Rabbi Sacks: Moralische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

An Rosh Hashanah [1], Yom Kippur [2] und den Tagen dazwischen stellen wir eine der kraftvollsten, doch unmodernsten Überzeugungen des Judentums dar: Unser Leben hat individuell und kollektiv eine moralische Dimension.

Wir können die meiste Zeit des Jahres so leben, als ob es auf Erfolg oder Ruhm, Macht oder Reichtum ankäme. Aber an diesen heiligen Tagen kommen wir in der Synagoge zusammen, um vor G’tt zu stehen und zwei ganz und gar unumstößliche Wahrheiten anzuerkennen: Wir sind das Gut, das wir in der Welt tun, und wir sind verantwortlich für das Böse, das wir getan haben, oder für das Gute, das wir zu tun versäumt haben.

Dieses Jahr hatte ich, mit freundlicher Genehmigung der BBC, eine einmalige Chance, diese Überzeugungen mit einigen der besten Köpfe der Welt zu diskutieren. Im Rahmen einer Reihe von Programmen zu moralischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts traf ich führende Philosophen, Denker, Innovatoren und Philanthropen sowie Oberstufenschüler aus dem ganzen Land. Was sie zu sagen hatten, war kraftvoll, wichtig und notwendig.

Die These, die ich testen wollte, lautete: Seit 50 Jahren betreibt der Westen ein verhängnisvolles Experiment, dass wir ohne einen gemeinsamen Moralkodex auskommen können. Worte, die uns einst gelenkt haben – wie „richtig“, „falsch“, „müsste“, „sollte“, „Pflicht“, „Verantwortung“, „Loyalität“, „Tugend“, „Ehre“ – haben jetzt eine antiquierte Ausstrahlung, als ob sie aus einer längst vergangenen Zeit stammten.

Stattdessen haben wir die Moral auf den Markt und den Staat ausgelagert. Der Markt gibt uns die Wahlmöglichkeiten; der Staat befasst sich mit den Konsequenzen; aber keiner von beiden entscheidet darüber. Solange wir anderen nicht direkt schaden, können wir tun, was wir wollen.

Dies wurde damals als eine große Befreiung erlebt. Wir waren freier denn je, das zu sein, was immer wir sein wollten. Aber wir können jetzt die Kosten in zerrütteten Familien, den Verlust der Gemeinschaft, einen Anstieg der Depressionen, Selbstmorde und Einsamkeit von Jugendlichen, einen Verlust des Vertrauens in große Konzerne und Regierungen, den neuen Tribalismus der Identitätspolitik und die Bissigkeit, die für die Kommunikation im Internet gilt, zählen. Eine gemeinsame Moral verbindet uns. Wenn man sie von ihr löst, sind die Menschen verwundbar und allein.

Jeder, der mit der hebräischen Bibel vertraut ist, hätte dies vorhersagen können. Es ist die Geschichte, die von den Propheten immer wieder erzählt wird. Wir hören es in Elia, Elisa, Amos, Hosea, Jesaja und Jeremia. Ohne ein tief verinnerlichtes Gefühl der kollektiven Verantwortung für das Gemeinwohl beginnt die Gesellschaft zu zerbrechen und zu zersplittern. Wir bewegen uns von einer Welt des „Wir“ zu einer des „Ich“: das private Streben nach persönlichen Bedürfnissen.

Darauf zurückzuführen sind – zeitgemäß ausgedrückt – unverantwortliche Banken, gierige Konzerne, ausbeuterische Politik, sexuelle Belästigung und vernachlässigte Kinder. Es gibt nichts in unserer natürlichen Beschaffenheit, was dafür sorgt, dass die Reichen sich um die Armen kümmern oder die Mächtigen um die Machtlosen.

Deshalb brauchen wir Moral: uns gegenseitig dabei behilflich sein, gemeinsam für das Wohl aller zu sorgen, nicht nur für jeden von uns allein.

Die Propheten sagten, dass das Endergebnis einer solchen Gesellschaft Niederlage und Verzweiflung sein würde. Nun, wir haben keine Propheten mehr. Aber hören Sie sich diese Liste von Titeln der kürzlich erschienenen Bücher in Großbritannien und den Vereinigten Staaten an: „How Democracy Ends?“ [Wie Demokratie endet]; „The Death of Democracy“ [Der Tod der Demokratie]; „Can Democracy Survive Global Capitalism?“ [Kann die Demokratie den globalen Kapitalismus überleben?]; „Why Liberalism Failed“ [Warum der Liberalismus gescheitert ist]; „The Retreat of Western Liberalism“ [Der Rückzug des westlichen Liberalismus]; „The Strange Death of Europe“ [Der seltsame Tod Europas] und „The Suicide of the West“ [Der Selbstmord des Westens]. Dies sind endlose Variationen und säkulare Aktualisierungen der Warnungen der hebräischen Propheten.

Praktisch alle von mir interviewten Menschen hatten eine starke moralische Botschaft. Der kanadische Psychologe Jordan Peterson sprach über die Bedeutung, die persönliche Verantwortung zu akzeptieren und über die Gefahr, sich selbst als Opfer zu sehen. Jonathan Haidt, der amerikanische Sozialpsychologe, sprach darüber, wie die Politik der Opferrolle die Redefreiheit auf den Universitätsgeländen bedroht. Der Harvard-Soziologe Robert Putnam diskutierte darüber, wie der Zusammenbruch von Familien und Gemeinschaften mindestens den dritten Teil Amerikas der sozialen Mobilität beraubt.

Die britische Ökonomin Noreena Hertz plädierte für einen moralischeren Umgang mit dem Kapitalismus. Jean Twenge, die weltweit führende Expertin für die Auswirkungen der sozialen Medien, war erschreckend, als sie den Anstieg der Depression bei den Teenagern von heute aufzeigte. Der Kolumnist der New York Times, David Brooks, sprach eloquent darüber, wie wir uns zu sehr auf die „Resümee-Tugenden“ konzentriert haben, auf die Fähigkeiten, die wir für unseren beruflichen Erfolg benötigen, und zu wenig auf die „Laudatio-Tugenden“, die Gewohnheiten des Charakters, die Sinn und Anmut in unser Leben bringen.

Der Harvard-Philosoph Michael Sandel erinnerte uns daran, dass Politik eine unausweichliche moralische Dimension hat. Der Neurowissenschaftler Steven Pinker forderte uns auf, den Tatsachen und nicht den Gefühlen zu folgen. Mustafa Suleyman von DeepMind erklärte, wie wir Ethik in die Entwicklung der künstlichen Intelligenz einbauen müssen, und Nick Bostrom, der Mann, der die Welt vor den Gefahren der Superintelligenz aufmerksam machte, warnte davor, Technologien zu entwickeln, die wir nicht kontrollieren können.

Auf der anderen Seite waren Melinda Gates und Heather Templeton Dill, Leiter von zwei der weltweit führenden philanthropischen Stiftungen, inspirierend, indem sie von der Kraft sprachen, die wir alle haben, um das Leben anderer Menschen zum Positiven zu verändern. Nicht weniger eloquent sprachen die Jugendlichen über ihre moralischen Helden und Vorbilder, ihre Ängste und Hoffnungen für die Zukunft.

Das Fazit all dessen ist, dass die Gesellschaft mehr braucht als den freien Markt und den liberal demokratischen Staat. Wir müssen die moralische Verantwortung für unser eigenes Leben und für das Gemeinwohl übernehmen. Diese Wahrheit wird seit einem halben Jahrhundert in den Hintergrund gestellt, aber die Belastungen beginnen sich zu zeigen. Wir haben bereits die ersten Erschütterungen der Alternativen gesehen: Populismus, Identitätspolitik, die Kultur der Opferrolle und der Aufstieg der extremen Linken und der extremen Rechten – was ich die Politik des Zorns nenne.

Vor langer Zeit haben Juden Pionierarbeit für die Alternative geleistet: die Politik der Hoffnung. Hoffnung entsteht, wenn wir uns individuell und kollektiv der Gerechtigkeit, dem Mitgefühl, der Heiligkeit des Lebens und der Würde des Einzelnen widmen. Das ist es, wozu wir zu Rosh Hashanah und Jom Kippur aufgerufen sind. G’tt bittet uns nicht, perfekt zu sein. Er bittet uns, unser Bestes zu geben, um Ihn, unseren Nächsten und den Fremden zu lieben. Und wenn wir versagen, wie wir es alle auf die eine oder andere Weise tun, bittet Er uns, unser Versagen anzuerkennen und es erneut zu versuchen.

Seit Anbeginn unserer Geschichte wurde das Judentum von einer moralischen Leidenschaft gelenkt, Gottes Befehl an Abraham [entsprechend], „seine Kinder zu lehren, den Weg des Herrn zu bewahren, indem sie Recht und Gerechtigkeit tun.“ Diese Leidenschaft ist auf lange Sicht das einzige, was in der Lage ist, eine freie Gesellschaft zu erhalten. Ohne sie geht jede Supermacht in der Geschichte nach einer Zeit des Wohlstandes schließlich unter und fällt. Die jüdische Botschaft war selten relevanter als jetzt. Oder wie wir es an diesen heiligen Tagen sagen: Buße, Gebet und Nächstenliebe geben uns die Chance, neu anzufangen und das böse Dekret abzuwenden.

Originalartikel: Rabbi Lord Jonathan Sacks, Why the world needs Rosh Hashana, [Warum die Welt Rosh Hashana braucht], 7. September 2018

Übersetzung: faehrtensuche

[1] Rosh Hashana 5779 (9.09. – 11.09.2018)

[2] Yom Kippur 5779 (18./19.09.2018)

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Shana tova 5778

Es ist mal wieder soweit: Ein weiteres (jüdisches) Jahr neigt sich dem Ende entgegen, ein neues beginnt. In Israel wird Rosh HaShana, der Beginn des (jüdischen) neuen Jahres gefeiert. Rosh HaShana wird auch „Kopf des Jahres“ genannt. Der Neustart des Jahres erfolgt wann genau? Ja, mit dem ersten Blasen des Schofars. Eindrücklicher als im nachfolgenden Video kann man es nicht verdeutlichen. Viel Vergnügen!

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Shana tova umetuka! Ein gutes und süßes neues Jahr!

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(Lese-)Hinweis: Ulrich W. Sahm, Platz für neue Zettel an der Klagemauer

5777 – Ein neues jüdisches Jahr beginnt …

… heute Abend mit Sonnenuntergang.

SHANA TOVA! Allen jüdischen Lesern ein gutes und süßes* neues Jahr!

* „Warum bitten wir sowohl um ein ‚gutes‘ als auch ’süßes‘ Jahr? Schließt das Wort ‚gut‘ nicht automatisch ’süß‘ mit ein?

Das Judentum lehrt, dass alles, was geschieht, zum Guten geschieht. Es ist Teil des göttlichen Willens. Alles, was in unseren Augen ’schlecht‘ ausschaut, ist eigentlich ‚gut‘. So bitten wir, dass zusätzlich zu ‚gut‘ das Jahr als gut ‚offenbart‘ werden möge, d.h. dass es uns ’süß‘ schmecken möge.“

Aus: ABC’s of Rosh Hashana von Rabbi Shraga Simmons (Englisch)

Lese-Empfehlung (Das Wesentliche des Festes kurz zusammengefasst):
Johannes Gerloff, Rosch HaSchanah, der „Kopf des Jahres“, Israelnetz

Rückblick und Ausblick –

Rückblick auf das Jahr 5775 und Ausblick auf 5776 hält Isi Leibler in seinem Artikel „Rosh Hashana: Confronting the challenges of 5776„.

Er schreibt (Übersetzung: faehrtensuche):

Das vergangene Jahr wird, wie seine Vorgänger, wieder einmal von Vielen als ein annus horribilis [ein besonders schlechtes Jahr] angesehen werden.

Es ist in der Tat ein bitteres Jahr auf breiter Front gewesen. Israel ist eine Oase, umgeben von einem Meer an Barbarei, die an das finstere Mittelalter erinnert, mit islamischen Barbaren, die schadenfroh die Enthauptung von Geiseln filmen, Hunderttausende von Zivilisten ermorden und Millionen Flüchtlinge schaffen, die nun Asyl in Europa suchen.

Die Beziehung mit der Obama-Regierung hat sich weiter verschlechtert und gegen den Widerstand der Mehrheit der Amerikaner und beider Häuser des Kongresses hat die Regierung einen Deal zum Abschluss gebracht, der die iranischen Terroristen befähigt, ein Vermächtnis zu hinterlassen, das sich global auf die nächste Generation auswirken wird. Mit der unerbittlichen Bekräftigung der Iraner, die Zerstörung Israels werde eines ihrer wichtigsten Ziele bleiben, löst das besonders negative Assoziationen bei uns aus.

Abgesehen von den USA, wo Israel sich starker öffentlicher Unterstützung erfreut, wurde unser weltweites Ansehen weiter ausgehöhlt, besonders in Europa, wo sie nun bereit sind, neue Maßnahmen anzukündigen, um uns unter Druck zu setzen, weitere einseitige Zugeständnisse an die Palästinenser zu machen. Dieses, in einer Zeit des Chaos‘ in der Region und mit dem Level der von der offen genozidalen Hamas praktisch nicht zu unterscheidenden Hetze gegen Israel durch die palästinensische Autonomiebehörde.

Eine echte Friedensregelung mit den Palästinensern ist nicht einmal am Horizont und wird nicht eher erreicht werden bis es Führer gibt, die sich wirklich dem Frieden und der Koexistenz verschrieben haben. Während wir fortfahren müssen, auf einer Interimsbasis, Brücken zum palästinensischen Volk durch die Verbesserung ihrer Lebensqualität zu bauen, müssen wir auch Widerstand leisten gegen die internationalen Bemühungen, Israel unter Druck zu setzen, um weitere einseitige Zugeständnisse zu machen, die radikale Palästinenser, die sich eher für eine Beendigung der jüdischen Souveränität engagieren als für das Erreichen ihrer Unabhängigkeit, stärken.

Der weltweite antisemitische Tsunami ist noch am Toben und Europa wird in einen Friedhof für Juden verwandelt. Die öffentliche Meinung in Europa, dem Kontinent mit dem Blut von Juden aus der Shoah, betrachtet den jüdischen Staat als eine größere Bedrohung des Weltfriedens als Iran, Syrien oder sogar Nordkorea und sieht Israelis als genozidal an, ihr Verhalten gegenüber den Palästinensern vergleichbar mit dem der Nazis gegenüber den Juden.

Terrorakte gegen Juden durch Dschihadisten, die von syrischen Schlachtfeldern zurückkehren, schaffen eine Atmosphäre der Angst, auch in größeren europäischen jüdischen Gemeinden. Französische Juden wurden von einem amerikanischen Meinungsforscher gewarnt, dass sie, neben der Vermeidung von Gegenständen, die sie als Juden identifizierten, auch immer die Verwendung des Begriffs „Zionist“ vermeiden sollten, wegen der Feindseligkeit, die er erzeugt. Es ist nicht überraschend, dass viele europäische Juden für sich keine Zukunft in Ländern sehen, die sie als Parias betrachten, wenn sie sich nicht dem Chor der anti-israelischen Dämonisierung anschließen und beabsichtigen zu emigrieren.

Nach der Gewissensprüfung – Teshuva* – und dem kritischen Rückblick auf das vergangene Jahr im Hinblick auf unsere Vervollkommnung, müssen wir auch sensibel werden für eine Reihe von entscheidenden Bereichen, die, wenn man sie ignoriert, uns letztlich unermesslichen Schaden zufügen können.

Vor allem müssen wir einen größeren Sinn für Einheit und menschliches Zusammenleben kultivieren. Um das zu erreichen, müssen wir unser dysfunktionales politisches System reformieren – was nur mit einer Regierung der Einheit geschehen wird. Während sowohl von Ministerpräsident Netanyahu als auch von Oppositionsführer Isaac Herzog gesagt wird, eine solche Reform zu favorisieren, wird sie von den radikalen Flügeln ihrer jeweiligen Parteien verhindert.

Wir müssen auch Maßnahmen ergreifen, um die die Gesellschaft polarisierende Tribalisierung umzukehren, durch die Stärkung der zionistischen, jüdischen und demokratischen Identität des Staates und durch Auferlegung verbindlicher Kerncurricula in allen Bildungswegen, einschließlich der haredischen und arabisch-israelischen Sektoren.

Es muss auch eine konzertierte Aktion geben, um Bedingungen zu schaffen, die Haredim zu ermutigen, produktive Teile der Gesellschaft zu werden, ihre Aufnahme in die Arbeitswelt zu beschleunigen und die Lasten der Staatsbürgerschaft zu teilen, einschließlich der Einberufung [zum Militärdienst].

Ebenso sollte der Staat damit aufhören, anti-zionistischen Rabbis, die Gebete für das Wohlergehen des Staates ablehnen oder gegen die Einberufung hetzen, Gehälter bereitzustellen. Dem Oberrabbinat darf nicht gestattet werden, den neuen unabhängigen Bet Din, der orthodoxe Rabbiner umfasst, die Konversion und Eheprozesse erleichtern wollen, zu disqualifizieren.

Es müssen auch größere Anstrengungen unternommen werden, um den israelisch-arabischen Sektor zu integrieren, durch Verbesserung ihres sozialen und wirtschaftlichen Status, aber gleichzeitig durch ein härteres Vorgehen gegen radikale Elemente, die den Staat zu untergraben suchen oder unseren Feinden Unterstützung bieten.

Schließlich, da wir am Rande einer neuen Aliah-Welle stehen könnten, ist es entscheidend, dass wir größere Anstrengungen investieren, um die reibungslose Integration von Einwanderern aus wohlhabenden europäischen Ländern zu gewährleisten und ein Klima zu schaffen, das Juden, die mit Unterdrückung konfrontiert sind, ermutigt, lieber nach Israel heimzukommen anstatt in andere Diasporagemeinden auszuwandern.

Von manchen werden die externen Bedrohungen und die internen Probleme, denen wir gegenüberstehen, als ein deprimierender Background zu Rosh Hashana aufgefasst. Aber um ehrlich zu sein, der Allmächtige muss auf uns achtgeben, denn trotz unserer internen Spaltungen und anhaltender externer Herausforderungen, Jahrzehnt auf Jahrzehnt, scheinen wir gesegnet zu sein, um voranzukommen und zu wachsen von Erfolg zu Erfolg. Umfragen zeigen, dass wir Israelis trotz der Belastungen zu den glücklichsten Nationen der Welt gehören.

Da wir Rosh Hashana in einer turbulenten Welt feiern, sollten diejenigen wie ich, die glauben, dass unser fortwährendes Überleben einer g‘ttlichen Präsenz zu verdanken ist, dem Allmächtigen Dank sagen, dass trotz des enormen Hasses, der uns umgibt und entgegen aller historischen Präzedenzfälle und Begründungen wir nie so stark gewesen sind wie heute.

Man sollte nicht gleichgültig sein über die Tatsache, dass die IDF die Kapazität hat, einen Ansturm von all unseren Gegnern zusammen zu verhindern. Selbst unser größter Feind, Iran, ist sich der Folgen bewusst, sollte er versuchen, seine Drohungen umzusetzen.

Es gibt auch Gründe zu glauben, dass wir uns, unabhängig davon, wer der nächste Präsident der USA sein wird, einer deutlicher Verbesserung unserer Beziehung erfreuen werden. Die USA ist eine Demokratie und sowohl die öffentliche Meinung als auch der Kongress unterstützen uns heute mehr denn je. In der Tat dürfte Netanyahus Kampf um den Iran alle Parteien ermutigen, Israel zu kompensieren. Er wird wahrscheinlich auch Barack Obama während seiner verbleibenden Amtszeit blockieren, dass er behutsam handelt bevor er seine Drohungen umzusetzen versucht, Israel in der UN dann im Stich zu lassen, wenn Israel Bemühungen ablehnt, die nicht zu verteidigenden Waffenstillstandslinien von 1949 als zukünftige Grenzen in einem Friedensregelung zu akzeptieren.

Außerdem stärken wir die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Asien – insbesondere Indien, Japan und China – ebenso wie wir ruhig eine begrenzte Zusammenarbeit erkunden gegen den Iran und seine Satelliten innerhalb der moderaten sunnitisch-arabischen Länder.

Wir dürfen es nie als selbstverständlich annehmen, dass unsere Generation gesegnet ist, einen jüdischen Staat zu haben. Es erfordert wenig Phantasie, sich vorzustellen, mit welch schrecklichen Bedingungen wir konfrontiert würden beim Fehlen des Staates, der den Juden zum ersten Mal seit unserer Vertreibung mehr Macht gegeben hat. Jeder Jude hat einen sicheren Hafen in seinem jüdischen Heimatland und wir hoffen, dass viel mehr in den kommenden Jahren Aliyah machen werden. Wir beten, dass eine wachsende Zahl das tun wird aus dem Wunsch heraus, in ihrer jüdischen Heimat zu leben anstatt einer Verfolgung und Diskriminierung zu entkommen.

Also trotz der heftigen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, sollten wir mit Optimismus in die Zukunft blicken. Ohne die Notwendigkeit zu beeinträchtigen, wach und stark zu bleiben, sollten wir die Propheten des Untergangs entlassen. Wir müssen uns weiterhin an die Wirklichkeit erinnern, dass wir in der Tat die am meisten gesegnete Generation von Juden seit unserem Exil vor 2000 Jahren sind. So sehr wir auch die Freundschaft und die Unterstützung anderer Nationen suchen, sind wir gewappnet in dem Wissen, dass wir heute unsere Zukunft eigenständig bestimmen.

Shana Tova und Am Yisrael Chai!

* Zu Teshuva gibt es einen sehr lesenswerten Artikel in der Jerusalem Post. Dort heißt es, dass Teshuva oft falsch mit Buße (Reue) übersetzt wird, es im eigentlichen Sinn aber ein „Zurückkommen“ bedeutet – ein Zurückkommen zu G’tt und, noch wichtiger, ein Zurückkommen zu der Person, als die wir gedacht sind.