Liebeserklärung(en)

Ist es nicht wunderschön, Liebeserklärungen zu bekommen? Vor allem, wenn man sonst (fast) nur Negatives zu hören kriegt?

Israel ist so ein Land, das trotz aller Bemühungen, allem Einsatz für Fortschritt und Entwicklung, der aller Welt (!) zugute kommt, immer wieder verurteilt wird. Für die eine Seite mag es gut sein, einen Sündenbock zu haben, um sich selbst zu entlasten, für die andere Seite – Israel – sehr frustrierend und deprimierend. Wie gut, dass die Juden sich nicht unterkriegen lassen!

Das Video zeigt Menschen, die von überall her Israel Mut zusprechen. Es mag sein, dass das nicht der überwiegende Teil der Menschheit ist, aber es gibt sie noch, die Unermüdlichen und Treuen! Danke!

Ich reihe mich gern mit ein, auch wenn ich nicht auf dem Video zu sehen bin. Vielleicht tun das ja einige meiner Leser auch! :-) Das wäre (s.o.) wunderschön!

 

Mein Herz tanzt in Jerusalem

Ein besonderer Gruß nach Jerusalem, wo zurzeit viele Herzen tanzen (ich hoffe auch anderswo im Land!) und zumindest einige davon sich Großartiges vornehmen! Vorsätze für “neue Wege” sind immer gut, vor allem dann, wenn man bereit ist zu investieren, um sie in die Tat umzusetzen!

Lass(t) Taten sprechen!

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Aufmerksame Beobachter dessen, was die Juden in Deutschland betrifft, stellen fest: Die Antisemitismus-Debatte in Deutschland läuft darauf hinaus, dass oft selbst die ärgsten antisemitischen Ausfälle unter “Israel-Kritik“ verbucht werden. Kritik ist im Kern gut, ja, sogar wünschenswert. Wie kann man gegen eine sachliche Auseinandersetzung Einwände hegen? “Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben“, schreibt Wikipedia. Wenn es um Israel geht, scheinen alle Maßstäbe verloren gegangen zu sein bzw. stehen im Begriff verloren zu gehen. Wie sonst kommt es zu Vergleichen wie “Gaza ist ein Lager“ oder “Die Israelis machen mit den Palästinensern das, was die Deutschen unter Hitler …“. Wie sonst kommt es zu einem derartigen Anstieg von Hassmails an die Botschaft des Staates Israel, dass ihre Social-Media-Abteilung das ganze Wochenende damit beschäftigt ist, die Delete-Taste zu drücken. Wie sonst kommt es zu völligen antisemitischen Ausfällen auf propalästinensischen (eher wohl anti-israelischen) Demonstrationen? Das Internet ist voll von Videos solcher Demonstrationen, die angeblich für den Frieden stattfinden, aber nur Hass und Feindschaft schüren. Jeder kann sich im Internet eine Unmenge davon ansehen und sich davon überzeugen, dass es kein Maß (mehr) gibt, Hauptsache, es geht gegen Israel. Keine einzige dieser anti-israelischen Demonstrationen zog pro-israelische Demonstrationen nach sich, jedenfalls keine, die von Nichtjuden organisiert worden wäre. (Sollte ich mich täuschen – ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen!)

Am Sonntag nun wurde demonstriert – für Israel, in Berlin, am Brandenburger Tor! Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Demonstration organisiert und lange im Vorfeld Menschen dazu eingeladen, sich gegen Judenhass zu stellen. “Steh auf! Nie wieder Judenhass!“ – so lautete dann auch das Motto der Kundgebung.

Wie viele würden dieser Aufforderung folgen? Der während des Gazakrieges mehr als offensichtlich gewordene Judenhass hatte jedes Maß des Erträglichen überschritten. Unerträglich die auf antiisraelischen Demonstrationen skandierten und voller Hass auf Juden durchsetzten Parolen, denen nicht Einhalt geboten wurde, im Gegenteil, die Polilzei schaute tatenlos zu oder – wie in Frankfurt/M und Hagen geschehen – spielte noch Handlanger der antiisraelischen Demonstranten, die dadurch ihre unerträglichen judenfeindlichen Parolen lautsprecherverstärkt durch die Stadt schallen lassen konnten.

“Steh auf! Nie wieder Judenhass!“ – “Stehen in Deutschland nur die Juden auf?“, so fragte ich mich unwillkürlich nach Schluss der Veranstaltung. Vertreter jüdischer Gemeinden aus ganz Deutschland (u.a. auch Charlotte Knobloch und Michel Friedman) waren extra zu diesem Ereignis angereist, aber wo waren – außer den Medienvertretern und offiziellen Vertretern von Kirche und Bundestag (die Bundeskanzlerin Angela Merkel war als Hauptrednerin angekündigt) – die nichtjüdischen Deutschen? So titelte denn auch eine Mitbloggerin: “Deutschland, kein Aufstand, nirgends“! … Es half auch nichts, dass der Moderator Cherno Jobatey mehrmals seine Freude über die vielen anwesenden Menschen zum Ausdruck brachte, die Anzahl der Demonstranten erhöhte sich dadurch nicht – leider! Offizielle Angaben zur Teilnehmerzahl: Die Polizei beziffert die Anzahl der Teilnehmer auf 4000, hier geht man von 3000 Teilnehmern aus. Wie viele es wirklich waren? Die mindestens doppelte Anzahl wäre wünschenswert gewesen und hätte ein deutlicheres Zeichen setzen können. Der Zentralrat der Juden geht von einer Teilnehmerzahl von 8000 aus, aber bei dieser Angabe war wohl eher der Wunsch nach einer hohen Beteiligung Vater des Gedankens. Merkwürdig finde ich, dass die Nachrichtensender immer von “Tausenden von Demonstranten” berichteten, ohne diese Zahl näher zu spezifizieren. Verschleierungstaktik?

Das, was von offiziellen Vertretern von Politik und Kirche gesagt wurde (Merkel ausgenommen), ist weitestgehend nicht erwähnenswert. Das Wenigste ging über Plattitüden und abgedroschene Floskeln und immer wiederkehrende “Mantras“ hinaus – so meinte z.B. der Vertreter der Evangelischen Kirche Nikolaus Schneider, die “Siedlungen“ nicht unerwähnt lassen zu dürfen. Zugute halten muss man ihm, dass er auf der anderen Seite den Missbrauch von Menschen als Schutzschilde der Hamas nicht unerwähnt ließ. …

Merkel hielt eine starke Rede. Sie betonte, dass jüdisches Leben zu Deutschland gehöre, es sei “Teil unserer Identität und Kultur“. Sie verurteilte “im Namen der ganzen Bundesregierung […] jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste“.

“Ich weise alle antisemitischen Äußerungen und Übergriffe entschieden zurück, nicht zuletzt jene, die jüngst auf pro-palästinensischen Demonstrationen als vermeintliche Kritik an der Politik des Staates Israel daherkam, tatsächlich aber einzig und allein Ausdruck des Hasses auf jüdische Menschen waren.“

Abschließend meinte sie:

Mit dieser Kundgebung setzen wir gemeinsam ein wichtiges Zeichen. Ein Zeichen gegen Antisemitismus, gegen Extremismus und gegen Menschenfeindlichkeit. Wir setzen ein Zeichen für Respekt, Respekt vor dem Glauben und der Kultur des jeweils anderen, sei er Jude, Muslim oder Christ, ein Zeichen für ein friedliches und gedeihliches Miteinander in unserem Land. Das ist unsere Botschaft. Ich wünsche mir, dass sie in die Mitte unserer Gesellschaft hinein und in die Welt hinaus wirkt.

Der Vorsitzende des jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, ebenfalls angereist, ebenfalls Redner auf der Demonstration, zeigte sich höchstzufrieden. Er habe “noch nie so viele wichtige Führer eines Landes auf einmal gesehen“ und sprach von einem “eindrucksvollen Zeichen“, das “sicher auch von den Medien ins ganze Land verbreitet“ werde.

Fazit: Die Demonstration ein voller Erfolg?

Es bleiben Fragen. Jedes Reden wird erst durch entsprechendes Handeln glaubwürdig. Was nützt die tollste Rede, wenn nicht Taten folgen? “Nur keine Eile“ kann nicht das Motto sein. Die Zeit drängt. Warum ist in den ganzen vergangenen Jahren wenig bis nichts passiert? Alles nur “Leeres Versprechen“? Wenn den Reden nicht Taten folgen, wird alles zur Farce. In der Jerusalem Post ist mit Datum vom 15. September ein interessanter Artikel erschienen. “Analysis: In Germany a gap between ‘Never Again-Jew-Hatred’ and real action“. Benjamin Weinthal geht darin der Frage nach, warum in Deutschland eine so große Diskrepanz bestehe zwischen den öffentlichen Reden gegen Antisemitismus und den Handlungen vor Ort und wie diese Kluft verringert werden könne.

Fakt bleibt: Deutschland hat ein Antisemitismus-Problem, und das nicht erst seit dem letzten Gaza-Krieg. Der hat nur dazu verholfen, dass das Problem nicht mehr “ad acta“ gelegt werden kann. “Ich denke, die [anti-israelischen] Demonstrationen der vergangenen Wochen haben sehr offensichtlich gemacht, was viele Menschen bezweifelten, nämlich, dass es ein Antisemitismus-Problem gibt und es ist ein besonderes Problem in muslimischen Kreisen“, so Deidre Berger, Vorsitzende des AJC, zu Anfang des Videos, das ein erschreckendes Ausmaß an Judenhass zum Ausdruck bringt.

Auf der Demonstration war von muslimischem Judenhass nicht die Rede. Warum nicht? Weil das zu viel Wirbel ausgelöst hätte? Er ist Fakt. Fakt ist, dass der überwiegende Teil der Anti-Israel-verstörenden-Parolen von hier ansässigen Muslimen kommt. Judenhass muss da bekämpft werden, wo er auftaucht, egal von welcher Seite er kommt.

Ich wehre mich zunehmend gegen den Begriff “Antisemitismus“. Antisemitismus “verschwindet“ unter dem Deckmantel der “Israelkritik“ und findet seine Rechtfertigung in der “freien Meinungsäußerung“. Wie verlogen das ist, darüber möge jeder selbst befinden. Ich bevorzuge die Bezeichnung “Judenhass“. Ein Abtauchen ist dann nicht mehr möglich. Insofern ist das Motto “Nie wieder Judenhass“ genau richtig gewählt.

Die Demonstration in Berlin hinterlässt bei mir dennoch einen faden Beigeschmack. Warum waren es die Juden, die das Ganze organisierten? Warum kamen wir nicht “in die Pötte“? Sind wir schon so bequem geworden, dass uns bereits das Aufstehen schwer fällt? Warum schweigen wir? Warum hängen wir uns zwar an, aber werden nicht von uns aus aktiv?

Mehr denn je gilt es jetzt, dem Motto der Demonstration “Steh auf!“ zu folgen, wenn wir nicht wollen, dass unsere Stimme zum Verstummen gebracht wird oder dass sie von vielen anderen Juden-hassenden-Stimmen überlagert wird. Wollen wir uns Gehör verschaffen, dann wird es Zeit – jetzt! Nicht morgen, und übermorgen erst recht nicht! Jetzt ist es Zeit zu handeln!

Besser nichts

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DAS GERINGERE ÜBEL

An wahren Freunden oft gebricht’s.
Drum sagt man: Besser dies als nichts.
Doch ich werd lieber schirmlos naß
und sage: Besser nichts als das.

Mascha Kaléko

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In:

Mascha Kaléko, In meinen Träumen läutet es Sturm, dtv,  25. Auflage April 2006, S. 157