50 Jahre danach: Anti-Israel oder antisemitisch?

Originalartikel: Fifty years on: Anti-Israel oder antisemitic?

von Ira Forman, 8. Juni 2017

Der 50. Jahrestag des Sechs-Tage-Krieges bedeutet, ganze Berge an Kommentaren über den schnellen Sieg Israels und das anhaltende Scheitern des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses zu generieren. Eine Überprüfung der Ereignisse rund um den Krieg von 1967 klärt auch die Natur des Antisemitismus des 21. Jahrhunderts.

Siebzig Jahre nach dem Holocaust ist der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch, aber es gibt wenig Konsens über die Ursachen dieser beunruhigenden Entwicklung. Eine bedeutende Analyse erklärt einen Großteil dieser Zunahme mit einem „neuen Antisemitismus“ – eine Art von Judenhass, der sich tarnt als Opposition gegen den Zionismus und die Politik des Staates Israel. Als Antwort darauf behaupten andere, dass diese Argumentation ein Mittel sei, die freie Meinungsäußerung zu unterbinden und Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu zensieren – insbesondere an der fünfzig Jahre andauernden militärischen Okkupation des Westjordanlandes.

Eine Betrachtung des Sechs-Tage-Krieges ist ein besonders gutes Objektiv für die Analyse der Frage „Ist die Kritik an Israel immer antisemitisch?“, weil Sprache, Bilder und Fragen im Vorfeld des Konflikts oftmals stärker/weniger nuanciert waren. Vor dem Juni 1967 gab es umfangreiche Kritik am jüdischen Staat, aber Israel hatte nicht das Westjordanland und den Gazastreifen militärisch besetzt und zahlreiche Kritikpunkte konzentrierten sich nicht auf israelische Politik, sondern auf die Legitimität des jüdischen Staates an sich und verwendeten offenkundige antisemitische Motive, um die Sache zu begründen.

Jahrhundertelang waren Diskriminierungen der jüdischen Minderheiten in der moslemischen Welt deutlich geringer als im christlichen Europa.

Das hatte im 20. Jahrhundert begonnen, sich zu verändern. Die Juden-hassende-Politik Nazi-Deutschlands hatte im Nahen Osten beträchtliche Unterstützung und nach 1945 fanden Nazi-Kriegsverbrecher Unterschlupf bei vielen arabischen Nachbarn Israels, häufig Rollen in Militär- und Sicherheitsapparaten annehmend.

In den Jahren vor dem Sechs-Tage-Krieg charakterisierte eine von den Nazis aufgegriffene Vernichtungsrhetorik die Aussagen einiger arabischer Führer.

Der damalige syrische Verteidigungsminister (und Vater des jetzigen Präsidenten) Hafiz Assad erklärte: „Wir haben uns vorgenommen, dieses Land mit eurem Blut zu durchtränken, euch Aggressoren zu vertreiben und euch in das Meer zu werfen.“ Der damalige Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Ahmed Shukairy, erklärte Ende Mai 1967: „Es wird im Heiligen Krieg zur Befreiung Palästina keine jüdischen Überlebenden geben.“

Ähnliche Rhetorik ist nicht ungewöhnlich in den heutigen Nahost-Medien.

Ägyptische Regierungserklärungen waren ausgestattet mit Behauptungen wie: Juden benutzten das Blut von Kindern für ihre religiösen Rituale (die klassische Ritualmord-Legende), Verleugnung des Holocaust und Verweise auf die niederträchtige Fälschung Die Protokolle der Weisen von Zion. Im Jahre 1966 hat Nassers persönlicher Vertreter zu einer offiziellen Publikation erklärt, dass „eine der bedeutendsten zionistischen Arbeiten zur allgemeinen politischen Planung die Protokolle der Weisen von Zion [seien], die eindeutig den Weg zur Erreichung ihres Ziels der jüdischen Weltherrschaft belegen. …“

Heute können die Staatsoberhäupter von Ländern wie Ägypten und Jordanien solchen Unsinn nicht von sich geben, doch sind die Protokolle – und ähnliches Material – im ganzen Nahen Osten weit verbreitet, während Medien, religiöse und politische Personen weiterhin auf die Protokolle und die Ritualmordlegende als feststehende Tatsachen verweisen.

Politische Karikaturen der Zeit ahmen die der Nazi-Publikation Der Stürmer nach – mit Juden/Israelis, dargestellt als böse, entstellte menschenähnliche Gestalten. Leider werden ähnliche Karikaturen immer noch im Nahen Osten und manchmal sogar in europäischen Medien veröffentlicht.

Das Ende der meisten jüdischen Gemeinden im Nahen Osten zeigt auch, wie anti-israelische Rhetorik tiefere antisemitische Gefühle verbirgt. Im Zuge der Unabhängigkeit Israels und anschließend mit dem Sechs-Tage-Krieg wurde die jüdische Bevölkerung in der ganzen Region ungerechtfertigt als zionistische Agenten geschmäht, verhaftet, der Staatsbürgerschaft beraubt, pauperisiert und dazu veranlasst, Länder zu verlassen, in denen sie mehr als zwei Jahrtausende gelebt hatten.

Natürlich steht jedes Problem, so komplex wie der moderne Antisemitismus, einfachen Erklärungen entgegen. In der arabischen Welt heute gibt es eine größere Bandbreite an Meinungen über Israel, einschließlich der Stimmen, die das Existenzrecht Israels akzeptieren. Es ist klar, dass Kritik an Israel nicht inhärent antisemitisch ist und dass falsche Antisemitismusvorwürfe den wirklichen Kampf gegen Hass behindern können. Darüber hinaus hat ein großer Teil des Antisemitismus in der ganzen Welt wenig oder nichts mit Israel zu tun.

Doch können wir dem Wiederaufleben des Antisemitismus in keinem Land entgegnen, ohne uns über seine Ursachen im Klaren zu sein. Wenn auf eine europäische Synagoge ein Brandanschlag verübt wird und Behörden darauf bestehen, es sei ein Ausdruck einer gegen Israel gerichteten Wut und nicht antisemitisch, ist es an der Zeit, zu erkennen, dass Aktivismus gegen Israel manchmal eine einfache Maske für Antisemitismus ist. Die dem Juni 1967 vorausgegangenen Ereignisse zu überdenken hilft uns an diese unglückliche Wahrheit zu erinnern.

Ira Forman war von 2013 bis 2017 der Sondergesandte des US-Außenministeriums zur Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus. In diesem Herbst wird er an der Georgetown University als renommierter Gastprofessor Antisemitismus lehren.

Übersetzung und Hervorhebung im Text: faehrtensuche

Al-Husseini, Genoud, Waldheim und Arafat

Wie der Judenhass des islamischen Jihads mit dem Nationalsozialismus fusionierte, um ihn als „palästinensische Sache“ zu überleben.

So lautet der Titel eines Essays, der Zusammenhänge darstellt, die in Anbetracht des wachsenden Einflusses des Islam höchst interessant und aufschlussreich sind. Wohl wissend um meine Interessenslage, wurde mir diese Recherche eigentlich „nur“ zur Kenntnisnahme zugeschickt. Sehr eingenommen von dem Inhalt, bat ich um die Möglichkeit, den Essay, im Original auf Englisch verfasst (FDG, How Islamic Jihad’s Jew-Hatred Merged with Nazism to Outlive it as  the „Palestinian Cause“, June 2016), übersetzen und veröffentlichen zu dürfen. Dieses wurde mir zugestanden! Darüber freue ich mich sehr und danke herzlich! 🙂

Eine Sache bleibt zu sagen: Der Essay unterliegt dem Copyright! Der Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht (auch nicht in Ausschnitten) kopiert oder verwendet werden! Sollte es diesbezügliche Anfragen geben, bitte an mich unter Impressum/Kontakt!

Hier nun also der Essay:

Al-Husseini, Genoud, Waldheim und Arafat:

Wie der Judenhass des islamischen  Jihads mit dem Nationalsozialismus fusionierte, um ihn als „palästinensische Sache“ zu überleben.

screenshot-85Der vordere Buchdeckel der 1995 erschienenen Ausgabe von Mein Kampf, von Bisan Publishers herausgegeben und in London verkauft. Diese Ausgabe war eine Neuveröffentlichung einer Übersetzung, die erstmals 1963 veröffentlicht wurde, ein Jahr vor der Verabschiedung der Palästinensischen Nationalcharta.

***

TEIL 1

Die gemeinsame Sache von Hitler und Al-Husseini: Judenhass

1916 kehrte Amin Al-Husseini (1897 – 1974), der Leutnant des Osmanischen Reiches war, auf Krankheitsurlaub wieder in seinen Geburtsort Jerusalem zurück und beschloss, die osmanische Armee zu verlassen und sich dem arabischen Aufstand in Großbritannien anzuschließen. Im Jahr 1917, während das Osmanische Reich in der Region besiegt wurde, wurde die Balfour Erklärung von den Briten herausgegeben, die das Recht des jüdischen Volkes, eine nationale Heimat in Palästina zu etablieren, offiziell anerkannte. Zu diesem Zeitpunkt organisierte Al-Husseini Aufstände gegen die Herrschaft des Britischen Mandats und Ausschreitungen gegen Juden, wurde verhaftet, verurteilt, aber dann – paradoxerweise – begnadigt und im Jahr 1921, obwohl er einen Volksentscheid verloren hatte, vom Generalgouverneur Palästinas, Sir Herbert Samuel, zum Großmufti von Jerusalem ernannt. Dieser Titel garantierte ihm religiöse und politische Autorität und die Briten hofften, dass er in dieser Position auf Gewalt verzichten würde. Doch Al-Husseini erkannte die Legitimität einer jüdischen Präsenz in der Region nicht an, obwohl diese lückenlos  im Land nachgewiesen werden konnte [noch] vor jeder arabischen/islamischen Präsenz (1) und stellte sich gegen die Araber, die bereit waren, mit den Juden zu kooperieren. Einige Araber verstanden die Ankunft von noch mehr Juden, europäischen im Besonderen, als eine Chance, von dem Wissen und dem technischen Fortschritt, die sie mit sich brachten, zu profitieren. In diesem Sinn hatte Emir Faisal bereits im Jahr 1919 mit Dr. Chaim Weizman, der im Auftrag einer Zionistischen Organisation tätig war,  ein Abkommen unterzeichet (2), das die Fortsetzung einer friedlichen Zusammenarbeit und Koexistenz von Juden und Arabern gewährleisten sollte. Al-Husseinis Traum eines panarabischen islamischen Reiches plante weder die Präsenz von Juden noch die Herrschaft einer nicht-islamischen Macht ein. Als er Mufti wurde, erließ Al-Husseini eine Fatwa des Jihads gegen die Zionisten und alle Muslime, die nicht mit ihm zusammenarbeiten würden. Er organisierte und lancierte die ersten modernen muslimischen Fedajin-Selbstmordkommandos, um seinen „heiligen Krieg“ zu führen, der ihn quasi zum Vater des modernen islamischen Jihad machte. Winston Churchill nannte ihn „eine auf zwei Beinen umhergehende Tonne Dynamit“ (3).

Im Jahr 1922 hatte Al-Husseini die Kuppel des Felsendoms vergolden lassen mit dem Ziel, die Bedeutung Jerusalems in der islamischen Welt zu verstärken, obwohl Jerusalem nicht im Koran erwähnt wird und bis dahin überhaupt keine Bedeutung für Muslime hatte. Al-Husseinis islamische Autorität nahm zu als er 1922 zum Obersten Befehlshaber des Obersten Muslimrates ernannt wurde und 1928 zu einem zentralen Mitglied und zur ideologischen Inspiration der Muslimbruderschaft wurde (4). Am 23. August 1929 verglich er in einer feurigen Rede in der Al-Aqsa-Moschee Palästina mit dem verlorenen Andalusien (Iberia) und erinnerte seine Zuhörerschaft daran, dass jedes Land, das jemals vom Islam erobert worden war, heilig und ewiger Besitz der „Ummah“, der islamischen Gemeinschaft, wäre. Im Anschluss an diese Rede riefen die Anhänger Al-Husseinis offen nicht nur zur Abschlachtung der Zionisten, sondern aller Juden auf während alle arabischen Führer, die seine Ansichten ablehnten, zum Schweigen gebracht werden sollten (5).

1933 war Al-Husseini der erste Führer, der Hitler ein Gratulationsschreiben zu seiner Wahl schickte. 1936 kontaktierte er Nazi-Emissär Adolf Eichmann bei seinem Besuch in Palästina und Ägypten. Bald darauf wurde Al-Husseini ein bezahlter Agent der Nazis und zettelte einen Aufstand gegen die Briten an. 1937 stellten die Briten einen Haftbefehl für ihn aus. Deswegen flüchtete er aus Palästina und suchte nacheinander Zuflucht im Französischen Mandatgebiet des Libanon, dann in Syrien, im Königreich Irak, in Italien und schließlich in Nazi-Deutschland.

Am 28. November 1941 traf Hitler mit Al-Husseini in Berlin zusammen. Al-Husseinis Tagebuch zufolge diskutierten sie damals „die jüdische Frage“. Hitler versprach, dass – nachdem die „Endlösung“ der Juden Europas erreicht worden wäre – die Nazis ihn als muslimischen Führer des Nahen Ostens einsetzen würden und eine Zeit käme, in der die ganze arabische Welt „Judenfrei“ wäre (6). Gerade mal zwei Monate nach diesem Treffen, am 20. Januar 1942, fand die Wannsee-Konferenz statt, auf der der Genozid der Juden, die sogenannte „Endlösung“, als offizielle Politik des Dritten Reiches beschlossen wurde. In seinen Memoiren schrieb Al-Husseini: „Unsere fundamentale Bedingung, mit Deutschland zu kooperieren, war Handlungsfreiheit, auch den letzten Juden in Palästina und der arabischen Welt auszurotten. Ich bat Hitler um eine ausdrückliche Vereinbarung, um uns zu erlauben, das jüdische Problem in einer Weise zu lösen, die zu unseren nationalen und rassischen Bestrebungen passte und nach den wissenschaftlichen Methoden, die Deutschland im Umgang mit seinen Juden neu entwickelte. Die Antwort, die ich bekam, lautete: ‚Die Juden gehören dir‘.“ Die Nazis gaben Al-Husseini ein luxuriöses Haus, das von einem Juden konfisziert worden war und in dem es – bis 1939 – eine hebräische Schule gegeben hatte. Er verwies auf seine neue Residenz und seinen Hauptsitz als „das Forschungsinstitut für das jüdische Problem in der moslemischen Welt“. Neben seinem Gehalt von über zehntausend Dollar (eine exorbitante Summe für den Standard der Zeit), das direkt aus dem Außenministerium stammte, erhielt er einen stetigen Geldfluss aus dem Sonderfond, Geld, das von Juden auf ihrem Weg in die Konzentrationslager konfisziert worden war. Von Berlin aus begann er damit, eine Rundfunksendung für die muslimische Bevölkerung in alle von Nazis kontrollierten Territorien auszustrahlen, in der er das Emporkommen einer muslimischen Armee im Dienste der NS-Sache und letztlich die „Befreiung“ der arabischen Welt forderte. Die Resonanz war so groß, dass eine große Anzahl von Muslimen Nazi-Militäreinheiten beitrat und dass er tatsächlich in der Lage war, ganze muslimische Divisionen, genannt Handžar-Divisione, aufzubringen. Ein von Al-Husseini im Jahr 1937 geschriebenes Buch „Apell an alle Muslime der Welt“ wurde an diese Soldaten verteilt. Darin behauptete er, im heiligen Text des Koran wäre dargelegt, dass die Juden die größten Feinde des Islam wären und er forderte die Muslime auf, für ihre Religion zu kämpfen und nie damit aufzuhören, bis alle muslimischen Länder judenrein wären: „Palästina, ein arabisches Land, wird für immer arabisch bleiben“ (7). Nach dem Krieg floh Al-Husseini mit einem falschen Pass nach Kairo, Ägypten, wo er weiterhin anti-jüdische Propaganda produzierte und verbreitete und wo er Mentor des Sohnes seines Cousins wurde, Yasser Arafat. Er starb am 24. Juli 1974 in Beirut, Libanon. Sechs Monate später würde seine pan-arabische islamische Sache – unter dem Deckmantel des „palästinensischen Kampfes“ – Eingang in die Weltpolitik erhalten – durch das Willkommenheißen Arafats in der UN. In der Tat wird im der Palästinensischen Nationalcharta im Jahr 1964 (8) das Ziel der islamischen Vorherrschaft unter dem Namen der „arabischen Einheit“ verschleiert, während die „palästinensische“ Identität als Tarnung vorgeschlagen wird. So wird das durch den Leiter der As-Sa’iqa-Fraktion der PLO, Zuheir Mohsen, in einem Interview mit der niederländischen Zeitung Trouw erklärt: „Zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen gibt es keine Unterschiede. Wir sind alle Teil eines Volkes, der arabischen Nation. … Wir sind ein Volk. Nur aus politischen Gründen unterstreichen wir sorgfältig unsere palästinensische Identität. … Ja, die Existenz einer separaten palästinensischen Identität besteht nur aus taktischen Gründen. Die Gründung eines palästinensischen Staates ist ein neues Mittel, um den Kampf gegen Israel und für die arabische Einheit (9) fortzusetzen.

TEIL 2

François Genoud (1915 – 1996): Der „Schweizer Bankier des Dritten Reiches“ … und der Großmufti Al-Husseini

François Genoud war ein Schweizer Bürger aus Lausanne, der als „der mysteriöseste Mann in Europa“, „der schwarze Bankier“, „der Schweizer Finanzier des Dritten Reiches“, „der Schattenmann“, „der Extremist“, „der Bankier des Schattens“ … bezeichnet wurde.

1932, im Alter von 17 Jahren, als er in Bonn studierte, traf er Adolf Hitler, der ihn mit folgenden Worten begrüßte: „Ihre Generation wird Europa bauen“(1). Diese Begegnung markiert den Beginn einer lebenslangen Hingabe an den Führer, wobei er später vertraulich mitteilte: „Die Wahrheit ist, ich liebte Hitler“ (2). Der junge Genoud las „Mein Kampf“ und schloss sich nach seiner Rückkehr der Pro-Nazi-Bewegung „Nationale Front“ an, die die „Protokolle der Weisen von Zion“ in der Schweiz einführte (3). 1936, im Alter von 21 Jahren, reiste er mit seinem Freund Jean Bauverd in den Nahen Osten. Sie trafen in Jerusalem den Großmufti Al-Husseini, der den jungen Abenteurern berichtete: „Ihr jungen Leute, die ihr Französisch sprecht und Freunde des arabischen Nationalismus und des Islam seid, ihr solltet an die Befreiung des französich und italienisch domininierten Maghreb denken. Dort kann eure Hilfe am effektivsten sein und dort ist sie am meisten vonnöten“ (4). Genoud erinnert sich später: „Diese wenigen Worte wurden in unsere Herzen gebrannt; sie hatten einen großen Einfluss auf unser Leben“ (5). Diese Begegnung war der Beginn einer Freundschaft, die bis zum Tode Al-Husseinis im Jahr 1974 andauerte. Später besuchte Genoud den Mufti in Berlin, der ihm die Verwaltung all seiner finanziellen Angelegenheiten anvertraute. Während er in Deutschland war, wurde Genoud – verpflichtet von dem SS-Mann Paul Dickopf –  Geheimagent für die Abwehr, dem Geheimdienst des Dritten Reiches. Er war gleichzeitig Geheimagent der schweizerischen Regierung und benutzte seine einzigartige Position, um den sicheren Transfer aller Währungen, Gold, Diamanten und anderer größtenteils von Juden gestohlener Wertsachen durch die Nazis zu Schweizer Bankkonten zu ermöglichen. Diese Zusammenarbeit verlieh ihm den Titel „des Schweizer Bankiers des Dritten Reiches“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg behielt Genoud die exklusiven Urheberrechte der Schriften Hitlers, Goebbels und Bohrmanns und verdiente so ein Vermögen. Er wurde der finanzielle Wegbereiter des Netzwerks der Nachkriegsorganisation ODESSA (Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen, d.h. Organisation der ehemaligen SS-Offiziere), des Vorläufers von „Die Spinne“ (the spider), des Geheimklubs von ehemaligen SS-Offizieren. Das komplexe Netzwerk der ODESSA umfasste antikommunistische Katholiken, das Internationale Rote Kreuz und sein islamisches Äquivalent, den Rote[n] Halbmond (6). Ironischerweise taucht nach dem Krieg Genould als Repräsentant des Schweizerischen Roten Kreuzes in Brüssel auf, während sein Freund Dickopf von 1968 bis 1972 der Präsident Interpols war. Das Odessa-Netzwerk funktionierte im Wesentlichen für den Transfer deutscher Gelder auf Schweizer Bankkonten und für die Evakuierung von Nazi-Führern durch Italien, Portugal und Spanien in den Nahen Osten, Nordafrika und Lateinamerika. 1958 gründete Genoud in Genf die Arabische Handelsbank, die zu einem Schwerpunkt für islamische Netzwerke in Europa wurde. Alle seine Aktivitäten zeigten die fortdauernde Allianz zwischen neo-nazistischen Kräften und radikalen arabischen Nationalisten und Islamisten. 1988 gründete er die Al-Taqwa-Bank in Lugano, die Al-Qaida und die Hamas finanziell unterstützte, jedoch nach den Anschlägen vom 11. September von den Schweizer Behörden geschlossen wurde. Genoulds Finanzierung war die finanzielle Quelle für die Verteidigung im Gerichtssaal der Nazi-Verbrecher Klaus Barbie und Adolf Eichmann, des Islam-Konvertiten und Holocaustleugners Roger Garaudy, des palästinensischen Terroristenführers George Habash und seines terroristischen Mitarbeiters Illich Ramirez Sanchez mit dem Spitznamen „Carlos, der Schakal“ (7). 1972 war Genould direkt an der Entführung eines Flugzeugs der Lufthansa nach Aden beteiligt, als er bei der Operation als Berater des palästinensischen Terroristen Waddi Addad fungierte und persönlich nach Köln fuhr, um den Brief mit der Lösegeldforderung über 5 Millionen Dollar zu überbringen (8).

Im Jahr 1996 kam ihm eine Untersuchung, die gebildet worden war, um geheime Bank- und Regierungsakten zu überprüfen und nach verlorengegangenen Geldmitteln von Holocaustopfern zu suchen, auf die Schliche. Am 30. Mai 1996 nahm François Genoud mit Hilfe der Suizid-Hilfe-Organisation Exit und damit den Fußstapfen seines lebenslangen Helden Adolf Hitler folgend einen tödlichen Trank in Gegenwart seiner Familie. Aus seinem französischen Gefängnis heraus erklärte „Carlos“, dass Genoud in einem „Akt der Selbstopferung“ gegen Israel gestorben wäre (9).

TEIL 3

Kurt Waldheim (1918 – 2007): Ein Nazi, der nie vor Gericht gestellt wurde, wird Generalsekretär der Vereinten Nationen und bietet dem „palästinensischen Kampf“ eine weltpolitische Legitimität

Kurt Waldheim war ein österreichischer Diplomat und Politiker, der vierte Generalsekretär der Vereinten Nationen (von 1972 bis 1981) und der neunte Präsident Österreichs (von 1986 bis 1992). Während er 1985 für die Präsidentschaftswahlen in Österreich kandidierte, verursachte die Enthüllung seines Dienstes als Geheimdienst-offizier in der „Wehrmacht“ im Zweiten Weltkrieg internationale Kontroversen (1). In der Tat hatte Waldheim bis zu dem Zeitpunkt seine Nazi-Vergangenheit verborgen und seine 46-jährige Täuschung wurde später in der New York Daily News so beschrieben: „Der österreichische Präsident Kurt Waldheim verbrachte den Zweiten Weltkrieg inmitten von schrecklichen Verbrechen, über die er sich [so] geäußert hat:

1. Er war nicht in der deutschen Armee.

2. Wenn Sie beweisen können, dass er in der deutschen Armee war, war er nicht in der Nähe von Kriegsverbrechen.

3. Wenn Sie beweisen können, dass er in der Nähe von Kriegsverbrechen war, wusste er nichts von ihnen.

4. Wenn Sie beweisen können, dass er von ihnen wusste, war er nicht daran beteiligt. (2)

Waldheims Frau Elisabeth, „Sissy“, gab in einem Interview mit dem Beiruter Wochenmagazin Usbu’ al‘Arabi der problematischen Untersuchung die Schuld, die eingeleitet worden war, um die Vergangenheit ihres Mannes über den „Weltzionismus“ aufzudecken. Diese Untersuchung, über die Eli M. Rosenbaum in seinem Buch „Betrayal: The Untold Story of the Kurt Waldheim Investigation and Cover-Up“ [Betrug: Die unerzählte Geschichte und Verschleierung der Kurt Waldheim-Untersuchung] ausführlich berichtet hat, erwies sich als Beweis der Nazi-Verbrechen Waldheims und führte dazu, dass er von den USA zur „Persona non grata“ erklärt wurde. Bemerkenswerterweise starben der leitende Mitarbeiter des US-Staatsarchivs, John Mendelsohn, und der jugoslawisch geborene Rechtsanwalt und Rechtsexperte der Library of Congress [Kongress-Bibliothek] mit der Abteilung Europäisches Recht, Stephen Katich, zwei Schlüsselpersonen, die mit den Archivdokumenten zu Waldheims Nazi-Vergangenheit beschäftigt waren, in maßgeblichen Momenten der Untersuchung (4). Unter anderen Archivdokumenten wurden anti-semitische von Waldheim unterzeichnete Propagandablätter entdeckt, die eine ausdrückliche Anstiftung zum Massenmord waren: „Genug des Jüdischen Krieges. Kommt herüber. Tötet die Juden“ (5).

1974, während seiner Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen, lud er Yasser Arafat ein, um den Völkern der Welt die „palästinensische Sache“ vorzustellen und dem renommierten Terroristen eine offizielle Anerkennung auf der größten politischen Weltbühne zu bieten.

Konklusion:

François Genoud und Kurt Waldheim verkörpern jeweils die physische und geistige Brücke, die der Nationalsozialismus für den Transfer des islamisch arabischen Traums von Amin al-Husseini und Yasser Arafat in die moderne Politik leistet.

Am 10. Mai 2016 erklärte der palästinensische Premierminister Rami Hamdallah in einer Rede auf der 7. Internationalen islamischen Bayt al-Maqdis-Konferenz in Ramallah: „Diese Konferenz ist eine Fortsetzung der ersten islamischen Bayt al-Maqdis-Konferenz, die von dem verstorbenen Mufti Haj Amin al-Husseini im Jahr 1931 auf palästinensischen Boden gehalten wurde und wir gehen hier heute auf seinem Weg, in Übereinstimmung mit den Weisungen des (PA) Präsidenten Mahmoud Abbas.“ Er fuhr fort, indem er internationalen Druck forderte, um einen unabhängigen palästinensischen Staat entlang der Waffenstillstandslinien von 1949 zu gründen, mit Jerusalem als seiner „ewigen Hauptstadt“ und Israel beschuldigte, die Geschichte neu zu schreiben. Dieser Anspruch ist eine ironische Verdrehung, wenn man weiß, dass Bayt al-Maqdis eigentlich die arabisierte Form des hebräischen „Beit Hamikdash“ ist, also die Bezeichnung für den Heiligen Tempel, der in Jerusalem seit der Zeit König Salomos stand. … (1)

Tatsächlich begann die Neuschreibung der Geschichte bereits 1964 mit Artikel 20 der „Palästinensischen Nationalcharta“, in dem es heißt: „Ansprüche der historischen und religiösen Verbindungen von Juden mit Palästina sind mit den Fakten nicht vereinbar.“ Im Jahr 2011 hat die UNESCO, als Sonderorganisation der UN, der Palästinensischen Autonomiebehörde einen Sitz unter dem Namen „Staat Palästina“ gegeben und im Oktober 2015 unternahm sie unter der Leitung von „Experten“ der Palästinensischen Autonomiebehörde einige „islamisch korrekte“ Maßnahmen, indem sie „Rachels Grab“ in der Nähe von Bethlehem in die „Bilal bin Rabah-Moschee“ und das Grab der Patriarchen in die „Ibrahimi-Moschee“ umbenannten. Am 12. April 2016 wurde eine neue Resolution mit dem Namen „Besetztes Palästina“ angenommen. Die Resolution ist völlig negativistisch: die „Westmauer“ wird in Anführungszeichen gesetzt, um anzuzeigen, dass es sich um einen ungültigen Namen handelt. Al Buraq-Mauer wird ohne Anführungszeichen verwendet. Die Gräber jüdischer Friedhöfe werden als „jüdisch gefälschte Gräber“ beschrieben. Die Resolution ist radikal antisemitisch: Sie verleugnet historische und archäologische Fakten, behauptet, dass das, was existiert, nicht existiert und stellt die Geschichte der Juden als eine Lüge dar. Unglaublich – die Resolution wurde verabschiedet mit nur sechs Ländern, die ihre Bedeutung und ihre Auswirkungen  richtig entschlüsselten und dagegen stimmten. (2)

Der Artikel 22 der Palästinensischen Nationalcharta lautet: „Israel ist das Instrument der Zionistischen Bewegung und geographische Basis für den Weltimperialismus, strategisch inmitten des arabischen Heimatlandes platziert, um die Hoffnungen der arabischen Nation auf Befreiung, Einheit und Fortschritt zu bekämpfen. Israel ist eine konstante Quelle der Bedrohung für den Frieden im Nahen Osten und der ganzen Welt.“ Seit der Rede Arafats bei den Vereinten Nationen hat die Weltpolitik diesen Vorwurf zunehmend in den Begriff „israelische Besatzung“ integriert. Die für die Schaffung des Staates Israel maßgebliche UN-Organisation ist zum Vehikel eines weltweiten Anstiegs von „islamisch korrektem“ Antisemitismus geworden durch die Annahme einer beispiellosen Zahl an Resolutionen, die den winzigen Staat verurteilen. „Wenn du eine Lüge groß genug erzählst und sie immer wiederholst, werden die Leute irgendwann dazu kommen, sie zu glauben…“ war ein großes Konzept der Propaganda des Dritten Reiches; diese funktionierte eine Zeitlang für Hitlers „Kampf“ und sie funktioniert noch immer für Mufti Al-Husseinis „Jihad“.

Währenddessen schickte Kurt Waldheim mittels der „Voyager Golden Record 2“ eine Sprachnachricht des „Friedens“ ins Weltall. Eli Rosenbaum beschreibt die edle Mission mit poetischer Ironie: Auf der Scheibe, die jetzt geräuschlos durch den Weltraum schwebt, spricht Waldheims Stimme in stark akzentuiertem Englisch für uns alle und versichert unbekannten Intelligenzen, in Galaxien gleichermaßen unbekannt, dass die Völker auf Erden ’nur Frieden und Freundschaft‘ suchen. „Als Generalsekretär der Vereinten Nationen […] sende ich Grüße im Namen der Völker unseres Planeten. Wir treten aus unserem Sonnensystem heraus in das Universum auf der Suche nur nach Frieden und Freundschaft, um zu lehren, wenn wir darum gebeten werden, um zu lernen, wenn wir Glück haben“ (3).

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Quellenangaben

TEIL 1:

Chuck Morse, The Nazi Connection to Islamic Terrorism: Adolf Hitler & Haj Amin Al-Husseini (Washington, D.C.: WND Books, 2010), xiv-5 / 71-75.

(1) “Continuous Jewish Presence in the Holy Land (with Maps)”, accessed May 25, 2016, http://www.eretzyisroel.org/~samuel/presence.html.

(2) Morse, Nazi Connection to Islamic Terrorism, Appendix C: The Weizmann-Faisal Agreement.

(3) “Eine Tonne Dynamit auf zwei Beinen”, Der Spiegel no. 41, 1948, 11.

(4) “Amin Al-Husseini”, accessed April 26, 2016,
http://www.tellthechildrenthetruth.com/amin_en.html.

(5) Morse, Nazi Connection to Islamic Terrorism, 42-43.

(6) Morse, Nazi Connection to Islamic Terrorism, Appendix E: Minutes of the meeting with Hitler and Amin Al-Husseini.

(7) Barry Rubin and Wolfgang G. Schwanitz, Nazis, Islamists, and the making of the modern Middle East (Yale University Press, 2014), 150.

(8) Morse, Nazi Connection, Appendix I: The Palestinian National Covenant.

(9) James Dorsey, “Wij zijn alleen Palestijn om politieke reden”, Trouw, 31 March 1977. [As quoted in Melanie Philips, The World Turned Upside Down: The Global Battle Over God, Truth, and Power (New York: Encounter Books, 2010), 60.]

TEIL 2:

(1) Karl Laske, Le Banquier Noir (Paris: Éditions Du Seuil, 1996), 15.

(2) Gitta Sereny, The German Trauma (Penguin Group, 2000), 230.

(3) Laske, Banquier Noir, 22.

(4) Pierre Péan, L’Extrémiste. François Genoud, de Hitler à Carlos (Paris : Fayard, 1996), 8.

(5) Péan, L’Extrémiste, 88.

(6) Rubin and Schwanitz, Nazis, Islamists, 212

(7) Morse, Nazi Connection to Islamic Terrorism, 229-230.

(8) David Lee Preston, “Hitler’s Swiss Connection”, Philadelphia Inquirer, Jan. 5, 1997.

(9) Willi Winkler, Der Schattenmann (Berlin: Rowohlt, 2011), 309.

TEIL 3

(1) “Kurt Waldheim“, accessed May 28, 2016,
https://en.wikipedia.org/wiki/Kurt_Waldheim.

(2) Lars-Erik Nelson, “Making Waldheim a Martyr”, The Daily News (New York), April 29, 1987, 33.

(3) Al-Usbu’ al-‘Arabi (“Arabweek”, Beirut), June 2, 1986.

(4) Eli M. Rosenbaum and William Hoffer, Betrayal: The Untold Story of the Kurt Waldheim Investigation and Cover-Up (New York: St. Martin’s Press, 1993), 121, 136, 242, 296-297 with footnote.

(5) Rosenbaum, Betrayal, 338.

KONKLUSION

(1) Dalit Halevi, “PA PM: We’re following the path of the Nazi Mufti”, Arutz Sheva, May 11, 2016, accessed May 28, 2016,
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/212102#.V0nDrpGLTIW

(2) Guy Millière, “Time to Leave UNESCO – Again”, Gatestone Institute, May 17, 2016, accessed May 28, 2016, http://www.gatestoneinstitute.org/8048/leaveunesco.

(3) Rosenbaum, Betrayal, 465.

Die Erosion des Holocaust-Gedenkens

Nachdenkenswertes zum Holocaust-Gedenken von Isi Leibler.

Der Artikel „THE EROSION OF HOLOCAUST MEMORY“ wurde erstmals in der  Jerusalem Post veröffentlicht, am 4. Mai 2016. Trotz seines „Alters“ ist der Artikel alles andere als „alt“ – ganz im Gegenteil! …

Isi Leibler schreibt:

Meine Großeltern und viele meiner Familienmitglieder wurden von den Nazis ermordet. Ich wäre vermutlich auch umgekommen, wenn meine Eltern nicht die Weitsicht gehabt hätten, vor Ausbruch des Krieges Antwerpen auf dem vermutlich letzten Schiff nach Australien zu verlassen, als ich Kleinkind war.

Ähnlich wie die Überlebenden halten diejenigen von uns, deren Familien von den Nazis ermordet wurden, die Erinnerung an den Holocaust als Teil unserer DNA fest. In der Tat gilt das in den meisten Fällen auch für unsere Kinder, die die Sensibilität ihrer Eltern teilen.

Heute aber, 70 Jahre später, wird für unsere Enkelkinder – die meisten von ihnen hatten keine Gelegenheit zu erfahren, wie sich ihre Familien mit Erinnerungen herumquälten – die Bedeutung des Holocaust verblassen, es sei denn, es gibt einen bewussten Kraftaufwand, ihn im Rahmen ihrer (Vor-) Geschichte zu vermitteln.

In welchem Umfang die Erinnerung an den Holocaust durch künftige jüdische Generationen erhalten bleibt, wird weitgehend bestimmt werden durch den Bildungsansatz und das Curriculum des israelischen Schulsystems.

Wir sollten uns keine Illusionen machen. Das sogenannte Holocaust-Gedenken in Europa und anderen westlichen Ländern ist Augenwischerei. In den meisten Fällen trivialisiert es den Holocaust, indem es ihn mit anderen Massenmorden verknüpft. Tatsächlich ist das Gedenken so breit und universell geworden, dass die Worte „Jude“ und „Antisemitismus“ in den langwierigen Forderungen der Europäischen Union an ihre Konstituenten, am Holocaust-Gedenken teilzunehmen, nicht einmal erwähnt werden.

Wenn das Bewusstsein für den Holocaust wirklich existiert hätte, wäre es undenkbar gewesen, dass der gegenwärtige antisemitische Tsunami über den ganzen Kontinent Europa hinwegfegt, der durchtränkt ist mit dem Blut von 6 Millionen Juden, die von den Nazis und ihren Kollaborateuren ermordet wurden.

In der Tat zeigt eine Umfrage unter Erwachsenen in 101 Ländern, dass nur 54 Prozent jemals vom Holocaust gehört haben, und ein Großteil davon hielt ihn für einen Mythos.

Mit der aktuellen Zahl der Überlebenden, die drastisch abnimmt, haben sich Holocaust-leugner stark vermehrt. Tatsächlich gibt es heute eine wachsende Kampagne, angeführt von islamischen Antisemiten, um die Leugnung des Holocaust zu befördern.

Ich glaube, dass es für uns als Juden unsere Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte von künftigen jüdischen Generationen bedacht und studiert wird. Das nicht nur deswegen, um unsere Märtyrer zu ehren, sondern auch um den Kontrast zwischen dem jüdischen Volk heute – das sich mit seiner nationalen Wiedergeburt selbst verteidigen kann – und der Ohnmacht jener dunklen Jahre, in denen die Welt zuschaute, wie wir ermordet wurden, zu honorieren. Wenn wir den Doppelstandards und den Vorurteilen folgen, die uns laufend und besonders durch die Vereinten Nationen entgegengebracht werden, oft mit der Unterstützung oder der Gleichgültigkeit der Europäer, müssen wir es zu schätzen wissen, wie glücklich wir heute sind, dass wir uns auf unsere eigenen Maßnahmen zur Verteidigung verlassen können.

Es gibt einige, darunter extrem linke Israelis, die versuchen, das Gedenken an den Holocaust in Israel zu reduzieren oder gar zu streichen – mit der fadenscheinigen Begründung, das er dazu benutzt würde, um ein Umfeld jüdischer Opfer zu schaffen und Geld und politische Gefälligkeiten aus europäischen Ländern zu erpressen.

Das wäre verheerend, denn es ist notwendig, dass künftige Generationen verstehen, was mit ihren europäischen Vorfahren passiert ist, und zu erkennen, dass der Staat, in dem sie leben, nicht als selbstverständlich angesehen werden kann.

Wie wir uns an unseren Exodus – weg von der ägyptischen Sklaverei, hin zur Freiheit – erinnern, so sind wir ebenso dazu verpflichtet, uns daran zu erinnern, wie wir nach 2000 Jahren Exil und unmittelbar nach dem barbarischsten Völkermord die jüdische Nationalität im Staat Israel wiederbelebt haben.

Mein Enkel kam vor ein paar Wochen von der Fahrt seiner Schule zu den deutschen NS-Todeslagern zurück. Obwohl seine Familie bereits sensibel gegenüber dem Holocaust war, hatte die Reise einen tiefen Einfluss auf ihn.

Deshalb war ich zutiefst bedrückt zu lesen, dass der Rektor des prestigeträchtigen elitären säkularen Hebräischen Herzliya-Gymnasiums in Tel Aviv, Dr. Zeev Dagani, die Annullierung der jährlichen Reisen in die NS-Todeslager vorschlug. Er behauptet: „Es gibt viele Jugendliche, die emotional nicht in der Lage sind, die Realität des Schreckens zu erfassen. Es ist zu viel für sie und ich glaube, es ist zu früh, 16- bis 17-Jährige auf Reisen nach Polen zu schicken. Es ist eine Reise, die emotionale und intellektuelle Reife erfordert.“

Die Realität ist dergestalt, dass – wenn ein angemessener Unterricht geleistet wird und die Führungen von gut informierten Reiseleitern geführt werden – die Resultate sich als außergewöhnlich erwiesen haben und eine größere positive Auswirkung auf die Teilnehmer hatten, nicht nur hinsichtlich des Erfassens des Holocaust, sondern ebenso in Bezug auf das Verstehen und die Wertschätzung für den jüdischen Staat.

Es gibt eine berechtigte Beschwerde, dass die eskalierenden Kosten einige Schüler von der Teilnahme abhielten. Das ist etwas, was die Regierung mit dem Ziel überprüfen sollte, Subventionen bereitzustellen, damit allen Schüler, die teilnehmen möchten, dies[e Teilnahme] ermöglicht wird. Das würde sich als lohnende langfristige Bildungsinvestition erweisen.

Natürlich ist es abscheulich, von vereinzelten Gruppen zu hören, die ein Todeslager besuchen und abends an einem Trinkgelage teilnehmen oder in ihren Aufenthalt einen Einkaufstag in Warschau einstreuen. Unter solchen Umständen wäre es zweifellso vorzuziehen, solche Reisen zu stornieren.

Aber die meisten Reisen sind gut geplant und haben immense pädagogische Wirkungen, indem sie die Entstehung eines jüdischen Staates – wie ein Phönix aus der Asche des Holocaust – hervorheben, etwas, das kein Studiengang eines Klassenzimmers  nachbilden kann.

Ich hörte bewundernd zu, als mein Enkel schilderte, wie seine Gruppe vor dem Flug Rachels Grab besichtigte und sich nach ihrer Rückkehr zu einer bewegenden Zeremonie an der Westmauer zusammenfand. Er schilderte, dass einer der bewegendsten Momente für ihn nicht nur die Lager, die Museen oder etwa die Krematorien und Gaskammern war. Was ihn am tiefsten berührte, war das Stehen auf dem Boden, wo Tausende von Juden brutal ermordet und ihre Leichen in Massengräbern begraben worden waren.

Die Unermesslichkeit dessen, was während dieser schrecklichen Periode geschah, wurde weiterhin realisiert, als er und seine Begleiter sich auf Zahlen in ihren eigenen Heimatgemeinden bezogen und ihnen bewusst wurde, dass an einem einzigen Tag mehr als das Äquivalent einer ganzen Gemeinde ermordet wurde.

Die Reise verdeutlichte auch das außergewöhnlich florierende religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben der großen jüdischen Gemeinden in Polen – von den Nazis über Nacht ausgelöscht.

Wenn wir nicht weiterhin die jüngeren Generationen dazu erziehen, dass sie die Lektionen des Holocaust und seine Verbindung zu unserem heutigen Status als unabhängigen jüdischen Staat (der in der Lage ist, sich sowohl selbst zu verteidigen als auch einen sicheren Hafen für jeden Juden in Bedrängnis zu bieten), werden wir unsere feierliche Verpflichtung verraten haben, uns zu erinnern. Und diese schreckliche Episode wird einfach eine Fußnote der Geschichte sein.

Übersetzung: faehrtensuche

75 Jahre Wannsee-Konferenz

20. JANUAR 1942

„Es ist kurz vor zwölf Uhr am 20. Januar 1942, als im Speisesaal des Gästehauses der ehemaligen Villa Marlier am Wannsee 15 Männer zusammenkommen. […]

Die Konferenz am Wannsee dauert nur etwa anderthalb Stunden. Die Teilnehmer streiten nicht, diskutieren kaum. Sie sind sich einig, das Richtige und Notwendige zu tun. Nachdem sie festgelegt haben, wie der Holocaust abzulaufen habe, setzen sie sich zu Tisch.“

Nils Sandrisser, Planung des Grauens

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„Ein vorrangiges Ziel der Zusammenkunft war die Einbindung der vertretenen Institutionen in die Planung und technisch-organisatorische Umsetzung des Völkermords. Dieser war zum Zeitpunkt der Konferenz bereits in vollem Gang.“ [Unter nachfolgendem Link sind auch alle 15 Teilnehmer namentlich aufgeführt.]

Arnuld Scriba, Deutsches Historisches Museum, Berlin

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„Im Januar 2006 hat die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz eine neue ständige Ausstellung eröffnet.“

Haus der Wannseekonferenz, Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden

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Zufall? Von 30 existierenden Exemplaren des Protokolls ist nur eins erhalten geblieben! Interessant, dass genau dieses eine Exemplar (Nr. 16) an einen Mann namens Martin Luther verschickt wurde, seines Zeichens „Unterstaatssekretär und Vertreter des Auswärtigen Amtes bei der Konferenz“. Sven Kellerhoff berichtet interessante Details zum Fund!

Sven Kellerhoff, „Durchführung der Endlösung“ – der Protokollfund

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Erschreckend: „Die bundesdeutsche Justiz erhob niemals Anklage wegen der Wannsee-Konferenz. Die Staatsanwaltschaft Ulm stellte 1962 ihre Ermittlungen gegen Gerhard Klopfer ein, der als Ministerialdirektor der Partei-Kanzlei der Einladung Heydrichs gefolgt war. Klopfer, der nach dem Kriegsende als Rechtsanwalt arbeitete, starb als letzter Teilnehmer der Wannsee-Konferenz 1987. Der Nachruf rühmte „sein Wirken zum Wohle aller, die in seinem Einflussbereich waren“. Fünf Jahre später eröffnete nach langen politischen Kontroversen am historischen Ort eine Gedenk- und Bildungsstätte .“ [Hervorhebung faehrtensuche]

Andreas Mix, Wie die Nazi-Spitze den Judenmord vorantrieb

77 Jahre …

… sind seit den Novemberpogromen 1938 vergangen.

„In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten SA-Truppen und Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Mehrere hundert Synagogen wurden in Brand gesetzt, mindestens 8000 jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Zwischen 90 und 100 Juden wurden erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt. In den Tagen darauf wurden im ganzen deutschen Reich etwa 30000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Die antisemitischen Ausschreitungen waren von der nationalsozialistischen Führung organisiert, die die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Bürger seit der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 systematisch vorantrieb. Die Nacht des 9. Novembers 1938 ging als Reichspogromnacht in die Geschichtsbücher ein.“ (Bundeszentrale für politische Bildung)

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„VERORDNUNG […] ZUR WIEDERHERSTELLUNG DES STRASSENBILDES BEI JÜDISCHEN GEWERBETREIBENDEN

… §1. Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland am 8., 9. und 10. November 1938 an jüdischen Gewerbetrieben und Wohnungen entstanden ist, sind vom jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.

§ 2. (1) Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen.

(2) Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reichs beschlagnahmt. …“

Zitiert aus: Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933 – 1945, Herausgegeben und kommentiert von Walther Hofer.