Europäische Heuchelei auf höchstem Niveau

Diese Meinung vertritt Michael Freund, u.a. Korrespondent bei der Jerusalem Post, in dem nachfolgenden von mir übersetzten Artikel “From Gaza to Catalonia: Europe’s insufferable hypocrisy” [Von Gaza nach Katalonien: Europas unerträgliche Heuchelei]. (Am Rande bemerkt, er hat auch eine lesenswerte Homepage, die es zu “entdecken” lohnt. Sie hat nur einen Wermutstropfen: Sie existiert nicht auf Deutsch!)

Anlass von Freunds Artikel war der Besuch der neuen EU-Außenbeauftragten Mogherini in Israel und den Palästinensergebieten vor nunmehr vierzehn Tagen. Es war Mogherinis erster offizieller Besuch außerhalb der EU. Mit dem ersten Staatsbesuch in einer neuen Funktion setzt man immer ein Signal, und so hieß es denn auch in einer Mitteilung der Europäischen Union, Mogherinis “Besuch in der Region [...] unterstreiche die hohe Priorität, die die Europäische Union der Beilegung des Nahostkonflikts beimesse“. Diese “Zeichensetzung” in Addition mit den Erklärungen Mogherinis war überaus deutlich und machte vor allem klar, dass der bereits von Catherine Ashton eingeschlagene Weg noch entschlossener und verbissener fortgesetzt werden soll. Wer auf einen Kurswechsel zugunsten einer fairen Auseinandersetzung mit Israel gehofft hatte, sieht sich von der “Hoffnungsträgerin” enttäuscht.

Auch das Massaker in einer Jerusalemer Synagoge – der jüngste brutale Ausdruck abgrundtiefsten Hasses auf unschuldige Menschen, auf zu ihrem G’tt betende Juden – hat keine Veränderung an der Haltung der EU gebracht! … Wer angesichts einer solchen Gräueltat nicht wach wird, nicht einmal ein Überdenken, Umdenken, Neu-Denken in Erwägung zieht, der macht es so wie die EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini, der anlässlich dieses Terroraktes anscheinend nichts weiter einfällt, als beide Seiten (!!!) zur Zurückhaltung und zur Rückkehr zu Friedensgesprächen aufzurufen. Sie sagte: “Der Mangel an Fortschritten auf dem Weg zu einer Zweistaaten-Lösung führt automatisch zur nächsten Runde der Gewalt.“ “Die Zweistaatenlösung ist tot“, schreibt Henryk M. Broder in der Welt.  Dass die Zweistaatenlösung keine Option (mehr) ist und neu überdacht werden sollte, wird nicht nur von Mogherini, sondern auch von den meisten anderen Politikern außer Betracht gelassen.

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Doch nun zur Stellungnahme von Michael Freund zu dem Besuch Mogherinis in Israel:

From Gaza to Catalonia: Europe’s insufferable hypocrisy (Quelle)

von Michael Freund

Übersetzung: faehrtensuche. Mit freundlicher Genehmigung.

Von Gaza bis Katalonien: Europas unerträgliche Heuchelei

Am vergangenen Samstag [08.11.2014] stellte die EU-Außenpolitik-Chefin Frederica Mogherini einen Weltrekord in diplomatischer Doppelzüngigkeit und Eile auf. Knapp sieben Tage nach der Übernahme ihres neuen Postens beeilte sich die frühere italienische Außenministerin, dem Gazastreifen und Ramallah einen Besuch abzustatten, bei dem sie es schaffte, zur Teilung Jerusalems aufzurufen, den Wohnungsbau für Juden in Judäa und Samaria anzuprangern und auf die Gründung eines palästinensischen Staates zu pochen.

Sie bot das ganze moralische Wutgeheul auf, das europäische Diplomaten so gern haben, und zögerte nicht, Israel zu belehren, als wüsste sie besser als der jüdische Staat, was seine eigenen nationalen Interessen sein könnten. Tote Syrer mögen die Straßen von Aleppo übersäen, während der Islamische Staat damit beschäftigt ist, Kurden und Christen im Irak zu enthaupten und saudische Frauen dafür kämpfen könnten, Auto fahren zu dürfen, aber Mogherini scheint eine eingleisige Gesinnung zu haben, wenn es um den Nahen Osten geht. Und die dreht sich nur um Israel.

Das ist europäische Heuchelei auf höchstem Niveau. Sie ist widerlich in ihrem Umfang und Ausmaß. Und es ist an der Zeit für sie aufzuhören.

Als der Kontinent, der in den vergangenen 2000 Jahren mehr jüdisches Blut vergossen hat als jeder andere, hat Europa eine besondere Verantwortung und eine moralische Verpflichtung, Israel zu unterstützen.

Ja, das ist gerecht. Sie lesen das richtig: Europa schuldet Israel das.

Sie haben dem jüdischen Volk gegenüber eine ewige Schuld zu begleichen für Metzeleien, Massaker, Ritualmordlegenden, Antisemitismus, Zwangsbekehrungen, Vertreibungen, Kreuzzüge und Inquisitionen, die sie unseren Vorfahren über zwei Jahrtausende zugefügt haben.

Dies alles mag für Mogherini und ihre Kollegen, die wahrscheinlich nicht sehen, was das mit dem Druck auf Israel zu tun hat, einen palästinensischen Staat zu schaffen, klingen wie antike Geschichte. Also nur für den Fall der Fälle, lassen Sie uns ein neueres Beispiel europäischer Heuchelei hervorheben, eines, das näher an der Heimat liegt und in Europas eigenem Hinterhof zu finden ist: Katalonien.

Am vergangenen Sonntag [09.11.2014] stießen Millionen von Männern und Frauen in der nordöstlichen spanischen Region einen historischen Schrei nach Freiheit aus. Drückenden Drohungen und Einschüchterungen von Madrid tapfer Paroli bietend, nahmen rund zwei Millionen Katalanen an einem Volksentscheid über die Unabhängigkeit teil und übten friedlich ihr grundlegendes Menschenrecht aus, für ihre eigene Zukunft zu entscheiden.

Und die Ergebnisse waren zielführend. Über 80 Prozent der Wähler unterstützten Kataloniens Unabhängigkeit von Spanien und forderten den katalanischen Führer Artur Mas auf zu erklären, die Stimmzettel hätten “es sehr deutlich gemacht, dass wir uns selbst regieren wollen.”

“Wir verdienen es, in einem rechtlichen und verbindlichen Volksentscheid zu wählen”, sagte Mas und fügte hinzu, “und das ist das, was wir tun werden.”

Seltsamerweise scheint jedoch der Schrei der Katalanen nach Unabhängigkeit auf nicht so großes Interesse im restlichen Europa zu stoßen wie der der Palästinenser, obgleich Erstere ein viel besseres Argument für ihren eigenen Staat haben.

Zunächst, es gab dort einmal einen katalanischen Staat, wenn auch nur kurz, im 17. Jahrhundert, während es in der ganzen Geschichte nie ein unabhängiges Palästina gegeben hat. Auch wenn man glaubt, die Palästinenser lebten seit 1967 unter Besatzung, hat Spanien Katalonien seit 300 Jahren besetzt und daraus einen länger anhaltenden Streit gemacht, und verzögertes Recht ist verweigertes Recht.

Und während die Katalanen berechtigterweise behaupten können, eine Nation mit ihrer ganz eigenen Sprache und Kultur zu sein, können das die palästinensischen Araber nicht. Gleichwohl scheint dies Europa nicht im Geringsten zu stören, da es den katalanischen Fall für eine Staatlichkeit völlig ignoriert während es sich für den der Palästinenser einsetzt.

Eine zusätzliche Ironie ist es, dass das spanische Parlament in Madrid – dasselbe, das Katalonien keine Freiheit zugesteht – eine Wahl ansetzt zur Anerkennung Palästinas als unabhängiges Land.

Das gilt nur, um zu beweisen, dass – wenn es um Israel geht – die Politik Spaniens darauf hinausläuft “tu, was wir sagen, nicht, wie wir es tun.“

Ich würde gern glauben, dass der neue europäische Anstoß, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, von Naivität herrührt, von irgendeiner fehlgeleiteten Überzeugung, dieses Vorgehen mindere irgendwie die Bedrohung durch islamischen Extremismus. Oder dass sie vielleicht einfach in Unwissenheit schwelgen und wahrhaftig glauben, die Palästinenser seien die benachteiligte Partei im Konflikt mit Israel.

Aber ich weiß es besser – und ich hoffe, Sie wissen das auch. Die Heuchelei ist so ungeheuerlich und so offenkundig, dass sie nicht ignoriert werden kann und nicht ignoriert werden darf.

Leider ist das, was wir jetzt erleben, kaum mehr als eine Fortsetzung der europäischen Misshandlung der Juden, allerdings mit einem neuen Dreh. Schließlich haben die Europäer 2000 Jahre lang den Juden gesagt, abzureisen und nach Israel zu gehen. Jetzt, wo wir endlich hier sind, erwarten sie von uns, dass wir es aufgeben und an unsere Feinde übergeben.

Und doch, wenn es um einen langdauernden Streit im Herzen Europas geht, haben sie nicht einmal daran gedacht, eine Teilung Barcelonas oder die Schaffung eines katalonischen Staates vorzuschlagen, der Seite an Seite mit Spanien in Frieden und Sicherheit lebt.

So ist es vielleicht an der Zeit für jemanden, Mogherini beiseite zu nehmen und ihr höflich ins Ohr zu flüstern: Bevor Sie anfangen, Israel ungebetene Ratschläge zu erteilen, sollten Sie ihr eigenes heuchlerisches Haus in Ordnung bringen.

Nach dem Massaker gestern …

… macht sich Ulrich W. Sahm Gedanken über den “Terror in Jerusalem und seine möglichen Folgen“, zu finden auf der Achse.

Unverständlich:

“Die meisten Anschläge in Jerusalem werden von Arabern verübt, die nach eigenen Angaben privilegiert sind. Sie finden gut bezahlte Arbeit in Israel und können alle Vorzüge in Anspruch nehmen, die israelischen Bürgern zustehen: Krankenversicherung, soziale Absicherung, Altersversorgung und mehr.“

An diesen Passus aus Sahms Artikel schließen sich fast nahtlos die Ausführungen von Beer7 an, die sich mit der “Benachteiligung von arabischen Israelis bei der Arbeitssuche“ befasst. Wer wissen möchte, was es mit der “Benachteiligung” wirklich auf sich hat, kann bei Beer7 interessante Details erfahren.

Bedenkenswert:

“Für einen potentiellen Arbeitgeber sieht die Situation doch so aus: Er weiss nicht, ob er einen potentiellen Terroristen einstellen wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann er aber davon ausgehen, dass arabische Angestellte allzu schnell anti-israelische Verschwörungstheorien aufsitzen und die Arbeit unterbrechen.“

Zwei MUST READs!

Wer kennt sie – die jüdische Flagge von Palästina – 1939?

Wenn man ein bisschen stöbert, stößt man manchmal auf interessante Beiträge. Soeben konnte ich voller Staunen eine mir bisher unbekannte Flagge bewundern! Natürlich möchte ich meine Freude über die Entdeckung mit meinen LeserInnen teilen! :-)

Hier also ist sie – die Jüdische Flagge von 1939!

Die jüdische Flagge von Palästina - 1939

Nähere Informationen dazu gibt es bei United with Israel unter: http://unitedwithisrael.org/the-jewish-flag-of-palestine-1939/