Sehr geehrter Prinz William …

von Meira Svirsky, Montag, 25. Juni 2018

Sehr geehrter Prinz William,

Zunächst möchte ich Ihnen ein wahres und herzliches Willkommen für Ihren Besuch bereiten. Wirklich, keine harten Gefühle dafür, dass Sie nicht früher gekommen sind (obwohl 70 Jahre eine lange Wartezeit sind). Obwohl Ihre Großmutter in ihrer Regierungszeit als Königin mehr als 120 Länder besucht hat, ist sie nie hierher gekommen.

Es ist also ein wahrhaft historisches Ereignis, das wir zusammen erleben. Ich muss zugeben, als du gegangen bist, nachdem du 30 Jahre bei mir warst, wurde ich an diesen großartigen Song aus den 70er-Jahren erinnert „I Will Survive“ [„Ich werde überleben“]:

Zuerst hatte ich Angst, ich war gelähmt

Ich dachte, ich könnte niemals leben ohne dich an meiner Seite [zu haben]

Aber dann habe ich so viele Nächte damit verbracht, darüber nachzudenken, wie du mir Unrecht getan hast

Und ich wurde stark

Und ich habe gelernt, wie ich zurechtkomme

„Und so bist du zurück“, heißt es weiter im Lied. Ich kann es kaum erwarten, den Ausdruck in Ihrem Gesicht zu sehen, wenn Sie sehen, wie sich die Dinge verändert haben, seit Ihre 80.000 Soldaten im Jahr 47 aus ihm abgezogen sind.

Ich bin eine lebendige Demokratie geworden, die erfolgreich mit den Rechten jongliert und die drei großen Weltreligionen herausfordert.

Man könnte mich sogar als virtuelles Leuchtfeuer bezeichnen, wenn man bedenkt, in welcher Nachbarschaft ich lebe – an mindestens drei Seiten umgeben von radikalen islamistischen Regimes: Libanon im Norden, kontrolliert von der vom Iran unterstützten Terrorgruppe Hisbollah, Gaza im Süden, regiert von der Terrororganisation Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde im Osten, die islamistischen Hass gegen mein Volk schürt und ihre Kinder schon vor dem Kindergarten in dieser mörderischen Ideologie indoktriniert.

Trotzdem bin ich ein autarker, unternehmerischer Hightech-Knotenpunkt geworden. Ich bin froh zu sehen, dass Sie all diese Dinge erleben werden, nachdem Sie sich Ihre Reiseroute angesehen haben.

Es gibt nur einen heiklen Punkt an Ihrem letzten Tag mit mir. Sie planen den Ölberg zu besuchen, wo Ihre Urgroßmutter, Prinzessin Alice, in der Kirche St. Maria Magdalena begraben liegt.

Prinzessin Alice war eine besondere Frau, die eine jüdisch-griechische Familie vor den Nazis rettete. (Wenn Sie Yad Vashem besuchen, das berühmte Holocaust-Museum, werden Sie sie für diese Tat als „Gerechte unter den Völkern“ sehen.)

Mir wurde gesagt, dass Sie dann zu einer meiner heiligsten Stätten, der Klagemauer, gehen.

Ihre Auslandsvertretungen haben jedoch Ihre Reisen zu diesen Orten als Teil Ihres „Programms in den Besetzten Palästinensischen Gebieten der Altstadt Jerusalems“ aufgelistet.

Vielleicht, William, könnten Sie in diesem Punkt Ihr Auswärtiges Amt ein wenig bilden. Dies war das Land, das 3000 Jahre lang die Hauptstadt meines Volkes war, das Herz meines alten nationalen Königreichs.

Im Jahr 1922, als Sie dieses Gebiet verwalteten, beauftragte der Völkerbund Sie, in diesem Land eine Heimstätte für mein Volk zu schaffen.

Nachdem Sie ohne viel Federlesens gegangen sind und mich der sicheren Zerstörung durch meine Feinde ausgesetzt haben, habe ich mich auf wundersame Weise durchgesetzt und bin schließlich wieder ein Staat geworden. Dabei wurde mir dieses Stück Land – der Teil meiner alten Stadt – abgenommen und von Jordanien illegal besetzt.

Als ich also im Krieg 1967 auf wundersame Weise erneut allen Widrigkeiten zum Trotz überlebte, nahm ich nur das zurück, was mir ursprünglich gegeben worden war.

Also, im Gegensatz zu den Aufzeichnungen, die Sie von Ihrem Auswärtigen Dienst erhalten haben, gab es für mich keine „palästinensischen Gebiete“, die zu besetzen gewesen wären. Palästina war das Wort, mit dem Israel Jahrhunderte lang beschrieben wurde, doch das „Palästina“, auf das sich die Welt heute bezieht, konnotiert ein gewalttätiges Regime, das mich wild entschlossen zerstören will, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, einschließlich der zynischen Verwendung islamistischer Ideologie.

Ich wollte mir das nur von der Seele reden, damit es keine Missverständnisse zwischen uns gibt, wenn Sie heute Abend in Ben Gurion, meinem hochmodernen Flughafen, landen.

Wir freuen uns auf einen tollen Besuch mit Ihnen!

Hochachtungsvoll,

 der Staat Israel

Originalartikel: Meira Svirsky, Dear Prince William …

Übersetzung: faehrtensuche