Shana tova 5778

Es ist mal wieder soweit: Ein weiteres (jüdisches) Jahr neigt sich dem Ende entgegen, ein neues beginnt. In Israel wird Rosh HaShana, der Beginn des (jüdischen) neuen Jahres gefeiert. Rosh HaShana wird auch „Kopf des Jahres“ genannt. Der Neustart des Jahres erfolgt wann genau? Ja, mit dem ersten Blasen des Schofars. Eindrücklicher als im nachfolgenden Video kann man es nicht verdeutlichen. Viel Vergnügen!

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Shana tova umetuka! Ein gutes und süßes neues Jahr!

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(Lese-)Hinweis: Ulrich W. Sahm, Platz für neue Zettel an der Klagemauer

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5777 – Ein neues jüdisches Jahr beginnt …

… heute Abend mit Sonnenuntergang.

SHANA TOVA! Allen jüdischen Lesern ein gutes und süßes* neues Jahr!

* „Warum bitten wir sowohl um ein ‚gutes‘ als auch ’süßes‘ Jahr? Schließt das Wort ‚gut‘ nicht automatisch ’süß‘ mit ein?

Das Judentum lehrt, dass alles, was geschieht, zum Guten geschieht. Es ist Teil des göttlichen Willens. Alles, was in unseren Augen ’schlecht‘ ausschaut, ist eigentlich ‚gut‘. So bitten wir, dass zusätzlich zu ‚gut‘ das Jahr als gut ‚offenbart‘ werden möge, d.h. dass es uns ’süß‘ schmecken möge.“

Aus: ABC’s of Rosh Hashana von Rabbi Shraga Simmons (Englisch)

Lese-Empfehlung (Das Wesentliche des Festes kurz zusammengefasst):
Johannes Gerloff, Rosch HaSchanah, der „Kopf des Jahres“, Israelnetz

Rückblick und Ausblick –

Rückblick auf das Jahr 5775 und Ausblick auf 5776 hält Isi Leibler in seinem Artikel „Rosh Hashana: Confronting the challenges of 5776„.

Er schreibt (Übersetzung: faehrtensuche):

Das vergangene Jahr wird, wie seine Vorgänger, wieder einmal von Vielen als ein annus horribilis [ein besonders schlechtes Jahr] angesehen werden.

Es ist in der Tat ein bitteres Jahr auf breiter Front gewesen. Israel ist eine Oase, umgeben von einem Meer an Barbarei, die an das finstere Mittelalter erinnert, mit islamischen Barbaren, die schadenfroh die Enthauptung von Geiseln filmen, Hunderttausende von Zivilisten ermorden und Millionen Flüchtlinge schaffen, die nun Asyl in Europa suchen.

Die Beziehung mit der Obama-Regierung hat sich weiter verschlechtert und gegen den Widerstand der Mehrheit der Amerikaner und beider Häuser des Kongresses hat die Regierung einen Deal zum Abschluss gebracht, der die iranischen Terroristen befähigt, ein Vermächtnis zu hinterlassen, das sich global auf die nächste Generation auswirken wird. Mit der unerbittlichen Bekräftigung der Iraner, die Zerstörung Israels werde eines ihrer wichtigsten Ziele bleiben, löst das besonders negative Assoziationen bei uns aus.

Abgesehen von den USA, wo Israel sich starker öffentlicher Unterstützung erfreut, wurde unser weltweites Ansehen weiter ausgehöhlt, besonders in Europa, wo sie nun bereit sind, neue Maßnahmen anzukündigen, um uns unter Druck zu setzen, weitere einseitige Zugeständnisse an die Palästinenser zu machen. Dieses, in einer Zeit des Chaos‘ in der Region und mit dem Level der von der offen genozidalen Hamas praktisch nicht zu unterscheidenden Hetze gegen Israel durch die palästinensische Autonomiebehörde.

Eine echte Friedensregelung mit den Palästinensern ist nicht einmal am Horizont und wird nicht eher erreicht werden bis es Führer gibt, die sich wirklich dem Frieden und der Koexistenz verschrieben haben. Während wir fortfahren müssen, auf einer Interimsbasis, Brücken zum palästinensischen Volk durch die Verbesserung ihrer Lebensqualität zu bauen, müssen wir auch Widerstand leisten gegen die internationalen Bemühungen, Israel unter Druck zu setzen, um weitere einseitige Zugeständnisse zu machen, die radikale Palästinenser, die sich eher für eine Beendigung der jüdischen Souveränität engagieren als für das Erreichen ihrer Unabhängigkeit, stärken.

Der weltweite antisemitische Tsunami ist noch am Toben und Europa wird in einen Friedhof für Juden verwandelt. Die öffentliche Meinung in Europa, dem Kontinent mit dem Blut von Juden aus der Shoah, betrachtet den jüdischen Staat als eine größere Bedrohung des Weltfriedens als Iran, Syrien oder sogar Nordkorea und sieht Israelis als genozidal an, ihr Verhalten gegenüber den Palästinensern vergleichbar mit dem der Nazis gegenüber den Juden.

Terrorakte gegen Juden durch Dschihadisten, die von syrischen Schlachtfeldern zurückkehren, schaffen eine Atmosphäre der Angst, auch in größeren europäischen jüdischen Gemeinden. Französische Juden wurden von einem amerikanischen Meinungsforscher gewarnt, dass sie, neben der Vermeidung von Gegenständen, die sie als Juden identifizierten, auch immer die Verwendung des Begriffs „Zionist“ vermeiden sollten, wegen der Feindseligkeit, die er erzeugt. Es ist nicht überraschend, dass viele europäische Juden für sich keine Zukunft in Ländern sehen, die sie als Parias betrachten, wenn sie sich nicht dem Chor der anti-israelischen Dämonisierung anschließen und beabsichtigen zu emigrieren.

Nach der Gewissensprüfung – Teshuva* – und dem kritischen Rückblick auf das vergangene Jahr im Hinblick auf unsere Vervollkommnung, müssen wir auch sensibel werden für eine Reihe von entscheidenden Bereichen, die, wenn man sie ignoriert, uns letztlich unermesslichen Schaden zufügen können.

Vor allem müssen wir einen größeren Sinn für Einheit und menschliches Zusammenleben kultivieren. Um das zu erreichen, müssen wir unser dysfunktionales politisches System reformieren – was nur mit einer Regierung der Einheit geschehen wird. Während sowohl von Ministerpräsident Netanyahu als auch von Oppositionsführer Isaac Herzog gesagt wird, eine solche Reform zu favorisieren, wird sie von den radikalen Flügeln ihrer jeweiligen Parteien verhindert.

Wir müssen auch Maßnahmen ergreifen, um die die Gesellschaft polarisierende Tribalisierung umzukehren, durch die Stärkung der zionistischen, jüdischen und demokratischen Identität des Staates und durch Auferlegung verbindlicher Kerncurricula in allen Bildungswegen, einschließlich der haredischen und arabisch-israelischen Sektoren.

Es muss auch eine konzertierte Aktion geben, um Bedingungen zu schaffen, die Haredim zu ermutigen, produktive Teile der Gesellschaft zu werden, ihre Aufnahme in die Arbeitswelt zu beschleunigen und die Lasten der Staatsbürgerschaft zu teilen, einschließlich der Einberufung [zum Militärdienst].

Ebenso sollte der Staat damit aufhören, anti-zionistischen Rabbis, die Gebete für das Wohlergehen des Staates ablehnen oder gegen die Einberufung hetzen, Gehälter bereitzustellen. Dem Oberrabbinat darf nicht gestattet werden, den neuen unabhängigen Bet Din, der orthodoxe Rabbiner umfasst, die Konversion und Eheprozesse erleichtern wollen, zu disqualifizieren.

Es müssen auch größere Anstrengungen unternommen werden, um den israelisch-arabischen Sektor zu integrieren, durch Verbesserung ihres sozialen und wirtschaftlichen Status, aber gleichzeitig durch ein härteres Vorgehen gegen radikale Elemente, die den Staat zu untergraben suchen oder unseren Feinden Unterstützung bieten.

Schließlich, da wir am Rande einer neuen Aliah-Welle stehen könnten, ist es entscheidend, dass wir größere Anstrengungen investieren, um die reibungslose Integration von Einwanderern aus wohlhabenden europäischen Ländern zu gewährleisten und ein Klima zu schaffen, das Juden, die mit Unterdrückung konfrontiert sind, ermutigt, lieber nach Israel heimzukommen anstatt in andere Diasporagemeinden auszuwandern.

Von manchen werden die externen Bedrohungen und die internen Probleme, denen wir gegenüberstehen, als ein deprimierender Background zu Rosh Hashana aufgefasst. Aber um ehrlich zu sein, der Allmächtige muss auf uns achtgeben, denn trotz unserer internen Spaltungen und anhaltender externer Herausforderungen, Jahrzehnt auf Jahrzehnt, scheinen wir gesegnet zu sein, um voranzukommen und zu wachsen von Erfolg zu Erfolg. Umfragen zeigen, dass wir Israelis trotz der Belastungen zu den glücklichsten Nationen der Welt gehören.

Da wir Rosh Hashana in einer turbulenten Welt feiern, sollten diejenigen wie ich, die glauben, dass unser fortwährendes Überleben einer g‘ttlichen Präsenz zu verdanken ist, dem Allmächtigen Dank sagen, dass trotz des enormen Hasses, der uns umgibt und entgegen aller historischen Präzedenzfälle und Begründungen wir nie so stark gewesen sind wie heute.

Man sollte nicht gleichgültig sein über die Tatsache, dass die IDF die Kapazität hat, einen Ansturm von all unseren Gegnern zusammen zu verhindern. Selbst unser größter Feind, Iran, ist sich der Folgen bewusst, sollte er versuchen, seine Drohungen umzusetzen.

Es gibt auch Gründe zu glauben, dass wir uns, unabhängig davon, wer der nächste Präsident der USA sein wird, einer deutlicher Verbesserung unserer Beziehung erfreuen werden. Die USA ist eine Demokratie und sowohl die öffentliche Meinung als auch der Kongress unterstützen uns heute mehr denn je. In der Tat dürfte Netanyahus Kampf um den Iran alle Parteien ermutigen, Israel zu kompensieren. Er wird wahrscheinlich auch Barack Obama während seiner verbleibenden Amtszeit blockieren, dass er behutsam handelt bevor er seine Drohungen umzusetzen versucht, Israel in der UN dann im Stich zu lassen, wenn Israel Bemühungen ablehnt, die nicht zu verteidigenden Waffenstillstandslinien von 1949 als zukünftige Grenzen in einem Friedensregelung zu akzeptieren.

Außerdem stärken wir die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Asien – insbesondere Indien, Japan und China – ebenso wie wir ruhig eine begrenzte Zusammenarbeit erkunden gegen den Iran und seine Satelliten innerhalb der moderaten sunnitisch-arabischen Länder.

Wir dürfen es nie als selbstverständlich annehmen, dass unsere Generation gesegnet ist, einen jüdischen Staat zu haben. Es erfordert wenig Phantasie, sich vorzustellen, mit welch schrecklichen Bedingungen wir konfrontiert würden beim Fehlen des Staates, der den Juden zum ersten Mal seit unserer Vertreibung mehr Macht gegeben hat. Jeder Jude hat einen sicheren Hafen in seinem jüdischen Heimatland und wir hoffen, dass viel mehr in den kommenden Jahren Aliyah machen werden. Wir beten, dass eine wachsende Zahl das tun wird aus dem Wunsch heraus, in ihrer jüdischen Heimat zu leben anstatt einer Verfolgung und Diskriminierung zu entkommen.

Also trotz der heftigen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, sollten wir mit Optimismus in die Zukunft blicken. Ohne die Notwendigkeit zu beeinträchtigen, wach und stark zu bleiben, sollten wir die Propheten des Untergangs entlassen. Wir müssen uns weiterhin an die Wirklichkeit erinnern, dass wir in der Tat die am meisten gesegnete Generation von Juden seit unserem Exil vor 2000 Jahren sind. So sehr wir auch die Freundschaft und die Unterstützung anderer Nationen suchen, sind wir gewappnet in dem Wissen, dass wir heute unsere Zukunft eigenständig bestimmen.

Shana Tova und Am Yisrael Chai!

* Zu Teshuva gibt es einen sehr lesenswerten Artikel in der Jerusalem Post. Dort heißt es, dass Teshuva oft falsch mit Buße (Reue) übersetzt wird, es im eigentlichen Sinn aber ein „Zurückkommen“ bedeutet – ein Zurückkommen zu G’tt und, noch wichtiger, ein Zurückkommen zu der Person, als die wir gedacht sind.