Europas judenfreie Zonen

Jüdisches Leben zieht sich angesichts des unerbittlich anti-israelischen und anti-jüdischen Hasses aus vielen Teilen des Kontinents zurück.

von Yvette Alt Miller

Originalartikel: Europe’s Jew-Free Zones

Übersetzung: faehrtensuche

„Ich wusste nicht, dass wir Juden waren.“ Ich werde nie den Tag vergessen, an dem die beste Freundin meiner Mutter – eine brillante Ärztin, in Frankreich und Israel erzogen und jetzt als Ärztin in Chicago praktizierend – mir von ihrer Kindheit erzählte. Sie war eine so selbstsichere, weltgewandte Frau, es schien unmöglich, dass sie überhaupt nicht über diese zentrale Tatsache ihrer Identität Bescheid wusste.

Ihre Familie lebte in Rumänien, erklärte sie, und selbst nachdem die Schrecken des Holocaust ans Licht gekommen waren, lebten die in Rumänien verbliebenden Juden in Angst. Zu ihrem Schutz hatten ihre Eltern nie ihre jüdische Herkunft erwähnt. Eines Tages in den 1950er Jahren vertrauten sie schließlich ihren Kindern an, dass sie jüdisch waren und – wie die überwiegende Mehrheit der rumänischen Juden, die den Holocaust überlebt hatten – im Begriff waren, nach Israel zu immigrieren.

Für die paar Tausend verbliebenen Juden, die weiterhin Rumänien ihre Heimat nennen, hat eine neue Umfrage schmerzlich in Erinnerung gebracht, dass für viele Rumänen Juden unwillkommen bleiben. Im August 2015 hat das Elie Wiesel National Institute for Holocaust Studies [Elie Wiesel Nationalinstitut für Holocauststudien] in Rumänien (wo Herr Wiesel aufwuchs) die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die zeigte, dass fast ein Viertel der Rumänen heute es bevorzugen würde, wenn kein Jude ihr Land als Heimat bezeichnete.

Rund 11% der Rumänen charakterisieren Juden als „ein Problem“ für die Nation, und 22% würden die Juden lieber als Touristen sehen – nicht als Bürger.

Diese negative Meinungen decken sich mit Unwissenheit oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Holocaust: Während fast drei Viertel der Rumänen von dem Holocaust gehört haben (ein 12%-er Anstieg seit der vorherigen Umfrage aus dem Jahr 2007), glaubten nur ungefähr ein Drittel, dass er in Rumänien passiert ist (trotz der Tatsache, dass die Hälfte der damaligen jüdischen Bevölkerung von 750.000 im Holocaust ermordet wurden). Eine Mehrheit der überlebenden Rumänen charakterisieren heute ihre Führer der Kriegszeit als „Patrioten“.

Das schockierende Ergebnis der Umfrage – und die Feindseligkeit gegenüber jüdischen Bürgern – machte auf der ganzen Welt Schlagzeilen, aber leider sind die Rumänen nicht die Einzigen, die judenfreie Länder oder Städte fordern.

Anti-jüdische Haltungen einiger Länder sind bekannt. Im Januar 2015 z.B. waren saudi-arabische Politiker eilig bemüht, Medienberichte zu dementieren, dass sie beginnen würden, Juden zu ermöglichen, als Gastarbeiter ins Land zu kommen. (Die angebliche Politik würde sich nur auf nicht-israelische Juden erstrecken, spekulierten erste Berichte; es war immer klar, dass es israelischen Juden niemals erlaubt sein würde, im Königreich zu arbeiten). Als die ‚Non-Story‘ platzte, erklärte Saudi-Arabien, das – mit Ausnahme von Moscheen – schon das Erbauen von Gotteshäusern auf seinem Boden verbietet: Die offizielle Politik bleibt. Kein Jude kann legal als Gastarbeiter einreisen, und Saudi-Arabien bleibt gewissermaßen eine judenfeie Zone.

Doch es scheint so zu sein, dass diese giftige Grundhaltung sich auch in einigen europäischen Haltungen einschleicht.

Eine wegweisende Umfrage aus dem Jahr 2011 in Irland ergab, dass 20% des irischen Volkes ein Verbot für Israelis favorisierte, irische Staatsbürger zu werden und 11 % wären dafür, alle Juden daran zu hindern, Bürger Irlands zu werden. (Auf die Frage nach ihren persönlichen Beziehungen, wurden die Verhaltensweisen sogar noch krasser: 46 % würden keinen Juden in ihrer Familie haben wollen und 52 % wären gegen einen Israeli in ihrer Familie eingestellt.) Besorgniserregend ist, dass die Umfrage auf ein Anwachsen solcher antisemitischen Empfindungen hindeutet. Anti-jüdische Einstellungen waren am höchsten in der jüngeren Generation, die 18-25-Jährigen besitzen die extremsten anti- semitischen Ansichten.

Pfarrer Michael Mac Greal, der Jesuitenpater und Soziologe, der die Umfrage erstellte, erklärt, dass die Feindschaft gegenüber Israel in der irischen Presse zu negativen Empfindungen gegen Juden allgemein beigetragen hätte. „Es gibt eine reale Gefahr, dass das öffentliche Image von ‚Israelis‘ zu einem Anstieg des Antisemitismus führen kann“, befand er.

In Großbritannien sind durch einige Maßnahmen antisemitische Einstellungen weniger; „nur“ 10 % der Briten wären laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 aus dem Gleichgewicht gebracht, wenn sie einen Juden in ihrer Familie hätten. Dennoch scheinen sich anti-israelische Empfindungen immer mehr extremen Grenzen des anti-jüdischen Diskurs‘ zu nähern.

Anti-israelische Emotionen schlagen sehr hoch in Großbritannien. Eine 2013 durchgeführte globale Umfrage ergab, dass Israel als die viertnegativste Nation angesehen wurde. (Nur Iran, Pakistan und Nordkorea waren schlechter). Briten stehen an der Spitze der negativen Einstellungen gegen den jüdischen Staat: volle 72% sagen, dass sie negative Gefühle über Israel hätten. Vor diesem Hintergrund der unerbittlichen Kritik wurde es für einen prominenten Politiker akzeptabel, für einen Teil von Großbritannien eine „israelisch-freie“ Zone zu fordern. George Galloway, Parlamentsmitglied für die Stadt Bradford, erklärte, dass Israelis in seinem Wahlbezirk nicht willkommen seien – und dann, als er wegen seiner unerhörten Aussage befragt wurde, verteidigte er sie offen und immer wieder. „Wir wollen keine israelischen Waren, wir wollen keine israelischen Dienstleistungen, wir wollen keine israelischen Akademiker an den Universitäten oder am College, wir wollen nicht einmal, dass irgendwelche israelischen Touristen nach Bradford kommen, auch wenn jemand von ihnen das zu tun gedachte,“ erklärte der Parlamentsabgeordnete.

In Belgien wurde im Jahr 2014 von der Polizei gegen einen Besitzer eines Lütticher Cafés ermittelt, der ein Schild postete, dass Hunde willkommen, aber Juden verbannt wären – allerdings werden anderswo im Land belgische Schulen zunehmend judenfreie Zonen. Als die letzte jüdische Studierende aus einer zentralen Brüsseler Hochschule ausschied – erhielt sie Hunderte von negativen Kommentaren und Drohungen, nachdem sie ein Foto von sich mit einer israelischen Flagge auf Facebook gepostet hatte – Joel Rubinfeld, Präsident der Belgischen League gegen Antisemitismus, warnte, dass die Schule – und andere mit ihr – „judenfrei geworden sind, es gibt dort keine Juden mehr“. Konfrontiert mit unerbittlichem, auf dem Tiefststand befindlichen Antisemitismus, verlassen belgische jüdische Familien das Land in immer größerer Zahl und gehen nach Israel oder, wenn sie bleiben, nehmen sie ihre Kinder aus öffentlichen Schulen, wo Feindschaft gegen Juden zunehmend die Norm ist.

Im Jahr 2014 sah der stellvertretende Sprecher des schwedischen Parlaments sich der Kritik ausgesetzt, als er Juden dazu riet, ihre jüdische Identität [hinter sich] zu „lassen“, wenn sie wünschten, gute Schweden zu werden, aber er war kaum allein. Malmö, Schwedens drittgrößte Stadt, hat eine Explosion von anti-jüdischer und anti-israelischer Aktivität erlebt. Die jährliche Israel-Apartheidswoche der Stadt ist in einem Gebäude untergebracht, das im Besitz der Stadt ist und von ihr verwaltet wird, ohne Kosten, und die Stadtverwaltung hat einer Gruppe, die schwedische Unternehmen überprüft und ihnen „hilft“, frei von Waren und Dienstleistungen aus Israel zu werden, offiziell Unterstützung zur Isolation Israels gegeben.

Vielleicht ist es nicht überraschend, dass jetzt jedes Jahr Dutzende von antisemitischen Angriffen in der Stadt gemeldet werden und die Gemeinschaft der bereits kleinen jüdischen Bevölkerung weiter schrumpft. Ein viel angesehenes Video aus dem Jahr 2013 von einem Reporter, der mit Kippa zu Fuß durch Malmos Straßen geht, zeigte ihn als Subjekt von verdächtigen Blicken und negativen Kommentaren. Eine Wiederholung desselben Experiments im Jahr 2015 – ausgestrahlt im schwedischen öffentlichen Fernsehen – zeigte aggressive Drohungen, Warnungen zu verschwinden (beides bedrohlich und von Umstehenden, die den Reporter Leid ersparen wollten) und – letztendlich – der Reporter flüchtet, und läuft um sein Leben.

Siebzig Jahre nach dem Holocaust scheint es unglaublich, dass Teile Europas wieder einmal judenfreie Zonen werden. Während das jüdische Leben in vielen Teilen Europas blüht, zieht es sich angesichts des unerbittlichen antiisraelischen und antijüdischen Hasses für den Großteil des Kontinents zurück.

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Das nächste Ziel für ISIS – Jordanien. Und dann?

Originalartikel: Dr. Mordechai Kedar, Next Goal for ISIS – Jordan. And Then?
26. Juni 2014

Übersetzung: faehrtensuche
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

Israel steht vor einer schwierigen Entscheidung, wenn ISIS versucht, in Jordanien an die Macht zu kommen. Und der Countdown hat begonnen.

Ma’an ist ein Beduinendorf im südlichen Teil von Jordanien, der den Regierenden des Landes schon immer Kopfschmerzen bereitet hat. Die Bevölkerung ist streng fundamentalistisch und umfasst eine signifikante Zahl von Salafisten.

In der Vergangenheit fanden dort Straßendemonstrationen statt, die gewaltsam endeten, einmal verursacht durch die Lebensmittelpreise, einmal durch die Benzinpreise und einmal, weil die Monarchie die Dorfältesten nicht respektvoll genug behandelte. Mit der Zeit wurde Ma’an Jordaniens Barometer, ein Indikator für grundlegende Meinungsströmungen im Land.

Quelle: Wikipedia Link: Bitte auf die Abbildung klicken!

Quelle: Wikipedia
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Am 2. Juni, in der Mitte eines Freitagnachmittags, war Ma’an der Schauplatz einer Pro-ISIL-Demonstration (“Der islamische Staat im Irak und der Levante”, bekannt als ISIS, aber genauer übersetzt als ISIL), auf der schwarze Flaggen geschwenkt wurden und die Zeichen hatten eine unmissverständliche Botschaft (meine Ergänzungen in Klammern, M. K.).

„Heute ist Unterstütze-einen-islamischen-Staat-im-Irak- und al-Sham-Tag”, “Ma’an ist Jordaniens Falludscha”, “Wir unterstützen einen islamischen Staat”, “Wir gratulieren dem islamischen Volk für die Eroberungen von Omar (Be Akhattab, 2. Kalif, Eroberer von al-Sham), den Allah auswählte, um einen islamischen Staat im Irak und al-Sham zu bilden“ waren einige der Botschaften.

Laute und hysterische Rufe wie “Allah akbar” [Allah ist der Größte], “Auf zum Dschihad”, „Es gibt keinen außer Allah und die Schiiten sind seine Feinde”, “Der, der für den Dschihad kämpft, ist von Allah geliebt”, “Die Sunniten sind die Geliebten Allahs”, “Allah ist unser Gott und nicht ihrer (der der Schiiten)”, “Der Gott der Schiiten ist Satan”, “Tod ist besser als Erniedrigung”, “Mit Blut und Geist werden wir dich retten, Islam”, “Dschihad ist unser Weg”, “Ein Dschihad-Staat für immer”, “Oh, schiitische Herrscher, wir sind im Anmarsch euretwegen“ wurden auf der Demonstration gehört und als Beweis ihrer ernsten Absichten dienten Schüsse, die in die Luft gefeuert wurden.

Der wichtigste Aspekt des Protests war, dass fast alle Anwesenden nicht ihre Gesichter verbargen, das bedeutet, dass sie keine Angst vor der jordanischen Regierung, ihrer Polizei oder ihrem Geheimdienst haben. Die Demonstranten waren sich wohl bewusst, dass sie von verschiedenen Menschen fotografiert wurden und dass die Fotos zu ihrer Identifizierung und Festnahme verwendet werden könnten, aber es kümmerte sie nicht. Und wenn es keine Angst vor dem Staat mehr gibt, kann alles Mögliche passieren.

ISIL hat nie seine Absichten, Jordanien betreffend, verborgen, das genau wie Irak und Syrien durch den europäischen Kolonialismus geschaffen wurde und es deshalb verdient, beseitigt zu werden. Der Name der Organisation drückt seine Ziele aus, denn „al-Sham“ ist die Levante, und das Gebiet umfasst Syrien, Libanon, Jordanien und Israel.

Um ihre Pläne für Jordanien offensichtlich zu machen, erweiterte die Organisation ihre Kontrolle im Irak nach Westen hin bis zur Grenze zwischen Irak und Jordanien und eroberte auch die Grenzstadt Turayvil. Ihre Erfolge im Irak und in Syrien weckten „das Adrenalin der Dschihadisten“ in den Randpopulationen Jordaniens, und die Demonstration in Ma’an drückt das aus, was wohlbekannt ist: der Erfolg von ISIS zieht die Massen an, vor allem diejenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen, diejenigen, die endlich zu etwas Erfolgreichem gehören wollen. Und wenn diese erfolgreiche Sache dem Unterdrückerregime ein Ende bereitet, verdient es die Gruppe noch mehr, sich ihr anzuschließen.

Der Anführer und die Kontroverse

Der Mann, der als Anführer der salafistischen Dschihad-Bewegung in Jordanien gesehen wird, ist Assem Barqawi, besser bekannt als Abu Mohammad al-Maqdesi (der Jerusalemer). Er wurde am 3. Juli 1959 in dem Dorf Burqa in der Nähe von Sichem geboren (nächste Woche ist sein Geburtstag! [mittlerweile war]) und studierte Islam in Mossul und Medina. Er veröffentlichte ein Buch, in dem er behauptete, das saudische Regime hätte keine Rechtsgrundlage. Er ist der spirituelle Mentor von Abu Mussab al-Sarkawi, der im Jahr 2004 „al-Qaida im Land der Flüsse“ gründete. Letztere ist die Organisation, die in ISIL überging („Der Islamische Staat im Irak und der Levante“). Barqawi verbrachte einige Zeit seines Lebens in Pakistan und Afghanistan, traf dort die Köpfe und Führer von al-Qaida. Die jordanische Regierung verurteilte ihn zu einer langen Gefängnisstrafe und seine Anhänger erhalten ihre Aufträge aus seiner Zelle.

Es gibt in der dschihadistischen Salafistenbewegung in Jordanien diejenigen, die behaupten, dass al-Maqdesi eine “islamische Staats”-Übernahme des Irak unterstützt, nicht aber Expansionsbemühungen der Organisation nach Jordanien. Ein anderer prominenter Aktivist, Mohammad Shalabi, auch bekannt als Abu Sayyaf („Besitzer der Schwerter“), kritisierte die Ma’an Proteste und behauptete, dass „sie verdächtig seien (d.h. [sie seien] eine Verschwörung der Regierung, um die dschihadistische Bewegung zu zerstören)“ und dass nur etwa zwanzig oder dreißig Leute, darunter fünf Jugendliche (deswegen nicht verantwortlich), deren „Köpfe von irgendjemanden verdreht wurden“ daran teilgenommen hätten – und dass sie „weder die Salafisten-Strömung repräsentieren noch ihren Zielen dienen.“

Abu Sayyaf versteckt jedoch nicht seine Unterstützung für ISIL und das Massaker an Schiiten, das die Organisation im Irak durchgeführt hat, vor allem an Soldaten der Regierung. In Bezug auf Jordanien ist die Situation anders, als – ihm zufolge – einige der salafistischen Dschihadisten in Jordanien ISIL unterstützen und einige „Jibhat Al-nasura“, und wie bekannt ist, bekämpfen die beiden Salafisten-Organisationen sowohl Assad in Syrien als auch einander.

Jedoch werden die Diskussionen in Jordanien aufhören, wenn ISIS ihren bewaffneten Kampf gegen dieses Land beginnt. Der wird dann beginnen, wenn die Gruppe von Kämpfern, deren Sprache der jordanische Wüstendialekt ist, vom Irak aus nach Jordanien eindringt, mit maskierten Gesichtern vor die Kameras tritt und die „Biya“ – den Treue-Eid – auf den Kopf [Chef] von ISIS, Abu Bakr al-Baghdadi, verkündet und dann anfängt, jordanische Armee-Patrouillen, militärische Straßensperren, kleine Außenposten der Armee und zivile Autos anzugreifen.

Handlungsmethoden

Die Methoden der Organisationen sind wohlbekannt: ihre Streitkräfte bekommen ihre Stärke aus ein paar Dutzend 4×4 sich schnell bewegenden Fahrzeugen, auf denen schwere Maschinengewehre montiert sind. Einige der Kämpfer haben RPG’s und einige leichte Waffen, für gewöhnlich Saar AK-47-Gewehre („Kalashnikows“). In letzter Zeit sind ihre Waffen mit einer signifikanten Menge an tödlichen und hochmodernen amerikanischen Waffen bereichert worden, direkt aus den Arsenalen der irakischen Armee und für den Kampf genommen. Diese große und destruktiv bewaffnete Streitmacht attackiert überraschend einen Außenposten, eine Straßensperre oder eine Patrouille und schafft eine Situation, in der sie aufgrund der Anzahl der Kämpfer, der Mobilität und des Überraschungsmoments den taktischen Vorteil hat.

Die Organisation macht sich die Mühe, ihre Kämpfe und ihre Erfolge zu filmen und zu fotografieren, vor allem die Massenmorde an Soldaten und Zivilisten, die sie gefangen hat, um Panik unter den Opponenten zu verbreiten. Die Gesichter des Militärs sind in der Regel mit Keffiyahs bedeckt, so dass niemand in der Lage sein wird, sie in der Zukunft zu identifizieren und dafür zu sorgen, dass sie für ihre Taten bezahlen. Die erschreckenden Fotos, die die Organisation verbreitet, sind ein Hauptgrund dafür, dass die bewaffneten Streitkräfte des Irak – in der Absicht, die Stadt zu verteidigen, aus Mossul flohen und die Stadt ISIL überließen.

In Jordanien wird ISIL beobachtet und mehr als ein paar Leute warten ungeduldig auf die stark wehenden westlichen (irakischen) und nördlichen (syrischen) Winde des Dschihad, um die jordanische Wüste zu räumen, immer noch unter der Herrschaft der haschemitischen Familie, von den Briten, die das „transjordanische Emirat“ für sie schufen, vor 90 Jahren dorthin gebracht. Dieses befürwortet schließlich das Königreich Jordanien ungeachtet der Tatsache, dass „das Reich nur Allah gehört und er keinen Co-Herrscher hat (Koran, Kapitel 2, Vers 25)“

Auch wenn es heute eine Opposition gegen ISIL in Jordanien gibt, ist es wahrscheinlich, dass, wenn die Organisation beginnt, ihre Aktivitäten auf das Land hin zu verschieben, diese Opposition verschwinden wird – besonders, wenn der anti-jordanische Dschihad einige Erfolge hat. Diese Erfolge werden lokale Stämme und Einzelpersonen „überzeugen“, sich der Organisation anzuschließen, genauso wie es in Syrien und Irak passiert ist, einige aus Angst und einige aus dem Wunsch heraus, Teil des Sieges zu sein.

Es ist allen klar, dass Jordanien nicht das endgültige Ziel für ISIL sein wird, sondern dienen wird als Ausgangspunkt für die Fortsetzung des Dschihads gegen weitere illegitime Kreationen des westlichen Kolonialismus und des Sykes-Picot-Abkommens, nämlich Israel und Saudi-Arabien.

Die Option Israels

Israel und der Westen stehen dann vor einer klaren und gestochen scharfen Entscheidung, mit ihrer ganzen Schwere: Auf der einen Seite wird es jene geben, die sagen, dass die jordanischen Angelegenheiten nicht unsere seien und wenn es den Haschemiten bestimmt sei, gestürzt zu werden, wir keine Möglichkeit hätten, sie zu retten, schon gar nicht um den Preis von Blut der IDF-Soldaten – und so müssen wir warten, bis die Dschihadisten die Grenzen Israels erreichen und sie dort erledigen. Darüber hinaus können wir, wenn ein neues Land an die Stelle Jordaniens tritt, behaupten, dass es ein palästinensischer Staat ist und dass keine Notwendigkeit besteht für einen Weiteren in Judäa und Samaria, weil es bereits auch einen in Gaza gibt.

Auf der anderen Seite ist es durchaus möglich, dass die Welt – und die USA im Besonderen – dem haschemitischen Königreich zu Hilfe kommen wird, so dass es auch nicht in die Hände von Dschihadisten fällt. In diesem Fall wird der Mann im Weißen Haus erwarten, dass Israel an der Operation teilnimmt, denn schließlich dient das jordanische Regime für Israel als eine Art Schutzschild gegen die dschihadistischen Ostwinde, die im Irak aufkommen – und vielleicht im Iran zu einem späteren Zeitpunkt. Kann Israel mit verschränkten Armen verharren, wenn seine Freunde in den USA und möglicherweise in Europa dem haschemitischen Königreich zu Hilfe kommen?

Eine andere Sache ist (sonnen-)klar wie der Tag in diesen heißen Sommermonaten: Sowohl in Jordanien als auch auf unserer Seite des Flusses wird es ein Schlachtfeld zwischen der IDF und dem Dschihad, der aus dem Osten kommt, geben, es sei denn, es wird östlich des Jordantals gestoppt. Wenn irgendjemand meint, ein Palästinenserstaat in Judäa und Samaria würde Israel vor Angriffen schützen, liegt es an ihm das nachzuweisen, bevor er Israel befiehlt, das Jordantal zu verlassen. Werden die palästinensischen Streitkräfte, bewaffnet und ausgebildet durch die Amerikaner („Daytons Forces[Streitkräfte]“) stärker und motivierter sein als die irakische Armee, die auch von den USA bewaffnet und ausgebildet wurde?

Was heute in Syrien und im Irak passiert – und das kann überschwappen nach Jordanien – stellt für Israel wieder einmal die Wahrheit des arabischen Sprichworts unter Beweis: „Dein Hinterteil kann nur von deinem eigenen Fingernagel zerkratzt werden.“

Im Hebräischen findet sich dieser Gedanke in einem gut bekannten Sprichwort unserer talmudischen Weisen in den Sprüchen der Väter: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich.“ Womit dann alles gesagt wäre.

Link von der Übersetzerin gesetzt.

Der Niedergang der arabischen Geschichte

von Dr. Mordechai Kedar

16. FEBRUAR 2014

Die arabische Welt versinkt vor unseren Augen in einem Sumpf aus Blut, Tränen und Feuer. Ihre nahöstliche Kultur zieht dreihundert Millionen Araber und dazu noch viele weitere Moslems, die keine Araber sind, buchstäblich hinab in die Tiefen der Hölle. Gesetzt den Fall, Israel gäbe heute bekannt, dass man die Grenzen öffnet für eine unbegrenzte Einwanderung von Arabern und Moslems nach Israel, wie viele Araber würden wohl in den jüdischen „Zionistenstaat“ eilen, um ein neues Leben zu beginnen?

Dr. Mordechai Kedar
Middle East Insights
Januar 2014

Arabische Intellektuelle schauten seinerzeit sehr genau hin, als der nationalstaatliche Wind seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts durch Europa wehte. Sie haben die Entwicklungen studiert, haben sie für gut befunden und haben versucht, sie auch in den Ländern des Nahen Ostens umzusetzen. So kam es letztlich zu den panarabischen Bewegungen, die die Errichtung der Nationalstaaten Marokko im Westen, dem Irak im Osten, Syrien im Norden und Jemen im Süden auslösten. Parallel dazu etablierten die britischen, französischen und italienischen Kolonialmächte lokale Staaten, die versuchten, ihre Existenz auf der Schaffung eines lokalen Bewusstseins zu gründen, wobei dies in Syrien, dem Irak, Jordanien usw. auf Kosten eines inbegriffenen arabischen Bewusstseins geschah und letztlich zur Bildung der Arabischen Liga führte.

Das positive Image, das die Sowjetunion in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts genoss, hat das Aufblühen von Bewegungen ausgelöst, aus denen sich der arabische Sozialismus von Gamal Abd al-Nassar und die Baath-Partei ableitete, die in Syrien und im Irak herrschte. Andere wurden durch den westlichen Liberalismus inspiriert, und man versuchte, ihn zu imitieren, und dann gab es noch jene, die im Gegensatz dazu ein monarchistisches Modell angenommen hatten, das auf einer lokalen Tradition basierte und sich mit einer pseudo-westlichen Verfassung umgab.

Der rote Faden, der sich durch alle diese Ideologien zog, war die Tatsache, dass hinter all diesen Bewegungen der Versuch stand, eine neue Substanz und ein modernes Selbstverständnis für die arabische Gesellschaft zu finden, mit dem Ziel, die traditionelle Substanz abzulösen, die eine Kombination aus dem Stammeswesen und dem Islam war, was die beiden grundsätzlichen  Elemente des kollektiven Bewusstseins im Nahen Osten sind. Die Basis für alle neuen Ideologien war die Tatsache, dass man sich jetzt auf eine einzelne arabische Nation mit einzigartigen Eigenschaften bezog, in der die Anpassung von westlichen Ideologien an die besonderen Bedingungen des arabischen Ostens erforderlich wurde.

Im Laufe der Jahre war das eigentliche Ergebnis nur ein Kartenhaus, hohle Phrasen und gescheiterte Ideen, die es nie wirklich geschafft haben, ein gemeinsames Bewusstsein mit einer festen und allgemein anerkannten Substanz zu erschaffen, die, so hatte man gehofft, sich in den Herzen der Massen manifestieren sollte, um die übermächtig starke, grundlegende Loyalität gegenüber den religiösen Traditionen und gegenüber dem Stammeswesen abzulösen. Wir sehen den Beweis davon – in vielfältigen Ausprägungen – an den Entwicklungen der letzten drei Jahre, die den Zusammenbruch dieser vielen leeren Ideen ausgelöst haben, jene Ideen, die den öffentlichen Bereich in den letzten Jahrzehnten durchdrungen hatten.

Der arabische Nationalismus, der von der Arabischen Liga und seinen Institutionen, unter anderem auch auf dem arabischen Gipfel, formuliert wurde, hat sich jedoch erwiesen, nichts anderes als ein Feigenblatt zu sein, um die Blöße der internen Querelen, der Intrigen, der Rachegelüste, des Hasses, des Neides und des Konkurrenzdenkens zu bedecken, wovon jede kollektive Handlung der arabischen Länder belastet wurde.

Auch die vielbeschworene arabische Solidarität hat sich erwiesen, nicht mehr als ein Klischee und ein sinnentleerter Slogan zu sein, weil die arabischen Länder bei einem Angriff durch ausländische Mächte nicht nur einander nicht unterstützt haben, sondern zudem auch gegeneinander gekämpft haben, was im absoluten Widerspruch zur Gründungsurkunde der Arabischen Liga steht. Während der letzten drei Jahre waren wir Zeuge der offenen militärischen Verstrickung Katars, Saudi-Arabiens und anderer Staaten in Libyen, Syrien, Bahrain und dem Jemen. In einigen Fällen war das ausländische Eingreifen sogar gewollt, um die jeweiligen Machthaber zu stärken, und in anderen Fällen war wiederum die Unterstützung der Gegner jener Machthaber beabsichtigt. Außerdem gibt es das unveränderliche Verschwörertum von Al-Jazeera, dem Fernsehkanal der Moslembruderschaft, der von Katar aus sendet und seit seiner Gründung im Jahre 1996 einen Medien-Dschihad gegen die arabischen Machthaber geführt hat.

Diese Machthaber, oder genauer gesagt, diese Diktatoren, von Gamal Abd al-Nassar bis Saddam Hussein, von Gaddafi bis Assad (der Vater wie der Sohn), haben in der vorherigen Generation Hunderttausende ihrer eigenen Bürger ohne Mitgefühl abgeschlachtet, nicht etwa diejenigen anderer Länder, und das alles natürlich im Namen des Nationalismus und des Patriotismus. Sie sind gemeinhin akzeptierte Gäste auf Kongressen, Konferenzen, Empfängen und in den Fluren der Macht gewesen, und jeder Politiker will unbedingt mit ihnen zusammen abgelichtet werden. Es gab sogar einige Politiker unter den arabischen Bürgern Israels, die vor ein paar Jahren nach Libyen gingen, um sich zusammen mit dem Massenmörder fotografieren zu lassen, der dort über 42 Jahre geherrscht hat. Ihr Verhalten bringt alle Bestrebungen des Nationalismus und des Patriotismus in Verruf, der durch ihre Propagandamaschinerie ausposaunt wird, und die einfachen Bürger von der Straße können diese Botschaften einfach nicht mehr hören, die sie zu verbreiten versuchen.

Der arabische Bürger hat, im Vergleich zu Bürgern anderer Länder in der Welt, ein erstaunlich niedriges Vertrauen zu seinem Staat. Der einfache arabische Mann von der Straße ist unzweifelhaft davon überzeugt, dass die Regierung seines Landes korrupt und verdorben ist und einzig zu Gunsten derjenigen agiert, die auf der Lohnliste des Staates stehen. Sie missbrauchen das Regierungsamt und die damit verbundene Autorität für den persönlichen Gewinn durch Bestechlichkeit und Korruption. Es gibt ein allgemeines Gefühl der Verzweiflung unter den Menschen auf der Straße wegen der Unfähigkeit der Araber, einen geregelten, modernen Staat mit Transparenz der Regierung und wirtschaftlicher Fairness zu führen. Die Gewalt, die die Regime in arabischen Staaten seit Jahrzehnten angewandt haben, entfremdet sie von der Mehrheit der Bevölkerung und schafft eine tief eingewurzelte Feindschaft zwischen dem Regime und den Bürgern. Dennoch, parallel dazu gibt es auch ein Verständnis dahingehend, dass eine Regierung ohne Anwendung von Gewalt innerhalb der arabischen Welt nicht in der Lage wäre,  ein geregeltes und effizientes System auf Dauer aufrechtzuerhalten.

Die Anwendung von Gewalt durch die Regierung existiert sowohl auf nationaler, staatlicher Ebene, wie auch im kommunalen Bereich. Staatliche Organisationen, wie das Militär, Polizei und Ministerien leiden unter ähnlichen Missständen. Das Niveau der familiären Gewalt ist im Nahen Osten höher als in anderen Regionen der Welt, und die arabische Frau wird mehr unterdrückt, als irgendwo sonst in der Welt.

Die arabische Loyalität gegenüber den Palästinensern hat sich ebenso erwiesen, nichts anderes als ein sinnentleerter Slogan zu sein. Was haben die arabischen Länder getan, um das Leiden der Flüchtlinge von 1948 zu vermindern, die auf „Flüchtlingslager“ beschränkt sind? Die Palästinenser in Judäa, Samaria und Gaza halten ihre Brüder weiter in den Flüchtlingslagern!! Was haben die arabischen Behörden mit den Milliarden an Fördermitteln getan, die sie im Laufe der vergangenen Jahre aus allen Teilen der Welt für die Flüchtlinge erhalten haben? Wohin sind all die Spendengelder verschwunden, die die Welt über die Jahre hinweg für die Flüchtlinge aufgebracht hat? Haben nicht arabische Länder wie Ägypten und  Jordanien einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen, auch ohne dass das palästinensische Problem gelöst wurde? Es scheint, dass die besonderen Interessen dieser Länder über die fadenscheinigen Slogans der angeblichen Solidarität mit den Palästinensern obsiegt haben. Die Ereignisse, die man in den letzten Tagen im Flüchtlingslager Jarmouk in Syrien beobachten konnte, beweisen doch nur, wie lieb und teuer die Palästinenser in den Herzen der anderen Araber wirklich sind.

Sogar die Bedrohung von Seiten des Iran, die kürzlich im Nachgang der Genfer Vereinbarung noch mehr an Bedeutung gewann, hat es nicht geschafft, die Araber zu vereinigen. Aus dieser Verzweiflung heraus knüpfen sie deshalb auch hinter den Kulissen Beziehungen mit Israel, in der Hoffnung, dass Israel sie vielleicht vor den Iranern retten wird. Hassan Nasrallah nennt diese Araber jedoch „falsche Männer“ [fake men], und das arabische Lexikon kennt eigentlich kein schärferes Wort der Verunglimpfung.

Mehr als ein hundert Millionen Araber leben weit unter der Armutsgrenze, und ihr Leben ist durch Krankheit, Unwissenheit und Verwahrlosung gekennzeichnet. Andererseits führt eine sehr kleine Oberschicht von Arabern ein luxuriöses Leben als Milliardäre in den Ölländern sowie an anderen Orten. Die wirtschaftliche Solidarität innerhalb der „arabischen Nation“ ist annähernd bei Null, und eine echte Fürsorge für die Armen, die Waisen und die Witwen ist fast nicht existent. Das Fehlen der wirtschaftlichen Solidarität ist das Ergebnis der Schwächung der sozialen Solidarität. Die Rücksicht auf menschliche Werte in der arabischen Welt ist äußerst niedrig angesiedelt. Deshalb liegt die Sorge nach Lebensqualität auf einem ziemlich niedrigen Niveau.

Man hat die Position der Führung aufgegeben, und Allah ist mit einer Kalaschnikow in seiner Hand eingegangen

Während der letzten drei Jahre, infolge des Verfalls der modernen Ideologien und der Schwächung der arabischen Regime, haben die Geier der Al- Qaeda damit begonnen, diesen schwachen und kranken Körper der arabischen Nation anzupicken. Man hat die Position der Führung aufgegeben, und Allah ist mit einer Kalaschnikow in seiner Hand eingegangen. Überall dort, wo ein Staat nicht mehr richtig funktioniert, kommen die Terroristen aus aller Welt, um dort einen „islamischen Staat“, zu gründen. Das ist so im Irak, in Syrien, in Libyen, im Jemen und im Sinai, ebenso auch in Somalia, Mali, Nigeria, Afghanistan und Pakistan. Das Hauptziel dieser Agenten des Todes ist die arabische Nation, und die Zahl der Moslems, die sie getötet haben, ist viel größer, als die Zahl der „Ungläubigen“, die im Feuer getötet worden sind, dass sie überall dort entfachen, wo sie dazu in der Lage sind. Die Al-Kaida hat Allah in einen Schlachtfeldkrieger verwandelt, und er kämpft gegen die eigenen gläubigen Moslems.

Die arabische Welt versinkt vor unseren Augen in einem Sumpf aus Blut, Tränen und Feuer. Ihre nahöstliche Kultur zieht dreihundert Millionen Araber und dazu noch viele weitere Moslems, die keine Araber sind, buchstäblich hinab in die Tiefen der Hölle. Gesetzt den Fall, Israel gäbe heute bekannt, dass man die Grenzen öffnet für eine unbegrenzte Einwanderung von Arabern und Moslems nach Israel, wie viele Araber würden wohl in den jüdischen „Zionistenstaat“ eilen, um ein neues Leben zu beginnen?

Vor ein paar Jahren hieß es in einer ägyptischen Zeitung, dass die arabische Nation ein toter, eingefrorener Körper im Leichenhaus ist, für den keiner den Mut aufbringt, eine Sterbeurkunde auszufüllen. Ich überlasse dem verehrten Leser die Entscheidung darüber, wie korrekt und angemessen die damalige Einschätzung des Verfassers war.

Quelle: The Demise of the Arab Narrative by Dr. Mordechai Kedar

Übersetzung: R.L. (Vielen herzlichen Dank! 🙂 )