerlei Hinsicht immer noch aktuell.

Hier also der Artikel, in deutscher Übersetzung von faehrtensuche.

Charles Krauthammer, Why the Media Never Gets the Middle East Right

Warum die Medien den Nahen Osten nie richtig verstehen

Lassen Sie mich mit den guten Nachrichten beginnen. Ich habe eine Karikatur mitgebracht, die am 31. Juli in einer großen Zeitung abgebildet war. Sie zeigt eine Reihe von Menschen, unter ihnen auch einige Kinder. Bomben explodieren über ihren Köpfen und sie rennen um ihr Leben. Warum? Sie werden von einer großen Kreatur, einem Tyrannosaurus Rex, gejagt. Aber kein gewöhnlicher T.Rex. Dieser trägt einen Armeestahlhelm mit einem darauf abgebildeten Davidstern. Das ist eine Karikatur über den Südlibanon. Die Bildunterschrift lautet: „Sechzig Millionen in der Herstellung, eine Woche in der Zerstörung. Jewrassic Park, alias Südlibanon.“ Jurassic ist Jew-rassic geschrieben.

Warum sind das gute Nachrichten? Weil sie in der Irish Times erschienen. Es ist weniger leicht, so etwas in diesem Land zu finden. So voreingenommen, unfreundlich und unangemessen die amerikanische Medienberichterstattung über den Nahen Osten auch sein mag, sie kann dem Rest der Welt und insbesondere Europa nicht das Wasser reichen. Schließlich ist Irland kein Land, das für seinen wütenden Antisemitismus bekannt ist. Doch ist dies ihre typische europäische Sicht der israelischen Kampagne im Südlibanon in diesem Sommer als Reaktion auf die Katyusha-Raketenangriffe.

Also, meine erste gute Nachricht ist: Es könnte schlimmer sein. (Ich freue mich immer über Gespräche mit guten Nachrichten. Chesterton hat einmal von Zola gesagt: „Er war schlimmer als ein Pornograf, er war ein Pessimist.“ – Ich bin hier, um Sie aufzuheitern.)

Meine zweite gute Nachricht ist, dass die anti-israelische Voreingenommenheit in den Medien meiner Ansicht nach nicht in erster Linie eine Funktion der Bosheit ist. Das sind gute Nachrichten, denn Bosheit ist unheilbar. Die Voreingenommenheit in den Medien ist meiner Meinung nach eine Verbindung von anderen Faktoren, hauptsächlich Sentimentalität, Unkenntnis, Faulheit und Über-Aufmerksamkeit. Und gegen einige – vor allem Unkenntnis – können Sie etwas tun.

Meine Grundaussage ist, dass der Antisemitismus in der amerikanischen Mainstream-Presse eine sehr kleine Rolle in der Medienverzerrung über den Nahen Osten einnimmt. Dies steht wiederum im Gegensatz zu Europa, wo, wie die Karikatur der Irish Times zeigt, Judenhetze und Judenhass ein ziemlich großer – und akzeptierter – Teil der anti-israelischen Presseberichterstattung sind.

Die Voreingenommenheit der Medien in den amerikanischen Medien beginnt mit einer politischen Sentimentalität, die nicht nur Sympathie für den Außenseiter, sondern auch Bevorzugung gegenüber dem Außenseiter diktiert, welcherlei Außenseiter es zu diesem betreffenden Zeitpunkt auch sein mag.

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben, das überhaupt nichts mit dem Nahen Osten zu tun hat. Es hat mit einer ehemaligen Studentin an dieser Universität zu tun, mit Katharine Anne Power, einer politischen Radikalen, die sich 23 Jahre nach der Teilnahme an einem Banküberfall, bei dem ein Polizist aus Boston erschossen wurde, den Behörden gestellt hat. Wenn Sie die Presseberichte über ihre Wiederkehr gelesen hätten, wären Sie entsetzt gewesen: Lange, mitfühlende Artikel über ihre mentale Qual, ihre seelischen Kämpfe, ihre Traurigkeit, alles, was sie verwirkt hatte, alles was sie verloren hatte, auf was alles sie in den 23 Jahren im Untergrund verzichtet hatte. Über den Verlust und die Sorgen der neun Kinder und der Witwe, die der ermordete Polizist zurückgelassen hat – sehr wenig.

Ein großes Magazin beendete seine mitfühlende Titelgeschichte über Katherine Power folgendermaßen: „Nach all den Jahren ist es schwer zu wissen, für wen man die größte Sympathie empfinden soll: die Kinder des Polizisten, die einen Vater verloren haben … [oder] die junge Frau, die sich im Tumult der 60er Jahre verirrt hat.“

Dieses erstaunliche, atemberaubende Stück unreflektierten moralischen Unsinns ist wichtig, weil es dem ähnelt, was die Berichterstattung über den Nahen Osten betrifft: eine hirnlose Opferverehrung, Sentimentalität, unter der ein Opfer, jedes Opfer, ein Objekt der Sympathie – und Voreingenommenheit wird.

Ich behaupte, dass diese Art von Sentimentalität sich auf die Medienberichterstattung über die meisten Themen und vor allem auf den Nahen Osten erstreckt.

Im Nahen Osten wie anderswo versuchen die Medien, sich für den Außenseiter einzusetzen. In den ersten etwa 20 Jahren der Existenz Israels war Israel der Nutznießer dieser Befangenheit. Es wurde eine „Exodus“-Berichterstattung – bis 1967. Als die Juden siegreich waren, änderte sich die Berichterstattung schnell. Die Presse entdeckte neue Außenseiter, die Palästinenser. Sie wurden die Lieblinge der Presse, wurden hoch gejubelt, gefördert und von den normalen Regeln moralischen Verhaltens befreit.

Ich möchte noch einmal betonen, dass diese Sympathie für die Palästinenser weitgehend eine Art Sympathie für den historischen Außenseiter ist – den wahrgenommenen Außenseiter – und keine Form des Antisemitismus. Schließlich sind viele Kommentatoren, die diese Position eingenommen haben, selbst jüdisch, und einige sind weder verschlossene Juden noch Selbsthasser. Sie sind einfach blind ihren allgemeinen liberalen Instinkten gefolgt und für das neueste offiziell sanktionierte Opfer in Ohnmacht gefallen.

Aber Sentimentalität ist nicht der einzige Faktor. Ein zweiter wichtiger Faktor, der die Medeinvoreingenommenheit im Nahen Osten erklärt, ist schiere Unkenntnis. Und wenn diese Unkenntnis mit Sentimentalität verbunden ist, ergibt sich ein sehr ausgeprägtes Medienphänomen, nämlich die unmoralische Äquivalenz. Da die Medien sehr wenig über die Geschichte des Nahen Ostens wissen und zwei Völker um dasselbe Territorium wetteifern sehen, stellen sie die beiden Parteien unaufhörlich als moralisch gleichwertig dar.

Eines der auffälligsten Merkmale der Berichterstattung über das Abkommen zwischen Israel und der PLO im September waren die kleinen Geschichten, die die Presseberichte begleiteten. Und diese Artikel beschrieben immer 50, 100, 1000 Jahre „gegenseitigen Hasses“ zwischen Arabern und Israelis.

Das alles passt sehr gut in die liberale Kategorie, nach der alle gleich sind. Aber das stimmt einfach nicht. Es verrät eine erstaunliche Unkenntnis der Kultur des Nahen Ostens. Die Israelis lehren an ihren Schulen keinen Araberhass. Die Syrer hingegen hatten arithmetische Lehrbücher, in denen eine typische Aufgabe die folgende ist: Wenn du einen Juden am Dienstag und fünf Juden am Donnerstag tötest, wie viele hast du dann insgesamt getötet? Diese Art von anti-semitischer, anti-zionistischer Indoktrination, die in arabischen Ländern und in der palästinensischen Gemeinschaft vor sich geht, ist eine Art bösartiger Propaganda, die in Israel einfach unvorstellbar ist.

Die Israelis hassen die Araber nicht. Einige mögen das privat tun, aber die Partei, die es predigt – die Kach-Partei – erhielt höchstens ein Prozent der Stimmen, bevor sie aus der Knesset verbannt wurde. Araberhass wird in den Schulen nicht gelehrt. Es ist nicht Teil der bürgerlichen Kultur, der politischen Kultur, der Medienkultur. Vergleichen Sie dies mit der arabischen Welt, in der die „Protokolle der Weisen von Zion“ als Fakten präsentiert, wo Israelis als Monster, Usurpatoren, Folterer und Menschen dargestellt werden, die aus dem Nahen Osten ausgelöscht werden sollen.

Dennoch hören wir ständig vom „gegenseitigen Hass“ zwischen Arabern und Juden. Dies ist ein typisches Produkt dieser fatalen Kombination aus liberaler Sentimentalität und historischer Unkenntnis, die eine besonders virulente und absurde Form der moralischen Äquivalenz ergibt. Das ist nicht überraschend. Eine Kultur, die während des Kalten Krieges, in dem das Sowjetimperium dem amerikanischen Commonwealth gleichgestellt wurde, regelmäßig Theorien der moralischen Gleichwertigkeit hervorbringen konnte, ist eine [Kultur], die leicht für ähnlich ahistorische und ignorante Formen der moralischen Gleichwertigkeit im Nahen Osten prädisponiert war.

Die Unkenntnis in der Berichterstattung der Presse nimmt weitere Formen an. Es gibt geographische Unkenntnis. Es ist fast kein Verständnis für das Ausmaß der Entfernungen in und um Israel vorhanden. Manchmal denke ich, dass eines der größten Probleme Israels in den Medien das Aufkommen der Wetterkarte im amerikanischen Fernsehen ist. Die Amerikaner sind es gewohnt, eine Karte der kontinentalen Vereinigten Staaten zu sehen, die jeden Morgen und Abend während der Nachrichten ihre Fernsehbildschirme ausfüllt. Das gibt den Maßstab vor. Wenn sie also eine Karte von Israel auf dem gleichen Bildschirm sehen, um ein Nachrichten-Ereignis zu illustrieren, geht man natürlich davon aus, dass die Entfernung von links nach rechts – vom Mittelmeer bis zum Jordan – ungefähr gleich groß sein muss wie die von L[os]A[ngeles] nach N[ew]Y[ork], die man beim Wetter am Morgen sieht. Die Idee, dass Tel Aviv in Reichweite des Westjordanlandes liegt, ist in diesem Zusammenhang schwer zu vermitteln.

Aber die Unkenntnis besteht nicht nur geographisch, sondern auch historisch. Es gibt kein Gespür für Gegenüberstellungen, z. B. der Satz, der in der arabischen Propaganda immer zu hören ist und im Westen oft nachgeplappert wird, dass die Juden immer Freude [an ein Leben] ohne Unterdrückung in den arabischen Ländern gehabt hätten. Es stimmt, dass die Juden im Vergleich zu den Pogromen und Massenmördern des christlichen Europas ein relativ sicheres Leben in der islamischen Welt geführt haben. Aber nur im Vergleich zum christlichen Europa! In Wirklichkeit wurden die Juden als äußerst untergeordnete und unterworfene Personen behandelt, die einer besonderen Steuer für Ungläubige unterlagen. Es ist kein Zufall, dass die überwältigende Mehrheit der in arabischen Ländern lebenden Juden nach Gründung des jüdischen Staates die Gelegenheit zur Flucht nutzte, wenn sie konnte.

Es gibt im Nahen Osten auch kein Gespür für historische Zusammenhänge. In Anbetracht der Tatsache, dass Israels Methoden bei der Niederschlagung der Intifada mit den Methoden der Polizei im Westen verglichen werden (und die Israelis unter der Gegenüberstellung dieser Methoden nicht leiden), ergibt es keinen Sinn, dass Israel in einer Nachbarschaft lebt, in der solche Methoden höchst ungewöhnlich und bemerkenswert human sind, verglichen damit, wie die benachbarten Araber ihre Dissidenten behandeln. Das dramatischste Beispiel [dafür] ist natürlich [das Massaker von] Hama, wo Syrien innerhalb einer Woche 20.000 islamische Fundamentalisten getötet und die Stadt [mit ihnen] gepflastert hat. Aber man sieht es auch unter den Palästinensern, wo die Intifada zur Orgie von Lynchmorden und Schnelljustiz degenerierte, neben der israelische Gerichtsverfahren und Revisionen positiv jeffersonian* sind.

Und vergleichen Sie die Israelis noch nicht einmal mit Palästinensern. Vergleichen Sie sie mit einem westlichen Land. Die letzte Intifada war der arabische Aufstand von 1936 bis 1939. Die Briten schlugen sie nieder, „ohne Gnade, ohne Bedenken“, um Fouad Ajami zu zitieren. Ganze Dörfer wurden gleichgemacht. Dreitausend Palästinenser wurden getötet. Allein 1939 haben die Briten 109 erhängt. Die Israelis haben keinen einzigen Palästinenser hingerichtet.

Aber diese Vergleiche werden nie angestellt – wiederum nehme ich an, dass das nicht in erster Linie aus Bosheit geschieht -, sondern weil die Presse nicht in der Lage ist, einen historischen Kontext herzustellen. Alles, was sie tun kann, ist, über das Letzte zu berichten, was sie erkennt.

Die Unkenntnis reicht viel tiefer. Es herrscht nahezu eine völlige Unkenntnis gegenüber der spezialisierten Code-Sprache des Nahen Ostens. Yassir Arafats Fahrt nach Washington war ein Triumph. Die Medien waren absolut geblendet, allein durch seine Anwesenheit. Und er entging einem politischem Mord. Abgesehen von der Tatsache, dass er von der Presse und den Politikern – Senatoren, die um ein Autogramm wetteiferten – katzbuckelnd behandelt wurde, gab es wenig Verständnis dafür, wie widerwillig und unkooperativ er war, das Abkommen umzusetzen, das er gerade unterzeichnet hatte.

Die Hauptsache, die die Israelis von der PLO gefordert hatten – und die Israelis leisten den größten Teil des Zugeständnisses – war ein Ende der Intifada. Arafat wurde darüber am Tag nach der Unterzeichnung im National Press Club befragt. Er wurde gefragt: „Warum rufen Sie die Hamas und andere Palästinenser nicht klar dazu auf, ihre Angriffe auf die Israelis einzustellen?“

„Ich habe es geschafft. Und das hier, ich habe es unterschrieben,“ antwortete Arafat und weigerte sich, eine einfache, direkte Aussage wie z.B. diese zu machen: „Ich bitte mein Volk, damit aufzuhören, Israelis zu töten.“ Stattdessen bot er Folgendes an: „Die genaue Umsetzung dieses Abkommens wird die Ursachen von … Gewalt entschärfen.“ Das bedeutet: Gib mir, was ich verlange („genaue Umsetzung“) und es wird keine Notwendigkeit mehr geben, israelische Busfahrer niederzustechen. Bis dahin? Nun, ich habe es unterschrieben, nicht wahr?

Genau so ging der „alte Arafat“ mit solchen Fragen um: wackeln, erfinden, manövrieren. Diese aalglatte Art ging in den amerikanischen Medien, die das historische Gedächtnis eines Molches haben, verloren. Stattdessen wurden sie von „dem Handschlag“ gebannt. Mit feuchten Augen interpretierten sie ihn als ein Zeichen der Freundschaft, während es für Arafat eindeutig ein Mittel zur augenblicklichen Gleichstellung mit zwei großen Staatschefs war, Yitzhak Rabin und Bill Clinton.

Lassen Sie mich abschließend auf eine besonders perfide Form der historischen Ignoranz hinweisen, die es verdient, erwähnt zu werden. Also: Immer, wenn Sie auf die Worte Judäa und Samaria stoßen, folgt stets die Parenthese: „die biblischen Namen für das Westjordanland“.

Nun, in einer säkularen Kultur etwas biblisch zu nennen, bedeutet, dass wir es mit einer Frage des Aberglaubens, der alten Tradition und des Hokuspokus zu tun haben. Wie zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte. Als ob man, wenn man Judäa und Samaria benennt, glauben würde, dass das Land von Gott mit großem weißen Bart auf dem Berg Sinai an einem bestimmten Mittwoch vor 5000 Jahren geschenkt wurde.

Tatsächlich sind Judäa und Samaria nicht weniger biblische Namen als Galiläa oder Hebron oder Tyrus und Sidon. Außerdem sind Judäa und Samaria eben nicht nur die biblischen Namen für dieses Gebiet, sie sind die historischen Namen. So wurden diese Länder nicht nur in der Bibel, sondern überall durch die Römerzeit hindurch genannt. Es ist das Westjordanland, das als neue Wortschöpfung entstand. Aber anzuerkennen, dass Judäa und Samaria die historischen Namen für das Westjordanland sind, bedeutet erstens, etwas Geschichte zu kennen, und zweitens, dem jüdischen Anspruch auf das Land eine gewisse Legitimität zu verleihen.

Aber die Medien, die den Nahen Osten falsch verstehen, sind nicht nur eine Frage von Sentimentalität und Unkenntnis. Israel ist auch eine Art Obsession in den westlichen Medien. Die Tatsache, dass der Nahe Osten und insbesondere die jüdische Saga für die Presse so faszinierend sind, erhöht, verstärkt und verschärft die mediale Voreingenommenheit. Also wird jeder Fehler, den sie macht, vergrößert. Wenn sie Fehler in der Berichterstattung über Bangladesch macht, lesen Sie darüber auf Seite 63. Die Fehler über Israel stehen auf der ersten Seite. Und die Voreingenommenheit hat weit mehr Wirkung und schädlichen Einfluss als für jedes andere Land.

Diese Faszination kommt von vielen Dingen. Das eine ist die traditionelle europäische und christliche Faszination für die jüdische Saga, die so eng mit der des christlichen Westens verbunden ist und in diesem Jahrhundert so dramatisch wieder aufersteht. Und auf der anderen Seite besteht das erhöhte Interesse am Nahen Osten sowohl als Quelle von Reichtum und Macht als auch als Reservoir für den größten Teil des Erdöls der Welt.

Das Ergebnis ist eine übertriebene Aufmerksamkeit für die Dinge in Israel und dem Nahen Osten, die man nur als atemberaubend bezeichnen kann. Der paradigmatische Fall ereignete sich 1988: die Seite in der International Herald Tribune, die sieben ihrer [insgesamt] acht Kolumnen dem palästinensischen Aufstand widmete. Schlagzeile: „Israelischer Soldat erschossen. Die Verlustziffer bei den Palästinensern stieg auf 96.“ Die achte Kolumne enthielt einen Bericht, demzufolge 5.000 Kurden bei einem irakischen Gasangriff ums Leben gekommen seien.

Zusammengefasst möchte ich die amerikanischen Medien nicht für antisemitische Vorurteile anklagen, sondern eher [dafür], dass sie es einfach vermasselt haben. Unkenntnis, Sentimentalität, all dies zusammengesetzt mit einer Faszination über ein Gebiet, das sie nur schwer verstehen und präsentieren können. Ich fasse die Medienberichterstattung über den Nahen Osten zusammen, indem ich das zitiere, was Louis Theirs, ehemaliger Premierminister Frankreichs, einmal über den Grafen von Paris, den Thronanwärter sagte: „Aus der Ferne wirkt er preußisch, aus der Nähe wie ein Schwachkopf.“ Aus der Ferne sieht die Medienberichterstattung aus wie ein monolithischer Anti-Israel-Moloch. Aus der Nähe zeichnet sie vor allem durch Unkenntnis und Sentimentalität aus.

Aber hierbei handelt es sich um die Vergangenheit. Meines Erachtens ist der schlimmste Medienkrieg über den Nahen Osten jetzt wahrscheinlich vorbei. Mit Rabins Zugeständnissen und Israels historischer Anerkennung der PLO wird es für die Medien immer schwerer werden, die Israelis als das unnachgiebige, landraubende Jurassic Park-Monster zu bezeichnen.

Es wird weitergehen, vor allem in Europa, aber es wird nicht wirklich andauern. Das Gesicht Israels veränderte sich 1967, es änderte sich 1977 mit dem Machtantritt Begins, es änderte sich 1987 mit dem Ausbruch der Intifada. Es änderte sich wiederum am 13. September 1993.

Auch die Berichterstattung über die PLO wird sich ändern. Wo immer es ein sehr breites Reservoir an Sympathie für die Palästinenser gab, haben Yassir Arafat und die PLO als Organisation mehr gemischte Kritiken erhalten, verdientermaßen für eine Organisation, die den politischen Terrorismus in unserer Zeit praktisch erfunden hat.

Hier wird es auch eine Veränderung geben. Mit dem großen Händedruck und der Anerkennung Israels wird die PLO, wie die Israelis, in gedämpfteren Tönen dargestellt werden.

Der Hauptakteur im arabisch-israelischen Konflikt, der eine ungünstige Berichterstattung erhalten wird, wird die Hamas sein. Und nicht gerade aus den richtigen Gründen, [etwa] wegen seiner mörderischen Methoden, seiner Unnachgiebigkeit und seiner Ideologie des Hasses. Nein. Die Hamas ist für die westlichen Medien schwer zu verstehen und zu lieben, weil die westlichen Medien im Grunde genommen säkular sind und Religion nicht mögen, besonders keine fanatische Religion. Sie stehen jeder religiös-fundamentalistischen Bewegung, ob christlich, islamisch, jüdisch oder anderen feindlich gegenüber. Es wird gelegentlich eine Geschichte über ein besonders heroisches Hamas-Mitglied geben. Aber die eingebaute antireligiöse Voreingenommenheit in der Presse wird die Hamas davor schützen, den Mantel der Sympathie zu erben, der der palästinensischen Opferrolle gewährt wird.

Was ist mit der Zukunft? Ich möchte Sie an dieser Stelle einladen, sich auf das Datum des 13. September 1993 zu konzentrieren. Alles im Nahen Osten hat sich an diesem Tag mit der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der PLO und Israel verändert. Ich möchte Sie davor warnen, zu viel Zeit mit der Vergangenheit zu verbringen. Alle [Eereignisse] vor dem September gehören zur alten Geschichte. Die Welt hat sich an diesem Tag radikal verändert, weitaus radikaler als es damals offensichtlich war.

Der Kampf um Palästina ist vorbei. Der palästinensische Staat ist eine Tatsache. Das Abkommen zwischen Israel und der PLO räumt den Palästinensern die Kontrolle über etwa 92 Prozent des Westjordanlands ein. Die Flagge wird legalisiert, die Polizei wird versammelt, die Institutionen werden aufgebaut. Es wird kein Zurück mehr geben.

Vielleicht noch wichtiger als das, was vor Ort geschieht, ist das, was in der Meinung des Westens passiert ist. Als Israel schließlich die PLO, die Verkörperung des palästinensischen nationalen Bestrebens, anerkannte, erkannte es Palästina an. Das Wort darf noch nicht verwendet werden, aber es wird verwendet werden. Und es hat im Westen jede Barriere niedergerissen, die der Anerkennung dieses Palästinas entgegenstand.

Die offizielle Position der Vereinigten Staaten steht immer noch einem palästinensischen Staat entgegen, aber diese Position wird die Übergangszeit zwischen dem Heute und den Verhandlungen über den endgültigen Status nicht überleben. In den Augen des Westens, als Rabin die Hand Yassir Arafats schüttelte, erteilte er der Sache, für die Arafat steht, nämlich die palästinensische Staatlichkeit, seinen Segen. Die Amerikaner werden nicht königlicher sein als der König.

Und trotz der Schwierigkeiten, die sich in den kommenden Verhandlungen ergeben mögen, Schwierigkeiten, die den Prozess möglicherweise verlangsamen, gibt es keinen Weg, die Uhr zurückzustellen und zurückzunehmen, was er anerkannt hat. Aus diesem Grund hat Arafat all diese Zugeständnisse gemacht, um diesen Deal zu bekommen.

Was bedeutet das für Sie? Es bedeutet, dass der Kampf um Palästina vorbei ist und der Kampf um Jerusalem begonnen hat. Die einzig wirklich verbleibende Frage ist, was mit Jerusalem geschehen wird. Und hier scheint es mir, dass Gruppen wie CAMERA und andere, die sich um Fairness in der Berichterstattung über den Nahen Osten bemühen, ihre Aufmerksamkeit verlagern müssen. Es macht keinen Sinn, Werbung zu betreiben, um Israels Anspruch auf Judäa und Samaria erklären. So richtig sie auch liegen mögen, dieses Problem ist größtenteils von historischem Interesse. Die eigentliche Schlacht findet für Jerusalem statt und die Zeit, sich darauf vorzubereiten, ist jetzt gekommen.

Die Presseberichterstattung über Jerusalem war ebenso flach wie insgesamt über den Nahen Osten. Es bedarf einer gewaltigen Kampagne, um die einzigartige Bedeutung Jerusalems für die Juden und den einzigartigen Platz, den es in der jüdischen Geschichte und im jüdischen Bewusstsein einnimmt, zu erklären.

Das ist wichtig, weil die Berichterstattung über Jerusalem unter den gleichen Problemen leidet wie die Medienberichterstattung über den Nahen Osten im Allgemeinen. Die üblichen Quellen der Medienvoreingenommenheit kommen ins Spiel: Sentimentalität verschmolzen mit einer abgrundtiefen Unkenntnis transportiert in Jerusalem, wie anderswo in der Berichterstattung über den Nahen Osten, moralische Äquivalenz.

Deshal das allgegenwärtige Medienklischee: „Jerusalem, die Stadt, die den Christen, Muslimen und den Juden heilig ist“, was wiederum eine Art Gleichwertigkeit in ihren Ansprüchen und ihrer historischen Bedeutung impliziert.

Es ist unerlässlich, darauf hinzuweisen, dass dies historischer Unsinn ist.

Ich brauche diesem Publikum nicht die Geschichte der einzigartigen jüdischen Verbundenheit mit Jerusalem, die fast 3000 Jahre zurückreicht, zu erläutern. Für die Juden war es immer die Hauptstadt ihres Staates, alt und modern, das Zentrum ihrer religiösen Bestrebungen. Doch unter muslimischer Herrschaft, türkisch und jordanisch, war es ein Provinznest.

Muslime verbeugten sich Richtung Mekka. Christen wenden sich nach Rom. Nur die Juden wenden sich Jerusalem zu, wenn sie beten.

Man kann mit einfachen demographischen Daten beginnen. Die vorherrschende Vorstellung ist, dass Juden bis vor kurzem eine Minderheit in Jerusalem bildeten. Man geht davon aus, dass die Juden erst jetzt nach Jerusalem zurückgekehrt sind. [Dem ist] nicht so. Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass es in der türkischen Volkszählung von 1844 – der ersten offiziellen Volkszählung – mehr Juden in Jerusalem gab als Muslime: 7.120 zu 5.760 (und 3.390 Christen). Diese jüdischen Mehrheiten wurden dokumentiert: 1876 (Guide von Lievin de Hamme), 1909 (Mayers Enzyklopädisches Lexikon): 45.000 Juden, 12.000 Muslime, 10.200 Christen), 1911 (Baedekers Reiseführer: 30.800 Juden, 10.000 Muslime, 15.000 Christen) und 1948 (Encyclopedia Britannica: 99.320 Juden, 36.680 Muslime, 31.300 Christen).

Es ist wichtig zu erklären, warum ganz Ost-Jerusalem, als die Juden 1967 [dort] ankamen, arabisch war. Nicht weil es das schon immer war, sondern weil es 1948/49 Juden-rein gemacht – ethnisch gesäubert – wurde, von den Jordaniern. Die Juden lebten kontinuierlich in Ost-Jerusalem, bis Jordanien die Macht übernahm und jeden darin lebenden Juden vertrieb oder ermordete. Im Jüdischen Viertel von Jerusalem lebte kein einziger Jude.

Als Jerusalem 1967 von den Juden übernommen wurde, blieb das arabische Viertel arabisch. Das wirft die Frage des historischen Vertrauens auf, wenn man vergleicht, wie die Juden Respekt und Zugang zu allen christlichen und muslimischen heiligen Stätten gewährt haben und das der Entweihung und Zerstörung jüdischer Stätten unter den Jordaniern entgegenstellt.

Ein letztes Klischee, dem begegnet werden muss: Der palästinensische Anspruch auf Jerusalem mit der Begründung, es sei die drittheiligste Stadt des Islam. Bekommen wir jetzt alle unsere besten drei (Wahl-)Möglichkeiten? Warum haben die Juden für so einen Fall keinen Anspruch auf Jerusalem, Hebron und den Berg Sinai?

Es gibt viel zu tun, meine Damen und Herren. Gehen Sie sparsam mit Ihren Ressourcen um und denken Sie an Jerusalem!

*jeffersonian: Nach Art Thomas Jeffersons oder nach der Art seiner demokratischen Prinzipien. Thomas Jefferson war der 3. Präsident der Vereinigten Staaten (1801 – 1809). Er wurde auch bezeichnet als der „größte Demokrat der Gründerväter„. Über das Zustandekommen der Unabhängigkeitserklärung und das Anliegen Thomas Jeffersons finden sich hier einige wesentliche Aussagen.

„Die großen Medien ignorieren die hässlichsten Verbrechen der Hamas“

Die Frage, ob es so ist, wie die Überschrift sagt, erübrigt sich. Der Autor geht in seinem Artikel „Big Media Ignores Hamas’s Ugliest Crimes“ – und völlig zu Recht – davon aus, dass dem so ist. Und wer offene Augen und Ohren hat, weiß einfach: Es ist Fakt. Da kommt man nicht dran vorbei. Wenn man aber einer Tatsache nicht aus dem Weg gehen kann, stellt man sich unweigerlich die Frage nach dem Warum? Warum ist das so? Genau diese Frage stellt Khaled Abu Toameh am Ende seines Artikels. Die Erfahrung zeigt, dass die Frage nach dem Warum häufig unbeantwortet bleibt. So auch hier. Der Autor kommt zu der Ansicht (wohl auch der Leser), dass sich die Frage nach dem „Warum?“ nicht abschließend beantworten lässt. Es gibt keine vernünftige Antwort, keinen vernünftigen Grund für das offensichtliche Verschweigen von offensichtlichen Fakten, es sei denn – der Antisemitismus treibt seine Blüten. Auch der findet kaum einen zufriedenstellenden und akzeptablen Grund. Antisemitismus kann einfach nicht akzeptiert werden. Jedoch scheint der Antisemitismus in der gegenwärtigen Diskussion die Eigenschaft zu haben, dass er sich im Verlauf einer Erörterung des Themas einfach „in Luft auflöst“, weil er ja unter dem Blickwinkel der angeblichen Meinungsfreiheit durch eben diese gedeckt ist. …

Nun aber genug der einleitenden Worte und zu Khaled Abu Toameh und seinem Artikel „Die großen Medien ignorieren die hässlichsten Verbrechen der Hamas„.

Originalartikel: Big Media Ignores Hamas’s „Ugliest Crimes“

von: Khaled Abu Toameh, veröffentlicht am 03. September 2014, Gatestone Institut

Übersetzung: faehrtensuche

Während des jüngsten Krieges im Gazastreifen haben die Hamas-Milizen die hässlichsten Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen begangen.

Dieser Vorwurf wurde nicht von der Pressestelle der israelischen Regierung oder dem Sprecher der israelischen Verteidigungskräfte erhoben. Vielmehr waren es die Palästinenser selbst, die diese Anschuldigung vorbrachten – und nicht nur die durchschnittlichen [Palästinenser].

Führer der im Westjordanland regierenden Fatah beschuldigten die Hamas in einem scharf formulierten Statement, das am 30. August in Ramallah veröffentlicht wurde.

Das Statement bezieht sich auf das harte Durchgreifen der Hamas gegen Dutzende von Mitgliedern der Fatah im Gazakrieg während der Operation „Schutzlinie“ – die von der IDF verwendete Bezeichnung, um den Krieg mit der islamistischen Bewegung zu beschreiben.

Die Führer der Fatah – Mitglieder des Zentralkomitees der Fraktion, ein Gremium, dominiert von Anhängern des Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde [PA] Mahmud Abbas – beschuldigten die Hamas-Milizen, Dutzende ihrer Aktivisten im Gazastreifen in die Beine und andere Körperteile geschossen zu haben. Sie beschuldigten die Hamas-Milizen, weitere Fatah-Aktivisten, die später mit Hilfe Israels zur medizinischen Behandlung in Krankenhäuser des Westjordanlandes gebracht wurden, brutal geschlagen zu haben.

Die Führer der Fatah beschuldigten die Hamas, während des Krieges rund 300 ihrer Mitglieder im Gazastreifen unter Hausarrest gestellt und „sie und das Leben ihrer Familien gefährdet zu haben, indem sie sie den israelischen Luftangriffen und dem Beschuss ausgesetzt haben.“ Neben dem harten Vorgehen gegen Mitglieder der Fatah konfiszierten die Hamas-Milizen Lebensmittel und Medizin, die aus der Westbank und einigen „befreundeten Ländern“ in den Gazastreifen geschickt wurden, teilten die Führer der Fatah mit. „Die Hamas hat einige der Hilfsgüter unter ihren Männern über die Moscheen verteilt oder sie auf dem Schwarzmarkt verkauft“, sagten sie.

Die Anschuldigungen der Fatah gegen die Hamas waren für viele Palästinenser nicht überraschend, insbesondere für die, die im Gazastreifen leben. Sie waren Zeugen von einigen der Angriffe auf die Mitglieder der Fatah.

Jedoch, was schwer zu verstehen ist, ist [der Tatbestand], dass viele ausländische Journalisten, die während des Krieges in den Gazastreifen einreisten, nicht über die „hässlichsten Verbrechen und Menschenrechtsverstößen“ der Hamas berichtet haben. Es ist kaum zu glauben, die Journalisten hätten nichts von den Verbrechen der Hamas erfahren.

Ein paar Journalisten gaben später zu, dass sie Kenntnis von den Angriffen auf Mitglieder der Fatah hatten, aber wegen der Restriktionen der Hamas nicht in der Lage waren, über die Geschichte zu berichten. Einige ausländische Journalisten beschwerten sich darüber, dass ihre lokalen „Mittelsmänner“ [„fixers“] sich weigerten, sie mit Informationen über die Übergriffe der Hamas zu versorgen, entweder aus Furcht oder weil sie während des Krieges nicht über etwas berichten wollten, was ein negatives Licht auf die Palästinenser werfen würde.

Die Führer der Fatah im Westjordanland erklärten diese Woche, dass auch sie während des Krieges von jeder Anschuldigung der Hamas „aus Sorge um die nationale Einheit“ abgesehen hätten.

Aber selbst wenn die Behauptung der ausländischen Journalisten, sie wären nicht in der Lage gewesen, über die Verbrechen der Hamas zu berichten während sie noch im Gazastreifen waren, irgendwie einleuchtend klingt, ist es noch immer nicht klar, warum sie weiterhin die Geschichte ignorieren.

Viele der verwundeten Männer der Fatah werden nun in Krankenhäusern in Ramallah, Nablus und Hebron im Westjordanland behandelt. Zu ihnen haben die Journalisten freien und unbegrenzten Zugang.

Zakariya al-Agha zufolge, einem leitenden Führer der Fatah im Gazastreifen, wurden die Männer der Fatah in Krankenhäuser des Westjordanlandes gebracht, nachdem die Hamas ihnen die ärztliche Behandlung im Gazastreifen verweigert hatte.

Al-Agha erwähnte den Fall eines Fatah-Aktivisten, der sich dem Hausarrest widersetzt und sein Haus zusammen mit seiner Familie verlassen hatte aus Furcht, durch israelische Luftangriffe im nördlichen Gazastreifen getötet zu werden. „Als der Mann in sein Haus zurückkehrte, beschuldigte die Hamas ihn, gegen die Auflagen des Hausarrests verstoßen zu haben und schoss ihm in die Beine“, sagte er. „Die Krankenhäuser in Gaza verweigerten die Aufnahme dieser Fälle.“

Einer der Männer der Fatah, Yusef Shaheen aus dem Flüchtlingslager Jebalya im Gazastreifen, sagte, dass die Hamas-Milizen ihn entführt hätten, als er vor seinem Haus stand, genau an dem Tag, an dem Ende August der durch Ägypten vermittelte Waffenstillstand angekündigt wurde. Shaheen sagte, dass die Bewaffneten der Hamas ihn beschuldigten, gegen den Hausarrest verstoßen zu haben. „Sie nahmen mich mit zu dem Gebiet von Sheikh Zayed und schlugen mich ernstlich“, sagte er und fügte hinzu, dass seine beide Beine bei dem Angriff gebrochen wurden.

Ein anderer Fatah-Aktivist, der auch in Krankenhäusern des Westjordanlandes behandelt worden ist, sagte, die Bewaffneten der Hamas hätten aus kurzer Distanz 17 Kugeln auf seine Beine abgegeben.

Wären diese Fatah-Mitglieder einem Anschlag von IDF-Soldaten oder jüdischen Siedlern zum Opfer gefallen, ihre Fotos und Geschichten hätten es auf die Titelseiten der wichtigsten Zeitungen der USA, Kanadas und Europas gebracht. Aber zu ihrem Leidwesen wurden sie von palästinensischen Kollegen beschossen und geschlagen – in diesem Fall von der Hamas. Offensichtlich ist es diese Geschichte nicht wert, von den Repräsentanten der Mainstream-Medien des Westens herausgebracht zu werden.

Es gibt einen weiteren Aspekt bezüglich der Verbrechen der Hamas gegen Mitglieder der Fatah im Gazastreifen. Das harte Durchgreifen zeigt, dass das Gerede über die palästinensische „Einheit“ nichts anderes ist als eine Farce und dass die Feindschaft zwischen Fatah und Hamas so stark bleibt wie eh und je.

Die Hamas sagt, sie hätte die Fatah-Männer aus “Sicherheitsgründen” unter Hausarrest gestellt. Das bedeutet, dass die Hamas die Mitglieder der Fatah im Gazastreifen als potentielle “Kollaborateure” mit Israel sieht. Quellen im Gazastreifen merkten an, dass einige der „Kollaborateure“, die öffentlich durch die Hamas hingerichtet wurden, Mitglieder der Fatah waren.

Die anhaltende Rivalität zwischen der Fatah und der Hamas lässt die Hoffnungen einiger Israelis, Amerikaner und Ägypter fraglich erscheinen, Abbas‘ Streitkräfte für die Zeit nach dem Krieg zurück in den Gazastreifen zu bringen. Selbst wenn die Führung der Hamas mit dem Einsatz von Abbas‘ Kräften am Rafah-Grenzübergang zu Ägypten einverstanden wäre, würde der bewaffnete Flügel der Bewegung und ihre Milizen einem solchen Schritt entgegenstehen.

Abbas und seine Fatah-Führer im Westjordanland sprechen weiterhin über die Notwendigkeit einer Untersuchungskommission für israelische „Kriegsverbrechen“ im Gazastreifen. Doch trotz ihrer schwerwiegenden Vorwürfe gegen die Hamas, gehen sie nicht so weit, eine Untersuchung für das zu fordern, was sie selbst „die hässlichsten Verbrechen und Rechtsverletzungen der Hamas“ nennen.

Abbas sieht wahrscheinlich die “Verbrechen“ der Hamas als ein internes palästinensisches Problem, das durch „nationalen Dialog“ bewältigt werden sollte. Aber es bleibt die Frage, warum internationale Journalisten und Menschenrechts-aktivisten weiterhin die Augen verschließen, wenn Palästinenser gegen ihre eigenen Leute Gräueltaten begehen. Ist das deswegen so, weil solchen Geschichten eine anti-israelische Perspektive fehlt?

Hervorhebung im Text: faehrtensuche

Abschließende Anmerkung: Auch wenn die Operation Schutzlinie vorbei ist, verliert der Artikel nicht an Brisanz. Wie sonst ist es zu erklären, dass Unmengen an Finanzhilfen in den Gazastreifen fließen? …